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Der Israelit · 1906-04-26 · 17 (26.4.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
17 (26.4.1906)
Date
1906-04-26
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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Sir 1; ««« i. Der Israelit ^ocIbewMffldödbaiiui. xmm ,jo** Die russische Anleche. Tie neue ruffifdx An leih« ist nunmkhr gesichert. In den Kreisen die den Abschluß der Anleihe mit aller Macht zu verhindern gesucht haben, wird man jetzt einsehen. daß es vergeblich iß. die Beherrscher oes Geldmarktes zum finanziellen Boykott Rußlands veranlassen zu wollen, so lange sein Kredit nicht erschiittert ist. Rußland wird jederzeit Geld bekomn'.e». so lange es als wirtschaftlich leistungsfähig gilt Darüber möae sich niemand täuschen. In einem Teile der jüdischen Presse ließ man sich nichr nur eine Berkennung dieser Sachlage zu schulden kommen, sondern man tat auch so, als ob es in der Hand des jüdischen Kapitals liege, Rußland durch eine Kreditsperre aus die Kniee zu zwingen. Das war nicht nur ein grober Irrtum, sondern auch eine unverzeihliche Leichtfertigkeit. Diese geradezu lächerliche Ueberschätzung der Bedeutung der jüdischen Finanzkraft ist doch nur Wasser auf die Mühle des Antisemitismus, der sich nun auf jii dische Zc׳.!gn!ssc dcrusen tann. wenn er der Welt das Märchen von dem sa bei basten Reichtum der Juden erzählt. Nicht also aus politischen, sondern aus ethischen Gründen waren lvir stets und sind wir der Ansicht, daß ein nicht ganz pflichtvergessener Jude sich an der Unterbringung der Anleihe unter keinen Umständen hätte beteiligen dürfen. Man bat wiederholt die Frage aufgeworfen, ob es nicht ratsam sei, jüdischer seits der russischen Regierung die gewünschte Summe zu leihen, uh mi sie bindende Zusagen zugunsten der Juden gel-e Diese Idee scheitert jedoch an dein Mangel jeglicher Garantie, daß die russische Regier ung ein solches Bersprechen ballen lverde. Nun bat sich gar in Wien ein jüdisches Haus gefunden, das auch ohnedies, um de§ Gewinnes willen sich zum Finanzaarnten Ruzziands gemacht hat. Es ist traurig, daß ein Jude den Mut hierzu finden konnte. Bor den Angen nicht nur der jüdischen — sondern der gar!zen Welt klebt dieses Verhalten als gebrandmarkt da. Der Vorstand der österreichischen israelitischen Union hat das, wie ge meldet wird, in einer Rcsolytion zum Ausdruck ge ...-"ärt v• י~ י י ׳ ־ Gebot der Ehre, daß die Judenschaft die Solidarität mit jenen jüdischen Finanzmännern ablehne, welche unter Zurückstellung der ethischen Pflichten hinter das Geschäft die Beteiligung Oesterreichs an der russischen Anleihe vermittelt haben: die österreichische Union erioarte vom Vorstande der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, daß er gleichfalls durch eine klare Manifestation die Solidarität mit diesem, t ie Ehre der österreichischen Judenschaft schwer schädigenden Vorgehen öffentlich ablehnen wird. — Witte hat bereits für den Dienst, der ihm leider von jüdischer Seite erwiesen wurde, mit der einem Korrespondenten der ״Voss. Zig." gegenüber gemachten Aeußeru.ig quittiert, die Juden seien an ihrer Lage durch ihre revolutionäre Betätigung selbst schuld, er strbe ihnen zwar sehr sympathisch gegen über, aber die Negierung dürfe jetzt nichts in der Judenirage gegen den Willen des Volkes tun. ״Tie Massen würden sagen, die Juden sind frei geworden, weil sie Minister und Gouverneure gemordet baden. Wenn wir Russen also etwas erreichen wollen, müsse» ivir auch Revolution machen und Minister und Gouverneure morden. Gegen den Willen des Volkes kan» und wird die Regierung nichts für die Juden untcrnedmen. L leier iiiiüdji ij’i uui 3c. Majestät der 3־י״" Erstaunlich ist an diesen Auslassungen de- Grafen Witte riur die Heuchelei, die es ihm erlaubt, in einem Atem mit den hier offen und versteckt ausgesprochenen- Beschuldigungen die Inden seiner Sympathie zu versichern. * * Der Aosin'sche Gesetzentwurf. Wie wir in voriger Nummer melden konnten, hat der Organisationsentwurf des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes das Licht der Welt erbliai und führt einstweilen in der Obhut seines Vaters ein für die Außenstehenden nicht kontrollierbares Dasein. Ob man die in Betracht kommenden Regierungskreise zuerst für die qesetzgeberische Novität erwärmen und dann erst die Oeffentliebteit durch die Bekanntgabe des ganzen Entwurfes beglücken will? Ein solches Verfahren würde zu dem schärf st en P rote st e herausfordcrn. Wir hegen zwar ein viel zu festes Vertrauen zu dem Gerechtigkeitssinne der preußischen Behörden, als daß wir den frevlen Versuch ernstlich fürchteten, durch eine ohne jede Legitimation unternommene gesetzgeberische Aktion die preußische Ortbodorie zu überrumpeln — allein man wird es der als Opfer auserkorenen gesetzcstreuen Iudenheit Preußens schon verzeihen, lvcnn sie die Methoden der in Aussicht genommenen freundschaftlichen Erdrosselung ivenigstens rechtzeitig kennen zu lernen wünscht. Wir vereinigen also unser Erstick*״ mit demjenigen der Berliner ״JLdischen Presse", die gleich uns bereits ihrem lebhaften 1 ->hr,n des Gemeindebundes 26 April!906 Ausdruck gegeben hat und die schleunige Verbsfent lichung des Entwurfes fordert. * * * Die neue (Ordnung der Dinge in Frankreich. Paris ist noch immer Frankreich — und so pflegt man auch im jüdischen Kreise vor allem auf die französische Hauptstadt auszuschauen, wenn es gilt, dem jüdischen Leben in dem Heimatland Nasch,» und der Tossafisten die Diagnose zu stellen. Kein Zweifel, die französische Iudenheit steht an einen, Wendepunkt ihrer Geschichte. Jetzt, da die Staats krücken fehlen und auf sich selber gestellt die franzö stschen Juden zeigen sollen, >vas sie an Einsich!, Opfermut und Willensstärke aus einem Jahrhundert religiöser 'Unmündigkeit hinüber gerettet haben in die neue Zeit, jetzt müßte der kleine Rest der Gesetzestreuen in Paris vor allen andern die Gelegenheit ergreifen, rin Zentrum religiöser Pflichttreue und jjj bischer Lebrnsenergie zu schaffen. Wie sieht es damit aus? Alle Elemente sind gegeben, deren es zum Aufbau eines rechten, wenn auch extensiv nicht impc niercnden Gemeindelebens bedarf: eine große Zahl eingewanderter, osteuropäischer Juden, denen es an Intelligenz, an jüdischem Wissen und jüdischem Ernst nicht fehlt, einige hervorragende jüdische Gelehrte, Studenten, junge Kaufleute, von dem Wunsche bescelt, jüdische Luft zu atmen und endlich — im Bois! de ßoulogriie — eine Anzahl begüterter und hochgebildeter jüdischer Familien von unzweifelhaft jük bischer Gesinnung, die nur zu wollen brauchten, und 7 ein herrliches jüdisches Gemeinwesen könnte erstehen! f Mag es immerhin mit Rücksicht auf die räumlichen t Verhältnisse der Großstadt notwendig sein, getrennte £ Gotteshäuser zu unterhalten, zu sah, men-! schließen zu einer einheitlichen gej gesetzestreuen Gemeinde müßten sich jetzt j alle Schichten der im ganzen doch recht stattlichen L ״altjüdischen" Bevölkerung. Weder die materiellen Opfer für die Erhaltung von R a b b i n a t, Schule. r’Z'rv und סקוה noch soziale Bedenken und Rücksichten können ins Gewicht fallen, wo so gewaltige geistige Interessen auf dem Spiele ßehrn. j Möchten die Männer, in deren Hand das Schicksal des Pariser gesetzestreuen Judentums jetzt liegt, mutig ans Werk gehen, an den Aufbau aller Institutionen, deren eine selbständige, ihrer Aufgabe bewußte jüdische Gemeinde bedarf. Nicht nur die Ü lebende Generation wird ihr Werk segnen, und nickt i in Frankreich allein mag ihr Beispiel belebend wirken » für die Ewigkeit wirkt^ wer in dieser Zeit der D Verwirrung und des Kleinmuts mit fester Hand » die Grundvesten eines echten, jüdischen Baues fügt I und überall, wo Juden wohn?H, wird man mit > warmer Dankbarkeit derer qedHiken, dir es jetz! 8 wagen werden, in Paris den isskf zur Sammsting M der Gesetzestreuen eraeben r» tnff™ *

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