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Der Israelit · 1906-04-20 · 16 (20.4.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
16 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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'Jir ». Itt Zsraetil 1". April 1!י0י;. Seile ׳. '.Hüben der Khillegewaltigen wagt. Sie hat allerlei üfh ni,l interessviOeres ,IMnierinf 1» rroifrrieren. Vielleicht erftart: mit ihrer Hilfe doch einmal der Stolz der Gemeindeinitglieder. und sie verzichten auf Führer, die etwa als grundsätzliche Gegner der .נולד ihre Kinder nicht in die jüdische iHemeiuschaft aufnehmen lassen, die nicht so bescheiden oder folgerichtig handeln, um freiwillig auf eine unverdiente Ehrung zu verzichten, Es ist überall dasselbe betrübende Bild, das mehr eine Gemeinde als ihre ״Führer" be schämen sollte. Was soll man von solchen Parnossim erwarten ’ Gälte es. das Judentum und seine In teressen mit Würde und Iiestigteit zu vertreten, sie würden trotz hoher Intelligent völlig versagen, denn sie schlevven ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Gesamt heit wie ein geheimes Laster mit sich herum. Tagte da kürzlich im neubegründeten liberalen Verein, der seine Entstchung eben jenen ..liberalen" Juden verdankt, eine grosse Volksversammlung zur Abwebr des neuen Entwurf» eines Voltsschulgesetzcs, aber mit keinem Wörtchen wurde seiner judenseindlichen Tendenz acdacht. Man betrachtet eben eine jüdische Gemeinde vielfach lediglich als einen Vermaltungs Mechanismus, der allerdings bei uns ausserordentlich ou: organiüert ist und vorzüglich ״klappt". Aber es dürste überslüsiig erscheinen zu betonen, wie sehr eine solche Anschauung destruktiv wirkt, und dasi ein jüdisches Gemeinwesen nur dann gedeihen kann, trenn ech» altjüdilcher Geist in der iKemeindestnbe lebt und wirkt. Ten einzigen Ausgleich in unteren Ge füllen gewäbrt auch hier die Wahrnehmung, dasi der so beiss ersehnte gesellschastliche Ant'chlusi an die nicht jüdischen Kreise trotz alles Liebenswerdens nicht er folgt, -me:in liegt, wir anderswo, Snsteni. Wir es der jüdischen Eiaenarr entspricht, haben die jüdischen Kauü-'.ite, denen die Stadt viel verdankt, sich auch darin um sie hochverdient gemacht, das׳, ür ausser den Stin׳.,ngen für die Gemeinde, bedeutende Summen iiir aemeinniltüae Anstalten in grossem 3ttle schon in alter Zeit gespendet haben. Man weist das vollauf zu würdigen: und so bemüht man sich schon s-ii Jahren, die Juden von ieglicher Bürde eines kommunalen Amtes zu befreien. Trüber zierte hin und wieder ein Jude das Stadtverordneten Kollegium oder den Vorstand der Handelskammer, und er war!titln de! schlechteste im Kollcaium. jetzt verzichtet man gern au» diese '1יי itar beit. Auch der ״interkonsenionelle" Charakter jener Stiftungen. die Hunderrtau'ende ausmachen, wird streng gewabrt. ״n: Prri'.rr:-׳1 ׳!:>erren noi׳ä»en t^vangelilchen und Kardolischen gibt es keines'veqs. Von Juden wird die «Brandung eines allgemeinen Ainls für Obdachlose uniervommtn, aber man weist den eigentlichen Ur dcb.r 7etzr:eirg lalr zu stellen. Ten ernsten, jüdisch »üblenden und denkmden Juden werden derartige im ׳׳er°ssn betrübende «^reianisse nicht allznsebr er sch,!׳׳ern. '^r kennt seine besonderen Ausgaben, aber er möchte 'ie auch in einem grösteren Gemeinwesen mir der guten alten Tradition unserer Gemeinde und ibrer vortrefflichen Institutionen zur allaemeinen (Kel!un! gebracht wissen. Und diese Hoffnung ist nichg sg trügerisch. Tenn ~ztz ="פת-ד׳' ב:דת ־״ Ter Kreis der Getreuen ist allerdings gelichtet, aber die Gesinnung ist treu und fest geblieben. Es wird mit Liebe und Eiter ״gelernt", Se. Ebrwürden der Herr Tberrgbbincr. wie die Herren Klausralbiner. stellen sich in den Tienst dieser wichtigsten Ausgabe rinn jüdischen Gemeinde. Neben dem alten, vom *צב• ־*׳י er* begründeten rנ־־. ־:־ besteht eine rlichdotier'e .<11וי1.י& der Vortug. Gemeinde: beide sind zum Teil durch Vrrsonalunion miteinander ver bundkn. Tie besitzen wertvolle umsaiigrriche Vibliotbeken B>an bat uns vielfach um derartige Institute beneidet, d. h. um den Geist, der in ibnen herrsch׳.. Ter Begründer einer der Hamburger r״z~ *.ב־ hat den an ibr wirtenden Rabbinen testa mentarisch untersagt, selbst an einer פצ־ד sr ״־r: tkilinnedinen. damit sie nicht vom Thorastudium ab gelenli würden. Tas maa extrem sein. Aber in einer solchen Bestimmung kommt der Gedanke zum Aus'ruct dal bas Thorastudium im gute», allen Sinne innerlicher Abgeschlosiendeit, aus׳chliesslict׳cr Konzentration bedarf. Nie bat unsere Klans glänzen 1« daae stunden denn damals, als Männer an ibwirkten, die zn Tasten eine- ־־:פ ביס״ רל grienen. <V׳vi11 י .-׳tfetc -teil erwrvctl mii Recht -ine» liöieien Grad allgemeiner Bildung. Tie Veranickung mit akademisät-n Interessen hat jedoch namentlich in Teutschland dem Thorastudium tiefe Wunden geschlagen, von denen wir uns nur langsam erholen. Tie dürftigen Früchte von dem Baume vibel kritischer Erkenntnis sind es nicht, die der weise König besingt. ,בצל• ריפדתי “מבתי ופריו סת־ק לרע. Der gute, alte Klausgeist ist assein imstande, die jüdische Gesamiheit zu erretten. Hoffentlich erblüht uns bald die Zeit, in der unsere einst so volkreiche Stadt wieder neu belebt wird von Bewohnern mit echt jüdischem Geist. Tie Irage der inneren Kolonisatiion alter jüdischer Kulturzentren, wie der Altonaer Gemeinde, wäre ein interessantes Problem für die in diesen Blättern so häufig verkündete Ojesamlorganisation aller Gesetzestreuen. Königsberg i. Pr. Das von der Zio nistischen Bereinigung in das Schutzkomitec für durchreisende russische Juden delegierte Mitglied des Vorstandes, Herr Rechtsanwalt Dr. Jacodi, hat auf seine Anftcge in der bekannten Sache Perlmann vom S ch u h l o m i t e e, eine von den Herren George Marx und Prof. Dr. Lassar Eohn unterzeichnete Zuschrift erhalten, in welcher es heifzt: ״Jeder, der die bisherige Tätigkeit der Schutz- Komitees beobachtet hat. ohne sich in ver unbefangenen Beurteilung durch die Zeitungspolemiten beirren zu lassen, weiß, dasi. sie eine ungemein segensreiche ist, da sie vielen Tausenden unserer russischen Glanbenshxüder in reichem Masse Heil und Nutzen gebracht hat. Er weiß aber auch, dasi niemals auf politische Parteizugehörigkeit oder auf Gesinnung, in irqcno welcher Hinsicht, Rücksicht nominen worden ist, dasi vielmehr jeder als unser unglücklicher Nächster behandelt wird. Soweit eine Prüfung der Auswanderer stattfindet, erstxcctt sich dieselbe lediglich auf die Teststessnng der tatsäch liehen Uvtersiübiingsbedürftigkeit. Tas Schutz Komitee bat sich seiner Ausgav: mit aller Hingebung gewidmet, keines der Mit glieder jedoch mit solcher Tpserwilligkeit, wie ge rade Herr M. Perlmann, welcher dir Ansorderungen seines Geschäftes ganz hinter die Pflichten des LiebrSwerkes zurücttreten liesi. Er konnte desbald auch mir riikngem Gewissen die skrupellosen, in ihrem Inhalt gänzlich unbegründeten Angriffe liber sich ergeben lassen. Was;st denn in Wirklichkeit geschehen? .Herr Perlmann und andere Koiniiecmitglieder wurden durch Belästigungen und unberechtigte Ansorderungen einer Anzahl jugendlicher Leute aus Russ land derart behelligt, dasi sie bei 'Andauer ähnlicher Zustände das ganze Hilfswerk als gefährdet ansehen musiten. Einzelne Komiteemitqlieder hatten daraufhin auch bereite ihre Mitwirkung eingestellt. In solcher Stimmung und einer Augenbliclseingebung folgend, entschloss sich Heer Perlmann zur Versendung eines an sechs .Herren gerichteten Schreibens, das, wie wir gern zugeben wollen, höchst unglücllich abgefasit war. Von seiten der anderen Auswanderer waten die betreffenden Personen als ״Bnndisten" bezeichnet worden. Nur durch eine linentscvulovare Indis kretion ist der Brief in dir Teffentlichteii gelang! und hat dadurch so viel Aufregung derursacht. Zu keinem Zeitpunkt aber hat bei Herrn Perl mann oder den anderen Komiteemitgliedern das innigste Mitgefühl mit den Tpfern der russischen Barbarei eine andere Unterscheidung als nach dem Grade des Leidens gelaunt, und ebensowenig hat der Wille ausgebört, allen, solveit dies irgend anging, zu helfen. Indes, so hoch ,׳»* auch die grossen Ziele der jüdisäien Wokltätiglrii stehen, wir sind alle nur Menschen, die, zumal wenn uns Unrecht und Böswilligkeit entgeaentreten. auch einmal fehlgreifen können. Tas 1'olUe ».an entschuldigen, aber nicht durch masslose Verdächtigungen Nuganze Liebesioerk unter graben. In grösster Hochachtung T a S S ck u h Komitee für durchreisende tnffifche I u '׳ e n i r Königsbrr a." Beuthen. 4. April. Bor kurzem war hier eine in Säcke verpackte, zerstückelte Leiche gefunden worden. Man braucht sich nicht darüber zu wundern, dass sogleich die antisemitische Presse mit dem Ritualmord Märchen bei der Hand war. Diesem Treiben bat aber die Staatsanwaltschaft einen Riegel vorgeschoben durch eine Erklärung, in der es heisst: Tie Zerstückelung der Leiche »ins! unter Anwendung grober «Gewalt und 'mittele eines Tleischerdackdeils oder eines ähnliche» Werkzeugs bewirkt sein: der Täler muss mit der Zerlegung von Fleisch Bescheid wisse». Zur einen «Vflmord »ebli 11,1» de», Ergebnis der gerichilichen Leichen önnung jeder 'Jlnbalt. Auch die Annahme eines Ritualmordes ist nach dem tAuachte» der obduzierenden Aerzte ausge schlosse». Tie Lcichenteile waren keineswegs blutleer. Tie Sektion hat mit Sicherheit ergeben, dass der Tod durch die Sch ä Velpe rletzung verursacht und die Zerlegung der Leiche, insbesondere auch die Trennung des Hopses vom Rumple erst nach den! Tode erfolgt ist. Die Antisemiten haben mit ihren Schwindeleien diesmal kein Glück. Le st erreich -Ungarn Wien, 11. April. In jüngster Zeit treffen besonders die österreichischen Grenzbehörden die schärfsten M a ss r e g e l n , um die Ein oder Durchlvandernng russischer Flüchtlinge zu verhüten. So wurde erst vor einigen Tagen 5,2 aus Iekaterinoslaw über Iassv geflüchteten Juden der Eintritt nach Testerreick׳ ver boten. Tie Flüchtlinge befinden sich in grösster Ver zweiflung in Vurdnjeni, da auch Rumänien ihre Aus׳ nähme verweigert D r o h o b i t s ch , IX. April. Ter Galirisischc Kolel für א־ין ־•ש־אי־ brachte, wie aus dein von Herrn I. L. Schreiber in Trobobitsch herausgegebenen Jahresbericht bervorgeht, im Jahre llo־» die Summe von 100,017 Gulden ans. Frankreich. Paris. 10. April. Das Eomitü de Vienfai sance hat an die grossen Wohltätigteits Trgani salionen und an die hauptsächlichsten in Betracht kommenden Gemeinden Europas ein Rundschreiben gerichtet, in dem darauf hingewiesen wird, dass, die Beförderung osteuropäischer Auswanderer nach Paris für die ^olge gänzlich unterbleil>en müsse. Es sei unmöglich, den Unglücklichen in Paris die Mittel zur Weiterreise zu verschaffen oder sie, wie oft aewünscht werde, direkt nach Russland zu rück zuschicken. Es bleibe also nur die Rücksendung an die Grenze, da in Paris selbst bereite 00,000 eingewanderte Juden wohnten, für die der nötige Rahriingsspielraum fehle. Ten! Herzog von Almodovar »nd dem amcrikonischen Botschafter Henrp Wbite sind von der Alliance Israsslite Tankschreiden für ihr warm herziges Eintreten zugunsten der marokkanischen Juden übersandt worden. (f 1> ח U tt », London, 12. April. Noch ist der Text der angckündigten liberalen Schulvorlage nicht veröfsent licht; allein die Mitteilungen, die man über die Grundsätze des Gesetzes dem Parlamente gemacht bat, lassen seine Gefahren für die bestehenden konfessionellcn Privatschnlen und für den jüdischen Unterricht überhaupt zur Genüge erkennen. Die dem Londoner Grafschaftsrat unterstehenden jü dischei! Schulen waren allerdings bisher schon in der Ausdehnung des hebräischen Unterrichts beschränkt und gewisscnbafte Eltern aus ergänzenden Privatunterricht angewiesen. Man hat indessen jetzt den Vorschlag gemacht, das Hebräische in seiner Eigen, schast als fremde Spracix! als ״iveltlicben" Unter richtsgegenstand dem Stundenplan einzufügen, sodasi dann sogar noch ein Tortsch.itt gegen früher erzielt würde. Anders ftebt es mit den Privatschulen. Hier können vor allen Dingen die jübtfehen Lehrkräfte einfach von oben herunter durch christliche ersetzt werden. ein Verfahren, das allerdings im East End nach Lage der Dinge kaum zu erwarten ist. Am sMIimmsten ist die ״liWrale" Bestimmung, dass eigentlicher Religionsunterricht nur an zwei Vormittagen je eine Stunde erie'lt!verden oarl' (*ine Vermeli-ung dieser Stundenzahl kann indessen auf Wunsch von

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