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Der Israelit · 1906-04-26 · 17 (26.4.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
17 (26.4.1906)
Date
1906-04-26
Page
Seite 7 (sequence 8)
Language
German
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Ä>. April 19U0._ Zweifel erhaben ist. der aber dem erziedendln Ginfluß d.r frankfurter Gefälliakeitsvolilik allzulanae aus gesetzt war. bescheinigt sich selbst bas Ungeheuerliche: ״W e n n jemand den j ü b i s » e n '6 b a r a!י te r d e s P b i I a n t b r o p i n z u bezweifeln wagte, so würde ich t» 0 n meiner Präsidialgewalk Gebrauch inachen und den H e i l i g t u m s s ch ä n d e r in feine Schranken z u r ü ek w e i s e n!" schade, daß der Kasseler Provinzialschulrat vor zwei fahren nicht auch so liberal gedacht hat, als er der ״frei s!nn"tricfcnden und gang und gar nnt>t jüdischen Weiherede des Herrn Direktor Adler mit prachtvoller Ehrlichkeit seine Ileberzeugung von dem Wert der Gottesfurch! und der Religion entgegensetzte! Dreimal schaoe, daß »-er 'Vorsitzcnde des ZeniraloereinS damals nicht präsidierte, um dem unbequemen Mahne: das Wort zu entziehen! freilich ist der kluge Direktor des Philanthrovins i״, modernen franksiirt leider ein mächtiger Mann geworden es verlohnt sich, darüber gelegentlich mancherlei Interessantes zu er zählen , allein gerade desbalb mutet dieser Teil der Erklärung aus dem Munde eines Mannes wie Dr. Heinemann umso erichreekendcr an, und wir wissen?S, daß die G,k!än>ng denn auch in den ibm nächstsiebente» Kreisen lebhaftes Kopsschütleln h:r vorgerufcn hat. Daß von gesehestreuer Seite s o klipp und klar die Absetzung des eigenen Prinrios prokla miert, daß ziviscben ertremen und nicht ertremen Reuerungen unterschieden und das Philanthrovin das Bollwerk der Reform, als tnlai erklärt wurde, das war man denn doch selbst in jenen »kreisen der Gemeintcorthodorie bisher nicht gewohnt. Wir. unsererseits »»«klagen und begreifen׳ beklagen, daß ein Mann von den fähigkenen und oer jüdischen Gesinnung des Dr. Heinemann sich in eine so prinzipienlose Opportun!,äisvolitik i'-n-ii.-H statt kühnen Mutes Schulter an Schulter mit denen zu kämpfen, die den Kampf nicht scheuen, - aber wir begreifen, müsse n'S wohl begreifen, wenn der Bortitzende oes ״,eutiül Vereins erklärt, daß ein offener Kampf im Kreise der f-ranksurler Israelitischen Gemeinde noch immer aussichtslos sei und daß es weiier gelte - fiir den. der daran Geschmack findet — unter sorgfältiger Verhüllung od.r Abschleisung des Prinüves, durch Diplomatie und Klugheit den und »enen Vorteil für das gesetzeslreu? Judentum zu erringen. Schlaft wovl, Ihr Kobolde in den Vapicrkörben der Gemeindestude -- leuchte weiter, heiliges Licht in die??acht hinaus - fern ist der Morgen und fest gilt'S zu stehen auf der Warte, mit den Wenigen in der Nacht! Berlin. 22. April. Die gestrige Sitzung der Repräsentanten Versammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde erösfnetc der stcllver tictende Vorsitzende, .Herr Geheimrat Blumen t h a l. mit Verlesung eines Dankschreibens des Herrn Prof. Geiger für die ihm aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit dargebrachten Glückwünsche. -- Herr Kommerzienrat Joseph Pinkus hat de: Armenkommission der jüdischen Gemeinde letztwillig £0,000 Mark zugewendet: frau Rosa Wollenberg zur Errichtung einer Ludwig Wollenberg Stiftung 5,000 Mark, deren Zinsen an einen würdigen Mann von über 60 Jahren jährlich verteilt werden sollen. Zur Pesachbeköstigung jüdischer Strafgefangenen in Brandenburg iverden 150 Nit., desgleichen in Insterburg 50 Mark bewillig,. Zur Ginrichtung des Vermietunqsbureaus Oranienburgerstraße 29 1300 Mk. Zur Grrichtung des phvsikalischen und chemischen KabinetS in der Knabenschule 2000 Mt. für den Bibliothekar der Schüler- und Lehrerbibliothek der Knabenschule jährlich 75 Mk. Punkt 14: Ginsetzung einer gemischten Deputation zur Vorberatung der frage der Wahl noch eines Predigers sowie eines Rabbiners, ruft eine lebhafte De batte hervor. Herr Weinberg bittet den Prediger fallen zu lassen und nur einen hervorragenden Rabbiner zu wäblen. Berlin sei die erste Gemeinde Deutschland; und das Beste sei gerade gut genug. Gemeinde Vorsteher Zacobi erklärt, man Hobe vor vier Jahren einen jungen Mann als Prediger gewählt, und habe eine sehr gute Wahl getroffen, jetzt habe sich der fall wiederholt, man hoffe auch hier bas Beste. _Der Israeli,_ Bei der Wohl eines Vrediger« könne man ׳essen Gn, Wickelung beobachten. Der fertige Rabbiner glaube, alles was er sage, sei Dhoras Mosche. Direktor Dr. Minven wünscht die Ginsetzuna einer Kommission, wie sie in der Reformgemeinbe besteht mit monat licher Besprechung mit den Rabbinern über alle Gr eignisse in der Gemeinde, auch über die Predigt. Professor Geiger nimmt das Wort zugunsten de» Parochialsvstems, er tadelt die Metbod» der okjft predigten: auf leinen Reisen im Monat März bave er sihr Ungünstiges über die Art und Weise der Berliner Berufungen gehört. Man schreitet zur Abstimmung. In die Kommission werden gewäbll von Seiten des Borslandes die Herren Iacodi und Giiner. von den Repräsentanten die Herren Blumenibat. Löwenihal. Geiger und Gobn. G. tli. Berlin. D,s,.Berliner Dagedlali" bringt in seiner Abendausgabe vom vorigen Samstag solgeiibc Polizei offiziöse Notiz: ״Die A u s w e i s u n g von Ru s s e n. Zu den Ausweisungen von Russen ersabre» ivii, daß daran die Abteilung VII des Polizei Präsidiums, die politische Polizei, nur in fehl ge ringem Umfange beteiligt ist. Die »1 e i st e n erfolgen i!n G i 11 v e r n e h m e n mit dem israelitischen U n t e r st i> tz u n g s a u * s ch u ß In der vergangenen Woche wurden täglich 20 bis 25 Russen ansgewiesen, von de! politischen Pvlizei aber in diesem Jahre im ganzen mir etwa 20." Gs wäre sehr wissenswert, und man bat jr.di'cherseits ein Recht darauf, zu erfahren, w e l ch e Bewandtnis es mit dem ״G i n v e r nehmen de» israelitischen Unter st ü tz u n g s a u s s ch u s s e s" mit den ')I 11 s Weisungen russischer Brüder durch die Polizei hat. Umsomehr hat die Jude» heit ein Recht, hier volle Auttläruiia zu verlangen, da die Mittel dieses UnterstütziinaSausschusses von Juden zu W o h l t ä t i g k e i t s z w e <k e n ge spendet werden. Die hier erwähnten Ausweisungen sollen nach obigen Darlegungen nicht aus politischen Motiven ersolgen. Nun denn, aus welchen Gründe» erfolgen sie dennoch? Und da bisher die in Preußen, beziehentlich in Berlin ioohnhast gewesenen Russen noch niemals auch nur mit einem Pfennig staatlicher oder kommunaler Oelber unterstützt worden und schließlich nur uns Joden allein ״zur Last" aeialien sind, so wird obige ״Giklarung" nur umso nnver stäudlichcr. — r. Probleme der Acnimpflkgk in Kreolsu. <!p»n unserem Kurreloondenten.l Breslau, im April 1!•**!. Seit meinem letzten Bericht ist in unserer Ge meinde nichts von Belang vorgefallen. Die Ruhe und der frieden dauern unverändert an. und nichts deutet darauf hin. daß es in nächster Zeit anders werden könnte. Die neuqewählten Herren Revräsen tauten haben sich's inzwischen in ihren Aemtern dequem gemach: und freuen sich ihres Sieges und seiner Früchte. Nun mag den Herren doch manchmal der Gedanke gekommen sein, ob der eine oder andere Bor׳ Wurf, der ihnen zurzeit des Wahlkampfes von ihren konservativen Gegnern gemacht wurde, nicht doch derechtigt war, oder ob manche Behauptung, die in der Hitze des Wahlkampfes auf ihrer Seite siel, nicht doch — gelinde gesagt — unvernünftig gewesen ist, und ob es nicht angebracht wäre, diesen fehler jetzt gut zu machen. Bezüglich ihrer unverständlichen Aeußerunq über den jüdischen Religionsunterricht scheint den Herren wenigstens jetzt diese Grkenntnis gekommen zu sein: denn mit den damals geäußerten Anschauungen der Gemeindeleiter wäre die jetzt er׳ folgte bedeutende Ausbesserung der Rrligionslehrergehälter sowie die Regelung ihrer Pensionsverhältniffe garnicht in Ginklang zu bringen. Ob dieses Mittel allein ausreicht, alle bisherigen fehler gut zu macken, ist allerdings eine andere frage. Die eben erfolgte Regelung der Gehälter der an den drei Religionsschulen der Breslauer Gemeinde an- ___________cutt 7 Rr 17 gksteliien Religionslebrer stellt diese, soweit sic ala demisch gedilt-et sind, pekuniär den Oberlehrern an prcußisaie» höheren Schulen gleich Die Grhältrr selbst sowohl, wie auch die Pension-verheil,niste lind nach den fiir staatlich angeslellte Oberlehrer maß gebenden Norme» geordnet worden, und so marschiert die B-esIauer Sonagogengemeinde wenigstens in dieser Hinsicht an der Spitze der großen Gemeinden Deulfchland». S׳e kann sich diese Ausgabe allerdings auch leisten: denn ikre finanzielle Lage ist ffhr günstig und man muß anerkennen, taß dies ein Verdient, der mustergiltigc» Verwaltung der hiesigen Gemeinde ist. Die Jahresrechnlingen schließen fast reqelinäßig mit einem bedeutenden Hebers,huß ab. Das ist aber auch bas cinzige Verdienst, da, die jetzige Gemeindkleitung für sich in Anspruch nehmen kann: wir man denn auch in der Da, ihre Anhänger immer nur dies Gine hervorbede» hört, lind doch bleib! nocl» auf den verschiedensten «׳«ebieten so viel zu tun übrig! So besonders auf dem 'Gebiete de! Armeiipslegk und Wokltätigkeil überhaupt. Hier muß lrivate Däliikeit ersitzen, was die«st-meinde . verabsäumt. So eiilstaildrn in der letzten Zeit zwei Vereine, ivelche üch die fürscrac fiir verwaiste oder fonft bft'iir?!!‘,׳'? MinNt חזי v)fM*r bi* ׳.u 1 i \nhrfn ihre Beschäftigung. Beanssichtigiing und Unterweisung in den s.eie» Stunden, zum Deil auch ihre Beköstig ung und Bekleidung zur Ausgabe stellte». Beide Bcreine entfalten eine segensreiche Dätigkeik und es wäre sehr zu wünsche», daß der rege Gisir. mit dem besonders junge Damen Wr t-esseren jüdisch,n Kreissich der gute» Sache annehmen, auch für die Dauer ,:!׳halte. Bedauerns!׳׳er t bleibt nur. baß die Ge meinoe derartigen 'si-reinen ihre llnterstiitzung ganz versag». Gin weiterer großer Pia» ist ״or lurzcu aus gciauchl und!011 de!nnach,1 näher erwogcn werden. Gs handelt sich ׳.:::: eine Organisation der prioaten Wohltätigkeit, nvl-he eriahrungsgemäß sehr ungleich verteill ist und un'.-erhältnismäßiq aeüdt wird, in gioszcii׳ Stil. Zunächst sollen bereit« bestekende Wobltätiakeitsvereine in dieses Wert einbezogen werben. Durch Zentralisation brr Leitung hofft man gerechter »nd ersprießlicher wirken zu tönnen. Man macht sich hier nämlich aus ein riesiges Anwachsen des Au-'-wandkrerstroines aus Rußland nach den feiertagen gefaßt, und will nun rechtzeitig für den bcdeutei'd gesteigerten Bedarf an Unlerstützungen Vorsorgen. Doch hat man dabei auch den Umstand im Auge, daß gerade die wohlhabendsten jüdisilxn Kreise, die meist dcr ״sreien Richtung" angcbören. privatim am wenigsten in Anspruch genommen werden, während die wenigen religiösen familien oft weit über ihre 'Verhältnisse zu leisten haben. Bei einer Organisation geplanter Art würde sich eine qiriw. mäßigere Verteilung der Lasten ermöglichen lassen: denn es :st anzunthmen, daß alle Kreise der Gemeinde sich an einem solchen Werke in gleicher Weise beteiligen würden. So hofft man. bedeiitendr Mittel auszu bringen und segensreich wirken zu (1׳unc«. >um2! man auch aus die Mithilfe der lKemeinde selbst rechne», deren Armen Gtat sibr bedeutend ist, und die doch nach ras» einmütigem Urteil aller, durch ganz veraltete und unzweckmäßige «Einrichtungen, weit weniger leistet, als es mit dem Aufwand« >'o großer Mittel geschehen könnte. Ob sich aber die Gemeinde an diesem Werte brtkiligen wird, ohne das Hes» auch hier ganz in die Hände zu bekommen, ist noch sehr fraglich. Wenigstens würde es mit den bisherigen Alleinberrschergelüsten der Herren Machthaber nicht übrrrinstimmen. »nd man ist hier boshaft genug, zu alauben. daß die Gemeinde eher rin so segensreiches Wert fallen zu lassen geneigt wäre, als einen noch so geringe,. Seil ihrer Macht an andere abzutresin Breslau. 2«). April. Der Reick»tc>g׳-avg, ordnete Pfarrer a. D. Krösell erzählte in seiner anti semitischen Leibpresse von einer Ritualmord-Assare. als deren Schauplatz er sich diesmal Posen aus erwählt hatte. In einer Kiste, di« von einem Rabbiner in Breslau an einen Rabbiner in Bromberg adressiert war. soll ein chloroformiert:r Knabe gefunden worden sein, dem der Mund verstopft und ein Bein gebrochen qetvesrn sei. Diese unsinnige

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