Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 19 (10.5.1906)
- Date
- 1906-05-10
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 1!'. Seit* 8. Ter Israelin 10. Mai 1900 Rabbiner das Seelengebet für den Gründer der Snncigoge. dessen Namen sie auch trug. Rußland. Petersburg, 7. Mar. Bis jetzt sind e l s Juden in die Reichsduma gewählt worden, und zwar: Dr. Winawer, einer der bedeutendsten Führer gorsltz, ferner Tr. Urenkel, Advokat Brainson, Advokar Schestel. Tie übriaen fünf jüdischen Abgeordneten sind bekannte Führer der Zionisten, nämlich: Tr. Levin—Wilna, Tr. Bruck—Wittebsk, Rechts cnwalt Jacubsohn—Slonitn, Rechtsanwalt Rosen bäum- -Minsk und Tr. Katzenelsobn—Libau, der Präsident der Jüdischen .Kolonialbank in London. P e r e r s b u r g , 4. Mai. In den leitenden jüdischen .Krcisn Rustlands wird die!frage levhast erörtert, ob die vom russischen Voll frei gewählten jüdisckien Reichsduma Mitglieder sicb ohne weiteres in Petersburg weiden aufhalten dürfen. In den Bestimmunoen für die Reichsduma ist nicht erwähnt worden, das. die Wahl eines Juden zum Reichsduma Mitglied ihm das Recht qivt, in der .Hauvtresioenz stadt Rustlands uncinaeschräntt zu wohnen. Bei der in Rustland herrschende» Polizeiwillkiir und den in Bezug aus die Juden so oft verübten ״Mißverständ nisten"'ist es nicht ausgeschlossen, das. irgend ein Revierleutnant aus dem Pa st des jüdischen Reichs du»,a-Mitgliedes mit roter!Sinte den Bermert machen יז• jrb: ..na wyjesti•• «..zur Abreise"). Kiew. 2!!. Avril. Ter Märzbericht des t. u. k. .Konsulates in .Kien teilt über Neugriind ungkn. vorerst über die bereitc• im Warschauer Bericht erwähnte ״.Uitlrer Gesellschaft zur!förderung des Handels mir Manufaktur und anderen Waren", folgendes mit: In Kiew bat sich vor kurzem eine Gesellschaft gebildet, wklche den Zweck verfolgt, den durch die Oktobnercejs; geschädigten israeli tischen Kaufleuten. hauptsächlich tl'ianufattur- und Galanteriewarenhändiern auszuhelfen. Tic Handelsaesellichast besorgt den Ginkanf von Waren, irrlcht unter die zz.rusleute verteilt werden, »nd über wacht durch ihre Angestellten den Bertaus. 15s bc suhl die Absicht, diese Gesellschaft in eine Vlttien geiellschait mit 20«»1.״״ Rubel Mcipital unnruvandc!:׳. England. London, 7. Mai. Gin jüdischer!farmer, I. Abrahamin Toowoomba in Queensland «Australien».teil! der ״Iewish Ghronicle" seine Gc jahrungen über die dortigen landwirtschasttichen Per bältnisse mit und empfiehlt A u st r a l i e n für die Besiedlung mit jüdischen!familien, die sich dem Ackerbau widmen wollen. Herr Abrahams >oar ursprünglich Zuschneider und gründete vor drei Jahren zu gleicher Zeit mit seinem Bruder eine!farm. Gr deiiyt jetzt 242 Acres Land, sein Bruder Im» Acres. ‘תסיי seinein Land hat Herr Avradains bereits M) Acres lultiviert, 2״ bebaut er wir Mais, 2 mit Moordirse, 2 mit Iutlergerste und mit Kartoffeln. Letztere verkauft er fiir 8 Psd. H 3t». pro Tonne: der allgemeine Grtrag ist drei Tonnen aus den Acre, -reinr 20 Nlilchkübe bringen ib1״ jede 4 •2b. die W^che ein. Herr Abrahams vcr-?ügr über I Arbeitspferde und eine ansehnliche Anzahl i.!.,ti anderem Grast und .Kleinvieh. Gr schlagt vor, Tno jüdische IamiNen vertuchsweitc in Australien anzusiedeln. Gs ivürde genügen, »venn jede einzelne Iamilic über ein Kapital von 121» Psd. verfügte. Gin solches Tarleken könnte iin Laufe von 30 Jahren abbezahlt werden. Tie australische Regierung würde teinerlei Scbwierialeiten machen. Mit der ge nannten Trimme tonnen IM Acres Land mit Bied und allen zur Bebauung nötigen Gerätschaften ange taust werden. Tic Berechnung verstehe sich freilich nur für eine gleichzeitige Besiedelung mit mehreren hundert Iamilien, weil beim Anlaus gröstercr Oantitäten der nötigen Gegenstände billigere Preise zu er langen sind. Gin geeigneteres Land für Ackerbau und Viehzucht als Australien ist. wie -Herr Avrabams meint, taum zu finden. Ter Boden gewährt zwei Grnten jährlich; es gedeiht jegliche Pslanzenart. Molkerei und Schafzucht können in bedeutendem Maßstab betrüben werden. Heer Abruhu!!!- ziorifrli nicht, dast tüchtige Leute, die dorthin kämen, bald der Welt zeigen würden, dast die Juden als Landwirte ebenso gute Resultate erzielen können, wie andere Böller. L1>v,1, 4. Mai. Ter unrerrnvlsmmiiker Birrel hat gestern eine Abordnung der jüdischen Schulverwaltungen empfangen, um ihre Wünsche in betreff der neuen S ch u l v o r l a g e entgegenzunehmen. Tie Deputation wandte sich vor allen! gegcn die in Aussicht gestellte Bestiminung des Gesetzentivurfes. dast in den jüdischen Schulen nur an zwei Bonnitlagen in der Woche Religionsunterricht erteilt werden dürfe und dast auf Verlangen von vierfllnsteln der Gliern der betr. Schulkinder die Lotalbehördeil eine Grtveiterung des Religionsunterrichts zulassen können. Man bob hervor, dast es hiernach ganz in das Belieben der Lotalbehördcn gestellt sei, ob sie den! Wunsche der Gltern nachgeden wollen und dast also jene die Möglichleit hätten, die -Klausel illusorisch zu machen. Man ersuchte den llnterrichtsminister, zur Verhinderung solcher Möglickkeiten der 5t lause! einen obligatorischen Gharakter zu geben, und einen alltäglichen Religioneunteriicht von 5,0 Minuten zuzulassen. Ter Minister war z»var der Ansicht, das; von den Lokaldebörden nichts zu fürchten sei, sagte aber sorgfällige und wohlivollende Prüfung des vorgetragenen Verlangens zu. Nach der!fassung der von der Re gicrung mitgeteilten Grundzüge des neuen Gesetzes könnten die Behörden die!üdissben Lehrer in den jü tischen Privatschulen durch christliche ersetzen: letztere dürsten dort sogar mit de,n ll>eHuio»1-ln:Ierlic:,i detraut werden. Ter Minister eriridcrte aus die hier gegen erhobenen Beschwerden, derartiges sei keines Wegs mit dem Gesetzentwurf beabsichtigt, allerdings sei es nötig, den Wortlaut des betr. Passus dementsprechend zu präzisieren. Tie Teputatic-n wünschte ferner eine Aendcrung des bisherigen Zustandes, daß die jüdische Re'.igionsschulverwaltung für die Be Nutzung der Räume der öffentlichen Schulen zur Grteilung des Religionsunterrichts an die diese Schulen besuchenden .Kinder, Miete zahlen must. Ter Miuister bemerkte, es lcGe sich schwerlich in das Gesetz eine derartige Bestimmung einfiiaen, da dieser Punkt nicht zu den durch da^ Gesetz zu regelnden!tragen gehöre: er bosre jedoch, dast. die Lokalbcbörden es hier nicht an Gntaegeukoinmen fehlen laiTer. würden. Herr Birrel erllärte schliestlich, er werde das von der Tevutation Boraetragene im Auge behalten und nach Möglickteir beriicksschtigen. London, 5». Mai. Tie Gemeinderedräsenkanten betchästigien sich in ihrer letzten Monatsversammlunq mit dein Gesetzentwurf betr. die Sonn tagsrnbe. Das Oberbaus hat bekanntlich nor kurzem die «Einsetzung einer ans Mitgliedern beider Häuser des Parlaments bestehenden Kommission für diese!trage beschlossen. Ter juristische Ausschuß, dem die Repräsentanten die Bebandluna der Sache übertragen baden, ist. wie der Präsident mitteilte, im Begriff, geeignetes Material zu sammeln, das der Pariamentskommission vorgclegt werden soll. Ter Ghief Rabbi bat sich bereit erklärt, einen Bericht anzufertigen. Ter Präsident bemerkte, G sei nicht leicht, das Material für London und die Provinzen vorzubereiten, er hoffe jedoch, dast es gelingen »verde, die Parlaments 5tom:niision von der Gerechtigkeit der jüdi'chen Iorderungen zu überzeugen. Amerika. Newport. 2ö. April. A!n 22. Avril hielten die amerikanischen Territorialisten eine Delegierten ktrsammlung ab, in welcher beschlosien wurde, mir Gnergie an die Gründung von Ortsgruppen zu gehen. Gs wurden ein zeitwtiliges Grekutivtonutee und eine Anzahl Lokalkomitees gebildet. Auf Anregung von Oskar Straust. der aussührte. dast. angesichts der gegenwärtigen furchtbaren Notlage keine Möglichtrit eine Bcfferung herbeizufükrcn auster acht gelassen werden dürfe, nahm man einen Beschlust an. dast die amerikanische Sektion der Ito. unbeschadet ihrer Teilnahme an der Arbeit der territorialistiscken Gesamtorganisation, die besondere Aufgabe übernehme, ihrerseits, wo immer tunlich, für die in ihren Heimailänoern unterdrückten Juden rechtlich-gesicherte Ansiedlungsgebiete zu beschaffen. Bulgarien. Sofia, 7. Mai. Unter den Juden in Bul!gar:cn »c.i.ch»;,r«r״wäclia eine aunerordentliche Gr regung gegen die Alliance Israelit.- Universelle. Tie Schulen der Allianz werden als eine schwere Schädig ung des jüdischen Geistes empfunden. Die Unzu friedenheit mit der Allianz schreibt sich schon von lange her. Tie Zionisten besonders sind imme. wieder als ihre heftigen!feinde anfgetreten. Jetzt aber hat. nachdem die Allianz nicht an der Brüffeler Konferenz teilgenommen hat. die!feindschast den Höhepunkt erreicht. In zahlreichen Versammlungen wird die Allianz äußerst scharf angegriffen. In einer Versammlung zu Sofia wurde eine Resolution anae nommen des Inhalts, dast. der antijüdische Gharakter der Allianz aller Welt klar gemacht werden müsse. Gine ähnliche Resolution wurde in einer Versamn: lung in Widdin gefaßt, und das Bureau beauftragt, eine Abschrift der Resolution der Allianz und den jüdischen Zeitungen zngehen zu lassen. Palästina. Jaffa, 1. Mai. In Jaffa hat sich ein ״Allgemeines Jnsormationsbureau für Palästina' gcbildet. Das Bwreau besteht aus den .Herren: Tr. Ghiffin, Tizengoff, Gordon, Hapm und Trietsch. Tein größeren .Komitee gehören an die Herren: T. Haym, Tr. Ghiffin. Tizengoff, Gisenderg (Reyvboihß Gluskin, Goldberg. Gordon. Tr. Iofst Grasowskn. .Kaisermann. .Kliniker «GhemiterZ j^ritschewsky. Lewontin, Ing. Pewsner. Safir, «cheinkin, Smilansky, Suchowolsky. Treiocl. Trietsch. Vogelsohn. Ing. Wilbusckewitz, Wechste-. Tie Aufgaben, die das Bureau teils zu bearbeit:» begonnen hat, teils noch zu bearbeiten haben wird, sind äußerst mannigfacher Art. Im folgenden fei eine Uebersicht der hauptsächlichsten Aufgaben und Grforderniffe der Institution gegeben: Jnformations crteilung und Ginholung von «Erkundigungen au» mündlick!em und schriftlichem Wege: Vorbereitung und Schaffung umfassender Palästinamaterialirn in jeder wirtschaftljckwn Beziehung und in Übersicht lieber Weise; Schiffsbesuch und .Hafenangelegenheiten; Ginrichtungen von .Komitees «wo erforderlich und durchführbar auch Bureaus) in anderen Städten: Reisen zum Zivecke von Organisation der Tätigkeit und zur Beschaffung von Informationen; Beardei! ung technischer und anderer speziellen!fragen unter Hinzuziehung von Fachleuten: Publikationen und Drucksachen; Statistik. Das .Komitee wendet sich nunmehr an die verschiedenen Organisationen, bei denen es Interesse für diese Arbeiten voranssetzt, mit dem Grsuchen, zur Unterhaltung des Jafsaer Bureaus in möglichst großem Umfange beizutragen und erklärt sich gleichzeitig bereit, die Organisierung von ähnlichen Bureaus oder Komitees in anderen Plätzen Palästinas und den nächsten Nachvargebieten -u übernehmen. An manchen Orten steht es bereits mit solchen Komitees in Verbindung und cs ist umsomehr gezwungen, solch« Verbindungen zu unter halten und möglichst noch zu erweitern, als mindestens neun Zehntel der gesamten jüdischen Ginwanderung über Jas»a kommen, sodast eine Dezentralisierung un bedingt notwendig erscheint. Briefadresse: Dr. Ghissin, Jaffa «Palästina». Alle Sendungen ssnd mit dem Ve-.merk: ״!für Jnsormationsbureau" erdeten. vermi!ch!tt.!fraokiorr a. M., *>. April. Tie Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Loden a. T. gibt ihren Jahre« dericbt heraus. 214 armen, kranken «Glaubensgenossen konnte die Anstatt ׳m Jakre 190-ä Hilfe und Linderung ihrer Leiden verschaffen. Ldgleich die Zabl der aufge nommenen Patienten etwas geringer als im Vorjahre war so ssnd doch die Gesamtleistungen der Anstalt nicht zurück. gegangen. Iran Baronin Wilhelm Garl von Rothschild« gewahrte der Verwaltung die Mittel, den Anforderungen der Bekörde in Bezug au» Grrichtung von Waich- und