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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 20

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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'J<t. 14 u. 15. «tu« 20. Ter Israelit. 5. April 11**, Anlehnung an die vier Ausdrücke der Erlösung והוצאתי והצלתי כאלתי ולקחתי (II. B. M. Kap. 6, 6 und 7) haben unsere Weisen vorgeschrieben, vier Becher Wein an den Scderadendrn zu trinken. Ist jemand zu arm, sie sich selbst zu kaufen, so sind wohlhabende« Älaubensbrüder verpflichtet, sie ihm zu geben. Jeder Becher muß etwa VH Liter fasten, und jedesmal muß man etwas mehr als die Hälfte des Bechers trinken. Wer nicht so viel Wein verträgt, kann ihn sich mit Waste! verdünnen; doch muß vie Mschung jedenfalls Weingcschmack und mindestens 1/'6 Wein enthalten. Beim Trinken des Weines und beim Esten der Mazzo lehne man sich behaglich auf die linke Seite, alk Zeichen, daß wir Erlösten aus ägyptischem Sklavenjoch uns an diesen Abenden auch im Golus als freie Männer fühlen. So feiern wir Juden unser Freiheitsfest, nickt stolz auf unsere Erfolge, sondern dankbar zu Gott, der uns aus Aegypten geführt, und zu seinem Volke gemackt hat, und eng verknüpft mit dem Danke ist die unbesieglich« Hoffnung, daß Er uns auch wiederum erlösen wird, sobald Er die Zeit für gekommen hält, und in srolier Hoffnung wollen wir auch in diesem Jahre den innigen Wunsch ausipreckxn .לש;ה הבאה ביי־ייצלי:: Etwas von Mischer WobltätigkeitspfUcbt. * (Fortsetzung.) Wenn wir ״mit leiden" das Leid des Bruders haben wir drum noch nicht bewiesen, daß wir i»it 'ühlen seine Gefühle, daß wir Menschenliebe üben, wie wir sie erfüllen sollten. Erst wenn wir uns freuen seiner Freude, ivenn wir sein Glück ihm gönnen, seine Förderung begrüßen, erst dann haben wir die Probe abgelegt, ob unser Emviinden innig und wahr sei. Mitleid kann noch unverkürzter Eigen- >:ux sein. Wir geben und spenden und nehmen tie*en Anteil am Mißgeschick des andern, lveil der Anblick des Elends und des Jammers uns leiden läßt, ja uns mabnet, daß auch uns das Glück verlassen und ׳ein rollend Rad sich wenden könnte. «Gewähren wir dem Armen aber Anteil an unserer Freude, wagen ivir es, ihm, der hochmütigen Gesellschaft zum Troß, >en Platz anzuweisen an unserer Feste-tasel neben den ״Ersten der Gesellschaft", ״schenken wir ibm die Ehre" unserer Gegenwart bei seiner Freude, und und wir beglückt mit seinem Glück, dann achten wir auch in. Armen den Menschen und erkennen wirklich den Bruder in ihm. Jst's nicht natürlich, daß für die Stunde, in der zum erßen Mal Gleichheit und Briiderlichleit ׳ür die Freiheit verkündet wurde, auch der Arme sein Reckt zur Freude erkält, sich mit zu freuen an der Freude seine- Volkes, mit zu feiern seine Festesseier? ־• כוד־t: •1י r וי־א ir r ~s 1־• עג׳ שב־יש־אי* ייא יא:ל,es Auch der Aermste von Israel, der von den ״Resten der Scki'ssel" sich ernährt, auch er hat am Feßesabend eine Tale!, auch er bat an diesem Abend vier Mal oen Becker zu füllen und zu trinken auf persönliche Freiheit und sittliche Errettung, auf Gottes All mackst swalten und den jüdischen Berus Wer eireat sick da am grünen Tisch der hoben Herren, die da bestimmen und entscheiden über Wert und Unwert des Armen, seinen Wohnort und seine Erkaltung, seine Kleidung und seine Heizung? Wer wagt es, ihm abzuspreck^n das Neckt, seine» Fisch und sein Hubn zum Sabbat zu kaufen, wenn er gehungert die Woche, sich abgehärmt bei der Arbeit, wenn er ge׳ sorgt rür Weib und Kind, sick gemüht und gekämpft gegen Armut und tötend, gegen Mißtrauen unv Miß gunlt, gegen die Geringschätzung der Gesellschaft und du Verordnungen der Behörden^ Wer will ihm die Weihe rauben und den Genuß des Tages, des ein zigen, an dem er sich als Mensch fühlt, mit den Seinen. König in der Familie, selig in seiner ärm licken Hütte, glücklich und reich, glücklicher und reicker als Du jemals Dick gekühlt, bei der Entweih׳ ung Deines Sabbats, bei der Leugnung Deines Gottes mit der Fülle von Gold und D׳.a״׳anten mit Perlen und Edelsteinen, mit reich besetzter Tafel, aber empsindungsarm und freudlos. Wer will ibm daS Reckt rauben, seinen Gott zu ehren, der ibm so nahe und Dir so fern, ihm ein Schutz von Dir verschmäht, der Segen seines Armes, der Hort seines Vertrauens, der Born seines Mutes, der Quell seines Trostes, von ihn! erkannt, gefühlt, von Dir verkannt und nie geahnt?! Und Du wolltest die Mazzoh ihm nicht reichen, weil er nicht ״ortsangehörig'. nicht ״ansässig", von Dir und Deinesgleichen nicht am ״hiesigen Platz" geduldet? Jude! bist Du denn hier so sicher eingejeffen? Uno wenn Du heule hier, weißt Du Venn, ob Du noch morgen hier bist? Bist auch Du etwas anders als geduldet? Und die Mazzoh erinnert Dich gerade daran, daß Du und Deine Väter Fremdlinge waren in Aegypten, und weil sie ״Fremde" waren, man sie unterdrückte erinnert Dich, daß Gott sie hinaus zur Freiheit geführt, unseren Bätern und uns gebot, auch den Fremden jedes Volkes nicht zu unterdrücken und nicht zu verletzen, durch Worte nicht und nicht durch Tat, derweil wir Juden gerade nachempfinden könnten, wie einem ״Fremden" es zu Mute ist- und uns gebot, daß gleiches Recht für alle gelten solle im jüdischen Jtretfe und das Menschenrecht nicht nur dem Bürger zu erteilen sei, nein, jedem Mensche», von wannen er auch stamme, wohin sein Weg ihn führe, Bürgerrecht zu geben-und Deinem Bruder, Jude, willst Du als Jude den Paß des Heimatsortes abverlangen, bevor Du ihm Mazzoh gibst, Mazzoh, das Brot des Elende, das des Glücks zugleich, das Brot der Knechtung und Befreiung, das Brot des Klaffenhasses und der Rastenfeindschaft und das Brot der Gleichheit und des nationalen Werdens, das Brot, das auch Dich mahnet, daß noch ein Gott in Jakauw lebt, der die Gewalt bricht und die Qbnmacht schützt?! Sieh, wie hoch über der ״Humanität" unserer Tage das Herz der Weisen und die Lehre der Weisheit ihrer Einsicht steht. Wieviel glauben wir zu ״tun", wie wenig wirken wir. Ich will nicht reden davon, daß wir cs noch immer nicht dazu gebracht haben daß jeder es begreife. -- mit Ausnahme der ״rückjländigen Orthodoxen" daß er verpflichtet sei. den Zehnten des Verdienstes guten Zwecken zu widmen, nickt sprechen davon, daß wir glauben, fast zu viel zu tun, wenn wir dem Armen auch nur kleine Gaben geben. Selbst der Arme muß vier Becher Weines zu seinem Sederabend für jeden Kopf erhalten. Freilich unsere alkoholfeindliche Zeit hat schnell zum!Kerneinen die Ausrede bereit und hüllt in Tugend und Erkenntis die Blöße des Gcwistens! Aber hoch steht im Judentum das klare Begreifen der Pflicht, der Vflichttat des Wohltuns. Heute ernähren wir den Körper, erleichtern wir die materiellen Sorgen des Lebens: damit ist die Wohltätigkcit erschöpft. Jüdische Wohltat ist es eben, neben dem Hunger nach Brot auch den Dur st nach Wahrheit zu st l l e n Dem Armen das Brot Mitteilen und das gebeugte Gemüt sättigen. Nicht das Tier im Menschen, den Menschen im Menkchen zu «tten. zu hrven, zu fördern. Mit dem ״Brot, das labt", ihm den Wein zu reichen, der ״erfreut das Mensckenberz". Möchte diese Erkenntnis durchbrechen im jü bischen Kreis und diese Anschauung Grundlage bilden aller Beranstaltunaen im Dienste der Armen pslege. dann dürfen wir arm und reich in treuem Bunde den Kelch erheben und danken ob unserer Erlösuna und der Befreiung unserer Seelen. Das fiobdied. (Fortsetzung.) Der in Israel wiedererwachten Liebe zur Tauroh liegt die Erkenntnis zugrunde, daß: ״die von Gott Geliebten bester sind als Wein!" In diesen wenigen Worten liegt das Geheimnis des Judentums: Tie von Gott Geliebten, d. b. die nach seinem Willen lebenden Menschen, bilden das höchste Gut auf Erden! Der Wein brückt die freudige Seite des Men schengeschickes aus: der Mensch, der mit seinem Weine Gott nabt, widmet damit Gott seine Lebensfreude. Run unterscheiden sich Judentum und (antikes wir modernes! Heidentum dadurch, daß letzteres den Menschen nur mit seinem Geschicke der vermeint- > licken Gottheit unterwirft während das Judentum vornehmlich des Menschen T a t in das Bereich göttlichen Pflichtdienstes hebt. Ja. das rohr Heidentum setzt nur die trübe Seite des menschlichen Geschickes in Verbindung mit der Gottheit: ein Fort schritt ist's, wenn es auch die menschliche Freude einem Höheren unterstellt. Ader auch diese Stufe reicht nicht -an die Höhe, welche das Judentum einnimmt. Der Heide dünkt sich frei, indem er sein Geschick der Gottheit überläßt und über seine Talen selbst verfügt: er ist in Wahrheit gebunden. Wie anders der Jude! Nich! nur den Wein, seine Freude, sondern vor allem sich, seine Personlichkeit in allen Beziehungen, läßt er von dem Willen seines Gottes beherrschen. Sein Leben ist ein Herold seines Gottes; es gilt deshalb weit mehr als Wein: es ist Träger der göttlichen Herrlichkeil. Das Heidentum bannt Götter in Tempel, während im Leben der Mensch keiner höberen Nicht schnür folgt. DaS Judentum trägt mitten auf den Markt des Lebens die Fahne seines Gesetzes un״ stellt dem Schöpfer von Himmel und Erde einen Kreis edler Menschen zu Gebote. Da werfen die ״Fortschrittler" die Tauroh über Bord, weil ihr Inhalt den modernen Anschauungen entgegenstehe und ein späteres, weit mehr fort geschrittenes Zeitalter wird eben darin die Vortreff lichkeit des Judentums erblicken, daß es dem ent wickeltsten Leben aller Zeiten Genüge zu leisten ver mag, und die Erkenntnis gewinnen, daß nur ein pflichterfülltes Leben dem Menschen dauernde Be friedignng verleiht. Die Berwirklichung der Ideale ves Hobeliedc.- gehört der Zukunft an. Auf der Warte einer Kultur, zu welcher selbst unsere Zeit mit ihren fortschrittlichen Errungenschaften noch nicht herangereift ist. wird Israel erst in vollem Maße die (Erkenntnis der Gotteshörigkeit der ganzen Welt wiedergewinnen. Hat der menschliche Geist seine Fähigkeit darin er wiesen, gewaltige Naiurkräfte i» seinen Dienst zu zwingen, und ihnen die Bestimmung erteilt, dem Leben die größtmögliche Annehmlichkeit zu bereiten, so hat er das menschliche Dasein mit ״Reben be kränzt" und der altheidnischen Anschauung, welche sich nickt über die ״Freude des Weines" erhob, eine moderne Form gegeben. Welche herrliche Vollendung krönte aber die Leistungen der Dampfkraft und der Elektrizität, in deren Zeichen sich das moderne Leben bewegt, wenn dieses sie als Gottesschöpfung hin nähme! Längst hat der Mensch aufgehört in der Natur den Lehrplan zu erkennen. Heute siebt die Natur mehr denn je im Mittelpunkte des Lebens. In tausendfältiger Form erfüllt sie jedes Teilchen desselben; der Mensch hat sich in nie geahnter Weise mit ihr vertraut gemacht: sie bildet seine treueste Ge fährtin auf seinem Siegeszuae durch die Gefilde der Kultur. Liegt es da nickt nahe, aus der mit dem Menschenleben vermählten Natur das Gottesbewußt sein wiederzugewinnen? Die Kräfte und Stoffe, deren sich die Wissenschaften und Erwerbszweige be dienen, in ihrer Wirksamkeit unbefangen zu be, obachten, und ibr die Tatsache abzulesen, daß sie un bedingt einen Schöpfer ooraussetzt? Ist dann der Weg nickt geebnet, den Gedanken der Gottesbörigkeit im menschlichen Leben, das jene Stoffe und Kräfte so innig durchdringen, wieder zusinden, und ihn hier loeit höher zu bewerten, weil er mit voller Klarbeir ins Bewußtsein tritt. Ties ist die Erkenntnis, welche von einer weit fortgeschrittenen Zeit erwartet wird, und die sich in die Empfindung umsetzt: ״Die dem göttlichen Willen gemäß Lebenden durck ihren Lebenswandel die göttliche Liebe ge- Winnenden Menschen stehen weit höher, als die sich!nck,t über die Sphäre irdischer Freude erbebende VollkommrnMtrr “ “T Butlrr-KrMti PNonzen Margarine. Marke : ■ — ::== in •(<*«•<!. «»■•. •u*'ett<n int *tr€l<*»atfrll »on «aiucbuu« nicht!n nntersch»!»«» Ulb« »er Butter »•t|U|icbtn, »eil tltiichi« un» «iichi, »e,«,n»bnr Obgleich dos Produkt frei von animalichen!fetten ist und keine Tiermilch entdält. muh dasselbe noch dem Gesetz doch al« Margarine bezeichnet werden. Nicht zu verwechseln mir Margarine au« Tierfetten. Die Herstellung erfolgt ״ater stltndiger Anwesenheit e;r6״ streng relig. AusstchtSbeamten und wird von Zr. Ebrw. Herrn Rabbiner Dr. B. Wols in Lbln inspiziert. 9*ku*ttu * 8 #1». n»M» ,״«־MO *1 8 80 »et,«Uten MiMl Vrsben tzttzen |nt B,kt»,nn« SAN A GetelUchaft m. b. H. Clev* 6.

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