Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 19 (10.5.1906)
- Date
- 1906-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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£rzie(;(jmj und Lei? ,Dsraelif Bund und verband. IV. Herr Dr. Gähn hatte in seiner früher erwähnten Rede zur Bildung eines Verbandes der gesetzestreuen ^ebrer Deutschlands aufgefordert: in Uran!- furt a. M. hatte sich zu diesem Zwecke eine Kommissicu gebildet, der sowohl Angehörige des Lehrkörper» der israelitischen Realschule, als auch der Volksschule beitraten und während des ganzen Somme-rs lG»4 fanden Verhandlungen nach dieser Richtung hin statt. Da geschah etwas völlig Nnerwanetes. Aus Antrag und auf Grund eines Referats seines Vor sitzenden trat die Vereinigung israelitischer Rcligionslehrer und Lehrerinnen in frankfurt a. M. in den Verband ein. und zwar aus einstimmigen Be schloß der anivesenden Nc>tgl>cder. Das tvar ein geradezu glänzendes Vertrauensvotum, das hier den Leitern des Verbands ausgesprochen wurde i.nd sie haben den Veschlusz auch als solchen aufge saßt. Gr bedeutete aber auch eine entschiedene A b - sage an uns, die wir sieben Jahre zuvor aus un serem Landesocrein ausgetreten waren, um nickt für den Verband gepreßt zu werden und wir haben ihn auch als solche anfgrfaßt. Denn das eine sieht fest: war das Vorgehen des frankfurter Lebrervereins nach allem Vorgesallenen berechtigt, dann war unser ^?!ü2tTiit?!r.f ^rircditöi j rr!3r?n tr!r c!b?r im n.it welchem Ausdruck kann man dann den Beschluß, der frankfurter Herrn bezeichnen? Steinhardt har ibn in der ersten freude ״eine Tal im ernsien Augen blick" genannt und eine verhängnisvolle dazu, müffen wir hinzusügen, denn sie bat nickt nur die Position der gesetzestreuen Lehrer innerhalb des Verbands, die den Kampf gegen das Grpos׳- au»gen-1mn>cn batten, erheblich geschwächt, sondern den Gegner direkt gekrästigt und ermutigt, zugleich aber gezeigt, wie tief die Gegensätze innerhalb des gesetzestreuen Lager; sind für uns freilich, die wir bisher den gesetzt» treuen Mitgliedern des frankfurter Vereins nahe aesianden. >״ar die .,Tal" nichts weniger als verhängnisvoll: sie hat im Gegenteil wesentlich dazu leigetragen, uns zum Ausharren auf dem einge schlagenen Wege zu ermutigen. Das erlvähntc Referat erschien nämlich auszugsweise im Ver bavdsorgan und es zeigte klar und deutlich, daß ic Kollegen in kl ichönen Mainsiadt nick: Nit. UN i'.berlegt und voreilig selbst von ihrem Dland Punkt aus gehandelt, als sie ״in einem ernsten Augenblick" beitratrn, tondcrn daß ne diesen Darin al'ch in einer Weiie motiviert baden, die den euer gischen Protcsi eines!eben aesetzestreucn Manne; transsordrrn muß. Wa-׳ soll man beispielsweise ru der folgenden Leistung sagen: ״Das Reserat schloß mir der einrringlichen AussorIrrung, eingedenk des altiüdischcn Grundsatzes ״sondere dich nicht ab von der Gemeinde" unter Hintansetzung klein licher und versönliä>er Momente aus voller lieber reugung und mit sreudiaem Herzen einsiimmig den. Antrag anzunehwen." Delbst dem wütendsten Reformer ist es in seinen tühnsten Träumen bisher nicht eingefallen, den?an. n-2^-7! שן r־cr אי dahin auszulegen. daß man einem beliebigen Verband bei treten müsse: dem Vorsitzenden des frankfurter Vereins blieb das Vorbehalten. Gr mag die licht vollen Ausführungen des Herrn Professor Dr. Berliner in Nr. 11 u. 15 dieser Blätter Nachlesen und sich die Konsequenzen seiner Theorie einmal klar machen. Gr bekürworlete den Anschluß aber auch noch 3״. in anbctracht der Bedenken einzelner Mitglieder wegen der äußeren Organisation und besonders wegen des in den letzten Monaten vor der Deffen.ilichteit zum Austrage gebrachten inneren Streites; denn >m religiöse Befürchtungen habe, oder Mißstände kenne, müsse in ersier Linie beitreten, um solche tatkräftig für immer beseitigen zu helfen." Also, nur einzelne Mitglieder, zu denen augenscheinlich der Referent nickt gebürt, haben Bedenken wegen der äußeren Organisation und wegen des inneren Streites! Selbst Herr Direktor Adler hätte die Differenzpunkte nickt zarter andeuten können. Wenn es fick nur um solche Bagatellen handelte, da stand einem Beitritt wirklich nichts im Wege. Dann haben Dr. Gähn und der ihm .,Schlepperdienste" leistende Herr Rektor Dr. Hosmann die schweren Vorwürfe verdient, die sie von ihren Gegnern erfahren. Tann war die Gründling eines Verbands gesetzestreucr Lebrcr ein recht unnützes Beginnen, wenn nicht gar etwas!veit Schlimmeres. Wir könnten ja dem Referenten noch eine ganze Reihe von Verbänden nennen, in. denen Mißsiände herrschen und die zu religiösen Besürcktunaen Anlaß, geben: nach seiner ebenso über laschenden als gcisireichen Theorie müßte er auch hier beitreten. Ginitweilen wollen wir aber einmal ver folgen, ob die Zerren, die so siolz aus ihre .,Leibung» säbigkeit" sind, die in ihrer Mitte ״eine ganze Anzahl tbcologisclier Mitglieder und produktiver Pädagogen" haben, von franksurt, ״einer Zentrale der deutschen Juden.heit und einer Hochburg des Judentums aus", wirklich tatkräslig dazu beigctragen baden, in dem Lebrerverbande religiöse Befürchtungen und Miß siände zu beseitiaen. Und da können wir ickon heute konstü!irl(N, daß sie genau so untätig waren, wie die große Mebrzabl der deutschen Lehrervereine und daß sic gerade ini entscheidenden Augenblick, aus der Tagung in Gassel, schmählich versaot lxiben. Allen voran aber ibr Präsident' D, er isi sebr klug, der Herr Direktor Adler und gar nickt ehrgeizig: er wußte wobt, ivarum er den Vorsitz ei״em mtbodorcn Lebrer überließ. Aimlnn. sie ütn kitlMMimtmil!» in kn ist. cdiiltn Des Mtnddinnts?niMl ll. chnlwonen von I. Lebermautr-Tarmnadl. Vorbemerkung der S ck r i s t l e i t u n g. Die Provinzialkonscrcn; des unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer im Groß.berzogtum Hessen, die am 2d. Januar d. I. in Darmstadt tagie. hat die Veröffentlichung des nachfolgenden Lehrplanbeschlossen, um den Kollegen die Möglichkeit zu ge währen, sich zu den einzelnen Punkten zu äußern und so eine eingehende Debatte zu ermöglichen. Dem Referenten sind selbstverständlich schon jetzt etwaige Abanderungsvorschläge höchst willkommen. Indem wir nun heute mit dem Abdruck des ersten Teils des Re׳ fcrats beginnen, möchten wir zuvor auf einen Puntt nachdrücklich Hinweisen. Die Grörterungen, die in der jüngsten Zeit in de!! pädagogischen Beilagen der!üdischen Blätter über die Möglichkeit eiiurr Methodik des israelitischen Religionsunterrichts, über die Umgestaltung des hebräischen Uebersetzungsunterricht usw. stattgesunden haben, sind für den :üdischen Lehrerstand und für die Herren Inspektoren recht beschämend, denn sie zeigen, daß unsere Religionsschule noch lange nickt auf der Höbe steht, die sie eigentlich cinnehmen müßte. Die nachfolgenden Ausführungen des .Herrn Lebermann beweisen das Gleiche. Aber nickt der :!: ein freund des Lebrerilanbes. der ihm ständig schmeichelt, sondern der ihm auch gelegentlich bittere Wahrheiten sogt, wenn er es für nötig hält. Herr Lebermann hat das in der Ginleitung zu seiner Arbeit in frei wütiger Weise getan und wir schulden ihm Dank dafür. lieber die Notwendigkeit eine; Lehr- Plans wird man künftig erber hoffentlich nicht mehr debattieren. I. Tic?Notwendigkeit eines Lehrplans. Gin hervorragender Schulmann des vorigen Jahrhunderts bezeichnet den Unterricht als eine durch und durch praktische K u n st, ״praktisch sowohl inbezug aus ihre Ziele, als auch auf ihre Weise." Auf den israelitischen Religionsunterricht angewandt, besieht das praktische Ziel desselben in der Heran bildung von edlen Gbarakteren, gotte?׳ f ü r ch t i g e n Juden und brauchbaren Menschen. Die praktische form deS Religion;- unterrickts jedoch isi wie diejenige eines jeden llnterrichts in erster Linie von der Aus 1יו a h! und der Verteilung des Stoffes abhängig. Hicr sind tvir bereits bei unserem Thema aitoe langt. Lehrvlan de; jüdischen Religionsunterricht;-! So verlockend tonst auch nur ein Sandkörnchen posi tiver Arbeit im Interesse des israelitischen Reliaions׳ unterrickts für den verusssreudigcn Lehrer isi. so ernüchternd und deprimierend erfüllt uns gerade diese Aufgabe. Wie viele zweifellos berufene und tüchtige Schulmänner haben sich derselben unterzogen, was isi in den letzten Jahrzebnten hierüber schon gesagt und geschrieben worden und wie sehr?engen die Debatten in. allen Leh׳?r׳׳-״so׳r11׳׳t,n10i>n non Wr drinaendcn Notwendigkeit, cinen Lehrplan zu schassen aher auch Von der Schwierigkeit der Materie. So erweckt also gerade dieses Thema häufig bedauernde Resianaticn in den Kreisen der Lehrer und »nsrnchtbarc, aussichUlose Dcbatken in den Konferenzen. Trotzdem habe ich mir seit längerer?eit. namentlich aber seitdem die Großherzogliche Reaiernng in bewährter Liberalität für die aeseßeskrenen Gemeinden der Provinzen Starkenburg und Dberhessen ein eigenes Land׳ respektive Provinzialrabbinat ge׳ J z I •M 1 i