Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 17 (26.4.1906)
- Date
- 1906-04-26
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr, 1;. «eile I ■Ltx .QgiatUt. -ti. April VMM. rönnen und nod) anbtrr t*afür begeistern möchten, so must man, ,venn man sich nicht entschliesten tann, sie für wcibrdeits und talsacyenoiino zu ballen, an nehmen, dast ihnen die Entstehunci und Entw'ckelung dieser Auslände doch nicht so präsenl und geläufig jsi. wie sie es etwa sein sollte. Vielleicht trägt eine Darstellung. welche, wie die folgende versucht, die Genesis des französischen Staatsjubentums in grosten ^.ügen zu veranschaulichen, etwas dazu bei, wenigstens denjenigen, u׳e!che t'el^n wollen, die Augen zu öffnen i.nd die Scheuklappen zu beseitigen, durch welche ge schäftige Bereinc-meierei den klaren, »nbetangenen Blick erschwert. Frankreich!rar der erste c»ro1׳äiscl>k Staat, ivtlcker die EUeichberechtigung der Juden mit alle» anderen Bürgern aussprach, Es geschah dies durch Beschlust der Nalional״ersammlunci am -7. Tevtem der 1791, welcher Beschlust am 18. November 1791 durch König Ludwig X X I, bestätigt wurde, Jünf zehn Jrbr; später trug sick Kaiser Napoleon ernstlich mit der Absicht, den französischen Juden diese Er-׳ rungenschast durch kaiserliches Dekret wieder ׳,» ent ziehen. Von Haus aus den Juden moblacsinnl. war es judenfeinaiichen Ei1>slüs!r>ungcn gelungen, den .Kaiser ungünsiig iiir die Juden zu stinimcn. In Elsass und speziell in Dtrafzburg ivurden dem Kaiser gelegentlich seinem dortigen Aufenthalts .Klagen üler die Juden 1׳o׳.aebracl!t. dast sic die Bauern durch Wucher ausbeureteu. Napoleon brachie die Ange leoenheit vor de» Staatsrat, der zu diesem Zwecke am Avril IS,*; ein» Utzung abbielt. ivelcker der Kaiser selber präsidierte. Napoleon sprach sich in dieser Sitzung!be׳aus ungünstig über die Juden au- und t-at »iir e!ne ''ebr empfindliche Beschräntunz ihrer Reckte ein. Ec gelang jedoch angesehenen '.'Nit aliedern des Dtaatsrates. dem Kaiser die Ungeheuer Üchkei: dieser seiner Bestrebungen zuin Bewusztsein zu bringen r!nd seinen 1l״<״!llen geaen die Judei׳ so weit zu beschwichtigen, bast ein zu fassender Beschlust fiir eine spätere Slaatsratsitznng verschoben irurde. Diese erlolgte am 7. Mai 190«. Die Zwischenzeit benützten die Ariden um Napoleon eine bessere Meinuna bei.umringen, was ibnen auch bis ru einem gewissen «Brade gelang. 'Mehr als die Vorstellungen der Gliben u:1d die Rucksick! ans Necht und Eterechtigkeit mögen mili tärische strategisch» Erwäaunaen bier milgewirkt haben. Es war d׳ccder ersic und lebte E>esichr:vuntr linier den, er alle seine politischen und l-'gisla,torischen Mastnadmen ira׳'. Jieibeit und Menschlichkeit warrn »iir Napoleon leere Schälle, l^r verachtete die?enden wabrschkinlich niwt wedr und »icfu weniaer. als er alle Menschen p׳rach!»le!::,v achtet» deine nur. ׳u'o'»rn sie sich als oe'ügiue V'-erlzruae »'ür s»ine ehrgeizig»,! Eroberung-n'.äne ver.a-ndcn liestcn. Er »ragte noch jeder Schlacht zuerst nach der Anzahl der Pferde nnS dann erst »ach derjenigen der Soldaten, ivelche ge fuutii ivuiru. Denn die ersirrrn Iiiußic er bezahle», während er die anderen umsonst zur Verfügung hatte. Wtn» ein Mann dieser (Besinnung bei seiner Eroberung und Beherrschung ganz Europas Tür Juden und jüdische Angelegenheiten nock- Zeit und Muße harte, so gehörte diese Fürsorge sicher zu seinen Erobcrungeplänen und kann nicht auf Konto seiner Menschlichkeit oder 'Rechtlichkeit gesetzt werden. Ein so scharfer universeller .Kopf war sich gewist darüber klar, dast die Jude» das verbmdcnde, einigende Ele ment in den durch Sprack!e, Sittc und Abstammung so grundverschiedenen Völkern sind, die er zusammenerobert und unier sein eisernes Szepter vereinigt hatte. Wenn er gegründetes Misttrauen zu den Juden zu sauen wirtlichen Anlast gehabt hätte, so iiiiistte er die geistigen und materiellen Vorzüge des züdisclit» Stammes ebenso fürchten, wie er sie achten und hvchsckiährn mustle, wenn sie ihm tatjächlich er gtben waren. Napoleon hatte daber ein reckt greif bares Interesse daran, für eine bessere Meinung über die Juden leicht und gern zugänglich zu sein. Er tcnnte sich zwar von den ungünstigen Einflüsterungen der ihn beredenden Judenfeinde nicht vollständig lossagen, noch weniger aber konnte er sich enischliesten in eine Aufhebung der Emanzipation und in eine l'.nter drixkung der Juden zu williaen. Aus diesem Dilemma hals ihm ein rettender (Kedanke. das Schickso! der Juden in ihre eigene Hand zu legen. Es soll׳, eine Anzahl Juden aus allen teilen des Landes von den Prosekten als Deputierte ausgewählt werden: diese sollten in Paris als Versammlung zu sainmeritreten um durch laiserliche.Kommiffarien die Absichten Napoleons entgegen zu nehmen und sich darüber zu äustern. Vor allein sollten sie sich darüber aussprechen, ob bas Judentum tatsächlich den Juden Erehässigkeit und Uebervorteilunq der Ehristen gesiaite oder aar verschreibe. Dieser Beschluss, wurde in der Staatsrats- Sitzung vom 7. Mai IS'*'׳ gefasst und durch ein kaiserliches Dekret vom 90. Mai IKON zur allae meinen Kenntnis gebracht. Wie wenig die Berufung dieser Notabeln Versammlung - dieses ersten Schrittes, der dann zuin Staitsjudentum in Frankreich führte, aus edlen hockberzigen Intentionen für Juden und Judentum cntsprungen ist.ergibt sich aus dem ersten Teil dieses Dekrets. Dieter bestimmte: Weil laut erstattetem Bericht gewisse Juden einiger nördlichen Departements durch Anhäufung unmästiger Zinsen viele Landbauern dieser liegend in zerrüttete Verniögenslaae gebracht baden, so sollen in neun nördlicken Departements Sckuldsorderungen iiidisch-r Eilaubiaer innerbalb eines Jahres nickt gerickilick eingezoaen werden. Es war dies eine scklvere Necktsbeugung, die nickt den Wucher, sondern den jüdischen Wucher ׳.׳,׳ treffen bestimmt war und di» große Elejamtheit für dir Vergehuttgeu Einzelner leiden liest. Dir daran sich anschliessende Verordnung, eine jüdische Notabel» Bersaminlung zu berufen, macht den Eindruck eine - Pfläfterchens auf diese von qesetzdeugender Rück sichtslosigkeit geschlagene Wunde gelegt. Es ist wichtig, sich die Entstehung dieser Notabel» 'Versammlung präsent zu halten. Sie ist nicht aus der Initiative der französischen Judenheit hervorgegange», sie wurde nicht einmal von Juden, sondern von kaiserlichen Präfetten geivählt. Sie ist den Juden Jrantreichs ohne ihr Zutun aufotkroiiei» worden. Petitioniert um ein Staatsjudentu!., haben die französischen Juden nickt. (Fortsetzung folgt.) Doppeltes Elend. Von Rabbiner Ti. *Jl. Evhu in Base l. Wenn dock diejenigen, die dem ״.siulturstaat" Russland zur Erfüllung seiner ״Kulturmiffion" erst kürzlich zu einer Milliardenanleibe verholfen haben einmal oas Elend der jiivischeil Ausivauvercr iu dei, Hafenstädten oder in einem stark frequentierten Durchgangsort wie Basel mit eigenen Augen sehe,׳ »löchten, sie ivürden über den gewaltigen Staatsloloss, dessen Herrlichkeit aus thönernen Jüssen ruht, dock! eigentümliche Begriffe bekommen. Von wieviel aus gestandenen Schrecknissen zeugen die gebeugten Eie stallen, die abgehärmten (Kesichtec der Auswanderer, in welche die Sorge und der 51!immer ihre tiefen, »!׳. auslöschlicken Runen gegraben. Wie Jemand, der sich aus einem brennenden Hause gerettet, so sind die meisten von jeder Habe entblöstt, viele ohne Wäsche und ohne ausreichende Kleider. Welch: Zukunit kann ein Land haben, das seine Bürger nickt schützen rann, oder, was noch schlimmer :st, gegen die B-׳.!k» und Mordgier des Pöbels nickt schützen will! .Kann das himmelschreiende Unrecht, verübt an Tausenden und Abertausenden von Unschuldiqen ungestraft undungcsühnt bleiben?! Die Unglücklichen, die zum Teil au»- Südrussland kommen und nach Kanada oder Argentinien aus wandern, halten in Basel meistens einen Rasttag, währenddessen sie durch das opferwillige hiesig; Komitee aufs liebevollste verpflegt werden. In jüngster Zeit ist es nun öfters vorgetommen, dass durch die Elkwissenlosigkeit eines Wiener Aus Wanderungs-Agenten, desscr. Namen, wenn lein; Besserung in seinem Verhalten eintritt, an den Sckandpsahl der Deffentlichteit genagelt werden iüirl>, -ir Aiiswandev:.׳ in Vase' 8 10 Tag» zweck los zubringen mussten, weil der hiesige Agent von seinem Wiener Auftraggeber ohne die nötigen Eield 9 70lgebore»e». linier -Zugrundelegung der bei der Volks Zählung I!**' iestgestellien .Zahle» für die cbriftlicbe und jüd'.iche Bevölkerung in Berlin eninele» daselbst tnt Jahre l!״'t auf I«xx>!»hrissen 27.:b! t^ebnrlen, ans 1 <J»•י• Jude» dagegen nur 17.«►2. Somit bat die jübilcbf Bevölkerung in Berlin eine noch geringere Eednrtenziiscr. als die jüdische Bei-ölkernng in ganz Preune». dei der ne in keinielben Jahr» I ->,71 betrug. Rechnen wir die Eedurien au» Mischehen je zur Hälfte den briften und Juden zu. so delrug unier de» gesamten IM" jüdischen i'iedurle» die Zahl der TolgeduNen Ut « 1,11׳! %», wogegen dei den Eliristen aus 1 <«» Wcbitrien :!.1P, 7orgcbnr!cn entfielest. Uneheliche Weburien kommen bei de״ Inden verbälinis niastlg dreimal seliener vor, als bei de» Ebriite» t-'>?>-"> " ״ geaen!>;.7" °/0>. Es starden im Jahre l!1>> in Berlin: Ehe'chliestnngen fanden stall «!29 zwischen jüdischem Mann und jüdischer Iran 17» 1 ״ ״ .. " christlicher ״ ״ <".«! chrinlickem ״ ״ jüdischer '.Ulfp nahezu :b» "/״ aller Ehen und Mischehe»' Ein grauenvolles Ergebnis! Bon den 17,1 christliche» grauen, die Vilscheden mit Jude» einginge». waien IB> evangelisch. II katholisch, >1» dinidenlisch: von den!'7> christlichen Viannern die Jüdinnen heirateten, waren Nt evangeliich. 11 katholisch und I dissldeniisch. Im ganzen heiralelen hiernach unter je >>x» heiratende» jüdischen Männer» U'.-t (also etwa jeder fünfte) und unter ic l1'" heiratende״ indischen Irauen 19,1 einen njchljüdischen Elieaallen. Unier 197«! Ehescheidungen, die im Jahre 1RÜ in Berlin ilaNgeiunden habe», betrafen ■19 Ehe» zwischen jüdiiche» Ebegalten, ll 'Mischehen mit christlichem Mann und!-1 Mncheben n»l christlicher Iran, ״ethrOtete und cmgewurzelte Borurteil gegen den Wcmifc non Braten'eil wieder zu beieitigen wäre und wen» dies Aabrungsmillel möglichst viel anstelle von Builer aenoüen werden wurde Als -lViieiell dal das Braienichmalz üder >anvl keine» Nedenbudler. und es ist eine bekannle Taiiache. '׳aö!■ernunftig erzogene!::!d gesund aufgewachk»״» Uinder zeradezu daran׳ ver׳,׳>ie» ii״o weil es ibnen ani ichmeäi und ne ein «äeiiidl kainr baden, dast cs ihnen gesund in .Insterdem würde ader die Adnadme der Nachirage »ach Auilcr einen zweifelloe iegensreichen Einstust ani das Rach .a»»en der I!!ichnnge» ausiibcn, wahrend andererieit» die >o!1de Landwiri'chail immer noch genügende» Adiaiz debal'e» wurde, denn ,״an la:׳,:: »ich! darüber klagen dast üderdanpt zu viel Builer ani dem Marli ist, sonder» nur. dast zuviel mil unglaublicher »''etmu» ncbic:! per» a lieb 11■ יי Zeug!ich darunler benndel״ Tieie 0'ienbar von einem Jachman» der ,al z enden Mirteünnge» find ein weilerer Be weis dast wer Werl ani legt keine Butter geniesten dari die »>chl unier ruverlä ü >g e r i, d >! ck e, A u i i > >t> l b e r g e st c l l l i st!Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Berlin im Jahre l!M)l.| Rach dem Sraiistischcn Jahr :׳nä der Stadt Berti» «19. Jahrgang, Berlin 19n‘n waren im Jal re >9"! in Berlin >4-י■-- i^eburle» aus rem indischen t'de» ,darunler ■»׳ Zoigcdorene, und -Z uneheliche kiiudcr ,»»l 1 lolgeborene»׳ von!üdi'cher Müller zu verzeichnen, Binder aus M>icheben mit!üdiicher .»Nntier gab es ^7 ,karunirr 1 Totgeborene,. niit judtschei» Vater l9z ^darunler Ebristen Juden manvlikb IPftMitt ntasrli(t | irfiMid) unier r> Jahren . 7 to t! ,; 197. 1 I" 1119 über >7» Jahre . . 9 l«;7 9 I>>9 7,:b» 1 U7!1;v7t 17. ■U t 1172 . <'<'-<׳ Unter je Ebristen it.ifhfn 1 7.12 ״״ter je 1« MM > Juden nur 19,;fc.': die Zf estordenen nnirr 17, Jahre» machlen bei den Ebristen 1״« ,7".'.׳. bei den Inden dagegen noch nicht die Halfie. nämlich °0 aller t^estordenen au» see-jnen nicht üblen BZinj leiftet nck der Blas": In einer Etefellschan. schreibt er, war jüngst von den, wahrscheinlichen Nachfolger des vor einigen Monaten verstordenen i^rostraddiners von Frankreich die Rede. ״Sler wird idn wohl ersetzen?" fragte jemand ״Tie sollen s״hen. dast wieder ein Jude die Ltelle dekommtl" erwiderte ein wütender Antiiemil. ,Tieic Leute drängen sich überall vor!"