Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 17 (26.4.1906)
- Date
- 1906-04-26
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9886788--0314-7374820- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
April liHMi. fltrtn. Und auct, der Mond beschien längst Ge sebenes, neu Erstebrnkrs und Verarhendes. Und wie m-or Jahrtausend blickte er aus dir Erd» ׳.n׳d d>e Menschen, ihre Torheiten und ihren Jammer, der Mond siebt gar vieles. Und so wie der Schuster sinnend da hinauf blickte. richt-ten sich jetzt auch die Augen eines jungen Mädchens sebnsücbtig zu dem freundlichen, nächtlichen Lickrspender. Behutsam öffnete es das klkine fen'ter sei.ieS Dachtämmerchens und lies, die frische Rheinlust in das dumpfe Gelas einströmen. Bella. Wechsels äl,es׳e rochier, mochte heute Abend nicht so'pünktlich >vie sonst zu Beite gehen. Zum Erstaunen der jüngeren Schwester lcbnte sich Bella, halb entkleidet schon,;um kleinen Fenster hinaus und blickte zum firmament. Das Akondlicht zeichnete eine Silhouette ibres jugcnd׳ lichen Körpers auf die weisgetünchte Wand des Kämmerchens und die Augen der jüngeren blickten unverwandt auf die schön geschwungenen Linien dieses Schattens. Bald richteten sie sich auf Bellas Gestalt, deren Gesicht, Hals und Busen marmorweift im Mondeslicht erschienen. In ihrer BewegungSlosigkeit hätte man sic für eine Statue halten können; ein ängstliches Gesühl beschlich das junge Geschöpf. Leise erhob es sich vom Lager und legte feinen Arm um den Racken der Schwester. ״An was denkst Du. Bella?' ״An was? an gar nichts bestimmtes," erwiderte Bella zögernd. ״Doch, Du denkst an Jemand," beharrte flora, ״und ich weist auch an wen." Unter ihrem Arm fühlte flora, wie eine Heise Blutwelle über den Rocken der Schwester hinfluteie. Mi; dem Vorwitz ihrer sechzehn Jahre sagte sie sehr bestimmt: ״Du liebst' Deswegen starrst Du in den Mond und kannst Du nicht schlafen." Wieder erglühte Bellas Körper unter einer Blutwelle, und sie wandte ihr (stestcht halb oer SammsM zu. Ihre nächtigen Augen sahen forschend in das zarte Gesicht des Mädchens. ״Und überhaupt, wie kommt einem so jungen Ding, wie Du bist zu, von solchen Sachen zu sprechen?" ״Ich habe heute in einem Roman gelesen, das alle Leute, die zum erstenmale lieben, in den Mond starren, wie Du eben tatest." Bella lächelte. ״Den Roman läßt Du mich lesen." - ״Wenn Emil erlaubt." ״Emil? isi das der Unterricht, den er Dir und unserein Bruder erteilt? Das ist aber doch merk würdig." ״Es gehört zur Bildung," verteidigte flora ihren Lehrer. ״Emil -Korn ist sehr gebildet," fuhr sie lebhaft fort, ״viel gebildeter als seine beiden Brüder und seine abscheuliche Schwester, die ich nibt leiden mag." flora hatte ihr Gesicht auf dos fmul't der S'chwester gelegt, die nichts mehr sagte und fragte. Fortsetzung folgt.) Heinrich Meer. Eine Erzählung von Friedrich Rott.!s!i ״So m ü f>. t e es ein fremder gewesen sein, das ist richtig. Aber wie konnte ein fremder auf den Hof gelanaen, ohne das! das ganze Haus durch das Gevlasf des höchst wachsamen Kettenhundes geweckt worden wäre." ״Hier steckt, meiner Ansicht nach, der Fehler in Ihrer Berechnung. Warum sollte man, so gut man Menschen zeitweilig des Bewustseins bcraiibeu kann, nicht auch Tiere desselben berauben können?" ״Sie balken das für möglich?" ״Ich wüste nicht, weshalb ich das nicht für möglich ballen sollte, und deshalb meinte ich. Sie müsiten Ihre Rachforschungen weiter ausdrhnen." ״Tun werbe ich das, selbstverständlich, obgleich vieles, oder vielmehr alles darauf hindeutet, das der Täter mit dem Hause und den Gepflogenheiten desselben vertraut war." ״Haben Sie nie Verdacht auf einen Bestimmten der Hausleute gebabl?" ״Wirtlichen Verdacht nie. Rur das Benehmen des Ringelbofhauern ist mir im Anfänge einigemal Ter Israel»!. Tru« >:> iJfr 17 ausgefallen, das; er nämlich, so oft vcn de!» er mordeten KinX die Rede war. sich, wie mir schien, n.i« einer gewissen Absichtlichkeit, mit der Hanv über die?lugen gefahren ist. Später hat er bas nicht mehr getan, und überdies hat der Dderkneckt bei der Ber Handlung ausgesagt, das. er das Kind überaus lieb gehabt hat. sodas seine Leute ihn im Berdacht hatten, nicht ber Dnkel, sondern der Vater des Kindes ge wesen zu sein. Und die Erwiderung des Bauern auf diesen ausgesprochenen Verdacht, Kat denselben weniger widerlegt als bestätigt." Hermann zuckte die Achseln. ״Die Bauern sind zuweilen vortreffliche Schauspieler, nicht nur die Ammergauer." Heinrich sab auf die Uhr. ״Ich deute!vir machen für beute fcierabend, meine Schivester wird schon auf uns warten. Wollen Sie mich nur für wenige Minuten entschuldigen, ich bade drinnen noch einiges anzuordnen." ״Bitte sich meinethalben nicht zu übeceilen, ich kann warten." Heinrich verlies das Zimmer: Hermann trat zu dem fenster und blickte hinunter auf das Menschen gewoge ber belebten Strase. In tiefes Sinnen versunten, sah er ׳edoch vermutlich die Menschen unten nicht, venu in!>>>» Mi״;} ״״ '".Jan. Er war »in lebhafter, feuriger junger Mann, voll glühender Be gcisterunq für Wahrheit und für Recht. So innig es ihn beglückte, dazu l>eitragen zu können, den frei sprnch eines unschuldig Angeklagten zu erivirkeu, so überaus schmerzlich eiiipfand er die Tatsache, das der andere gleichfalls Unschuldige verurteilt werde» sollte. Sollte es denn unmöglich sein unwiderleg bare Beweise seiner Unschuld zu bringe»' Wenn er dock! auch dazu batte beitragen können! ״Entschuldigen Sie, das ick Sie so lange habe warten lassen," sag»« Heinrick, indem er die Hand aus die Sckulter des freundes legte. Dieser fuhr zusammen, als wäre er aus tiefem Schlafe erwackst. ״Haben Sie geschlafen?" fragte Heinrich lachend. ״Eieschlafcn weniger, aber geträumt und zwar einen schöne» Traum." ״Ten muffen Sie mir erzählen." ״Schöne Träume erzählt man nicht, sonst treffen sie nicht ein." ״Nun. dann erzählen Sie ihn nicht: aber kommen Sie, es ist die höchste Zeit." Beide machten sich aus den Weg. es war in der Tat ziemlich spät geworden. ״Ich habe meine Schwester wiffen laffeu, das wir früher als gewöhnlich kommen werden und nun ist es noch später geworben. Wenn eS Ihnen recht ist, fahren wir mit der Trambahn." Hermann war einverstanden und beide stiegen in dcn eben vorüberfghrenden Wagen der Pferdebahn. Aber sein freund merkte doch bald, das ihm die fahrt nicht angenehm war. ״Mir scheint. Sie wären liebr gegangen, wenn Sie nicht gern fahre», können wir austteigen." ״D nicht doch, es dauert doch nicht gar so lange mehr." ״In höchstens zehn Minuten sind wir zu Haine. Aber wenn ich gewusst hätte, das Sie das Jahren nicht gut beitragen -" ״O. ich kau» cs sehr gut vertragen, es ist nur — aber Sie werden mich auslacken." ״Weshalb sollte ich Sie auslachen.' ick, bade schon öfter gekört, das Leute nicht gut fahren können." ״Aber ich N'icberhole, das Jahren an und für sich macht mit durchaus kein körperlickes Unbehagen. aber so oft ich mit der Vferbebabn fahre, mus ich beständig die übermäßigen Anstrengungen der armen Tiere niil- /»sehen. Ich kann mir nickst keifen, mir scheint das als Tierouälerei, »nd das ich davon proliticren soll ״ ״Eie sind in Wirklichkeit ein guter Mensch." sagte Heinrich, ״ob Sie recht haben, weis ick nicht, ich Hab», noch nicht darüber nachgcdacht. Aber wenn ich die Pferde so munter dabintro.be!! sehe, macht es aus mick׳ nicht den Eindruck, als empfänden sie Dual Uebriqrns sind Sie nickt der erst», von dem ich der gleichen böre, meine Schwester Emmi denkt — oder soll ick vielleicht lieber sagen füblt in dieser Bezieh ung ganz mie 'Z'xt. Sie bat auch beständig Mitleid mit den Pferden, und wenn sie gar ein töundegesabrt sicht, kann sie zuweilen auser sich aerairn " ״Wirklich' Dawundert mich. Ick habe inüne» geglaubt, bas nin ick solche verdresttr Ideen bade, »veil ich dock eigentlick ein Halddauer bin. aver das Ih»r Schivester ״AVer wieso sind denn Sie ein Halbvauc^ G. ist dock tein Dorf und do!t sind Sie geboren uno erzogen ״Ader mein Vater war der Sobn eines Gros bauern und leit meinem jecktlen Jahre bade ick d>< fcrien alliährlich de, den "»roseltern verbrackt. Da - war für mick immer die schönste und aliicklichste Zeit, und auf dem Laude, Xi lernt man die Tiere ganz anders schaden als in de. Stadt, da sind sie den Kinder» Spielaesäbrten und de» Erwachsenen gute freunde, »:an sprich' mit ibnrn als ob iic alles ver ständen, und ick glaube in der Tat, sie versieben weit mehr, als man gewöhnlich glaubt, '»!eine wichtigsten Geheimnisse bade ick der Bles erzählt, einer schönen, weisgesprengelten, hellbraunen Kub ״Und sie bat dieselben nie verraten." fiel Heinrich lcuckelnd ein. ״davon müssen Sie meiner Schwester erzählen. Aber jetzt muffen wir aleick aussteiqe». die Trambahn hält vor unserem Hause. Da sind wi schon freundlich begrüstr Emmi den Bruder und d'ff'n freund, den sie odne das derselbe ihr voraestklll wurde, sofort toiebcr erkannte: er aber betrachtete mit unverbohlenein Staunen das anmutige bstibend schöne Mädchen, das er noch nie gesehen zu baden glaubte ״Sie haben damals vermutlich meine Schwestei mehr angesehen als mich." meinte sie lächelnd, ״und übrigens bin ick in dieser Zeit auch älter geworden Jetzt aber möchte ich dir Herren bitten, sofort zu Tische zu kommen, das Effen wartet schon seit mehr als anderthalb Stunden es könnte schließlich ungehalten werden und — ich wajchc meine Hände in Unschuld." ״Estrich, Schinesiercken. gleich sind wir so lvest. ick: will n1׳r zuvor in meinen Hausrock schlüpf n, Du weist, ich liebe die Vegueinlichrcit. Sie entjckuldigeu doch, Hermann. in zwei Minuten bin ich wieder tu«." ״Bitte, Herr.Doktor, setzen Sie fick." bat Emmi, aus einen Sesiel in ihrer Räbe deutend, ״wie geht es Ihrer Schwester? ich habe zu meinem aufrichtigen Bedauern erfahren, das sie in jüngster Zeit oiek Schmerzliches erlitten." ״Sehr viel Schmerzliches," bestätigte Hermann, ,.aber ich hoffe doch, bas sie sich in kurzem vollständig erholen wirk^ Meta ist »׳ne elastisch« Natur, und nun überdies das Bewustsein, das durch ihre Intervention ei» unschuldig Verdächtigtem freigelprochen werden wird. Das wird viel zur Hebung ihrer Srimmung beitragen." ״Was ist bas für eine?lngeleaenheit?" fragte Einmi. Hermann berichtete es und gleich darauf trat der Hausherr wieder in das Zimmer. Man ging zu Tisch, in traulichster Unterhaltung entflohen ihnen die Stunden, und es war nicht weit bis zu Mitternacht, als Heinrich den freund zu scinenr nabe gelegenen Hotel beglriieie. Als er heim kam, fand e» zu seinem Befremden seine Cch'mstrr nock im Wohnzimmer. ״Tu bist neck aus Kleine' warum gehst Du nickt ins V׳tt' »׳ ist die höchste Zeit." ״Ick wollte Dick noch sraaen, ob Do'wr Wald Herr morgen wieder hfi uns effen wird?" ״l"ewis. Kind, das ist doch selbstverständlich!" ״Ich habe es mir auck gedacht, aber wenn er um drei Uhr an der Bahn sein w׳ll so wüst ibr spätestens um ein llbr hier sein." ״DaL ist richtig »nd soll auch geschehen, sorge nur, das wir dann sofort effen können." ״Daran wirb es nicht fehlen aber ״Was hast Du noch aus dem Herzchen. Kleine?" Sie antwortete nicht sogleich, blickte vielmeb sinnend zu ihm hrnüder, dann sagte sie langsam, zögernd ״Du must doch auch bei der Berbandlur.g sein will Du — willst Du nickt mit ihnen fahren?" ״Rein." sagte er hastig, indem er sich abwandte. um sein plötzliche» Erröten zu verbergen. Sie hatte es dennoch gewahrt und war zu ihm getreten und hatte seine herabhönqend« Hand in die ihre genommen ״Warum willst Du nicht mit ibnen zusammen reisen. Heinrich?" r.r4. Er anlwonrle nichi Ulrich, aber fein Atem;:!