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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 25

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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י*יי>;1 April .יי. I«r ^»raclit in« Anschauen versenken. Just im selben Augenblick ist Dir nicht rinmal rin Kunde willkommen. b'aiitv «1»- mi*M1x findest Du. ladrnfromme Iünglingsserle. selbst den trostlosesten Backfisch noch reitend." (Fortsetzung folgt.) Heinrich Eine Erzählung von Friedrich Not». ■וי ״Jetzt wollen 2if wieder Len Berserker spielest." enlgegnete der Untersuchungsrichter ärgerlich lachend, .,aber es gelingt Ihnen schlecht, mich wenigstens lauschen >2je nicht, und ivenn Sic die Augen noch so wild rollen lasten. Aber ich fürchte, fürchte sehr, Sie werden Ihr Tun zu spät bereuen, werden zu svät erkennen. dast ich Ihnen sowohl in Ihrem Inlereffe, als in dem Ihre« Vaters das einzig Richtige geraten habe. Es wäre allerdings schon jetzt keine ganz leichte Aufgabe für mich, vollständigen Freispruch für Sie zu erlangen, man spielt nicht ungestraft mit dem Strafgericht. Doch ich hätte mich dafür eingesetzt und ich glaube, es wäre mir gelungen. Wenn Sie jedoch in unverantivortlichrm Dünkel meine Unterstützung zurückweiscn und mich zwingen, Ihre wahwitzige» Aussagen zu Protokoll nehmen zu lasten, so haben Sie sich selbst die unvermeidlichen Talgen zuzuschreiben, haben es sich selbst zuzu schreiben, wenn Ihr Vater der Doppellast seines tragischen «beschick» erliegen würde." Alfred erblasttc abermals, unwillkürlich preszte er die Hand gegen die Brust, als könne er dadurch das wilde Pochen seines Herzens unterdrücken, denn er konnte bereits den Worten des ihm wohlwollenden Mannes jede Berechtigung nicht aberkennen, konnte nicht in Abrede stellen, daß. falls es ihm nicht gelingen würde, den Kerichtshos zu überzeugen, das; er und nur er allein den Mord vollbracht habe, 'ein Vater also abermals schuldig gesprochen würde, dast dann durch seine gleichzeitige Verurteilung die Qualen seines Valers verdobpelt würden. Und nach der Ver sicherung des Untersuchungsrichters war es geradezu undenkbar, dast man seiner Behauptung Glauben schenken würde, dast er allein das Verbrechen voll׳ bracht. Ter erfahrene Menschenkcnuer las den inneren Mampf des jungen Mannes in besten zuckendem An gesicht, in dem die srarbe bald stieg, bald schwand. ״Run. ich hoffe, Sie sehen es ein. dast Ihnen nichts anderes übria bleibt, als cinzugesteben, dast Sie durch den Wunsch Ihren Vater zu pettcn, sich haben verleiten lastcn, die Behörde rrreführen zu wollen." A'rcd schüttelte mit Heftigkeit verneinend oen .stopf. ״Rein!" stammelte er, ״nein' das kann ich nichi eingcsteben, denn ich, ich ganz allein habe das Mint! gelötet!" ״Unvernünftiger Mensch!" ries der Unter suchungsrichlcr, die Stirn in Ialten zi.'bend, ״Sie richten sich zu Eirunde und bringen Ihren Vater »nre: die Erde!" Aber Alfred liest sich von der vollständigen Aus sictitslosigleit seines Strebennickt überzeugen, er horste noch immer, vast ihm irgend etwas einfallt n werde, woraus es llar und deutlich hervorgehen werde, dast nur er und er ganz allein den Mord vollbracht hciben lönne. Aber die Zeit schritt vor, er sann und sann, er sann oft die unsinnigsten Pläne, bald wollte er den ^׳ekängniswärter überfallen, wenn derselbe ihm rrjsäxs Waster und Brot brachte, bald wollte er sämtliche Gefangene der Anstalt zur Revolte aus Heye» u. dgl. m. Aber der tstefängniswärter war ein harmloser Mensch, der ihm noch nie ein unfreundkiches Wort gesagt hatte, wie hätte er ihm Böses tun 'önnen' und was hätte es ihm genützt? uuo selbst wenn es ihm gelungen wäre, sämtliche Insasten des Hauses aufzuhetzen wie er das Kälte bewert stelligen können, das wustte er selbst nickt — aber w׳nn er es hätte können, was hätte es ihm genützt Er hätte dadurch höchstens bewiesen, dast er ein wilder Intriguant. dast ihm wohl ern Verbrech>rn zuzutrauen wäre, aber dast nur er einzig und allein und ohne Beihilfe eines andern dasstlbe habe begehen können, das zu beweisen, war unmöglich. Händeringend rannte er oft in seiner Zelle hin und her und flehte zu Gott un, einen rettenden Gr danken — umsonst! Trotzdem hoffte er noch immer, von Tag zu Tag, es müstte ihm doch schliest'.ich etwas einsallen, und wär's auch erst bei der Gerichtsverhandlung. Die Zeit schrrtt weiter, unaufhaltsam weiter, schon nahte der Tag, an dem der Grostdorfer Mord zum rnxiten Mal zur Perhandlung aelangen sollte, d'cses Rial gegen zwei Angeklagte. Dollar Beer hatte sich dieie ganze Zeit hindurch unablüstig bemühl, eine Spur des Mörders zu ein decken, doch umsonst, es war. als wäre er von der Erde verschwunden: obgleich von der Unschuld beider Angeklagten fest überzeugt, war er doch nickt imstande, auch nur den Verdacht der Täterschaft ans einen an dern zu lenken. Mistmutpg säst er in seinem Arbeite zimmer und ging in Gedanken die ganze Unglück selige Angelegenheit nochmals durch, als einer seiner jungen Leute ihm eine Visitenkarte überbrackte, der betreffende Herr wünsche ihn zu sprechen. Kaum iKitte der Advokat einen Blick aus vie Marte geworfen, als er. einen Laut der Ileberraschung ausstostend, m das anstostende Zimmer eilte, mit ans gestreckter Hand einem dort weilenden jungen Manne entgegen. ״Hermann!' riet er. ״sind Sie'- wirklich.' ick hätte Tie kaum erkannt. Wo kommen Sie her?" ״Vor allem bestätige ich, dast ick wirtlich Hermann bin," entgegnete der junge Mann lächelnd, ״ick komm? direkt von ('. . .׳ ״Mommen Cif hinein," tagte er »nd zog ibn mit sich in sein Arbeitszimmer, ״and seien Sie mir nochmals von .Herzen willkommen. Prächtig palen Sie sich herausgemacht, sinv ja ein ganzer Mann ae worden, ohne Ihre Marte Härte ich Sie in der Tat nickt erkannt." ״Ich hätte Sie auch nictu wieder cilannl, Herr Doktor." Heinrich fuhr sich mit der Hand durch seine grauen Haare und atmete schwer ans. ״Das ist ve greislick, dast Sie mich nicht erkannt hätten, als wir uns zulent sahen, waren :׳reine Haare Horb wie Ihre - in einer Rächt sind sie ergraut." .,Ich weis׳ es," ragte Hermann leite, ״meine Schwester hat es mir mitgeteilt." Einige Augenblicke verharrten beide schweigend, dann fuhr sich Heinrich aberrnals mit dcr Hand über die Stirn ״Aber wie ist mir t'enn, Sie haben Herr Dct'or zu mir gesagt? Wollen wir einander nichi mehr beim Vornamen nennen? Darf ich nickt mehr .Hermann zu Ihnen tagen?' ״Wclclx Trage! Aber weil Sie der Aeltere sind, habe ich ohne Ihre spezielle Allsforderung mir nickt erlauben zu dürstn geglaubt. Sie Heinrich zu n-nnen." ״Thun Sie es nur, zwischen uns beiden ist doch wckstanders geworden, wenigsten? so viel ich weist." ״Ich wüstte auch nicht, was sich zwischen uns geändert baben Hunte, ick blicke noch heute mit der selben Treurrdschan und Wertschätzung zu Ihnen empor, wie vor fiin? Jahren Und wenn ich Sie oenau betrachte. Heinrich, so »inve ich eigentlich, dast Sic sich für diese lange Zeit sehr!venia verändert haben: bis auf die Haarfarbe und den Blick der Augen, der allerdings bedeutend ernster geworden ist, eigentlich gar nicht." ״Allerdings bedeutend ernster," wiederholle der andere, trübe lächelnd, ״nun, lassen wir dafür heute. Erzählen Sie mir lieber, wie es Ihnen er gangen ist und wie es Ihnen geht - Ihnen und Ihrer Schwester" fügte er hinzu, ohne ein leises Beben seiner Stimme unterdrücken zu können. ״Mir ist es gut gegangen, recht gut. unv baben Tie denn nicht das Tr. auf meiner Marte de merkt? ich bin schon vor mehreren Wochen promoviert worden." ״Meincn herzlichsten Glückwunsch!" sagte Hein׳ rich, die Hand des andern drückend. ״Dante Ihnen, ich weist, Ihr Glückwunsch kommt vom Herzen." ״Und was treiben Sie jetzt?" ״Ich erhole mich." erwiderte der junge Arzt lackend, ״aber nach Michaeli, du wird'- ernst, da _ Vr 11» l > srne trete ich als Asirslrnzarzt in die Mlinit de« Pro fesiors L. ein." ״Aber Sie Heiden mir noch nicht gesagt, wie es Ihrer Schwester geht." ״£, Meta geht es auch nickt schleM, ick haste, sie ivird sich in kurzem vollständig erdolt haben." ״Pon was erholt hciben fragte Heinrich, sie fsarbe wechselnd, ״sie ist dock hoffentlich nickt lronl geivesen?" ״Rein, krank ist sie nichr gewesen, aber dast ne die Pflege unserer armen Maina sehr angegristen hat. können Sie sich denken. Meta ist Monate hindurch nicht aus den Mleidern und nicht ins Bette gekommen, bat während der ganzen Zeit nur auf der Ehgjs׳ longue. dicht vor Mama'» Bett geschlafen." Heinrich schüttelte schn-er atmend den Mops. ״Wie gehl es Ib׳er Mutter jetzt?" ״'Wie? Sie wiffrn nicht? .Heute v״r vier Wochen haben ivir sie begrab!»." Heinrich titln zusammen. ״Das habe ich nicht gewustl," sagte er leise, erst nach mehreren Minuten fuhr zögernd fort: ״Emvsangen Sie den Ausdruck iiiciiier aufrichtigen Teilnahme und bitte, sagen Sie mir aufrichtig, wie erträgt es Me Ihre S chwes'er?" ״Rick! leicht. daS können Sie 'ich denken. Seit io vielen Jahren hat sie doch eigentlich nur für Mama gelebt, hac ihr stch förmlich geopfert, sie must eS erst wie'xr lernen, stch selbst zu leben. Und überdies die eigentümlichen Berhandlunqen vor dem Begräbnis und das Begräbnis selbst." ״Was waren dos für eigenlüinliche 'Verband lnnarn" 1\,״ so Tie wnstlen gor nichls da tonne!׳. Sie mich steil >h nicht versieden. Ick hatte geglaubt, dost die Zeitungen darüber berichtet hätten." ״'Vielleicht die Lokalblätter, ich aber habe nichts gclcien. was fick daraus bezielxn konnte." ״Was glauben Sie. wo sich Mama'» lctzic irdische Ruhestätte befindet?״ ..Vermutlich aus dem St. Peter Friedhöfe, dort laben Sie dock eine Iamiliengruft, wenigstens glaube ich, Ihren seligen 'Vater davon sprechen gehört zu haben." ״Das mag wohl sein. Dort ruht Papa unv drä in den ersten Lebensjahren gestorbene Geschwister von uns und dort wollten!vir auch Mamas irdische Hülle lxisetzen lauen: aber, cs ist uns nicht gestaltet worden.' ״Rrckt gestattet worden •׳ aber ich bitte Sie. wen hciben Sie denn dieserhalb um Erlaubnis ׳ragen müsien׳ die Gruft ist doch Ibr Eigentum." ״Das wohl, aber Sie befindet stch au׳ dem katbolischen Triebhaft." ״Wur, unb■׳ ״llnb wir hatten keine Ahnung davon — Mama war eine geborene Levi." ״Ibre Mutter war Jüdin?" rief Heinrich auf springend, indem er den andern wie sinnlos anstarrte. ״Mama war nie getauft, unsere Eltern waren nur durch bürgerliche Trauung verbunden und darum wurde unserer Mutter dcts Begräbnis aut hn! tatboüsckxn Triedhof verweigert - sie ruht seitwärts auf dem jüdischen Triebhaft" In mastlofor Aufregung rannte Heinrich im Zimmer umher. Meta's Mutter Jüdin' Wenn er das gewustt oder auch nur geahnt hätte! 'Vielleicht scrilich, vielleicht auch nicht aber - Es währte eine geraum, Zeit, bevor er keine Iassung, wenn auch nur änsterlich. wieder zu erringen vermochte. ״Verzeihen Sie." sagte er, indem er sich wie erschöpft dem andern gegenüber in den Sesiel niederliest. ״Ich kann Ihnen im Augenblick da» Uebermast meiner Erregung nicht erklären — aber —" ״Aber Sie weroen begreifen, wie schmerzlich wir. namentlich dar zartbesaitete Gemüt meiner Schwester, die erwähnten Verhandlungen empfinden mustten." ״Das begreife ich freilich, aber was ich nicht be greise, ist Sie sagten doch, dast Ihre Eltern in sog. gemischte Ehr gelebt hciben, Ihr Later war Katholik, Ihre VVitter Jüdin —" ״Gon, richtig, so ist e« gewesen."

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