Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1906-04-26 · 17 (26.4.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
17 (26.4.1906)
Date
1906-04-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2446951-9543451-9886788--0302-7374806
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in IHainz 47. Aahrqang. *rnuhlurt «.!.1- ,״'- iSpril HOT. J. •3!nr?bbb. 17 ׳«. D« Israelit erscheint jeden Doiinerstag. AbouuemeutÄ: Gewöhnliche Ausgabe Ml. I!»0 viert,' : lich, Hcstausgade an» tttunstdrnckpapier Bll .! i'ituol! utt..U «'lluslands, kreise für die gew Ausgabe: Oesterreich 2 Xr.. Rußland l Rad.. England 2 «d. Amerlka bO et«. Niederlande I,2u n. 1 vioomicmtiu» 1״׳ uUt» vwiia״;;״;׳״;, V...h^audlungcn. lowir direkt bei der Expedition. HefiauSoqde uur direkt. Jsserste: -»> Pseuniae für die ׳,.,<«•.*.!>«$»׳ Eolvnel-Ieile Ratzgik na» Ta!, Inscc״,-»;.m uu/ da ch Hassen stein & Bögler A E. in Frankfurt a. M und deren Filialen sremdemechl. Mit dem Worte ״Gradmesser" ist wahrlich schon viel Unfug getrieben!vorden. Was hat man nicht alles schon als Gradmesser des ttulturnivcaus Le» In dividuen und der Bölkcr ansgegebrn! Dennoch zögern wie nicht, dieses Wort auch einmal zu verioenden und zu sagen: Tie Art, wie ein Bolk die fremden, oie in seiner Mitte wohnen, behandelt, ist ein Grab mcffer für seine Entwictelunqshöhe auf der Stufen leiter kulturellen, ethischen Fortschritts. T:nn nirgends ist die Versuchung zur rücksichtslosen Aus nühung der Macht größer als aus diesem Gebiet, wo die Macht einer Gesamtheit steht gegen die Ohnmacht Einzelner. Innerhalb der Tlaatsgcmeinschafr dürfen die Besitzer der staatlichen Gewalt auch gegenüber den Einzelnen nicht alle Rücksichten außer acht laffen, wollen sie sich nicht den heftigsten Angriffen oller Gleichgesinnten oder Gleichinteresiierten ans schen. An dem Wohl und Wehe des Fremdlings jedoch nimmt die große Masie keinen Anteil; er steht allein und hängt gänzlrch ab von der Achtung, die die Staatsleitung dem Menschen als solchem entgegen bringt. Darum tarm man zu den Siaaicu spccckcr.. Sage mir, wie d!! m׳t dem I-remdliw» ׳imgehst, und! ' iÜ——————————— |(*tn jüb. Bürgermettter von Zau IrssziSko.j Das furchtbare Ereignis, das »ich im fernen Wetten zngetragen. erinnerl an einen hervorragenden «Glaubens genossen, den! die paciiischc Metropole einen großen Teil ihres Aufschwunges zu danken batte. Jose» Sutro war einer der bedeutendsten ainerckanische» Ingenieure. «Geboren i», Jahre I8:i«> in Aachen, besuchte er daselbst die vor züglichcn polvtcchnischen Schule». uni in noch jungen Jahre» d,e techmsche Peilung der ausgedehnten Wok- »vebereicn seines Batcrs;11 übernehinen. Aber durch die Revolution des IakreS >818 verarmte die I-amilic und wurde ge;wungen. nach Amerika ansznwanderii und »ich i. I. 1 ו««>י in Baltimore a»;usiedeln. In demselben Jahre jedoch bewog di: Entdeckima der .ttalifornischen Goldfelder Sutro da;u, »ach Tan Iranzisko zu geben, wo er geschäftlich laug war, bis mehrere Jahre »pater die Entdeckung der Minen in Nevada ihn dahin zog. Er prüfte dort die Felder, und gründete bald in Danton Nevada eine Ltampsmüble zur Ausscheid!!״!», der Silbererze, die von technischen und finanziellen Erfolgen begünttigt war. Das Problem de; Eonitruction eines Tunnels als Durchgang durch den Evmltockpaß. in welchem durch die große Hitze, die auS der Diese der Schachte emporstieg, jede Arbeit unmöglich war. wurde von Sutro gelöst. Im Jahre I8c>T reiften seine Pläne. Nach einigen erfolgreichen Anstrengungen, amerikanische und europäische .Kapitalisten für sein Unternehmen zu intereffieren,gründete er am 1. Iebruar I8U7. Tbe Sutro Tunnel Eompanv. nachdem er von dem Eongreß die erforderlich« Eoncest'on erhallen hakte. Die Nonnruktion des Tunnel», in der Nähe von Sutro. einem Dorfe in dem Earson River Tal, wurde am >2. Oktober 189<־י begonnen und am 8. Juli 1879 beendet. Ter Hauptfchacht ist l2 I-uß breit. wärticzen, die jetzt erfahren, wie herrlich weit es die moderne Rulturwell gebracht, als sie «besetze schuf, die den Staatsbehörden Ausländer zu jeder 7se»! ohne Angabe von Gründen des Landes zu vernieisc»! ge statten. Es gibt ein Wort, das bei den Reaieruvgcn schuterer wiegt, als das schöne Ideal der Mensche» tieve. Das Woit heißt Sraaisraison. Das :st der Moloch, dem der RealpoNlikrt feine Opfer bringt. Man mag der Ansicht beipflichten, daß im Berkehr dcr Staaten untereinander die Staalsraison, der rein utilitaristischc Äcsichtspuntt allein »»aßaebend sein könne. Hier kämpfen ja ebenbürtige Gegner. Ader daß auch gegenüber dem schwachen Iremdling, der die Gastlichkeit eines Boltes in Anspruch nimmt, die Stimme der Menschlichkeit schweigen iniißte vor der?frage nach dem materiellen Bortcil, das »volle» wir nimmrriiiehr zugestehrn. Und wäre es darum tausendmal wahr, daß die russiscken Inden in Berlin dcr Bevölkerung »virtschaftlich in etwa nachteilig tr»rrdkn könnten, so würden wir. und mit uns aewiß die Besten des dents.hcn Bolkes. darin keinesweas eine Entsch'.ildigung für jene harten Maßnahnien er kennen, durch die schutzlose, qebetzte Menschen leicht n Herzens des Ggstrochtc beraubt »verden. Doch es ist Wohl müßig, gegen eine Anschaunna anzukämpien. die so sehr von unserem polnischen Leben Besitz er j griffen hat..eiasil ve,rr׳>?cllc^ ^G.re -vgö ״׳tschce1>wz1׳״po c-ir >»» Ink tie». 2»».:>»>»» Iuß lang und drnndel udj!.»'>"" I»>; unter dcr Erdoderstächc Im Jahre i ־7י־■ löste er seine Berbinbungcn mit der Gcscllschast und kehrte nach San Irgnzisko zurück, wo er während der .9earnnau»stände und Sand lot Agiiaicon fecne ganze Mratt einseczte, uni wieder georbneie Verhältnisse zu schancn. da er die allgemeine Ho»׳n11ngslo׳'igle>l und bas Mißtrauen in die Iukunf: der Siadt nicht teclle Auch der materielle Erfolg dieser Inversicbi blieb nicht aus: durch die Terrains, die er wahrend der Unruben erwarb, wurde er einer der reichsten Leine des Pacific Abhangs. ungefähr den grössten Teil des Gebietes von Sa» I-ranzisko nannte er sein Eigentum: einschließlich Sutro Heiglns. welche er in eine» prachtvollen öfientlichen Park verwandelte, der nach seine!» Tode das Eigentum der Gemeinde wurde. Im Jahre Hfl wurde Sutro zum Lord Mavor von San .Tranzisko gewählt. E r war ein reger Sammler von Büchern und Manuskripte» und dimeriieß eine Bibliothek von über!><>,»,,KZ, Bänden, einschließlich l*•'. selieuer hebräischer Manufkriple und einer großen Sammlung amerikanischer Frühdrucke, die nuii alle ein Opfer der Elementar Ereignisse wurden Sutro starb in San Ipranzisko am 8 August >898. ES sei noch bemerkt, daß der Iriskoer Bürgermeister ein Großneffe des berühmten Rabbi Abraham Sutro. Landesrabdiners der Distrikte Münster »cud Dortmund gewesen, der einer der eisrigsten »tämp'er gegen die Re'orm, ׳'ich namentlich durch das Werk .Milcdamotb Haschen,.- »inen der seurigsten Proteste gegen dir Orgel. unsterblich gemacht bat. wirklich befürchten, daß sic der v ' »' e 1, 1 l i ch e n Armenpflege zur Last fallen »verden' Es kann doch dcr Polizcibedördc nicht nnbetanni tri!:, daß jede jüdisäre Gemeinde ihre Ehre dareinie',.:. i.:r die jüdischcn Armen mit eigenen M׳tie!n zu sorgen und daß diese dalxr die öffentliche Armen pklegc niemals in Anfpn'ck׳ ne!,״׳»» Man!s! bei der ofsenstchtlichen Halilo'ügke'i or: in der angeführten .ttundgeduna mligrreilien Grund-, nach andern nicht!»:itgeteilten zu forschen versucht. Die Annahme freilich, daß die Polizeibehörde die rusiischen Juden in Berlin sur politifcr, gefährlich halte und darum ihre Entfernung wünsche, dünkt uns nicht wahrscheinlich. Man würde aeaebenenstills nicht verfehl: hciben, das auszusprechen. Es »nanuelt auch an jeder Unterlage für eine solche Beurteilung, der zum Teil schon lange in Berlin ungestört wohn haften Ausgewltscnen. Ein Teil dcr an:ifem!t!!»chen Presse sieht in der Ausweisung einen Akt deadiichNgte: Unfreundlichkeit gegen Rußland, das a»»' der serenz von Algeciras eine Deutschland unaü1׳»t׳gk Haltung eingenommen hat. Auch diese Deutung lcuchtct uns nick: ein. Jeder »cwiß. da»׳ die <-»:»i1scve Regierung an dem Wohl und Webe ihrer jüdi'chcn Untertanen viel tu ivenig Anteil nimmt, um eine üb!r Behandlung diese: als an »hre Ad׳e׳lle gerickiet jnerad;זי»tTv»,ויד rv# I Butter «ud rchmalz l Unter dieser Spiizuiarte schrc'.d: cm t,r D dem .^rkf. »s«n Anz. : .Iu den Nahrung» Mitteln. Mil denen die größten 9»1,st stucke in ,s-alttvung unier nomine» werden, gebart die »Butter. Wenn man eine ganz voll ständige Liste aller Beränderungen zuiammenstellen könnte, die der »Bnlter mit Bezug an» ihre .susainmenseizuiig und I-arde deigedracht werden, so wurde man über ihre Iabl und Art m Staunen gerate» Die größte Rolle in dieser Behandlung oder Mißhandlung einer der wichtigsten Speisen ipiell ohne I,weife! der ,;»katz von anderen Ieilttonen. der häufig ui so geschickter Weife geschieht, daß weder der .stäuser. »och auch «in ersahrener crheiniter »nstande ist. den Betrug zu enidecken. ctzanz sicher finde» sich au» unieren Markte» große Mengen von Ietlkomponiionen. die als Bntler ausgedolen und verkauft »verde». obgleich fie »ur wenig oder überhaupt keine Butler »»ehr enlhalten. Die Berachlung. die man oft gegen da» Braienschmalz äußern hört, rührt wohl von der Einbildung her. daß cs etwa» schlechtes sein muüe, weit arme Leute fich keiner als En'atz für Butler bedienen Der .Lancet" weist dir׳» weilver breitete Mcinung energisch zurnck lndeni r; geradezu de- Häuptel, daß in einem solchen I-all die armen Leut« »ich deller ernähren als die reiche», wenn lc!ziere sich Butte» auf ihr Brot schmieren, die keine Butler ist. sondern irgend ein ausländische» Jett oder Butter, die gründlich mit Sa7׳r; dutchßtzi ist. Die rc:chen Le!>" werden ja sagen, es könne ihnen nicht passieren, daß solche Butter auf ihren Tisch käme, aber sicher sind sie de»»och Lavor nicht, weil gefälschte Butter durchaus nicht immer zu den niedrigsten Preisen verkauft wird. E« wäre sehr erfreulich und geradezu 1m Inlerenr der BolkSgBttv.dhr't mit Genugtuung zu begrüßen, wenn das weit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.