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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 19

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 19 (sequence 21)
Language
German
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V AorU N--i _ Sind wir fiti geblieben bei allem Druck? Gill auch für uns alle noch der Latz: Kinder Israels gleichen Köniqssöbnen' Wo ist die Würde, wo die Hoheit c Wo der Adel, wo der Edelmut, wo dir furchtlose Wahrheit, wo der;uversichtliche Mui, wo das Vertrauen, wo die Milde, wo der Frohsinn, wo die Freiheit? Weil das Leben uns mit elenden Stlavenseelen zusammenführt, die zittern und Veden vor dem Auftritt eines Neichen, vor dem Donner seiner Stimme, vor der Keckheit seines llebermuts, darum sollen auch wir wie Feige fliehen, sollen auch wir aus schwache Menschen, Schatten vergänglicher Flucht, bauen, statt zu vertrauen aus den Gott der Wahrheit und der Ewigkeit, den Gott der Kraft und der Stärke, sollen unsere Rücken üch krümmen vor Menschengnade, sollen wir leise bitten, wo wir das Recht zu fordern hat>en. sollen im Namen der n-,» dankbar de» Faustsch'ag hinnehmen, den man freventlich ihr versetzt, sollen so wenig Zuverstckn vor ihrem hoben Spender und Beschützer haben, daß wir wähnen, ihre Feinde besäßen eine Macht, weil ihr Frevelmut sie uns oorgaukelr. ״Nicht in Heeres!!,acht und nicht in K ׳rperkratt, durch Meinen Geist, spricht Gott." Ilnd diese Nachi, die Sedernacht, mit ihrer Mazzoh und ihrem Moraur, mit ihrem ״Eintauchen" in Salz waller und in ihrer freiheitlichen Anlehnung soll weckcn auis Nene unsere Dankbarkeit und Treue gegen Gort, unser Bolksbewußtsein. soll unsere Zusammenaehörigkeit uns in allen Lagen empfinden lassen, unsere Pflichten, die der Bund uns aus erlegt, in vollem l>mfang unverlierbar unserem Geist erhalten, unsere Freiheit und Unabhängigkeit uns wahren, lind wenn wir dann um Gott uns scharen als einig Volt von Brüdern und in Erfüllung unserer Bundesvflichten SeincsBundessckutzcs teilhastig sind, dann bleibt uns keine Lebensfrage mebr ein Rätsel, dann willen auch unsere Kinder, wvzu sie leben, und aus all״ -fragen geben wir die Antwort mit unserem Leben' 155 blfibr üititt ri« rntb;um kluicustu, Cf« bleibe dieser Jag eutlt zum Andenken, ilnd ihr sollt ib!> aiS rin Gott geweihtes Sekt feiern, ssiir eure Nachkommen ai« ein ewige» Gesetz soUt ihr ihn keiecn.* 0>. B, M. 12. 14). Drei und ein halbes Jahrtausend sind verflollen seil dem Tage, da Israel aus egtzptisckier Sklaverei befreit ward: fast zwei Jahrtausende schon weilt Jsrael in der Verbannung: aber ein ewiges Gesetz ist die Feier dieses Tages den Nachkommen der Erlösten in all ihren Wohnsttzcn. In Nord und Süd. in Ost und West, überall wo Kinder jüdischer Mütter weilen, da rüstet man jetzt, um den Tag zu feiern, an dem unsere Ahnen aus Ecwpten gezogen sind. — dien. Wir lasen nun überall die Siücke zusammen. Niklas spornte zur Eile, damit wir fertig würden, bevor die Meinen au'wachten, die wahrscheinlich nicht einverstanden ׳ein würden, wenn man ihnen ihr Spielzeug, ohne sie zu fragen, sortnehme. Es mar richtig ein halber Miillersack voll Dukaten, dabei ivaren gemiß noch viele zurück geblieben, die mir der Niklas uachzuliesern versprach. » ״List jevt zufrieden Iankel?" fragte mich jnit dem ganzen Gesicht lachend der Niklas, als der Sack auf dem Karren mar und er Hand anlcgre, ihn in die Metschme zu fahren. — Ohne meine Antwort abzuwarten, die er mir wahrscheinlich aus den Augen abgelesen hatte, mbr er fort: ״Ich habe so sicher gewußt, daß Du zufrieden icin wirst und unser Vertrag richtig wird, daß ich ohne Dein Wissen mir Deinen SchnapSkrug unter mein Wamms gesteckt habe. Der qebön nun mir, unk jetzt, bevor wir den Karren zu Dir heimfahren, noch einen Schluck!" Mit diesen Worten sevte er den Krug an den Mund zu einem guten Zug. Aber kaum hat» er zu winken begonnen, als er wieder absetzle und verwunde« ausrief: ״Das ist ja Waller!" , . .. ״Du hast wohl schon zuviel getrunken", riet ich ihm zu. ״Der Schnaps, den Tu, solange er mein war, nicht genug loben kannst, kann jetzt doch nicht plötzlich Waller geworden sein? Geh' in Te-.n Haus und schütte den schnaps in ein Glas, ich tayre den Karren allein in meine Wohnung. Komme bald und hole Deinen Karren, einstweilen guten Morgen. _Ttx Qarafltt_ Ein uraltes Vorrecht der jüdischen grauen ist es. daß sie vor allen die ersten Vorbereitungen treffen, um alles Gesäuerte aus dem Hause zu verbannen. Schon längst hat die Hausfrau die entlegensten Räume in Haus und Hof gereinigt von allem, was im Laufe des Jahres an Staub und vielleicht an Ehomez sich angesammelt hat. wenn am Abend vor Erev Pesach, sobald die ersten drei Sterne am Himmel sichtbar werden, der Hausherr mit einem Wachslicht alle Räume durchsucht, in die möglicheriveise einmal Edomez hineingekommen ist. Diese Suche nach Ehomez — Vedikaß Ehomez genannt — mit einem einfachen Wachslicht, mit dem man auch in die Winkel hineinleuchten kann und soll, ist Vorschrift unserer Weisen. Deshalb spricht man auch vorher den zu gehörigen Segensspruch, der sich in den meisten Pesachhagadas findet. Rach der Bediko spreche man es aus, daß alles, was man an Ehomez oder Sauer teig vielleicht noch ohne sein Willen im Besitz hat. herrenlos sei wie Staub der Erde. Das gefundene Ehomez, sowie dasjenige, ivas noch für den Abend und für den nächsten Morgen gebraucht wird, lege man sorgfältig zusammen, damit es nicht versehentlich in die schon durchsuchten Räume kommt. Am Morgen des Erev Pesach darf man bis zum Ende des ersten Taadrittels Ehomez estcn: anderweitiaer Gebrauch, vor allem der Verkauf, ist noch um ein weiteres Tageszwölftel gestattet'). Wie man, wenn größere Mengen von Ehomez vorhanden sind, verlaufen muß. um sie nach Pesach wieder kaufen zu dürfen, dafür hole man den Rat eines gesetzeskundigen Mannes ein. Bevor die Zeit abläuft, in welcher der Gebrauch des Ehomez gestattet ist, verbrenne man das bei der Bediko gefundene und alles sonstige Ebomez, das man noch in seinem Besitz hat. Hier auf spreche man es nochmals aus, daß alles Ehomez und aller Sauerteig, die man noch willentlich oder unwillentlich in seinem Besitz hat. herrenlos sein sollen wie Staub oder Erde. Ist es aus irgend einem Grunde nicht möglich, das Ehomez zu verbrennen, so schenke man es einem Nichtsuden oder vernichte es auf irgend eine Weise. Mit Beginn des letzten Tageszwölktels vor Mittag lüber die genaue Bestimmung vgl. die obige Anmerkung) ist jegliche Benutzung des Ehomez verboten. Solltman noch irgendwelches Ehomez') finden so verbrenne man es sofort, aber nicht im Ofen oder Herd, da man hierbei einen, ivenn auch ganz geringfügigen Nutzen vom Ehomez hätte. Ebenso halte man es am dm -rrrr. Am דדל זלפיעד rre* und am :ט־ s״ dar׳ inan 1) Wenn z. B. der Tag von 4 Ubr morgen« bi« 7 Ubr udend» dauert, also iS Stunden bat, so darf man Cbomez bi«!> Ubr morgen« eile»; anderweitig gebrauchen dark man e« noch um ein TageSzwölit-I d, i. um i>. Stunde länger, also bi« If , Ubr. Da die Taaesdauer an den einzelnen L rten verschieden ist. erkundiae man sich noch den genauen Zeitbestimmungen bei gesetze«. kundigen Männer». 2) Hierzu gebären auch Mozzau«. die nicht ganz durchgebacken oder z»m Teil überschlagen sind oder Maien von der Größe einer Haselnuß baden. So schwer die Last auch war, so schwer drückte sie mich nicht als das wunderbare Räiisl, das mich umgab. Meine Frau, die alles gehört hatte was zwischen Niklas und mir vorgesallen, war mir halbwegs entgegen gekommen. Wir schoben gemeinsam den Karren in iniser Haus. Jetzt hatten wir Gold in Hülle und Fülle, aber keinen Bissen Brot. Ilm nicht die Aufmerksamkeit durch meinen wiederholten Gang ins Dort auf mich zu lenken, ging meine (yruu, nahm einen Dukaten mit, ließ ihn dort wechseln, kaufte Brot und Spiritus und war nach kaum einer Stunde wieder zurück. Ter Niklas hatte ihr im Vorübergehen zugerufen, er komme noch heute im Laufe des Tages und bringe die runden Dinger, die er noch gefunden habe. Es war noch eine Hosentasche voll, die er nachmittags aus unseren Tisch leerte »nd dagegen einige Glas Branntwein eintauschte. Als wir allein waren, zählten wir den Goldschatz; es waren 14,:$*4 Zutaten, die nach der daraus befindlichsn Jahreszahl ein Alter von einhundertfünfzig Jahren hatten und ohne Zweifel zur Zeit eines Krieges damals vergraben worden waren. Ich brachte das Geld aus meiner Baracke fort, um es in der Hauptstadt sicher umerzubringen und anzulegen. Ans den Rat meines Schwiegervaters richtete ich eine große Brennerei ein. Der Niklas lebt mit seiner Familie in einem der beiden Häuser, die hier vor uns liegen: er macht sich sehr nützlich und lrdi ohne Sorgen. Dadurch, bah rr soviel Branntwein trinken kann als er will, hat daS Trinken seinen Reiz fiir ihn verloren: er lebt jetzt ziemlich _____________3eite I:' 'Jit u u ׳1 ד> es natürlich nicht verbrennen sondern man decke ein Gerät über das Ehomez oder, wenn man las au« irgend einem Grunde nicht kann, laffr man es von einem Nichtjuden an eine wohlverwahrte Stelle legen') und verbrenne es am "r דצא־: oder rr r• *xc Findet man nach Erev Pesach Mittag auch nur ein Krümchen Ehomez oder ein Getreidekorn in einem Stück Geflügel, so befrage man einen religiös zuoer lässigen Mann mit rabbinischer Autorisation <התית ירויאד. Kann man einen solchen nicht fragen, so ist die Speise und das Stück (Geflügel als Ehomez zu betrachten. Wege» des Gerätes, in dem solche- Ehomez gekocht ist, wende man sich ebenfalls an einen Mann, der eine genügende rabbinische Autorisation besitzt. In vielen Gegenden ist es übrigens Minhag, am Pesach überhaupt kein Geflügel zu essen. Zur Erinnerung daran, daß die Erlösunq au« Aegvpten mit dem Sterben der ägvptischen Erstge borenen begann, während Israels Söhne verschont blieben, ist es Pflicht der erstgeborenen Söhne eine« jüdischen Paters oder einer jüdischen Mutter, am Erev Pesach zu fasten. Anstatt des Sohnes unter 13 Jahren fastet der Vater. Ist dieser selbst Erst geborener, so fastet in der Regel auch die Mutter, wenn sie kräftig genug ist. Am Erev Pesach ist e« verboten Mazzo zu essen: sogenannte Eiermazzau- und andere Speisen nach Ablauf des eriten TageS drittels natürlich nur solche, in denen kein Ehomez ist - sind gestattet. Doch etwa vier Stunden vor dem Dunk-lwerden esse man überhaupt nichts, wa« dauernd« Sättigung gewährt, damit man am Abend die Mazzo mit umso größerem Behagen genießt. Etwas Fleisch und Obst darf man aber zu sich nehmen. Bestimmungen für die Skderabende finden sich in den Hagadabücknrn. Nur einzelnes sei hier de sonders bemerkt. Bor allem sei man sich bewußt, daß man mit dem Essen eines Stück Mazzo - so viel wie ein halbes Ei — eine עשד. סן רז״־ ein heiliges Gebot der Thora, erfüllt. Man esse eS daher mii Andacht und Freuve. Jüdischer Mensch, sei dir bewußt, was cs heißt, mit Andacht zu essen! Du bist begnadet, das zu erheben, zu heiligen, was anderen ein niedriger (stenuß nur ist. Heil dir. Israel, wer gleicht dir' Ebenso ist es ein heiliges Gebot der Tlwra. mit deinem K!nde und, bist du noch nicht mit einem Kinde begnadet, mit deinen Bekannten an diesem Abend vom Auszuge aus Aegvpten zu sprechen. Vorschrift unserer Weisen ist es. auch jetzt noch am Sedrrabende Moraur. bitteres Kraut*) ebenfalls von der Größe eines halben Eies, zu genießen: einst war es Gebot der Thora, mit dem Pesachlamm Mazzo und Moraur zu essen. In i» Wen» »mii uut llkomez z. B, in einer M>>«0 beim Uff« siebt, knnn man es au<to selbst wegtun. solange man e« in der Hand dält. 4) Dazu ist am richtigsten Kopikalat »u nehmen. nüchlern. Ich habe noch nicht die Hälfte meine« Geldes verbaut, einen großen Teil habe ich für die Einrichiung und für Rohprodukte zur Gewinnung von Spiritus verausgabt: ich muß die Anlage noch vergrößern, da ich, den Bedarf in dem jetzigen Umfang nicht Herstellen kann. Vorige Woche war es ein Jahr, daß die Arnderuug eingelretrn ist. waS hat uns dieses Jahr an wundrrbareu Erlebnissen gebracht? Ich bin zu gering, für die Gnade und Treue, die mir der Himmel erwiesen, darf ich wohl mit Vater Jakob sagen!" ״Seid Ihr jetzt fertig mit Eurer Erzählung?" fragte Rabbi Israel. ״Ich wüßte nichts mehr von Bedeutung hinzu- ,»fügen," erwiderte Jankrl: es wäre dann, daß der Rabbi über die Einzelheiten meines Geschäfteausführliches zu wissen wünschte. Von meinem Danke gegen den Rabbi habe ich-״ ״Rein, darüber will ich nicht« wissen, mir fehlt noch riu unvrtrl ichr wichtiger Punkt, bc'tun Hebet* sehen bei einer eingehenden Schilderung dieser Geschehnisse mich in Erstaunen setzt. Erinnerst Du Dich nicht meiner letzten Ermahnung, als wir nn« vorige« Jahr trennten?" Jankel besann sich und sagte dann: ״Meine Fron und ich haben dem Rabbi da« Geleite gegeben und als wir «in« trennten, gab uns der Rabbi zum zweiten Male seinen Segen: sonst wüßte ich nichts. Dieser Toppelsegen ist e» ohne .Zweifel, dem wir die Wendung unserer Geschicke verdanken." lFortsetzung folgt.)

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