Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 18 (3.5.1906)
- Date
- 1906-05-03
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr I> icit» H. Ter jgratUt. :1. 4W.1i 100י׳. London, 2ti. April. Tie ״Franks. ^-jtg." veroifeniUcytt oor einia.rt Zeii einer. Artikel von Davis Trieisch, der r!i!schicden die Inse! Zypern, die unter englischer Verwaltung steht, als Auswanderungr-land für die russischen Juden empfiehlt. Wie jedoch dir Londoner ״Iewifh Ehronirle" de lichtet, da» ihr das englische Alislvärtige Amt schon vor einiger Zeit initzete'l'. dass Envern leine Mög lichkeiten für eine jüdische Ausiedlung biete. R u tz l a n d. Petersburg, 20. April. Tie Unter suchung gegen den Verfasser der zu Pogromen gegen die Juden auflietzenden Proklamationen. Staaisrai Lawroff, ift nunmehr beendigt. Lawross wird der Prozess gemacht. Bekanntlich wurden die Prokla niationen in der Petersburger amtlichen Druckerei, mit Erlaubnis des Zensors Sokolow. gedruckt. Der die Untersuchung führende Beamte hat die Lacke Sokolow an den Prokurator weitergegeben. 1 e < a t e r i n o s I a w. 2-i. ׳>pri>. Ei» l,Ics>ger jüdischer Getreidebäntler. der den Ministerpräsidenten Witte schon als Eisenbahnbeamtrn kennen lernte, rick tete vor dem Pesachfesse an diesen einen Brief, worin er fick über die Agitation der schwarzen Bande, die die biessge Bevölkerung zu einem Pogroin auszubeken suchie, beklaate. Witte antwortete, es seien alle Mittel angkwendet. um einen Pogrom zu verhindern. Tie chrisslichen L sseiscieriage sind denn auck rubig ver-- lausen. 2 a r a t 0!20 , מ, April. Tie Tätigkeit des hiesigen Hilfskomitees für die Tpfer der Oktober Pogrome iss jetzt beendet. Es waren 1KO Familien von den Pogromen betroffen worden, 117 Wohn ungen 52 Laden und 20 Werkstätten waren zerstört. 142 TVamilien haben sich an das Komitee ivegen Unterstützung gewandt. Infolge der Pe-rwüssung der Werkstätten und aus Furcht vor neuen Pogromen sind 15 Familien nach Amerika ausgewandert. Simteropot, 2u. April. I» hiesige Polizeimeister Tschuprenko, der der Teilnahme an dem hiesigen Pogrom beschuldigt wird, wurde verhaftet. Bulgarien. Sosia. 25. Avril. In Bulgarien leben viele russisch« Juden, die in den lehten 25 Jahren ivegen der Verfolgungen. die sie zu erleiden hatten, aus Russland ausaewandert sind. Aber auch hier wurden sie nickt gut behandelt. Infolge des neuen Handels- Vertrages, den Bulgarien mit Russland geschlossen bat, wandten sich nun die hiesigen russischen Juden an da׳ ru»:sche Minisserium des Aeussern mit der Bitte, es möge die bulgarische Negierung auf fordern, den russischen Juden die gleichen Rechte wie den anderen Ausländern zuteil werden zu lassen. Tiefe׳- Tage trat bie-r aus Petersburg die Antwort des russischen M i n i st e r s rin, dass er an die bulgarisch« Regierung das Ersuchen gerichtet habe, die gerügten Missssände abzussellen und alle russischen Untertanen ohne Unter schied der Konfession gleich zu be handeln. (*!» iss merkwürdig, dass Russland die Rechte die es den Juden im eigenen Lande vorenthält, seinen jüdischen Untertanen im Ausland so bereitwillig z» wubren sucki. Amerika. D!k Irrökn in Ssn-Aranrista. <Von unterem Korrespondenten». R e w n o r k. L'>. Avril. Tie Kunde von dem entsetzlichen Unglück, welches über die schöne Stabt des westlictxn Eioldlands. San irraneiseo. gekommen iss. ist natürlich init Blitzes schnelligkeit nach allen Teilen der Welt gedrungen. Ter Juden von 2,יזו. Francisco geschiebt in den Tepejeben leine Elw-ähuurig. Ihre Leser wird es gewiss interessieren, etwas über sie zu erfahren. Tie Stad» San Francisco ist nicht nur die reichste und bevölkertste Stadt des Staates Ealifornirn, sie ist auch Sitz der grössten jüdischen Gemeinde im fernen Wessen Amerikas. Unter einer Gesamtbevölkerung von 400,(HK) Seelen wohnen etwa 25,>H>0 Juden, tveitans der grösste Teil aller jüdischen Einwotzner des Staates, deren Zahl :;5,000 nia,» ״LÄrjircgcn vüriir. Unter unseren Stammesgenossen in der un glü-tlichen Sladt sind viele sehr reich und die meisten haben stets in sehr guten Berbältnissen gelebt. Wirt licke Armut ist sehr wenig vorhanden gewesen. Einige der grössten Banken und sonstigen Geschäfte stehen unter jüdisck)er Leitung, darunter die Anglo Eali fornia Bank, die Nevada Bank, die l'nion Trust Eompann und dicAlaska Eommercial Eouipann. Auf dem Gebiete der Wissenschaft und Journalistik haben sich die ralifornischen Juden nicht iveniger her vorgetan. In der Medizin sind zu nennen die Namen Hirschfelder, Rosenstirn und Abrams. in der Iurisprüden z Ackerman. Reinstein und Lilienthal, als Künstler ragen hervor Peixokto, Roswald und Lisser. in der Journalistik De Noung und so noch eine grosse 3ui1« mtut'v{t. In religiöser Beziehung sind die Juden in Ealifornien, wie überall in den Bereinigten Staaten, in verschiedene Lager. Radikale, Konserva tive und Drthodoxe, getrennt. Die reichsten Ele mente bekennen sich zur Reform, das Gros des Boltes neigt zur Drtbodorie. Bon wirklicher Gesetzestreue iin wabren Sinne des Wortes ist nicht viel vor׳ banden, wenn es auch an streng religiösen Familien nickt gänzlich fehlt. In der Stadt San Francisco gibt es sechs organisierte Reliqionsgemeinden mit Sbnagogen, .Kultusbeamten und Schulen. Ter best bekannte Kultusbeamte ist wohl der Reformvrcdiger Tr. Joseph Boorsanaer. der sich bei dem gegen wärtigen Unglück als Borsihender des Komitees zur Verteilung der Lebensmittel hervorgetan hat. Rev. Isidor Mvers ist als Vertreter des konservativen Iuventums wohl bekannt. Bon dem Borbandensein eines ortbodoren Rabbiners in San Francisco wnss ick nichts. Wahrscheinlich sind unter den! russisch polnischen Elemente talmndkundige Privatleutc vorhanden, die die rituellen Anaelegenheiten in einer mehr oder weniger befriedigenden Weise leiten. Was die Zukunft der iüdjs-sxn Estmeinde in Tan Francisco brinaen wird, ist vorläufig nickt abzu seben. Wabrsckieinlich wird ste sich mit der für die Amerikaner charakteristischen Energie zusammen raffen und. wie die Stadt überhaupt, sich wieder wie slüher entwickeln. Transvaal. G e r m i sl o n , 2. April. Auch hierzulande will man hinter den Fortschritten, die das moderne Judentum bei Ihnen gemacht hat. nicht Zurückbleiben. In I o h a n n s b u r g hat der Rabb. Dr. Landau — ein Mann mit konservativen Allüren — e!ne der wichtigsten Errungenschaften der Reform, die Kon firmation, eingesührt. Einstweilen ist freilich diese Segnung nur den Mädchen zuteil geworden. Dr. Landau dielt bei der jüngst stattgrhabtcn Kon fimationsfeier eine Ansprache, in welcher er die Gründe für die Neuerung darlegte. Er gab dabei zu, dass die Konfirmation keine altjiidische Institution sei, aber, so in,inte er, tvenn man sie jetzt einführe, so sei man ebensowenig zu tadeln, wie unsere Väter, trenn sie nichts davon wissen wollten. Diese Zere moni« sei ein Mittel, dem Indisserentismus unserer Zeit zu begegnen. Nun wird gewiss Dr. Landau, dank der Konsirmaiie-u, herrliche Resultate in seiner Gemeinde erzielen. UermiscMes. .’C'unMOOfr , 1. Mai <I s r ae lil iiche Volks schulen. 1 I»1 Regierungsbezirk Hannover sind zwölf is raellttiche Volksschulen vorhanden: im Kreise Ticvholz in de» £ Nen I ,epbolz und Lemförde, im Kreise Hameln in Salzbenimendors. ini Landkreise Linden in Barsingbausen und Eedrden. im Kreise Ncnstadt und Wunstors. im Kreise Nicndurg a. W in Nirndiirg. im Kreise Springe in IP dagien und Patlenstn, im Kreise Stolzenau in Stolzenau und im Kreise Sulingen in Barenburg. Tie Schule in Twlsiringeu. Kreis Svke. in einaegange«. In den Städten Hannover und Linken besiehe» nur drei Privsi'chnlen. Munchr», 20. Avril. Eine der sinnigsten Einrich lungen in uiiseren allen חס^זס schien es mir 1nu»er zu sein, hast die Männer, die sich das Jahr üder jo oft in Ernst und Leid am Sterbebett und ossnen »'»,ade zusaminclisaudeii. um dem scheidende» Bruder die letzte 7 אנזיזlv חסד zu er weisen, cini.ial im Iabre am Stisluugslag der חסדא sich zur fröhlichen Feier versammelten. Wenn dieses immer ein Anlast zur echten 7 ס!!יחlT r>N!7L' lvurdr, so ist es bei der hiesigen חביא ^!""2א dieses Jahr in erhöhiem Maste o,t F״ä. יי"! י״ייד^ ד״ס״ד a-nründet, ist sie Nicht »ur die älieile ח7דא im hiesige» Kbal, londern oie rlj»» bnniaiien wecke dienende süd. Vereinigung Münchens über Haupt, uud feiert komnieiide» 7*ג בעיסר ibr b1l11drri>ähr>gcsBe stehen. Ein I-estgotiesdienft am פ' אסזד rar in de» hie sige» SNliagogen wird die Feierlich'eite» erössnen, deren Mittelpunkt der am ס«1יסד ,lach.uitlags statlfindende Festakl aus der Hauplwirkungsstätte der חסדא dem בית עילם־ם — Hilden wird Hieran schlicstt sich eine Festmahlzeit in den Räumen des ,.Bäuerischen Hofes." Uebcr Einzelbeite» der Feier. sowie üdee das Bemcrkeuswericsie aus de!» In halt der einschläg'ben von verschiedenen hiesige» Kräfte» ausgearbeilelen Icilschrist werde» wir später zu derichten haben. Lchtvabach, 2l. April. Ta» unter Leitung de» Herrn Rabbiner Tr. S. Manne» siebende hiesige Talmud thorainilitul wurde, wie der Rechenschaiishericht für li«M uud I!><».'> »litieili, >» diese« beide» Jahren von 25, Iög lingen hesllcht. Davon traten '׳ in das Lehrerseminar zu Köln, l in eine andere Anstalt und 2 zum geschäftliche» Berns übe--. Wolotschisk, 2l. April. Am U>. April kam hierher ei» junger Man», der nach Amerika auswander» wollte. Tic Agenten, die ihn nach Uebcreinkunsl über die Grenze z» bringen hatte». üverc>al׳e» ihn zipei Bauern, ans dem bciiachbarte» Torfe Wiltichkeivitsch. die >h» hinüber begleiten sollten. Tie Bauer» löteten de» jungen Rlaun unlerwegs Mid beraubten ih.>. R!a» hat die Mörder verhaftet. Tie Agenten, die fürchteten, die Bauern würde» sie verrate» sind entflohen. Berditschrw, April. Am vergangenen Freitag abend drangen 12 Viänner, die sich als 'Anarchisten bezeich »eien, in das Haus des reichen Kauinianns Isaak S cha piro ein, raubte» da» vorhandciie Bargeld und plünderte» die ganze Wobnung a>iS. Einige von den Räubern wurde» bereits sesigeiioinme». Man »and bei ihne» noch einen Teil der erbeuletei, Wertsachen. Personalien. Frankfurt a. M., l. Mai. Tie Lonboner ״Jewish Ehronicle" meldet als »)keuigkeit aus Berlin, dast Herr (.tzoldschmidt Rothschild, der Schwiegersohn des sei Barvns Wilhelm b. »Kotbschild, boi» Kaiser in de» erblichen Adelsstand erhoben worden sei. Tas sonst gut informirrle Blatt ist diesmal von seinem Berichterstatter düpiert worden, den» Herrn Goldschniidt-Rolhschild wurde berei'» vor Jahresfrist vom Kaiser der erbliche Adel ver liehe». Breslau, April. Tonnerstag, den 26. d. M.. starb hier im Aller von!'M Jahren der Rechtsanwalt und 9iorar Iustizrat Tr. Ernst Samuelsohn nach langem, schwerem Leiden. Ter Verstorbene war ein Sohn des hie- »gen Religionsschul-Tirgenten Dr. Samuelsohn nn» genost i» alle» Kreisen groste Hochachtung und Verehrung. Auch die Breslauer Konservativen haben alle llrsache, den Heimgang dieses Mannes z» bedauern: denn, obgleich er selbst durchaus nich. zu den ihrigen gezählt werden konnte, war er doch ihre einzige Stütze i!» Vorstand der Svnagogen- Gemeinde in den wenigen Jahre», die er diesem angehörte, und besonders bei der jetzigen Zusanimensetzung des Vorstandes we'-den die Konservativen den Heinigeganaeiie» schmerzlich bermiffe». Der Verstorbene hal ihre Jnt»resie1 und sforderungeu mit ei 1er Entschiedenheit und Wärme vertrete», die mancher Konservative von ihm hätte lernen können. Er gehörte auch dem Vorstand« des jüdischen Schwesternhelm's und vieler a.,derer Wohltätigkeitsinstilulionen au, für die er, so lange es ihm sei» tKesundheitszu stand erlaubte, lehr segensreich wirkte. Sein Haus führte er ganz in indischem Reifte und wollte auch seine Kinder so erzogen wisse... Vor drei Jahnen befiel ihn ein schwere« slsehiriileiben, dem er n״n erlegen ist. Am Sonntag, de« 2!>. d. M., wurde er unter groster Teilnahme zu l^rab« ge.ragen. Raudegg, 60. April. Ein schwerer Verlust hat unsre <>)e»1einde belrosien. s^ran stzann», Rothschild, Witwe des Herrn I a k. M o s e S R o t h s ch i l d. hat nach kurzer K rank beit im 82. Lebensjadr am 25,. ניסן ihre edle Seele ausgt baucht. Ihr Scheiden hi'itcrlästt bei uns eine groste Lücke, und allgemein lrauci» >,m»> üii: der Iamrür. Ei»e klug«, feiiigkbildcre ,Iran, ein echtes °אי^ח ח״ beirachtete sie e« als ihre Hauvtauigabe, ihr Hau» zu einem wirklich jüdischen zu gestalten, ihre Kinder zu guten ׳הח־יס zu erziehen Herr Rabbiner H o f s m a n n widmete ihr bei der unter sehr zahl reicher Beteiligung stattgchabts קביי־ה eine» überaus war inen Nachruf. ,חנצב״ר Budapest, l.' Mai Am 24. April wurde Herr Lam. «ch'.eiinaer. Sodn de« Lberrabbiners Herrn Joses «chlennger in Rajka und Schwiegersohn des Bezirksrabbincrs Herrn Dr. A Uriedmann in Strastnitz. einstimmig zum £derradbinrr der Kuliusgemeinde in AranvoS-Marot ge wählt Der junge Rabdiner ging aus der Prehburqe׳ Rabdinerichule hervor, ist ein tüchtiger Talmudgelehrter «m ausgezeichneter Kanzelredner in deutscher und ungarisch« spräche und Anhänger der streng ortbodoren Richtung.