Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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2t'. April 19<n:. Ttx Isratlit Hungersnot in Marokko. Wir hc>ben wiederholt aus die bittere Nor aus merksam aemcicht. die gegenwärtig in verschiedenen marokkanischen Gebieten herrscht und unter der unsere Brüder dort besonders schwer zu leiden haben. Wie furchtbar die Lage ist. veranschaulicht folgender Aus -ug aus einem Brief der Vorsteherin der Mädchen schule in Mogctdor. der dieser Tage in einer Sitzung der Iewit'h Kolonisation Association in London zur Verlesung kam: ״Heule wird in den Lnnagogen »nd Moscheen um liegen gebetet. Tie hiev herrschende Arnim ift einfach her, ,erreißend. Tie Armen sterben vor Hunger. tf» ift schreck Uch zuzusehcn. wenn kleine stucke Brol unter sie geworfen iverdcn. Ich kann Aktien versichern, ne sehen eher wie!oilde Tiere, die einander in Ltücke zerreißen. den» wie lnenschliche Wesen aus. Acki. hatte ich doch t«elfc genug, um ihnen täglich einen vetb Brot geben, »ur gerade soviel, um ihnen über diese schweren -Zeiten biiiwegbelfen tu könne». Man niuf; ihnen ans dem Marokko Hilsssond llntersiüitung gewahre», bevor es t» spät ift. Außer dem Hunger wüten in der Meilab auch »och die Pocken, fie könne» uch vor nellen, in welchem ,-Zunand sich die Lladi befindet." Ter Tekretär der Anglo Iewish 'll^etation. der den Brief verlas, fügte hinzu, daß der Marokko Hilfsfond lediglich für Unterrichtszwecke verioendet werden dürste, und ihr Präsident sprach gleich falls sein Bedauern aus. daß die Association ftiüe Mittel für diesen Zweck zur Verfügung habe: er oer traue jedoch darauf, das; wohltätige Private ihr Möglichstes tun würden. — Tie Alliance Israelite hat den maroktanischen Gtmeinden Marrakesch. Azemur, Magazan, Gasa blanca und Mogador eine erste Rate von 7<X'0׳ Irs. zur Beschaffung von Nahrungsmitteln zugelchickt und aus>,e׳dem die Anordnung getroffen, daß allen Kindern in diesen Gemeinden in den schulen warmes Mittagessen verabreicht wird. Natürlich reicht die genannte summe nickt aus, um das Glend wesentlich zu lindcrn. lös gilt daher, daß die jüdische Teffentlichkcit bereitwillig die Hände öffnet und den Tpfersinn, den sie gegenüber den! Unglück der russischeu Brüder betätigt hat. auch hier bewährt. »*י על ז־ב -עך. Tas deutsche Bureau der Alliance Israelit? lBerlin N. 24, Oranirnburgerstraße 42s nimmt Gaben für das Hilfswerk entgegen. Liberale; ״ ' . In diesen Blättern l-abcn wir schon oft darauf hingewiesen, daß das R e s o r m j u d e n t u ni als Theorie tot und begraben ist. Tie Männer, die seine geistigen Urhebers»"*' seine Vertreter waren, find dakinaco^. ' »folget: zu hintcrlasien * n. die einft begciss ״zeitgemäße" Um und Ausgestaltung eintratrn, sie haben längst selbst der Zeitlichkeit ihren Tribut entrichtet und sind sang und klanglos eingegangen in das Neich der schatten, odtr fristen von der Gunst irgend eines MäcenS noch rin Scheindasein, so haben wir bisher geglaubt. Heute müssen wir bekennen, daß wir uns geirrt haben: Tie Reform mag tot sein, aber das ״liberale Judentum" lebt und sein Zeuge ist ein schmuckes Buch, das hier vor uns liegt.*) »freilich zeigt uns der Autor schon in seiner Vorrede wie im Gingang des ersten Kapitels, daß in seiner Brust nicht jened Jener lodert, das die alten Kämpen dir Reform sturm lausen ließ gegen unser altehr würdiges Gesetz. Herr Montefiore als (Epigone, ist vorsichtiger: er will keine allgemein giltigen Wahr hcitcn vertragen, sondern erklärt ausdrücklich, es handle sich um seine rein versönlicke Glaubeneauf sasiung. Wer indeffen seine persönlicbe Auffassung in einem Bucke von 210 seiten darlegt und Hofft, daß dies zur Entwicklung und Förderung des ji! discken Glaubens <seiner Richtung) beitragen werde, der muß sich selbstverständlich auch gefallen lassen, daß an seinen Ausführungen Kritik geübt wird. Montefiore behandelt in den ersten vier Kapiteln seines Buches die Themen״ ׳Jude und Judentum" und ״Tas Wesen Gottes »nd sein Berlüiltnis zum Menschen", seine Ausführungen sind von einer solchen Tarblosigteit. daß er am Schlüsse selbst ent schuldigend bemerkt: ״Gut jüdischer Pater mag sagentf» ift nichts speztmch Jüdisches in ihnen. Tie Toginen. die da ausgestellt sind, »lögen auch die eines Unitariers oder Thetften sein. Tiefe tkedren befolgen, heißt noch nicht Jude sein." Tiefe Selbstanklage ist sehr gerechtfertigt, weit mehr als die Antwort, die M. darauf erteilt. Gr meint, das Judentum sei die ältere Religion und seine Hauptlehren seien in die Töchterreligionen übcrgegangen. Mag das auch zum Teil stimmen, so muß man doch diese Lehren erst, wie M. es tut, ihrer posstiven, altjüdiscken Fassung berauben, uiu in die Gefahr zu kommen als Anhänger jener Se'ten zu gelten. In den beiden folgenden Kapiteln legt M. seine Stellung zum jüdischen Gesetze dar. Hier wandelt er zunächst ganz in den Spuren det alten Reformer Gr unterscheidet rituelle und sittliche Satz u n g c n und findet natürlich, daß, die Heilighaltung der ״Zeremonialgesetzc" von dem modernen Menschen nickt gut verlangt iverden könne. Ist eS M.. wie sich aus jeder Zeile dieser Kapitel ergibt, nicht ge lungen, in den Geist des jüdischen Gfrsehes einzu dringen, so fehlt ihm dafür wenigstens der Haß, mit dem seine Vorgänger das (Kff*'**4־־ *) Zttbera' _Leit« t N ehrten: er findet Worte hoher Anerkennung, S. 11!>: ״Gs n:׳.:s gesagt יי׳יי׳י״סו. t׳u& das *Hcfer, niit nur besonder« Art religiösen und sittlichen Veden» geschaffen ha» sondern daß ne tdm auch eine Weltanschauung von großer Tiefe und höchstem Adel verdanken, dte von Außenstehenden nur in geringem Maße erkannt und gewürdigt worden ist." 2. 121* ״Ter Mensch versteht und erkennt sich seldit, indem er das Gesetz anerkennt. Gr ist am meisten Lkl.ive, ivenn er am wenigsten dem Gesetz gehorcht: wenn er an! meisten dem Gesetz gehorcht, in er am freiesten " Tas hält aber Montefiore nicht ab, kvenige Stilen später, wo er von ben Speisegesetzen spricht, zu schreiben: ״Was wir essen und nicht essen sollen, kann uns besser und richtiger ein moderner sprzialarzl der Tiatetik vorschreiben, denn ein (besetz, da» vor mehr als 2*»»> Jahren geschrieben worden ist." Wieder einige Seiten weiter wirb dann die Be folgung der Speisegesetze des Pentateuch als wohltuende Uebung in Selbstverleugnung wnb Selbst beherrscht!»» empfohlen! Tic Ginhalluna der rab binischen Satzungen aus dieseut Gesichtspunkt scheint ihm zu teucr erkauft, vor allem deshalb, man höre und staune, weil englische Juden in der Armee ditncn und diese in Kriegs Zeiten die Speisegesetze doch nicht halten tonnten. Zum Schlüsse dieser Reihe klaffender Widerspruche bemertt dann M. kalt lächelnd: ״t*« muß dem Gm,einen üdrrlassen bletben, ,wischet! dteien widerstreitenden Argumenten zu entscheiden ״ Tos ist dock wirklich liberal gedacht! Tir Fortsetzung dieses Giertanzes bringt uns das nächste Kapitel, das von der Saddatncgr handelt. 2. III. ״Ter siebente Tag der Woche, geweiht der Bered!ung Gottes, der Grbolung nnd der ,Trend«, iit ftcherlieb eine der größten und schönsten menschlichen Gin richtiingen." .... 2. I >2. . . ״Gs wäre nicht unverständig, ein« Verlegung des Laddais vom 2 o n n a b « » d aus den 2 0 nn tag zu befürworten." 2. IN. ״Man nimmt int allgemeinen an, daß. wo mit einem ״Ladhatsonntag" der Versuch gemacht wurde, das baldige Resultat darin bestand, daß weder Sonnabend noch Lonntag wirklich gehalten wurden." ״Gs dürste wohl ausgeschlossen sein, daß Gltern ihre Kinder nur Berufe ergreifen lassen sollten, in denen der Ladbar keine Ltörung erleidet." 2.! t>! ״Nicht» ist beklagenswerter und verderblicher, als die Tatsache, daß eine Antahl ltderaier Juden wi'tkürttch und ohne zwingende Notwendigkett den Labbat entweiht und mißbraucht." Tiefe Blütenlese könnte noch entsprechend verlängerk iverden. aber sie genügt wohl schon, um zu zeigen, wie im Kopfe unseres Autors die größten Widersprüche ruhig nebeneinander wohnen. Nach dem Sabbot werden die Iseste in einem «onderen Kapitel nach der gleichen Methode abge- Selbstredend hat M. manches an ihnen n, aber im großen und ganzen finden sie i Ltdrndura desto einmütiger anerkauat. Gm* fl nnm >7. PHnS«■ Ixt!» h*r 91 4 ft fl" flifct ffX, IW — WHWBI W)|<U tut UllLIKlI «71UI-T liat war Unt«:,nm11*« » M*f* •*nmmg »on «indevorstehern A Hem!! .0״ , ****•*&&•$• iteu« Bechta. «nichel Mo,e» Vechta o b kb- Ä riJwlS«« Bvrgang. der ''ch in der Zeitung» ״r Tabre 40J11 abspielte, fei hier kur, erwahnv "יי• M in Tresden. ivater in Breslau, galt "'1 b׳V, -Lremm und 'Jitu als ein Mann, an dessen 'lischt da» minist, f« tadeln s«. und namentluh ״. ״n>en ihm «ine unbedingte Verehrung. Ta n^l «ne- Tages einen offenen Artet an Rabbt ״, Prrßburg, i« dem dieser Gaom Liam -spettierlich'ten Wets« angegriffen wurde, «aob. batte dem von einem ungartschrn BeS-Tm Gtwrem gegen einen Rabdturr Alexander. '7aba aU ebexitt Instanz seine Zustimmung d mußte üch dafür von Lderrabbtner Tränket - . - ״ iai.n lassen Ti« Korrespondenten - in %m deutschen Großstädten stimmte, n Tresdener Rabbiner bei und ,chtlderten »nthre vi« ,.br man in Trautfurt. Hamburg. Berk rgehen de« Rabbi Moscheh »°״r verurt« den An'chem hatte, als sei d.« »an». Sff, ,» de« deutschen Judentum» au, Setten 'abbmats. Ta war es etn euisacher «ron Htrsth in Halberstadt. Begründe pirsch & Lohn, der den Mv.t besaß, den fürst^-mememoss.n.nBr>ete m Nr »rften m eine,» >.-11-»--- ״ vom 2t». Tedruar t"40 ״aus sek,« * ״־ scharf entgegenzutreten und »hm t einen sehr große» Test der dentsch 0083