Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 19 (10.5.1906)
- Date
- 1906-05-10
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9886807--0332-7374838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
1(1. Mai Ter «eil» 7 Wr 11• b׳'t«micbiftb« .f'pitfinonj bei der russischen \lnlfitx in Paris vertre'en hatte, dir tchart'te Gntrustung der Vcrsammlunq ausgesprochen und die Mitglieder des Vorstandes der Kultusgemeinde ausgesorben werden, ihre Mandate so lange ruhen zu lassen, bis Herr Taustig aus dem Kollegium aupscheidet. Der Antrag fand jubelnd« Zustimmung. Wie von einem schweren .•llpdrücken befreit, atmet die jüdische Bevölkerung ׳ \\* .y, י■ .ן״״-' - * *’*•“C'H״ WICVU411 iCuu Vit svnenfrage, sondern den Sturz eines Snstems von rer An des Witte Durnowo'scken. Giner der jüngsten im Borstandskollegium. hat er es bald verstanden, alle Macht und jeden Ginslust an sich zu reisten, so dast der ganze Vorstand, mit samt dem Präsidium, eigent sich nur willenlose Marionetten in seiner eisernen Faust bildeten, mit denen er ganz nach Belieben um ipringen tonnte. So war denn Taustig überall und nirgends; sich hübsch im Hintergrund haltend, gaben sich die Herren Kollegen dazu her, sein blindes Wert zeug zu machen, איד איד,־ ••ש־אי ba?• ist die teufliche Macht des Geldsackes. Wäre das jüdische Empfinden von Herrn Theodor Viitter v. Taustig nicht gar zu arg verae waltiqt worden, das i:n Grude recht harmlose Wiener jüdische Publikum hätte sich nicht so gewaliig gegen ihn ausgebäumt, »m ihm einen Abzug zu bereiten, wie er hier noch nicht vorgekommen ist und auch nicht so leicht Vorkommen kann. Welche Heraussorderung hat nicht schon das jüdische Bewusttsein durch gewisse Herren im Vorstände erfahren, ohne das; es deswegen zu einem Zusammenstoste gekommen wäre! Erzählt man sich doch, dast vor nicht allzu langer Zeit eine angesagte Sitzung des Vertreter.Kollegiums des wegen nicht abgebalten werden konnte, weil die meisten Herren an dem Sausschmaus teilnalmien, der anlast sich, des Uebertriltes einer Gnkclin eines Vorstehers veranstaltet wurde. So wird hier unter der Patronanz von Führern der Gemeinde das Judentum nicht blost verwüstet, sondern, was noch viel ärger ist, geradezu demoralisiert. Zur .Kennzeichnung unserer Lage sei mir qc stattet, hier einen Teil einer ungehaltenen Rebe wiederzugeben, die kür die aus Anlast der russischen Massakres abgehaltene Protesikundgebung bestimmt war. Zu Worte konnte ich damals nicht kommen, denn man hat hier für derartige Dinge ein seines Abnungsvermögen und um Ileberraschunaen zu vermeiden, ist man gewitzigt genug, bei solchen Gelegen beiten nur wohldreffierte Zirkuspferde in die Arena steigen zu lassen. Gs Heist! dort' unter anderem: ״Der Augenblick hat uns vor eine Konstellation gestellt, furchtbarer als die kühnste Phantasie sie aus» n.alen konnte. (5s ist, als sollte einem Gescklechte, das sonst 1»it dem rüstigsten Wirklichkeitssinn aus gestattet, in einer Sphäre seines Lebens — und dast ich es nur gleich sage — der wichtigsten, ein dumpfe: beschauliches Traumleben geflissentlich zu fristen sucht, es ist, als sollte eben diesem Geschleckte die nackte Wirklichkeit in ihrer ganzen wuchtigen Krassheit ge rcigt werden. Ware dcm nickt so, wahrlich, es hätte nicht der entsetzlichen Meuchelmördereien von Odessa, Kiew, Kischenen und zahlreicher anderer Drte bedurft, um uns .Klarheit über unsere Lage aufgchen ׳׳! lassen. Und denn die geräuschlosen Schlackten vv- T!en und anderen Grostgemeindcn des im Gegensätze zum dar bariichen Pustland —- zivilisierten Westeuropa weniger furchtbar? Wann wurden diese «chlachten aeliesert, bare ich Sie ahnungslos fragen^ In dieser Frage eben ruht unser Verhängnis! Von diesen Schlachten erfahren wir aber mit einer nie aussetzcn ^*111 Regelmässigkeit,!wenn wir am Jahresschluss die ssnme ziehen. Die Zahl der Gefallenen bewegt sich m *יח letzten Fahre bei uns zwischen 0 und 1(10! 2i!1t> i.'s« Verli'ste etwa deswegen weniger schmerzsich, weil, uin sie uns beizubringen, nur Wasser aber kcin Blut fliestt? — Eine Betrachtung über den Weg. welchen die jüdische Diaspora bei ihrem Gange durch die Well einqeschlagen hat, zeigt, dast inre Be . . ... S#rt »rflen Aiisto« וו:ו^יז«)1.11ו iim.'iv ״ul 2S". ” c. H genommen haben. Hierin liegt die -«tärke, aber auch zugleich die Schwäche des Judentums. Froh, bafi wir noch nicht untergegangen. haben wir reoelmästig das Furchtbare unserer Verluste bald vergessen." Unter den zahlreichen Rednern des denkwürdigen Abends kand!ick nnr einer, der den erforderlichen Mut au'brachte. für H>«wrn v. Taustig eine Lanze zu zersplittern. (5war dies der erste Vizepräsident de: Kullusgemeinde. (5r meinte »n'er anderem, da Taustig doch der Gvren scvon genug besitzt, so lann er, indein er sich >um Dienste der Gemeinde herab lässt, unmöglich (5bre bei ihr suchen vielmehr nur ihr (5hre bringen. Allein der Versuch einer Gb.renreitung bekam ihm schlecht. An alle Register advotatorischer Kunst wurde gegriffen, ihre Wirkung war eine steigende Gntrüstung, die bald aus die Person des Verteidigers ihre düstere» Schauen warf. X*1 Jul■' ner musste mitten in seinen Ausführungen abdrechei-, und für das, was er gedoien, wurde mit lautem Zischen und Zurufen der Grbinerung und Entrüstung quittiert. — Die Versammlung liest sich durch nicht» berückei׳. auch dadurch nickt, dast der Verteidiger des Htrrn v. Taustig Miene machle, sich hinter den Schleier von Gekeimnissen höchst dedeuisamer Ralur zulückzuziehen, den man doch unter dem Hellen Schein blendenden Aucrlichtes selbstredend nickt lüsten dürfe. — Die Feldherr» hatten also die Scklackt endgültig verloren und nun machien sich die Diploinaten an die Arbeit, um zu retien, was noch zu retten ist; während es bock sonst in dieser sonderbarsten aller Welten umgekehrt der Fall sein soll. Man beantragte, zu nächst die Resolution in zwei Teile zu zerlegen, und gab sich im stillen der Hossnuna hin: wenn auch .Herrn Taustig das schärfste Misstrauen ausgesprochen werde, was versckläat's? Der Vorstand dlMd! ausser Spiel, Herrn Taussig wieder kann ö'.. Giemeinde nichts an haben. Ist er doch nicht von ihr gewählt, sobin auck nicht ihr Vertreter, sondern der der Hochfinanz w.i! ihrer oberen privilegierten Kurie. Der Anschlag wurde schmählich zurückgewiesen und dcirausksin die ganz Resolution mit einer sellenen (5inmütigteit unter Heller Begeisterung angenommen. Daran nickt genug, holten die Sieger sofort zu eine!!! Streich? ans, ״w der Konlremine mit gleicher Münze heimzu za hie». Man verlangte die Gegenprobe, und siehe da: unter Führung des Vizepräsidenten der Gemeind-« erhoben sich vier Stimmen. — sämtlich Mitglieder des Vor standes. Gin Sturm der Gntrüstung erhob sich gegen die Herren, der sich mit elementarer Gewalt äusserte und aus dem sie die feste Ueberzeugung schövien must ten, daß innerhalb der Gemeinde von Vertrauev ihnen gegenüber nicht mehr die Red« sein könne. Die hiesige Gemeinde hat aufs unzweideutigste bekundet, das. >ic das mit oem Rcunen Taussigs verknüpfte Svstrm verabscheu! und das bedeutet eine wackere Tat. woraus die hiesige jüdisclie Bevölkerung stolz sein darf. Dieser Bericht war fertiggeitellt, als ich in Gr fahrunq brachte, dast v. Taustig tatsächlich sein Vor stehermandat niedergelegt hat. Gs ift charakteristisch für den Wert, den man in den leitenden Kreisen der öffentlichen Meinung hier beizumeffen gewohnt ist. dast man dies iast als eine lleberraschnng im Publikum aufnahm. Diesem Verzicht ging jedoch noch ein anderer voraus, nämlich der eines der hervor ragendsien Zionistensührers, welche! seit etwa ändert halb Jahren dem Vorstande angebör«. In der Protestversammlung gegen Taustig wurde nun dieser Herr von allen Seiten bestürmt, Farbe zu bekennen; indes mochte der Sturm noch so heftig brmifen, der io schlagfertige Redner schwieg und schwieg immer be harrlich weiter Als man ihm nun bedeutete, dass dieses Schweigen eine denn doch gar zu sonderbare Sprach: führe, entschloss er sich endlich, auf die Tribüne zu steigen, um die Grklärung vom Ttap'l zu lassen, er (verde demnächst seine Ansicht über den Ausbildung des reinen jüdischen Rationalismus, über dieses Judentum christlicher Konfession, folgen des aus: Wien, 4. Mai. In der Wiener zionistischen ״Nationalzeitiing" bespricht Jakob Kraust unker den: Titel ״Wieder Giner" die dieser Tage statigchabtc Toure des Redakteurs des ״Reuen Wiener Tage blattes", Adolf Gelber, der in der ״orinngsien Rümmer der ״Welt" mit einem Aussatz paradierte, aus dem mit jeder einzelnen Zeile ein ״guter Jude" ««• *•«*A M*»V ~ •MJ •*••וי‘ — *-ל.יי ־ Ausbildung des reinen jüdischen Rationalismus, über dieses Judentum christlicher Konfession, folgendes aus: ״Aböl» (selber ist die treffendste Anlwvrt aus all die Versuche, die gemacht wurden, rin nakionale- Judentum ebne religiös« c^rundlaqe zu konstruieren ... Turch das «chkagwork: ״Religion ist Vrivazsache'/wodurch die Irreligiösen und ^religiösen dem jüdischen Ralionalismu» gewonnen werden sollien. wurde aut, die äuster'ie itomeanenz der Irreligwniai. die I aus e. zur Vriraiiache qeiienipeli und!eher unde'anaen lenkende wird zugeden muffen, das! die I a u i e »1 alle» ideen (Graden und Formen von den! ennachen Auslriil au» dem Jude»»»» dis um! leremoineUen iMntrut in eine fremde Mirdje ein rem religiöser Akt >>i und vom «iund puukle de« die Religio»;ur Prwaliache stempelnde», ibeo reli'ch >ud»che» RaUoiiali«!»»» mchl gul verurteill werden kann Hier gleich e!» Beispiel: ׳.'tedmen wir an. Adol»!Gelder dal •ich koniessionslo» erklarl. oder proieiianiiich oder gar kaidoliich geiau'i. ׳.•tebmen wir •eruer a». er »imn» eine ,z»»», ui die civen Wa!n luiigrn durchgemachi dai ivitl er. . . Vom rein »alionalen Ose'ichispunkle genomme», köimeii sie dadei dieieldeu dleide». die üe vordem waren, sie könne»!» ,uduch »auoiiale» Vereine» schwungvolle, die Indorer deruaende Rede» balle», ne könne» in ,udiich »alionalen ,zeiischriilen die stainmendsten Ariikel veroffe»! liche» und brauche» n»r »och de» «chekel zu enlrichien. und wir wunle» mchi. iver e» »ui rudigen, »«ewisieu wage» keniile. diese» beide» ei» Vergebe» an dem Jude»!»,» vorziiiverie»! Ich iveist nicht, ob Meie «childerimg bei Herrn Adoli (Selber zulriffi. ich dabe de» Ursache», die ibn z» seiiiei» «chrille bewöge», mchl »achgeiorichl. den» diese »nb laiiachlich Pr,valsache und sur mein Urteil auch irrelevant Ich dabe es nur »׳I m ul א bemoiistriereu wollen, wie »n dalibar die Auffaffung vo» einen! reinen raisenideorelische» ober mir psnchiichen Raiionalisniu» bei »ns Jude» ist. wen» wir von der Iradiiio», die in umerer Religio» das ausschlaggebende Bindeglied zwilchen 1*ene ralioii und Ieualier erbluti, Abstand nedme» wollen. Tie orlbodore» Juden baden diese vuite »1 bei» Ausbau des moderiieii iudiichen Vaiionalismu» erkamn und dieser au sich bedeulungovollen Bewegung da» gronle Vtistiraue» eii'gegeiigebrachi. und io kam es. dass eine «irömuiig. die aus Me Grbaliuiig des IudenlumS dinauslauil. nicht nur nicht die Btudilie de» koiijervanven Gienieuie« •in! Juden!״nie be»nt, sondern!ich zu idr 11» (Segensane benndei Tabev kommi es auch, dass die voliiischeu Assimiiauon» >ude» im Nahal aus diese lonservalive. und wenn auch durch kein geschriebene» Programm beemstustie, aber lnstiukliv i>»d »aiurgemas! »auonale Volksichichre durch Iugeslaudiilüe religiöser Raiur mebr Gnistust ube». als alle ielbilbewustie», »och so rührige», aber der iudiichen Religion eniiremdeien nauoiialeii Führer Und Meie»! Umstande wird es auch zuzmchreiben!ein, dast d:e!en!ge orihoro״» »Gruppe im Iiomsmn», die üch u!» die Flagge des ״M>»- r.rchi" schart, über kur; oder lang die reiiziote Frage mir aller Gnischiebenbeii zur Tiskuisio» stellen wird . . . Gs ist sehr erfreulich, dast von zionistischer Seite dos Wahnwitzige des reinen Rationaljudentuins sc zutressend gekennzeichnet wird. Wenn, wie Herr Kraust erwartet, der Misrachi die religiöse Frage bald in den Vordergrund der Distuffion zu stellen sich entschlöffe, so wäre das mit!rbkaNe־׳ i^enuq׳ tuung auszunehmen. Krakau. L0. April. Aus Sa sek iVa- Iäftina) wird der Zeitung ״Hamizpeh" mitgeteilt. dast dort vor einigen Monaten ein Angehöriger des galizischen Kolel. der in der ״Haschtosoh" sich über die Verwaltung der galizischen Ghaluka beschwert harre, in aller Form von den Vorstcdern dieses Kolel in den Bann getan wurde. Der Ginsender der Mitteilung erhebt gleichzeitig »och eine Reihe weiterer Klagen gegen diese Vorsteher, die umsomehr eine nähere Prüfung verdienen, als dabei ausd.-ü^lich für die Ghaluka im Prinzip eingetreten und nur eine Ad stellung jetzt bestehender Missstände verlangt wird. Prag. 7. Mai. Am Sonntag, den Mai. fand in der altehrwürdigen Zigeunersynagoge zu Prag ein feierlickxr Schlustgotiesdienst statt. Die Snnagoge steht in jenem Teile der ehemaligen Judenstadl, jetzt Iosktstadr. weicher jeyi assaniert iverr-eu soll. Dieses Schicksal traf vor mehreren Jahren auch die Reu snnagoge. und harrt auch der Hcssnnaaoge. Aus Anlast dieser Feier erstrahlte das Gotteshaus in hellster Beleuchtung und wi^r schön dekoriert. Richi nur d׳e regelmästigen Shnagogenbesuchcr. sondern auch eine gross« Anzahl andercr Anoäcktiger und ge ladener Fesigäite füllte die Snnagoge in all ihren Räumen. Die Feier begann mit einem erbebenden Ma tow'i-Gesange, dann wurde Mincka gebetet. Hierauf winde vor geöffneter Bundevlad« zun: letzten Male an dieser Stelle von dem Rabbiner, Herrn Dr. Aladar Deutsch, das Kaisergedet verrichtkt. Dann bestieg Herr Dr. Deutsch die Kanzel, um die Festrede zu batten in welcher er von dieser beiliaen Stätte?lb schied nahm und tn gedrängter Kürze eine Grkchichlr des Gntstehens und Bestehens des Gotteshauses ent warf. Kein Auge war trocken geblieben. R'an sah nicht nur Frauen, sondern auch ergraute Männer weinen und schluchzen, und die Mauern, in denen sie so viele weihevolle Stunden in Andacht und!'ffebet verbracht batten, küssen und mir Tränen benetzen. Rach Schluss der Predigt verrichtete der Herr L