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Der Israelit · 1906-05-10 · 19 (10.5.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
19 (10.5.1906)
Date
1906-05-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 1'■'. «tue 2 Der Israelit. 10. Mai 190C Moses 19״ ־Wenn ein Fremdling in euer Land Crtff♦ »1יזי •hn fn h#fcrtnh#fn Krtfc *r f?rf! ... *״ - - ,... -ן ••ל•• •ך•• ••*׳ין •**״•*׳ .. fühlt wie ein Einheimischer." Herr v. Oldenburg, der nach Bedrl sprach, unterließ es hieraus etwas zu erwidern, Er meinte, es liege im Interesse der deuisckrkn ansässigen Juden, daß die russischen Juden nicht in Deutschland bleiben. Wir furchten, Herr v. Oldenburg wird für seine freundliche Fürsorge von י»" hpiOfrhpn Hnvpn keinen ^nnf ernten. (^intKt standen mit den Ausweisungen war auch der Anti ftmit Lattmann. Der Herr sprach von einem sittlich ernsten Durchdenten der Frage des Antisemitismus. Wie Herr Laltmann es meint, gibt es das gar nicht. Dicser Nedner machte sich, wie zu erwarten war, auch dic traurige Entgleisung dcs Herrn Perlmann in Königsberg zunutze. Von der freisinnigen Volts׳ Partei sprach Herr Jusiizrat Pohl Worte ehrlicher (Entrüstung, desgleichen Herr Schräder von der freisinnigen Vereinigung. Herr Spahn vom Zentrum wies darauf bin. daß 1K70 den Franzosen der Aufenthalt in Deutschland ausdrüctlich gestattet worden lei, weil da» Gastrecht auf einer ehrwürdigen deutschen Sitte beruhe. Aebnlich wie Herr Spabn sprach sich der nationalliberale Abgeordnete Basier mann aus. Sämtliclie Nedner mit Ausnahme v. Oldenburgs und der Antisemiten tadelten es. daß die Reichsregierurig die Interpellation nicht beant wortet bade. Uebrigrns bleibt es dem preußisclren Minister des Innern nicht erspart, in dieser Angelegenheit Rede und Antwort zu stehen. Im Landtag werden ihn nämlich die Freisinnigen inierpellieren. * * * Oer 2\ücftr1tt 5יא (Grafen Mitte Gras Witte isi von dem Posien des Minister Präsidenten zuröctgetreren. Ungemischtes Bedauern Kat sein Scheiden wohl nirgends hervorgcrufen. Den ruffisclwn Juden gegenüber ist er in recht seltsamer Weise verfahren. Er versprach ihnen, wenn ihre Delegierten ihn anssuchten, sein Wohlwollen und seine Förderung. Aber er kielt seine Versprechungen sehr schlecht. Dann machte er die Inden wieder wie erst vor kurzem gegenüber dem Korrespondenten der ״Voss. Ztg.", selbst für ibrc traurige Lage verant>׳׳ortlick :.nd sprach sich gegen ibre Gleichberechtigung aus. Es scheint, das. er es den verschiedensten Parteien recht machen wollte, was ihm freilich aus keiner Seite Sr.mpatdien versckassen konnte. Anerkannt muß wrrden. dasi cr sich bemüht bat. während deS Otter festes siub« und Ordnung im Reiche zu wahren und Judenhetzen zu verhindern. Freilich darf nicht vcr gellen werden, daß die Rücksicht aus die lebte Anleihe. Die neuekle mode. L«g - beomer-Geschichte «ud der gutem alte» Zeit. Ter Herr Lekrer ran vor seine», weil geölliiete» nücr. i^r darre kein Auge für die lachende Frühlings st'nne. die über ganz Tpechbrückc» flutete, Feld und Wald verklärte und »ch ,!,!eben! Taulroplen spicgclie. denn er ׳kiegelle sich selber in einer seiner irnbe» Fensier'cheide» Wenn der Tonne kein Tauiropsche» zu klein in, uni es als Hand'piegcl tu benutzen, »o mag die liebe Eitelkeit dabei »n Ti'iele ,ein. Ter Herr Vebrer ivar über diesen Bcrdachl erbabe». Trine Zwickscheere. die wie Lutzow» wilde ver rvrgenr Jagd durch den Fiunn ׳eine» einnnd-wanzigiäkrigen wenchles raste. schlitzte ib» dagegen >״» war beule Lag beonier Ta er aus einen Tonnlag fiel, סי bal«e der Barl schon au« Tchabdos entfernt werden dürfen Ader da die Miiglieder der i^ancinde oas inchl wustlcn, io »ürchlele der Herr Lebrer die Konseauenzen. die 1»a» i» spateren Jadren aus llnkennlnis daraus liebe» konnte und trug noch über Mt '5?3ללי.י »ach dem Morgengebel und Frubüück war da» sei» erstes und wichtigstes Gesch,,׳!. Zuirieden musterte er eben seine Leistung: ne war odne viel Blutvergiesten zustande gekonime». Nur einige reniienle Ttoppeln ragten »och dir und da zer sireul bervor und solllc» eben einer zweiten Attacke zu!« Olller falle», als um die Ecke ein Einspanner gebogen kam. der die Aufmerksamkeit de« Herrn Lehrers von seiner Fenster scheib« aut die Tlrast« lenkte Es war der Herr Vorsteher selder. der den Ledrer iosort bemerkt batte und vor dem Hause Halt machte. .Herr Lekrer. sakren Li« mii nach Darmitadl" Es die noch nickt abgeschloffen war, sicher viel dazu bei׳ aetronen Hot seinem Nnchfoloer GnreniNkin nebt kein günstige! Ruf voraus, Er gilt aks ein ent schiedener Reaktionär. Hoffen wir jedoch, daß die konstitutionesi-demokratische Mehrheit in der Duma ihren Einfluß zugunsten dcr Juden gellend machen wisi und kann. * Die ״Allg. Atg. des Judentums" gegen Ronsistorialverfaffungen. In ihrer letzten Nummer berichtet die ״Allg. Zig. des Judentums" über die Pariser Gemeindevcrhältniffe. Sie spricht von der neubegründetcn Pariser Sonntagsgemrinde und bemerkt schließlich: Wie man lieht, 11t das Vorbild der Berliner Reform gemeinde hier wirksam gewesen ^ker Aufruf zur Grandüng der As*<>ciati״n 1sra61ite liberale <le Pari» ist von einer Reihe hochangesehener Männer der französischen Judenheii unterschriebe». Wie wir hören, wird int Ge geni'atze hierzu auch die Gründung einer konservativen Gemeinde und die Anstellung eines orlbodorcn Rabbiners in Paris geplant. Es stellt nch eben sofort heraus, dag die Ko»üstorialeinrichluug jede freie Entwicklung gehemmt und das religiöse Lebe» in eine Erstarrung verletzt hat, aus der es sich nun mit aller Gewalt befreien will Es entbehrt nicht des Interesses. daß die ״Asig. Ztg. des Judentums" sich hier, wie auch früher wiederholt, gegen die Konsistorialverfaffung wendet. Man begreift das leicht, wenn man bedenkt, daß die ״Allg. Ztg." als eine entschiedene und ausrichtige Vertreterin der Reologie eine Verwischung der religiösen Gegensätze nicht wünschen kann. Berücksichtigt man freilich, daß vor kurzer Zeit das Blatt zum Kampf gegen die süddeutsche Orthodorie ausforderte, die so oft die Pläne dcr Gesaintjndenkeit vereitelt habe ivergl. Rr. 9 des ״Israelit"», so gelangt man zu der lieberzeugung, daß es dem Verband der dcutsctien Juden und dein (sjemeindebund schließlich doch gelingen »verde. die Herren Justizrat Makower und Genossen für ihre Organisativnsbestrcbungen zu gcivinnen. Die Bremircben ReligionsFtiir mer. Bon Dr. Jsak Uno«, Rabbiner in Mannheim. Im -?eptember v. I. babe» sich die bremischen Lekier mit einer ausführlichen Denkschrift an ihre oberste Schulbehörde gcwente: und da; Ersuchen ausgesprochen, daß der Religionsunterricht an den öftenr׳ licken Schulen abgeschasst werde. Die Ursachen, welcche diesen Beschluß herbeifübrten. und seine Tragist »ur einmal im Jadre Lag beonier, und beule ist noch gar Tonnlag. und Ebeder «Tchule« ist auch kein», da versäumen Tie nichts: vis zu Mi»cho sind wir wieder zurück." Tem Lebrer kam die Aussorderung zur Milsabrl s»br gelegen. Erstens reist jeder Lekrer gerne, dann war ja wirklich Lag beonier, er war noch nie in Tarmstadl und sei» Parnes selber ladei ihn ein. besser kan» man'» nichi lresten. ..Lebr gerne, Herr Borüeber, ich »cbme Ihre Einladung dankbar an, nur noch ein paar Haare " ״Tie und ja prachtvoll gezwickt, die paar Haare störe» »ichl. Es iverden uns Keule bundelie in׳» Lrui»-״ in Tarmstadl sehen, die »ichl einmal etwas davon merken. Aber nehme» Tie nur rubig >krc Tcheere mit. eine» kleine» Handspiegel bade ich 01 meiner Westeniasche. der in bester, als Ibre blinde» Tcheiben. da könne» Tie unterwegs schon ״och etwa» »achbelse» " Flugs zog der Herr Lebrer seinen guten Rock an. stürzte die Treppe binad und tan wenige Minuten spater an brr Leite des Herrn Borstebers Eine» gröstcren »Gegensatz, als die beide» Reisende», konnte :״.an nch kaum denke». Ter Borüeber war ein vier «chrötiger. fetter Rieie. Ter kleine, schwache, spindeldürre Lehrer kam sich selber bagege» so liliviiiaiierbasl vor, daß er nch gar nicht gewniiderl Kälte, wen» ib» sei» Wirt in da« Cbr des Pferdes, statt »ede» nch ans de» Wagemitz gcbobe» batte. Ter Lebrer war erst «eil Purim, also nur weiiige Monate. >n Tpechdrucken. Ter Borüeber und er batten sich noch :::7 :0 rech! ge׳prochev. bas war יי׳י.יי■׳ pin*!*!»*r י»\<וזו1*יי*ו der Einladung und ihrer!»׳reilwillige» Annabme. .Einen Augenblick." sagte der Lebrer, al« ne eben an de» letzten Hauiern des Torfes vorbeisubren. .ich must zum Jubel binein und ihm sagen, dast ich beule Mittag nicht zu Tisch komme." ״Ta» brauchen Tie nicht", entgegnete der Borüeber. .das ganze Tors üebt »ns ja zusammen sortiabren. Ta» wissen die Jubel» schon, bevor wir an idr Haus komme» Tw .Nratzsuste, ^Entschuldigungen und irompiimente sind gut fürs Mokem >Ttadt». bei uns aus dem Land kann man sie sparen." weite wurden vor kurzem in diesen Blättern eingehend ei örtert. Schon bevor jener Beschluß gefaßt worden war, hatte sich die Vereinigung für Schulreform in Bremen mit einer Umfrage an eine große Zahl von Schriftstellern und Pädagogen gewendet und sie un: Vorschläge ersucht, welche Tichtlverk;, Erzählungen u. dgl. aus der Weltliteratur, die den biblischen an Wilksamkeit und Lebenstreue weit überlegen wäre:., in einem ״Weltanschauungsunterricht", der an d׳. Stelle des Retigionsunlerrians treten svuie. ver »vendet werden könnten. Das Ergebnis dieser Um frage, welche die Grundlage für eine Verweltlichung des Religionsunterrichts bilden sollte, liegt nunmehr in einem stattlichen Bändchen vor, lReligionsunter licht? Achtzig Gutachten. Ergebnis einer von der Bereinigung für Schulreform in Bremen oerau stalteten allgemeinen deutschen Umfrage, herausge geben von Fritz Gansderg, Lehrer in Bremen, Verlag von Rob. Voigtländer in Leipzig), und es bietet nach mancher Richtung bin Anlaß zu recht interesianten Beobachtungen. Ter Herausgeber hebt drei Momente hervor, die trotz aller Verschiedenheit der in den Gutachten geäußerten Anschauungen sich immer »vieder zeigen: Tie Klage, daß die Schule die böchsten Güter durch unerträgliche, schulmäßige Behandlung derselben in Gefahr bringe, der Protest gegen das ״Verstandes mäßige, das im Religionsunterricht mitgeteilt wild, und ״der lebhaft bejahende, zukunftsfrohe Glaube an die Menschheit." Dem kritischen Betrachter »verden noch einige andere Punkte ausfallen, »velche für viele der Gutachten bezeichnend sind. Bemerkenswelt is: vor allein die Tatsache, daß von den Gutachtern, die doch sicher sehr forafältiq ausgewählt und nur dem Kreise dcr ״Fortge schrittenen" entnommen »vurdrn, eine ganze Anzahl, und nickt die unbedeutendsten, den Standpunkt der Bicmer Tchulreformer nickt teilen. Gleich das erste Gutachten 1 Adolf Banels-Weimar) äußert sich in einem Sinne, der keinesivegs eine Zustimmung be deutet. Pros. Dr. Edmund Hoppe-Hamburg hält die Entfe׳׳nung des Religionsunterrichts nickt nur aus den Volksschulen, sondern auch aus den höheren Schulen für geboten - »venn die Verbältiiisie so liegen, wie in B'.emen, wo die Lehrer in einer Wci'r herangebildet zu sein scixinen, daß sie die materialislischen Ideen für wisienschastlichr Elgebnisie halten. Prinzipiell ist er anderer Meinung. Während die Fragesteller ohne weiteres voraussetzen, daß es in der Weltliteratur Stoffe gibt, die den biblischen an Wirksamkeit weit überlegen sind, sprechen sich zahlreiche Gutachten in schart entgegengesetzter Richtung aus. Arthur Fitger Bremen »vürde es unendlich be- Bei diesen Worte» gab der Borüeber seinem Fuchs einen leichlen Tckilag mit der Peitsche 1n:d setzte ib» in so lebbaslcn Trab, dast das Tori bald kinler ibne» lag. Ter kutschierende Herr Borüeber hieli die Zügel ׳eines Rosses so feft und sicher in seiner nervigen Hand, wie diejenigen, a» welchen er die itzeineinde leitete. Ter Herr Lehrer glaubte ibiii öesbaib eui anerkeuneudes Wort sagen zu müsse», zuinal ibm das der geeignetste Weg für Aiiknupfuug einer llnterbaltung diiukte. ״E»er Fuchs gebt ichncü." kam es elwas ungeschickl fwtrrtttä ״TaS bat er von unseren Lebrer» geiernt," laurele die schlagseriige Antwort. ״Te» Fuchs babe ich jetzt zel:n Jadre und in dieser Zeit haben wir zwölf Lehrer gcbabl. Tie leben, dast ne schneller geben, als mein Fuchs". ״Wenn Tic'» >0 ineincn. dann wüstle ich ein Mittel, wie man Jbrem Fuchs auch die schnelle Gaugart der Lebrer beibriiige» köinile. Beriuche» Tie'S einmal uild geben T!e ihm Wandelkoü, dann bleibt " ״Ach, Li« sangen auch schon an zu klagen, Tie nnd ja schon bald ein viertel Jahr hier und habe» bereits die Runde bei allen acht i^emeindemitgliedern gemacht: da) in io die Zeit, wo dir Klagen der Lebrer übcr die Kost an׳ fangen. Haben Tie sich also auch zu beklagen r Geiiein. »ach dem Lernen, Kai der Jtzig gesagt, dast Tie kein Maller Tal; bei uns esien werden, ich babs aber »ur für lo'es Gewäsch gebalien. Also, was babt Ihr zu klagen " ״Ich habe nichts zu klagen und habe auch bei Euch ni1׳u» ,™ffו״ר ,!.״ iäprtenteil ich nnde es aanz in der 'Ordnung, dast Euer Lebrer Wandelkost istl und Euer Pferd nicht. Jeder bat vo» seinem Herrn die Kon zu beanspruchen Ta Euer Pferd nur de» eine» Herrn bal, ich aber beten acht, so ist's so es ganz in Ordnung." Bon dieser Leite balle der Herr Borüeber seine» Lebrer noch nicht gekannt. Ter Lebrer schien allen An zapsunqen und Hänieleien so gewachsen, dast der Borüeber einen Augenblick nicht recht wustle, was er seinem FabrgaN entgegnen sollte. Ta ne gerade bergab fuhren, machle er sich elwas länger an der Bremskelle zu schassen, und als ihm noch nichts Vernünftiges einstel, blieb ihm nichts weiter

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