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Der Israelit · 1906-05-03 · 18 (3.5.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
18 (3.5.1906)
Date
1906-05-03
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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4 Mai. 1!«*־..!,er Israelit Nr K Lene 7 Unsere Glaubensbrüder reformierter Richtung allein sind es, oder beffer gesagt, ikre leitenden Männer, die leinen anderen Lebenszivrct tennen, als das orthodoxe Judentum unter ikre Cbfnit »nt» Ge Walt zu bringen. Keine Regierung hat noch die umg-staltende Hand ihrer Macht an dem Qrganismus des gesehestreucn Judentums aus eigenem Antriebe versucht. Immer und überall «varcn es die dem religiösen Leben entfremdeten Söhne des Judentums, die die staatlichen Gewalten und ihre Qrgane zur Unterdrückung der jüdischen Gesetzestreue anriescn. Und die Regierungen, die sich hierzu mitzbrauchen liehen, meinten in der Tat. ii» Jnteresic des Staates und der höheren Kultur eine reitende Tat zu vollbringen, wenn sie die Autonomie der Gesetzestreuen vertümmern liehen. Di? sführer des ungarischen orthodoxen Juden tums wurden ron der neuen Regierung am 2-1. April in besonderer Audienz empfangen, worüber ein kurzes Telegramm die Leser des ״Israelit" bereits in formierte. Dieser Empfang war aber aus nahmstveis? von solcher Bedeutung, bah auch seine Einzelheiten registriert zu werden ver dienen. Bekanntlich ist es der neologen Landes tuu.uü oor einem Jahre zum zwei reu Mat ac lungen. einen scheidenden Kultusminister dazu zu be wegen, dah er ohne jede Beranlasiung die Kardinal punkte des ortbodoren Qrganisationsstatuts auhcr Kraft setzte. Unter der Regierung sfeb-׳rvarns haben aber die Orthodoxen nicht nur ihre Rechte zurückerobert, sondern auch die von einer Landes Versammlung ergänzte Organisation saultioniert er halten. Diese erweiterte orthodore Berrassung hat auch Se. Majestät, unser gütiger Monarch, knapp vor de!״ Rücktritte der früheren Regierung mit seiner allerhöchsten Sanktion bestätigt. Das Kabinet sskh׳'-varn batte aber einen Schönheitsflect: es regierte nicht parlamentarisch. Bom Standpunkte der ungarischen Berrassung war dies jedenfalls sehr bedauerlich. AVer deshalb konnte man doch nicht den Orthodoxen zumuten, das; sie bei dieser Regierung auf den Rechtsschutz ver zichtekev und sich die Vergewaltigung seitens der neologen Stammesbrüder gefallen liehen. Es haben auch alle anderen vaterländischen Konfessionen mit dem früheren Kultusminister ihre Beziehungen aufrcchterhalten.!*!5 wurden katholische Bischöfe er nannt, die Baptistenreligion wurde rezipiert, die Pro teitanten verlangten Subventionen für ihre Iheo logischen Akademien, die reformierten Juden liehen die Mitglieder der Seminarkommissivn ernennen und gaben sich auch alle Mühe, die Bestätigung der ortho doxen Autonomie bei der Regierung zu Hintertreiben und es!st überbaupt keinem ungarischen Patrioten eingefall n. den Kultusminister amtlich zu bov kottieren. weil er Mitglied eines auhervarlamen tarischcn Kabinets war. Kaum war die neue ungarische Regierung ernannt״ so traten die neologen Führer in ihrem Organ mit Denunziationen gegen ihre orthodoxen Glaubensbrüder hervor. Den Ortbodoxen aus ihrem Perhalten einen Vorwurf zu machen, war dem jüdischen R i s ch u s Vorbehalten. ״Tie frühere verfassungswidrige Regier ung habe das Statut der K a f t a n I u d e n be stätigt, weil die neologe Kanzlei von ibr nichts ver langen wollte <!». Das Organisationsstatut der Lrthodoren diene nur der Finsternis. Der neue fkriltusminister solle die Verfügung seines ״kleinen" Vorgängers fiir ungültig erklären." Diese und cikm licht- Ausfälle leistete sich das neologe Blatt in der «st,״ Nummer, die nach den! Amtsantritte des neuen Kabinets erschienen ist. Unter solchen Verhältnissen war man allgemein daraus gespannt, wie sich der v»*•»» TifHfn . ‘־י■• ^gi.rung gestü'ie» werde. Nu», dir Bcuntworiuilg efec srrage isi 1üfd» erfolgt. Dcr Empfang be! '׳den Ministern war ein überaus freundlicher und ^cher und es ist gar nicht daran zu reuten, dah neue Kultusminister den noblen und gerechten ißriues Vorgängers werde auher Kraft setzen en. An den Ministerpräsidenten Weierle richrete s Frankl, der sführer der Depulation. ,de ungarische Ansprache! Xr. dem (?rnibl der Ircude. welches sich im ganzen « kundgibt, wünschen auch wir rrilzunebmen. »״d wir Gen Ew. Ercellenz mil lieser Huldigung im Ramrn der valerländnchen auk. orth isr. Aonskssio» an der Spitze der von den berufenen Iüdrern der Nation ge dudele» Regierung -Zugleich slrbe» w,r: geruden t^w ErceUenz. unsere ko»!e,nonelle Autonomie >» Idre» gnädiger. Schutz zu uehü.kn u«V »»» durch die Sicherung unserer serdstäudigr» Separai Organisation ui die vag« zu bringe», daß auch wir i» unserem bescheidenen Kren« an der beginnenden grosien »alionalen Ardeil leilnrbmen können. als treu«, bingedende. eisrige Anbanger l,nd euifache «eneidiger oer uiigarliche» StaalSibrr Ter AU gütige segne die langten irn׳. Er.elleiiz mit glaiizendei» Erfolge und vollkommeiiein Renillal" Der Premier dankte für diese Beglühung in einer längeren Antwort und betonte mit!*sonderen! Nachdrucke, dah, die R e l i g i o n S und Ge!z-issensfreiheit einer seiner Pro g r a m in p u n i t e sei; die Orthodoxen können nach dieser Richtung hin zu jeder .-Zeit aus seine Unterstützung rechnen. An den Kultusminister, Gras Alb. A p v o n v i. richtete Präsident Adolf Irankl folgende An spräche: ״Wir. die wir vier erschienen, nnd die Abgesandte» der orlbodore» Indenheit, die TelegicNcn der aus der Basis dcr Traditio» siebende» or>b. israel. Aonsenion. welcher die Weisbeil der i^eiekgebnng »»d die undegreiizlc >^»ade unseres gütigen Königs schon vor vier Iabrzeknleii das tiljul’tnc lunuu׳ der Religlonsirelbeil verliehe» har. ׳.׳-׳»» ue'er tzuldigimg degrugen wir Ew Erccllenz an der Spitze der.»!uliusregireuiig. >11» '.'iainen der geseqes lreue» Juden sieben wir: geruben Sie. unserer Auiouoinie. diesem unserem e 1 s c r s ü ch 1 l g g e b u l e l e n. t e u e r n e n Schatz, diesem r»ln»re1.t>en ,-Zeichen der de» iBieize» unseres Balertandes einv^leibien Religio»»- und iS.- wissenssreiheit Ihren gnädigen Schutz angedeibrn zu lauen' Tie konseOioneüe ttnabbangigkeit und s e p a r a l e L rga «11' a 1 io » der vaterländischen orlbodore» Iudenichasl in das Resullal unseres aufovsernden »ranivses. Wir bitten Ew ErceUenz in» Ikre» Schuir gegenüber den gegen uns von welcher Seile »inner wo man iich »!1! der Tatsache nnse rer besondere» Aulononile und unserer S elb st >l ,in big keil »och im 1» er indit bcsreu » de 11 will gerichieten Angriffen. Ter Allgutige i*on segne Ew Oreelienz nnl strail. iüeiniidbeil nnd 'Ausdauer'" Auf die'e Ansprache erwiderte Minister Graf Albert A v p o n n i in einer längeren Rede, in der er, was die Hauptsache betrisst, solaendcs aussührte: ״Ibre Begrünung dal mich iehr errrrut und nedinen Sie für dieselbe meinen Tank eulgege». Al« eifriger 'Anbänger meiner Religio», weih ich ke» Werl nnd das Recht der Aulvnomle, sowie der weilestgebende» (Hlande ns und iSewisseiissreihril Solkaus zu würdigen. So okl Sie daker >n dieser B e z i e b n» g ein ׳Anliegen haben, wolle» Sie sich nur an n>ich wenden. Ich werde Ihnen sleis zur Bersüguiig »eben und Ihnen warintte Unter siütziing angedeihen lasse». Empfangen Sie nochmal» meinen Tank für Ibr sreunbliches i> r'cheuir»!" Beide Minister liehen sich die einzelnen Mit glieder der Deputation vorstellen und wechselten mit ihnen Händedrücke. Zum Präsidenten Frankl ge wendet, sagte der Kultusminister, er kenne ihn schon lange. >venn er auch bisher nicht in persönlichein Berkehr mit ihm gestanden. Seine?ftfunl* hätten ihm die Persönlichkeit des orthodoxen Iübrers be sonders vorteilhaft geschildert. Er versichere ihn auch seines ausrichrigskcn Wohlwollen und er möge sich in Sachen seiner Konfesiion jederzeit vertrauensvoll an ihn »vendcn. Seit 30 Jahren finoen derartige Bearühungen statt. Tie gesetzestreuen Juden batten aber niemals mehr Ursache mit dem Resultate der Aufwartung zufriedener zu sein, als es diesmal der Tkakl ist. Unsere neologen Glaubensbrüder diersen eine Weile ihre Hoffnungen zurüctstellcn: dieser .Kultus minister wird die Autonomie der Orthodoxen nicht e-ufheben. Auch das neueste R i s ch u s unserer Paradejuden — worauf wir demnächst noch zurück kommcil — ist G. s. D. etfoiglos geblieben. עצי עצר; יחיפ־־ רביץ רכי ו־א יקיש כי עדני א~ Krakau, 20. April. Auch in Galizien giebt es, wie wir p»r Zeitung ״Hamizpeh" entnehmen, hin und wieder kleine Pogrome. In G l o g v!0 ging eine Schar Soldaten am Abend des ersten Pesachtages an der Lvnaaoge vorbei, hörte dem Gesänge, der kerausdrang, eine Weile!׳> und überfiel dann plötzlich die jüdischen Häuser: sie schlugen die Fensterscheiben ein. warfen nach den jüdischen Passanten aus der Strasie mit Steinen, hieben mit Stöcken au» sie ein und verwundeten einige. — In Wielicska berrkchtz der rühmlid* lstebrauch, dasi alljährlich am Palmsonntag der Mob sich init Stöcken bewaffnet und a»s jeden'Juden, den man aus der Strasie trifft, losscblägt. Die Juden baden sich bereits in jedem Jahr an die Regierung um Schutz gewandt: immer jedoch, wie auch diesmal, ohne Erfolg. Nicht nur. dasi die Behörden keine besonderen Masitegeln zur Verhütung der Erzejse traf, die Polizei war überhaupt nicht zu sehen. Sie hielt sieb geslistentlich im Perboraenen. So konnte denn der Pövel ungestört gegen die Iuven wüten. Er drang in die jüdischen Läden ein und plünderte dort. Auch ein Nichtjude, den man nicht als solchen ertannte wurde misihandelt. Dem Stadtrat Iosep'» Perlberger, dcr sich aufs Polizeiamr begab und Hilfe verlangte, gab einer der Beamten seinen Helm mit der Aufforderung, selbst Polizei z» spielen. Man siebt. Rnhland ist doch nicht einzig in seiner Art. (f n g I 1 n 0. London, 20. April. Das englische Aus wärtige Amt veröffentlicht den Bericht des Konsuls Dictio!׳ über den Handel in Palästina Iväbrend des Jahres 1903. Der p a l ä st i n e n s i s ch e Handel entfallet sich, wie der Konsul sagt in dicken: Jahre sehr g I ü st l i ch. Das!*weise das Wachsen des Exporte unv des Imvcrt». betonders aber h»r Schiffsverkehr im Hasen von Jaffa während des Berichtsjahres. Den Anstosi für die gute Entwid lung des Handels gal*n vor allem der reichliche Regen und die infolgedessen gut ausgefallene Getreide uno Orangenernte, ferner der Iorksall der Quarantäne- Bestimmungen Seit der «Erössnung der Bahnlinie Jerusalem Jaffa im Jahre 1d92 haben Handel und 'Verkehr in 'l>alästina stetige Fortschritte gemacht: es ziigt sich das auch in dem Geschäftsbetrieb VeS Zoll hc uses in Iassa. Bor ungefähr 20 Jahren betrugen die Zollciniiahnien dort etwa >0.""»'Psnnd, wahrend sie im oeraangcncii Jahre oberflächlich ae ׳chätzt 40,(hm 1 Pfund ausmachten,?fördernd s׳ir den Handel wirlt auch die jährlich wachsende Zahl der Touristen, die jetzt im?frühjah! und Herbst bas Land besuchen. Der Geiamtioerl von' Export und Import war in! letzten Iabr K21>20 Psunb. um 02.200 Pfund höher als im norhergelzcnden Jahr. Der (*rvori belief sich auf 307,*20 Psb.. gegen 2!»3. :co Pkd. in 1!ü»4 ,also eine Zunahme von 24.3 Proz.». Beträchtliche Quant, täten von Hirse, Lupinen. 2stei;en und Bohnen wurden iiiiolge der .'Uten Ernte ausaesübrt ferner sehr bev-euten^e Mengen von ''stein und Svirituosen. Die Einsuhrziksern zeigen einen kleinen Riiclgang im Wert gegenüber l!-»4. von 472.220 Pt'd. . ans 404,«x»o Psd. Während der letzten s ins Jahre ist b״r Schikssverkebr im Hasen von Iassa bt'känbig gröster geworden, und diese Tatsache beweist das kommerzielle sfortscheeiten des Landes sicherer als die Angaben über t^in- und Aus fuhr, die mangels der Veröffentlichung einer amllichen Statistik nur als annähernd richtig ange sehen werden können. Die Gesamtzabl der Schitü. die im Belichtsjabr in Jaffa ankamen, beträgt 971. gegen *'׳* im Iabre 194״. Die Weinernte war sehr!eichlich, und es wurde, wie der Konsul mitteilt, in den jüdischen Kolonien eine eitrige Tätigkeit aus diesem (^stebiet entfaltet. Die Versuche einer Baum wollkultur zeitigten nicht die erwarteten Resultate. Aber das liegt mehr an de»! Mangel an Ersahrnng in der Bebgndtuni, der Pflanze, als an der Be schassenheit des Klimas und des Bodens. Man dar׳ hoffen, das; bei der Anwendung der nötigen Sozg satt der Baumwollenbau von Exkola sein wird. Was die I a s s a I e r u k a l e m B a h n betrifft, so zeigen die Ziffern für 1!*!4 (die für 190-3 sind nach nicht veiötk'ntlichti. dgsi die «Einnahmen <2.3.101 Psd.» die aus 19.13 um!2,0 Pror übersteigen. Die Einnahmen von 19(^1 waren die höchste», die seil der Eröffnung der Linie <:x2*־) erziel! wurven. Urbrr die Vcrhäliniste in Jaffa Wird mitgeteilt, da», in jeder Hinsicht ein dedeutender Fortschritt zu verzerch - r.en ist. Die Bevölkerung nimmt zu. der Handel ent^ willelt sich merklich, der Boden fteiat im Wert, das Geld ist billiger. Iiir (st a z g schlägt di? Regierung die Erbauung emes Hafens vor. um den dortigen Handel zu fördern. Dank der guten Gerstenernte war das Geschäft in Gaza im aanzen lebhaft, gleich wobt standen die Preisen niedrig. Beerseba zählt zivar nur einige 30 Wohnungen, nimmt aber an Bedeutung zu. da eS Regieeungssitz eines von 70,000 Beduinen bew'hnien Distriktes ist.

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