Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S011 i1101011 2v i kia0 zu 2116| .׳ des ״>vae lit“ ♦ JCXXXXXXXXXXXXXXXXXXX־XXXXXXXXXXXXXXXX X־"X X >T X X X X X X X_X_ X X X X tu.-(. m&₪M 50010110. Phinlios in Der Juötopiif. Bon Arthur Jlahu. 1•'] i'iacbbvuct Verbote». Simon und Gustav lachten laut; Adolf macht? ein säuerliches Gesicht. ״Abgesehen von einigen Uebcrtreibungen iannsi Du recht haben." unterbrach er den Freund. ״Indessen weichst Du voin 2Heina ub und vergißt, daß wir auch an cinl-eimitchen Damen keinen Mangel baden, die unser «chönkeit-rgesühl. ich meine unser ästhetische» Auge, befriedigen, wie «Zum Beispiel Idü Tannenbusch." spöttelt? Eimon Korn, ״Mosche Brücks Augenweide, die hoffentlich noch unter den Lebenden weilt-" ״Immer noch eine stattliche Erscheinung," ergänzte Adolf, ״der man ihre «echsunddreißig noch lange nicht ansiebt." ״Gut Iomtof, meine tverten Herren und zugleich herzlich Willkommen!" Der Mann, der mit seinem Gruß die Unter Haltung der jungen Leute unterbrach, der Bolengänger Mosche Briict, ist dem Leser nicht unbekannt, «einer Z׳!t.. als Berez Storch die ihm unver geßliche Bekanntschaft mit der vornehmen jungen Dame machte, war es Mosche Bruck, welcher aus diesem Ereignis mancherlei kulinarische Borteile gezogen hatte. In vertraulicher Weite ßreckle der Botenaänger den jungen Leuten seine aror׳e .Hand eniaegen, di? in einen grasgrünen Glacehandschuh gezwängt war. «ein sonnvcrbranntes, von einem bis zum Mundwinkel reichenden Backenbart geziertes Z^esicht, verriet eine durch alle Wetter gestählte Ge sundbect. «eine Miene wurde immer selbstbewußter, je mehr die jungen Leute, die ihm höchst belustigt die Hand schüttelten, ein bewunderndes Staunen über seine elegante Garderobe und seine seine Grsckiein ung äußerten. Mosche nahm die feine Ironie für bare Müine. Sein Selbstbewußtsein wuchs, als die jungen Männer aus seine baldige Heirat anspielten. ״Gin Mann, wie Sie, Mosche. hat schon die Wahl," sagte Simon. ..1*r Kar sie schon getrossen man braucht ja nur Iba Tannenbusch zu fragen." meinte Aböl» Gbersiein. Gin allseitiaeS ״Ab. ich gratuliere" ״Mosche Brück bat sich wieder als gebildeter Mann von Ge schmack gezeigt," ״ei. wird das Neid erwelcn." — ״und Mendle Wächters Aelreite. Ke?" schwirrte es durcheinander. Mosche Brück, der nicht recht wußte, wieviel Scherz und Grnst in diesen Aeußerungen lag. blieb ernst. ״Nicht zu rasch. Ihr lieben Leute, soweit halten wir noch nickt. .Heiraten will man nur einmal und da muß alles ruhig überlegt werden. Da gibtS auch vieles, wovon man vorher nicht spricht-" ״Wir verstehen, zarte Geheimnisse" nickte Simen scheinbar sehe ernst, ״na. wir wollen nicht weiter in Sie drängen." Obgleich etwas Verabschiedendes in Simons Worten und Gebärden lag. und die übrigen ihm gleich falls in grüßender Weise zunickten, schloß sich Mosche Brück dennoch den jungen Leuten an. Dir Dämmerung war schon vorgerückt, die Allee und Nkeinw-rst wurden allgemach leer und die Schritte der Männer und grauen lenkten sich der Svnagoge zu. Vor derselben hatten sich Gruppen von Männern gebildet, die, wie immer an Sabbat- und Festtagabenden, dort in lebhafter Unterhaltung beisammen flehen blieben, bis hervorbrechende Sterne am Firmament an den Beginn des Nachtgebets mahnten. Inmitten der größten Gruppe stand ein unterev.ter Mensch, der das Wort führte. Sein Gesicht war in der Dunkelheit nicht mehr kenntlich, nur große weiße Zähne leuchteten in der Dämmerung aus einem breitschlitzigen Mund. Wahre Lachsalven dröhnten auf der Gaste, so oft der Mensch sprach; »vd der Kreis um ihn heruin wurde immer dichter. 'Berez, im Begriff in die Synagoge zu gehen, näherte sich dem Knäuel Menschen um den Sprecher herum, als er seinen Namen nennen hörte. Gr borckte auf, wieder hatte der Langzähnige ihn genannt und wieder lachten die Leute laut auf. Der Sprecher erzählte mit vielerlei Ausschmückungen die Vorgänge in der Leriistuhe während des Gottesdienstes in der Svnagoge, wie Schiff zu Boden gefallen und Kohns neuer Hut zertrümmert worden sei. Hämische Spottreden fielen für Berez ab und selbst seine heiligste Gr inneruna an die märchenschöne Aristokratin wurde hier verhöhnt. Noch ehe Berez aber den Zusammenhang begriff, lösten sich die Gruppen aus, der Gottesdienst degann. Bleich vor Zorn erzählte Koppel seinem Vater, wie der verdutzte Beiacker (verdorbener Lehrers Bonnewitt die Stiefelaeschichte den Leuten zum Besten gegeben habe. ״Warum hast Du ihn nicht in zehn Stücke zerlegt?" knirschte Berez zwischen den Zähnen und sah seinen Sohn wutentbrannt an. Vielleicht hätte Koppel wegcn dieser Unterlassung-Künde von dem erzürnten Vater eine Maulschelle empfangen, wenn sie nicht in der Svnagoge gewesen wären. Des Schusters Galle wurde noch erregter, als sein Nachbar Gelanger ihn scheinbar harmlos srug. was er denn eigentlich für Unheil mit Iomtof Schiff und Jekeschen angesiestt habe. ״Kol Aulom (alle Welt» spricht doch davon," sagte Mosche Grlunger, nicht so harm!.^, wie er sprach. Halb betäubt saß Berez auf seinem Sitz: er ver mochte nicht dem Gebet zu folgen. Gs summte ihm im Kops, er sah Lichter, Guirlanden, Bäume und Menschen wie durch einen Nebel. Sein altes Nebel, bas nach großen Grregungcn auszurrclen pflegte, ein Brausen in den 'Gbren und Schwerhörigkeit, bc»iel ihn. Gr verstand weder den Ghaüan noch körte er den Gesang der Gemeinde. und ein großer seelischer Schmer; lagerte sich betleininend über ibn. Iechiel bemerkte das verstörte Wesen seines Freundes, ob»? die Ursache zu wisien. Gr war erst nach Berez in die Svnagoge gekommen. Als die Schul aus war, drängle e» Berez, seinem Freunde die ihm wider tadrene Kränkung zu erzählen. Iechiel beschwich'igte ihn: wegen eines solchen verächtlichen Menschen brauche sich Berez wahrlich nicht zu kränken. Bunne׳ witt sei ein verkommener Mensch, zu nichts gut. der einem gelernten Handwerker, der vo» seiner Hände Arbeit sich und die «?inen erkalte, nickt an die Seite gestellt werden könne ״Die Leute lackten, weil heute gerade Iomtof ist." Berez beruhigte fick allmählich bei den begütigenden Worten Iechicls. ״Ich werde!hm, sobald er mir in die Hände laust, sämtliche Knocken zerschlagen und von seinen Wolfszabncn soll ihm keiner mehr im Munde sitzen bleiben." ״Um Gotteswillen. Berez." bat Iechiel erschreckt, ״tu' das nicht. Der Bunnewitt wird schon mal an den Unreckren kommen. Aber Du. Du darfst Dich nicht an ihm vergreifen." Berez sagte nichts: bei ikm stand aber test, daß er den verdutzten Baacker fürchterlich v.-rprngeln werde. Stumm gingen die beiden Freunde nebeneinander her Iechiel beruhigt und erfreut, Del aus die heftig erregten Wogen des Zornes gegoffen zu haben, Berez mit finsteren Racdevlänen gegen seinen Verleumder. Und noch einmal sollte der Schuster an sein Miß׳ geschi.k. bas rr großenteils selber verschuldet hatte, schmerzlich erinnert werden. Hinter ihm ertönte anrufend Jekefchens Stimme. ..Berez, wart' mal, ich Hab' Dir was zu sagen." Iechiel, der das Kommende ahnte und nickt Zeuge desselben sein wollte, ging weiter, während Berez mit finsterem Gesicht;Jekeschen entgegensah. ״Wie konntest Du Scklemihl," begann Iekefcken, ohne Groll, sogar mitleidig zärtlich, ״meine reckte Zehe mit Iomtofs linkem Frostballen verwechseln! Alleweil hat sich's zwischen mir und Iomtof auf geklärt. Gr war ärgerlich aus mich, daß ich beim Vorsagen geeilt habe, und ick, wie ick vor lauter Jesurim lieber geschrieen als gesungen hätte, batte mächtigen Ranges <Zorn> auf Iomtof. weil er gar kein Gnd finden tvollte. Gott's will, stecktest Du in meinen Stiefeln. Hab' ich dem armen Jomto» ge wünscht, weil er so lang geduchent hat, und habe dock keine Ahnung gehabt, daß er eist mit Scklome's Bei stand ans den »'einigen herausgekommen ist . . ." (Fortsetzung folgt.) Heinrich Weer. Glue Grzahlung von Friedrich Rott. ״Das tonnen Sie beweisen?" ries Heinrich au» springend. ״Ich nicht, ich war damals verreist, aber meine Schwester unv unsere Bedienerin erinnern sich mit vollster Bestimmtheit, daß Meta und Mama an! Vorabend von des Kaisers Geburtstag auf der Bank vor unserem Hause gesellen baden und daß Weißkopf um zehn Uhr nach Hause getommen ist, sich noch ein Weilchen mit Mama und Meta unterhalten hat und dann in sein Zimer gegangen ist." ״Das kann Ihre Schwester beschwören?" ° ״Das kann sowohl meine Schwester als auch unsere Bedienerin beschwören." ״Gott sei Dank, so ist dock ivrnigstenS Giner gerettet! Aber Ihre Schwester muß Herkommen, oder vielmehr nach B." ״Dazu ist sie bereit." ״Selbstverständlich. Uebermorgen ist die Geiichtsverhandlung. Telegraphieren Sie Ihrer Schwester, sie möge morgen mit dem Achtuhrzug abreisen, dann wäre sie um drei Uhr nachmittags hier. Sie würden sie hier am Bahnhof erwarten und fahren um halb vier Uhr mit ihr weiter, dann toären Sie vor sieben Uhr an Crt und Stelle." ״Das tverde ich sofort tun," sagte Hermann indem er aufstand und nach seinem Hute gri»'. ״Wohin wollen Sie?" ״Zum Telegraphenamt." ״Das ist unnötig. Setzen Sie mir die Devescke auf. mein Schreiber tvird sie sofort besorgen. Hier haben Tie Papier und Schreibzeug." ״Besten Dank, so bleibe ich noch länger bei Ihnen — das heißt, wenn ich Tie nicht störe." ״Sie stören mich k?!ne--wegs. Sie können .׳- sich dock denken, wie wert mir Ihre Üöegenwart ist. Nach so langer Zeit endlich einmal von ihr zn sprechen, in■״ i״t zu hören. Aber .;׳.!erst schreiben Sie, die Depesche soll »ort." Während der eine schrieb lehnte der ander? in den Sesiel und beschattete mit der Hand die Augen, vor denen er das holde Bild derjenigen zu sehen wähnte, an die er nickt denken konnte, ohne daß alle Pulse in ihm flogen. — Fünf Jahre waren ver stricken nahezu »Uns Jahre und noch immer tonnte er nickt an sie denken, ohne daß. sein ganze? Sein erbebte. — Freilich, so wi? jetzt, hatte er noch nie an sie gedacht. Wenn er damals ge»vußt hätte, was er beute wußte. — Meta die Tochter einer Jüdin! — Und was war dann sie? Wenn seine Mutter das herrliche Mädchen nur gesehen hätte! Mit ihrem klaren, scharfen Blick hätte sie sofort den Schatz erkannt, den das junge Mädchen in seinem Innern barg. Frendiaen Herzens hätte sie sie an ihr Herz und in ihr Haus genommen, und hätte sie alles gelehrt und hätte sie in allem unter-