Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 20 (17.5.1906)
- Date
- 1906-05-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1 Der Israelif J Bm Ein Centratorgan für das orthodoxe Judentum U(]SiI 11)1 Eegrflodet 00b Dr. Lehmann in Mai« Ul 15 Mm 19CI5 47. Aahrgan^. jjf r nn h 1111־ t a. M., den H 40. Der Israel» erscheint jeden Donnerstag. Abonnements: Gewöhnliche Ausgabe Lik. l.50 vierteljährlich. Heflausgabe aus »unstdrnckpapier Lik U. vieneliahrlich. ,Auslands preise für die gew. Ausgabe: Oesterreich 2 Kr., Rußland 1 link., England 2 sh, Ainerlka 50 cts, Niederlande 1,20 d.) Abonneinenl» bet aUeu Postanstaltc», Buchhaudlungen, sowie direkt bei der Expedition, Heftausgabe nur direkt. Inserate: :10 Pfennige für die sechsgespallene Eolonel Zeile; Rabatt nach iarif. Inseralenaiiiiabiiie nur durch _ Haasenstein 4 Bögler 21.« 01. in Frankfurt a. Li. und deren Iiliale». Wegen de» bürgerlichen feiertags erscheint die nächste Ruinmer am Ireitag. Der ״Ucrband der dein eben luden" und die Orthodoxie. K. I‘>. Berlin, l.\ 'Jjiai. 'JJian mag über die von uns in 'Jfr. 1s ds. Bl. gekennzeichnelc Eingabe des ״Verbandes der teuischen Juden" wie immer denken: ein Lob darf ihr nicht rorenthalien iverdtn. das nämlich, das; ne über die Stellung des ״Verbandes" zu der Octhodorie endlich diejenige Klarheit verbreitet hat, die im Interene der politischen Ehrlichkeit schon längst zu erstreben war. xüc uns bedurfte es dieser Klarstellung nun aller dings nicht eben gar zu sehr. Es sind ja dieselben Persönlichkeiten, die im ,/Verbände" wie in der Ver Wallung der hiesigen jüdischen Gemeinde das mai: gebende Urteil und die tatsächliche Leitung besitzen, und welche Gesinnung gegen die Orthodoxen in den Bureaus der Berliner Gemeinde herrscht, darüber sollte füglich in unseren hl reisen niemand mehr im Zweifel verharren können. Noch immer wird kein »Hörer des Berliner Seminars zur Bewerbung um eine Prcdigerstelle bei den an den Iomim hanauroim eingerichteten Rebengottesdiensten zugelassen, die vielmehr der »Hochschule und dem Breslauer Seminar corbehalten bleiben; noch immer wird den Hörern des Berliner Seminars die Anstellung an den Rcligronsschulen der Berliner Gemeinde vorent halten, die dafür den ärgsten ביס־ים בדר,־ mit glösttec ״Liberalität" geöffnet werden; die ״Affäre Wohlgemuth" spricht Bände: und diese Beispiele schroffster Intoleranz gegen alles, was mit der Orlhodoxie zusammenhängt, lasten sich §us len Erlebnisten Tages um Tages ins Wahllose vermehren. Dasgleich wohl di; »Herren von sich die gute Meinung haben. alS könnten sie das wohlgerütteltc Mast von unve-söhnliebem Haste gegen die böse Orthodoxie, das sie in ihrer Eigenschaft als Gemeindeleiter gern prä'tieren. als Iiikrer des ״Verbandes" vollständig aus ihrem Herzen reisten, gleichsam durch eine innere Sekretion sich selbst neutralisieren, macht ihrem Empfindungsleben mehr Ehre, als ihrer Menschenkenntnis. W׳r Nersjigten über diese Unverdorbenkeit des Gemüts nicht einmal, bevor ivir von jener Eingabe Kennt nis erlangten, und daher konnte ne uns keine neue Erkenntnis lehren. Desto wichtiger ist diese Erkenntnis Uir unsere Gesinnungsgenosten drausien im Lande, die die Personen und Dinge nicht so aus der Nähe wie wir kennen und der Gefahr einer Täuschung daher mehr als wir unterworfen sind. Sie mögen es wisten und beherzigen, dast der ״Verband" es kür gngezeiat gehalten hat. in einer offiziellen Kundgebung und Erkiärnng, die an das Prenstische Parlament gerichke: rvurde, die Erijtcnr einer orthokoren ״Partei" a'׳ gcselxn von seinen berühmt gewordenen ״abge'plinei tcn" drei Austrittsgemeinden für Preusten einfach zn negieren. Das must, eniaegen uniaualichen Ver suchen, die jetzt, nachdem die ,CettentlicHteit n* oer Sache beinächligt, gemach: werden, um die beaici'Iichc Erregung und Empörung in orrhodoren Kreisen zu beschwichtigen, mit aller Entschiedenheit betont tverden: der mit den inneren j ü d i s ch e n Verhältnissen r, i ch t Vertraute und das sind doch wohl die Mitglieder des Preast isckcn Abgeordnetenhauses k a n 1׳ ans der Eingabe gar nichts anders ent nehmen, als dast gegenüber den drei Au s t r i t t 4 g e m e i n d e n sä m t l i ch e an deren jüdischen Gemeinden P r e u st e n 2 eine geschlossene Einheit repräsen ticren, innerhalb deren keinerlei Differenzen über die Irage, was jüdische Religion sei, entstehen und b e st e b e n. Das lehrt nickt nur der Wortlaut — der in Verbundsbenunciationen nickt ganz ׳eklen nach träglich rektifiziert zu iverden pflegt sondern das lekn mit nickt hinwea zu interpretierender Klarheit Zusammenhang und Sinn der Worte. Es sollen ja — das ist das Isie-ma z101׳»an׳im» — die Bedenken bei Leite geschoben werden, die seitens des Regierungsvertrelers erhoben wurden, als wüstte der Staat garnicht, was jüdische Religion sei. Demgegenüber wird in der Eingabe gesagt, dast diese sfrage zu Recht garnicht gestellt iverden könne: jüdische Religion sei das, iva? der ״zuständige" »S« ineindevorstand dafür erklärt! Einfach und bündig' Es gäbe ja allerdings einige Eioenbrödler. die anderer Meinung sind, nämlich dir ״abaesplitterten" Gemeinden in Berlin, Frankfurt und Wiesbaden: aber deren Mitglieder zahl wäre verschwindend ge ring und rechtfertigte ihre Behandlung als Sekte: inmima non eurad!׳rnodor! Das ist der unzwei denlsize Sinn der Worte, wie jeder unserer Le'er an der Hand des in Rr. 18 abqedruckten bezüglichen Pastus festzustkllen vermag. Also wohlgemerkt: e» wird nicht gesagt, dast in Cdemeinden, wo etwa die Orthodoxie die Verwaltung beherrscht, diese zu be stimmen hat, was jüdische Religion sei: denn Härte der Verband diese Möglichkeit auch nur ins Auge ge fast:, so brdiilfie -'s der wegwerfende״ '«,merknna über die ״abgesplitterten" Gemeinden ja nickt׳ es er gab sich alsdann nur folgerichtig, dast in diesen nach der Meinung des Verbandes — ihre Vorstände Wesen und Art der jüdischen Religion zu bestimmen haben. ״Rein," scgt der Vcrband. ״im Verhältnis zu den nickt abgesplikterten ist die -Zahl der Orrhodoren so geringfügig, dast solche Exemplare nur in drei Städten noch anzutressen und ihre Eristenz von unserem erleuchte'en Geseyaebertalent nickt in Be krackt zu ziehen ist. Jüdische Religion, höre Regierung' ist in Preusten,!״as der Berliner i'demeinde Vorstand dafür erklärt'" Basta! Haben Worte überhaupt noch einen Sinn, so kann nian doch ivohl, ohne ihnen nnerträglihe 0>ewalt anzuiun, keinen anderen als den gefundenen aus übnen heransleien. War es also zuviel behauptet, dast die Eingabe die jiidiiche׳ Orthodorie in Preusten als (|11antite 11t*nigeal׳le behandelt, die nicht ein mal das Recht, in Betracht gezogen, geschweige denn den begründeten ''lnsprnck, beliieksichrigt zu!׳.׳erden, gellend machen darf! Von der dewustt beleidigenden Art ganz zu schweigen, mit der man die Austritts gemeinden, in denen die orrhodore Partei dock wahr lick, mekr als adgesplitterte Sektiererkon״enlikel er blickt, in denen sie vor allem das teure Erbe und V׳r mächinis ihrer besten Männer und Führer oeiehrt, zu behandeln sich gestattet' Hätte cs, um die Herren zu belehren, einen Fweck. ste auf Breslau hinzuweisen. >00 gleichberechtigt neben der neologen eine orthodvre Gemeinde besteht, auf Irantsurt, wo innerhalb der (Gemeinde und auster der Austrittsgemeinde die orthodvre Partei ihre oEi zielle Beilrctuiig hat: aus Altona, wo die ausge spioihensten Reformer es als nobil? olkwinin be trachten weiste Raben! tie Gemkindenerwaltung in ortbodorem Geiste zu führen: aist Poken aus Hulda, auf Marburg und so viele andere Gemeinden die es beweisen, dast die Orthodorie jg Preusten nicht nur noch lebt, sondern, dast sie noch immer und mit Gottes Hilfe s ü r immer ein Hattor ist. mit dem jeder zu rechnrn hat. der in jüdischen Dingen -raten und taten will!! Entweder dir Herren vom Berdand wustlen von dieser Sachlage nichts, dann sollten sie die Leitung von Aktionen, welche die ganze deutsche Iudenbeit engagierte bescheiden klick Be rufeneren überlasten. Oder sie haben d,rrum gewusti, bann reicht das schärfste Nrteilsmort nur gerade hin. ihr 'Verhalten gebührend zu kennzeichnen! So oder so momnu^o juval'. Dir weitesten Kreise der Orthodorie werden es nunmehr hoffen! lick, misten, was ne von dem Verbände zu erhoffen. n׳as sie. geht es nach ihm. zu gewärtigen hasten. Die Klarheit geschaffen zu haben, dieses Verdienst soll de; Eingast; de? Verhc>ndeS niemand streitig machen. - %I!SII 'Ml 'Jll ■r■ -• -r - — - Die Ausweisungen uor dem Abgeordnetenkaus. Die Ausweisungen rustischer Bürger ans Berlin sind nun auch im vreustiscken Abgeordnetenhaus zur Spracke aekvmmen. Die beiden sreisinnigcn Parteien hatten wegen dieser Sacke eine Iutervellation an die