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Der Israelit · 1906-04-26 · 17 (26.4.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
17 (26.4.1906)
Date
1906-04-26
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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2׳i. April 190•;. Ter Israelit onwtl,ungen zur Weiterbeförderung gelassen worden ivar.' Erst eine wiederholte Beschiverde der trr 'lioliui sühne zur Abhilfe. Am ־״ דגיל;r waren tWO Auswanderer in Basel. l»twa ein Drittel derselben mutzte, weil die Masern unter den Kindern aus der Reise ausgebrochen waren, in dem nahen Birsselden übernachten, wo die christ liche Arbeiterbevölkerung den Unglücklichen, die arin und elend über die Matzen waren, aufs Freundlichste entgegentamen; auch die hiesige ,National Wertung' brachte über die freniden Gäste einen sympatbi'chen Artikel. Wie das Unglück die Mci.schcn zu demoralisieren r-ermag, davon legt ein überaus bedauerlicher Bor fall Zeugnis ab. Unter den Auswanderern befand sich ein gewisser Leitzer Kaufmann aus Kischinew, dem während seines Aufenthaltes in Ezernowitz seine Frau im Wochenbette gestorben war. Das Kind, rin 'Mädchen, blieb am!.'eben, doch fiel es dem Bater, der noch vier Kinder besitzt, schwer, das Neugeborene zu pflegen, und auf der Durchreise durch Buchs, an der österreichisch schweizerischen Grenze, entschlotz er sich, das Kind zu verschenken. Gs fand sich ein christliches kinderloses Ehepaar, dem er es vor dem (Gemeindeamt übergab. Sobald wir von der Schreckenstat hörten, taten wir alles Mögliche, um das .Kind für den Glauben seiner Bäter zu er Hallen. Der hiesige ,.Waisenfond. Berein zur Gr ziehung Wraelitischer Waisen" erklärte sich sofort be reit, die Eiziebung des Kindes zu übernehmen, und der Bater übergab es diesem Verein in einem form lichcn rechtsgültigen Schriftstück. Trotzdem waren alle Bemühungen, das Kind zuriiekzuerhalten, bisher erfolglos. Wir wollen nicht verkennen, datz das Ehepaar in Buchs aus Barmherzigkeit und Nächsten liebe das Kind ausgenommen. Doch wäre die Barmherzigkeit noch größer, wenn sie das Kind dem jüdischen Berein, der seine Pflege übernehmen wall, zurückgeben würden. Denn wenn das Kind ,üditü: erzogen wird, kann es spater einmal mit seinem Bater und seinen Brüdern sich vereinigen, u-u» völlig au; geschloffen erscheint, wenn das Kind in einer andern Religion erzogen und den Seinen, die sich nur in der Not von ibm getrennt haben, völlig entfremdet wird. Man denke sich den umgekehrten Fall: Jüdische Eltern hätten ein christliches Kind angenommen und weigerten stch, es seinen Religionsgenoffen zur christ licheu Erziehung auszuliefern. Welcher Sturm der Entrüstung würde stch erheben! Am r7־c 4r ־rrr kamen wider altes Erwarten 140 Auswanderer nach Basel. Das Komilee tat sofort die nötiaen Schritte, um trotz der Erschwer »ngen des Festes die Unglücklichen mit ritueller Ver pflequng zu erquicken. Neues Geschirr tvurde ange schafft. Sbeisen im hiesigen Hotel Kahn zubereitet. Nur an Mazzos fehlte es. da diese in Batet nicht ge backen werden, in Zürich nickt mehr vorrätig!varen und von auswärts nicht mehr besorgt tverden konnten. Da zeigte sich die Gutherzigkeit der Baseler Gemeinde aufs herrlichste. Ans eine kurze Ansprache hin, die an das Wort des Hiob anknüpfte: ־״:*א• •Ss ב־:־״ א־ב־ .der Segen des heimatlos Umherirrenden komm? über mich," wurden binnen 2 Stunden mehr als 3 Zentner Mazzos herbeigebracht. so daß die Gaben der später .Kommenden nicht mehr cwgenom» en werden konnten. Ungefähr 40 junge Leute, Mitglieder des Vereins ״Achdus" und des ״Schomre Thora-Iünalinge-Vereiris" beluden sich mit den Mazzos und gingen noch abends um 11 Uhr an die Bahn, um die Unglücklichen zu erwarten. Die Armen, die. wie sie sagten, an diesem Tage noch nichts gegeffen hatten weinten vor Freude berm Anblick der Mazzos. Am Iomtof bekamen sie -in reichliches Mahl "serviert, und als ihnen auch Wein gereicht wurde, da war die Trübsal schnell, wenigstens für den Augenblick .vergcffrn. hebräische und Jargon- Lieder ertönten vor und nach dem Benschen, und das hiestge .Komitee, von welchem besonders Herr und Fra» Bollag-Feuchtmanger genannt zu werden ver. dienen, batte die freudige Genugtuung, den Aus- Wanderern einen fröhlichen Festtag bereitet zu haben. Dock nun haben wir noch eine Frage auf dem Herzen, mit der mir uns nach berühmten Mustern, in die Deffentkichkeit flüchten. Warum zwingt die österreichische Allianz und die .I c a". welche d i e A u s w a n d e r e r de fördern, diese Armen. am .שבי und am :1: c״ j u reisen und s o *שחרי rzv und 2 בחי־ ל י zu sein? W e r trägt die Berant Wertung dafür, datz so Mancher, ocr nicht genügend mit M a z z o s versehen war. pan am ־rc gegessen? Wenn christliche Vereine den Srrom der Auswanderer leiten würden, wie würden wir mir Nicht über Intoleranz klage», wenn aus die jüdische» Feiertage und die heiligsten jüdischen Gesetze keine Rücksicht genvurmen würde, lind nun sind es Juden, die ihre eigenen Glaubensgenossen z >v 1 n g e 1! denn die mcisten Auswanderer sind fromm — ihre religiösen Gebote zu übertreten. Ihr grasten Männer an der Spitze unserer Wohltätigkeils Unternehmungen. Ihr seid freilich über diese ״ver alteten" Gesetze längst hinaus. Ihr seid reich, braucht Gott und seine Thora nicht mehr, oder glaubt wenigstens, ihrer nicht mebr zu bedürfe». Wo aber bleibt Eure vielgerühmte Toleranz.' So lasset doch den Unglücklichen, die sonst nichts baden, die uni ihrer Emunob willen, um ihrem Gotte treu zu bleiben, die Heimat verlaffcn und einer ungewiffcn Zukunft cntgegrngeken. wenigstens vas Eine, ihre Religion, ihre Thora. Lasset sie ihrem Gotte dienen, wie sie es gewohnt sind, zwingt sie nickt, gegen ihre beiligste religiöse Uebcrzeugung zu handeln! Jm ist Hit Mt vim Auslch'Wkn'. Bo» Rabbiner Joses Nobel i» Halbernabt Wenn auch die ־״־־־ת;:עיש unleugbar von sanitären Folgen begleitet ist, so verstößt cs doch gegen den Geist der Thora und ibrer beruienilen Erklärer, diese in ganz eigentümlichen, einem Heil syslem oft ganz uno gar nickl entsprechenden Bor schrislen ausgedriickre Lehre von den törpcrlichen Schäden und deren Behandlung auf ein Saniiärs Prinzip zurückzuführen. Tie Thora will die נ:ע־ א״ als besondere Goitesschickungen. als Strafen für be stimm»? Vergeben autaefasst wisien. Deutlich hebt die Thora נ:ע י1־ע־ als ein Folgeiidcl eines moralrtchen Bergehens. somii diese Art Erkrankung des Körpers als eine Wirkung hcrbor, die in einem — Diätschler der Seele ihre Ursache findet. Im L. M. 21, 7, heißt es״ ׳Wenn ein Mann be troffen wird, der einen Menschen von seinen Brüdern, von Israels Söhnen stiehlt und hat stck seiner be dient und hat ihn vertäust: so soll dieser Dieb sterben, und du hast das Böse aus deiner Milte fort zul'chaöen." In: dacausfolgenden B. * beitzi es: ״Hüte dick in Betreff des Aussatz-Schadens ־שדי ב::ע דציעת — überaus sorgfältig zu beachten und zu üben usw." B. 0: ..Gedenke, was der Ewige, dein Gott. Mirjam getan, aus dem Wege, indem ihr ans Egnptr־ zöget!" B. 1": ״Wenn du an deinen Nächnen eine Schuldsorderung qeltend zu machen hast, sollst du nicht in sein Haus kommen, scin Pfand zu pfänden >1sm." Hier hat das Gotkeswort die Beachtung des .-.נע חצי׳: mit mahnender Warnung an Mirzam's Sünde und Strafe geknüpft (4. B. M. 12) und damit bekundet, datz ציע־ן als Strafe für יש•: ה־ע Bosredr zu betrachten sei. Zwischen Menschendiebstahl und unrechtmähige — indiskrete Pfändung (vgl/: :•2•: ,:-2'2?י) gestellt, sagt uns das Gebot .לש:* ב::ע ־צ־ע־ mit seiner Warnung vor Verleumdung, dass die Berleumdung ihrer moral ischen Bedeutung nach Diebstahl und Pfändung zu gleich sei. Der Verleumder schleicht sich in des Freundes Geheimnis, in die intimsten Beziehungen seiner Person, seiner Ehe und seiner Familie, um diese entstrstt vreiszugeben. er stieblt dem Freunde das Herz und pfändet ihm seine Ehre. Gott ruft aber durch seine Tkora dem Verleumder zu: Wenn du auch an deinem Freunde etwas ausrusetzen. wenn du im Namen der vermeintlich beleidigten Moral oder der geschädigten sozialen Gerecknigkril au ibn eine Schuldsorderung geltend zu machen hast, so sollst du nicht in sein Haus kommen, sein Pfand zu pfänden. Heilig ist das Hans mit den Pfändern der Ekre und des Friedens, die es birgt. Auch Mirjam, die Propdetin. meinte an ihres grossen grossen Bruders Verhalten als Gatte, seiner Gattin gegenüber זד4 ־” אש־ בשד: אש־ יק־ eine Rüg« aussprechen zu dürfen — zu müssen. Doch weil sie das rermeintlicke Unrecht nicht Moses selbst vor Auaen _ Stile h Nr I. hielt, sondern dieses insgeheim Abron gegenüber de sprach, darum wurde sie bestraft. Die Straf« ves Verleumders eiitkpnck.I. wie unsere Weifen sagen, der von ihm begangenen Sünde. Der Uerteumver trennt den Freund vom Freunde, den Gatten 7on der Gattin, darum ,verde er selbst von den Seinen getrennt und sitze vereinsamt autzerkalb des Laaers לב־:ל p-c ־־ •שב:'( Sogar den Namen דציע mit seinem Lautantlangc an יצא יעsuchen die Weisen oer Sünde der Verleumduna an zupaffen Damit ergänzen sie nur einen andern Ausspruch, der lautet: ״Das Betrofsenseiu von einer dieser vier -עי:. Erscheinunaen ist nichts als ein Altar der Sühne." 0 Diese עיש:; Sühne ist mit der durch sie;1.׳ sübnenve» Sünde der Berleninduna nickt nur äußerlich, dem Namen nach, verwandt, lie ist es noch mebr ibrem inneren Wese» nach. Das Ber trauen ist das Lebcnsrlement der Mtnsibenaksellsck.ast. n״e das Blut das Lkdenselemcnt des menschlichen Körpers ist. Der verleumderische Treubruck cm Vertrauen kann die Zersetzung der ganzen (״-mein frtwit bewirken, und so tritt in .ע ציע־;: die Zer,etz ung des Lebensiastes im mcnschlichen Drganismu. zu Tage. Um dieses ״^statz für ''Nass' די־ :::־ -־ל speziell in ידציע p-«och deutlicher na chzuweiicn, mochte ich einen vei der ט!־ית דדציע ausfallenden Umstand hervorbeben. In .Kap. I t.. V. 1־> uno 20!;•:הז beim Sühn.״'«״«י R - > n h,;»e, 9wn > 1. ״ o,» wi-ver genesenm דציע gefordert, datz hierbei zwei :•:7־ tätig seien'i. ״Der eine;־: nimmt von dem Log Lei und gietzt auf die innere linte Hand des andern Priesters." Bon diesen: Seit werden die Sprenoungen vor Gon gemacht und wird an den Knorpel des rechten Dbres de; sich 'lieiniacndrn gebracht. Er ist dies das ein Mete Mal, datz die Tbora bei einem Sühn und steinig::»,!-: Vollzug an einer Person t>k Tätigkeit zweier die sich gleichsam in die Hand c.lbeiten, zur Borschris! :!!acht Sollte dieses Br tunken des Fingers de-- einen י: mit dem Del? aus dcr Handfläche des andern יי: nicht ein Fingerzeig aus dir zu sühnende Berschuldung des s!ck> Reinigen den sein? .Der;צ־: war שזדא יע, er hat die Bös lkde ausaeorackt und .>» l>u» DH( dcr Höre׳, gelangen lasten. Sellen gebt die Berleumdiing den tarzen Weg von '?stund zu Dhr, sondern ste bedient sich der Mittler und Mittelwege. Ans solchem Weae ist der eigentliche Täter schwer zu saffen. Durck: die zweite und diltte Hand wird die Bösrrde in Kurs gesetzt, damit ste an das Dbr, für das sie bestimmt ist. ge lange. D-E liegt in der Art des יש־. Dieselbe Form nimmt nun auch das Sühn und Reinigung-: mittel des דצ־ע an. Nickt direkt von der Harro des einen rz sondern von Hand zu Hand gelanat das :שד an das Dbr des stch Reinigenden. So erwirkt der :־: nach Vorschrift der Tbora .für den דציע die Sühne, und er wird rein. und Hadbrfcbtcn. Deutsche»!Heid(. iFranüfurtpr 1. B. M. Frankfurt a. M.. e א2יי דע של. Sie haben reckt. Es bedeutet in der Tat ein Unrecht gegen Ihren Leserkreis, datz Tie zwar aus allen Enden der Erde, aus Berlin und Wien, aus Amsterdam und Jerusalem, aus Newyork und Petersbürg Woche für Woche fesselnde Berichte und Situationsbilder verösfentlichen. datz dabei aber Frankfurt, die alte vielbesungene und vielqe schmähte jüdische Metropole am Main, in der - beinahe — unser Lehrer MosrS geboren worden n?•«TflIH*- I« ":2 - .זי) tbtb. — S) 5■ ניב-ת. — 4: :•נגע co 14.10 und ע•:" c :־r.

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