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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 14

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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'.'ir II u l.Y 2t1w I I itr ,*«raelM. April "Hu, S l'inf'j oben gunsten der ״Crfltl" gefehlt. solange jedoch die Grundsätze des genannten Gaon 1״ל maßgebend ftnb für den כסא ההוראה dieser Stadt, ist und bleibt hier alles beim ״Alten", d. i. beim Rechten und Wahren. Wurzburg bat seit י>2־ Jahren einen großen Aufschwung genommen in jeder Hinsicht. Durch die aufbliihende Metropole des FrankrnlandeS fährt jetzt die ״Elektrische" nach allen Himmelsrichtungen. Selbst die umliegenden Orte sucht man elektrisch anzusausc». Ich staunte, daß daß man seil fast!"Jahren schon mit der elektrischen Straßenbahn nach dem dreiviertel Slnuden entfernten Zell fährt. Mein Weg führte mich über die alte Mainbrücke, welche die Vorstadt, das sogenannte ״Kleinwürzburg", mit Wurzburg oerbmdet. Durch diese ״hohle «Kasse mußte früher alles kommen", was nach Höchberg wollte. 'Wer längere. Zeit Würzburg nicht sah, wird aber jetzt auch zwei prachtvolle neue Brücken bemerke», von denen eine dem greise» Regenten Baperns zu lehren die ״Lnitpoldbrücke" heißt, langjähriger «Kewobnhcit folgend schleuderte ich indes über die alte Mainbrücke. sah mir das leben und Treiben der weinfröhliche» Franken an, und gelangte anf die sogenannte Höchberger Straße, nachdem auch das linksmainisch elegene Klcin-Würzburg mir im Rücken war. t'iachem man ungefähr zehn Minute» die allmählich aufflcigende Straße »ach Höchberg verfolgt bat. gelangt man an eine» herrlichen Aussichtspunkt, auf den steilen Felswänden des durch feinen Wein berühmten Leistenberges er-!«!»!«* C»!41 Xt« (><1> י|ץnt tjVt/t |»V*I C * V *IMUUlVUtf( l*i4׳> UM• Würzbnrg herniederblickend. Reckis dreitet «ich vor unser» Blicken ein tief gelegenes Tal aus, vom Main durchschlängelt, von Wiesen, Feldern. Weinbergen und industriellen Etablissements umsäuinr, dicht vom Schicnenslrangc. de! nach «Kemünden, Afchanenburg, Frankinn fuhrt, begleitet. P'alerifch sckton liegt oa das vieltürmige 'Würzbnrg vor nnfern Augen, ein Bild, in welchem das »Gemisch von Natur und Kunst unser Wohlgefallen, ei» "Ifiühl der Rulic und Harmonieerregen muß. lange ruht unser Bück m>t Wodlbebaaen auf den!andichaftlichen Reizen, da fährt im Tale der rlektrifche Wagen nach Kloster Sbcrzell, am linken Rande des Bildes ge- :egen, und weck: wieder eigene Ge danken in uns. Zell war einst als ein Sri. in welchem הירה •גדולה בסקר א zu treffen war. weit und breit bekannt. Eine grone Gemeinde m es me gewesen, aber eine Gemeinde ״der Großen". Hier lebte in der Mitte des abgelanfcnen Jahrhunderts bezw. in der ersten Hälfte desselben der berühmte Rabbi Mendel Zell. Dieier צדיק ז־ל hat als "שתד־ so manches geleistet für die ioziale und materielle Besserstellung seiner Glaubensgenossen in Bauern. Bekanntlich ftand Bauern »och bis in die zweite Hälfte des l‘.t. Jahrhunderts unter dem unselige» Einfluß bei sogenannten .Kreidmanrr'schen «Kesetze. Das Judenedikt vom l״. Juni!•>1:1 bestimmte ausdrücklich, daß die Zahl der Juden in Bauern nickt vermehrt werden darf, üc solle im Gegenteil vermindert werden. 11 und 1*2.) Rack dem Matrikelgesce konnte eine Eheschließung und Familiengründung erst dann flatlfinden, wenn durch 3terbefaU oder sonstige Ursache die Marrikclzahl berunlergegangen, d. h. eine Ma!r!!e!srcUe frei geworden war. Daher kam es. daß in den vierziger Jahren so viele Juden ans Bauern auswandcrien. um Amerika als Heimat zu wählen. R. Mendel-Rosenbäum trat kräftig für die bürgerliche und materielle Besserstellung der Juden in Bauern ein. wechselte mit dem StaatSminister v. Zwcbl mehrere Briese und hatte ׳ogar bei König Ludwig 1. eine Audienz. Gr erwerkle viele Bestimmungen *ür die Verbällniffe der Juden in Bauern, und dankbar nannte man seinen Rainen allerorten. Auch beule noch spricht man von diesem und;־^יז: ל in Bauern, und ick füge noch einige Daten an, die weitere Kreise interessieren dürften. R. Mendel-Zell '0 hieß er im Volksniunde setzte auch die Wahl des ״Würzburger Raw" ״יל; durch, was manchen .Kampf gekostet. Von feinen Kindern wurde am berühmtesten Rabbi Jonah Rosenbaum t, der zwar weniger als שתד״ז hervortrat. seinen Vater aber an Gelehrsamkeit übenraf. R. Jonah war in הלב־ת :דל־־ Autorität und vornehmlich beteiligt bei der Edition des Werkes דר־־ סר,-!-ר; Gr Hane stets Bachurim zum lernen um sich — nämlich seine Lclirluigr und Kommis. Schreiber dieser Zeilen traf den Bad'.k 1. A. vor fast cktf Jabren: es mar nnaefähr '1 Uhr morgens. Da saß er mit seinem Geichäftspersonal am Tische beim Gemara-lernen. Gin solcher Gindruck bleibt unvergessen. Wo ist heutzutage der Kaufmann, der es ״wagen" würde, auf solche Art דדעס בעשק ועישק בהירה zu fein c׳ Dürfte man heute, wo alle« ״keine Zeit" hat, es auch nur wagen, eine solche oder ähnliche Zumutung zu stellend Dewpor» mut»ulur' Rabbi Jona R.. dessen Schwiegersohn der derzeitige Rektor des Berliner Rabbinerseminars Dr. Hoffman»'נ״ ist. ging vor ungefähr 8 Jahren zur Ruhe ein. er liegt in Schwanfeld (bet Scknvetnsurt) unweit seiner Stammgemeinde Theilheim begraben. — Gine Tochter von Rabbi Mendel war an Rabbi Moschch Goldfchmidt דל in Zell verheiratet, Schwiegervater des Heirn Seminarlehrers Dr. Dachauer zu Würzburg. Gine andere Tochter war mit Rabbi Leser Bergmann nach Jerusalem gegangen, woselbst noch Rachkommen leben. Gin Sohn Moses R. — besaß eine Ragelfchmiede in Kloster Zell*). Groß als תקיף war ein anderer Sohn. Rabbi Glia Rafael. Gr halte entscheidenden Einfluß auf so manchen Erlaß der Kgl. Regierung in 'Würzbürg und deS Staatsministeriums in München. Vor einigen Jahren zogen die letzten wenigen Familien von Zell fort, nachdem schon länger kein Minjan dort war. So ist der Srt jetzt ganz verwaist an jüdischen Seelen. Lange betrachtete ich noch von jener Anhöhe aus den am Maine zu Füßen eines bewaldeten Berges gelegenen^Srt. in dem so mancher der jetzt Lebenden herrliche -stunden, fröhliche ‘«rabftfiBf auf dem jüdische« Fried Hose zu Höchberg. 1 י'icabftättc von IHabbi JnLak Tob Halewi Bomborger S“\) -שבתית דדים סיב bei Gedolim in תי^ה ייראה verbrachte. Es ist vorbei. Doch weiter führt die Straße nach dem eine gute halbe Stunde entfernten Höchberg, und im Anblicke einer blühenden Pstanzstätle für Thora und Gmunah müssen sich elegische Gefühle und wehmütige Gedanken verlieren. Die Ltraße nach Höchberg zieht sich zwischen Weinbergen und Obstanlagen hin und ist als Verbindungswcg nach dem Badischen stark sreauentierr. Links im riesgelcgcnen Grunde ist die Straße für die elektrische vinie nach Höchberg fast kertiggesteUt, und fo wird Würzburg den 'Waidreichtum in der nächsten Umgebung von Höckberg bald auf bequeme Art in ungefähr 17 Minuten und noch in viel reicherem Maße als bisher genießen können. Für Ratursreunde, zumal für die lebensfrische Jugend mit ihrer Vorliebe für die freie Natur, ist Höchberg ein Sn. wie er nur gewünscht werden kann. Gleich beim Eintritt in das Dorf bemerken wir in einer Entfernung von fünf Minuten den Wald, der zur sogenannten Zeller Waldipitzk imffiihrt, all wo in früheren Jahren sich die jüdischen Familien von Höchberg und Zell Sabat und Jomtow ein Rendcvouz gaben, da man wegen des ההיס an dielen Tagen nickt von einem Sri in den anderen gehen durfte. (Durch die herrliche Fernsicht auf das Manual und Würzburg ist die ,Waldfpitze* heule ein sehr beliebter AusstngSorl). Höckberg, ein katholisches Psarrdorf mit annähernd 2 000 Einwohnern, zieh: sich in ׳einer Hauptstraße in langgestrecktem Bogen dahin. Wir bemerken alsbald einen feine» Draht auer über die Straße laufend. ES ist ״der ערוב" über den an Häusern befestigten לחיים. Für feine Instandhaltung ist gewissenhaft ge sorgt durch jederzeitige Kontrolle. In der Gegenwar: mulel ein derartiges Wahrzeichen altjüdischen Geistes eigentümlich an. In wie vielen Gemeinden wurde der ערוב wie man im Bolksmunde die ganze Einrichtung nennt — aus Jndisserentismus vernachlässigt, in wie vielen Gemeinden hat man sich gefürchtet, der Draht könnte Anstoß erregen bei Andersgläubigen' Mau dachte nicht daran, daß die Arroganz jüdischer ״Liberaler", die sich an christlichen Tafeln und in christlichen Kreisen proyenhaft hervordrängen, am Ende doch mehr רשעית erzeugen könnte, als das harmlose Drähkchen, sintemalen heutzutage in allen Kulturländern ein dichtes Ney von Drähten die Lüfte durchzieht. Man weiß nicht oder will nicht wissen, daß fast die Hälfte aller Perokim in דסכת שכת vom Verbot des ״Tragens" redet, daß also diese gesetzliche Anordnung durchaus nicht so wegwerfend und verächtlich zu behandeln ist. In großen Städten läßi sich die Einrichtung schwerlich ermöglichen, im bescheidenen Dorfe viel eher. Zu schämen brauch: man fick aber h i c r u n d d o r t n i ch t e i n e r solchen Institution! Höchberg besteht aus einem bergigen und einem tiefer gelegenen ebenen Teile. Ver folgen wir die eben dahlnziehende Haupt straße weiter, so zweigt links steil auf steigend eine Straße ab- Sie sühn zum höher gelegenen SrtSteile und direkt I an die Talmud-Thora-Schule, oder wie \> ־ ד; man früher stets sagte: ans Beth Hamidrasch. Jetzt herrscht mehr die Bezeich nung ״Anstalt" vor. Es ist ein stanliches Gebäude, dem man von auszen schon seine Bestimmung ansieht. Es bildet ein Eckhaus zur linken Seite der zur Höhe führenden Straße. Gin kleines Gärtchen besinde: sich an der zuerst in; Auge fallenden Seite. H i er i st also die P r ä p a r a n - de n schule Höchberg, hier das Beth H a m i d r a s ch , des großen unvergeßlichen Rabb. Elasar Sttensosier דל, das dieser seltene Mann in beispielloser Selbstoerleuguung, Aufopferung und inniger Frömmigkeit gegründet ׳הרביץ הורה בישיאל, wofür er gelebt und genrebl bis zum letzten Atemzug seines gottbegnadeten Lebens. Das war der erste Gedanke, der Gesamteindruck, den diese Psianzslätlc von Thora Wcjirah auf uns machte. Ist es nicht für einen guten Jehudi erhebend, wenn er erfährt, daß aus dieser Anstalt schon f a ft 7 0 0 Schüler hervorgingen, die in allen Gauen unseres Vaterlandes und auch im Auslande segensreich wirkcn V Erst dieses Beth Hamidrasch hat •) Al» uuno 1■3! *־ k»>» .Kloster llntmell bei Söurlbura fafu• fi'riücrt ward, fiiuftr f* bit {familir :Hrfentuum und zog von •itteilbriin Port 1,1,1. Höchberg seinen Glanz und Ruhm gebracht, cs wird ihm auch ferner sein Gepräge verleihen. Im Rahmen der Geschichte der jüdischen KultuSgemeinde Höchberg ist auch die Entwicklungsgcschzchtc der Anstalt zu betrachten. Naturgemäß ist doch eine Schule mehr oder minder verwachsen mit der Gemeinde, in deren Mitte sie sich befindet. Es ist kein blinder Zufall, daß sich eine Anstalt, dazu eine von weittragender Bedeutung, gerade da oder dort befindet. Darum soll eine kurze geschichtliche Skizze über die jüdische Kullusgemeinde hier folgen, bevor wir die Talmud-Thora- Schule näher betrachten. Höchberg, das jetzt außer den Familien der Anstaltslehrer nur noch e i n anderes Gemeindemitglied zählt, war früher eine stattliche Kehilah. War sie doch unter d e m N a m e n ״K l e 1 n s r a!! k s u r r״ weit und breit bekannt. Von der einstigen Größe zeugen noch die gut erhaltenen Gemeindeinstitutionen. llmveit de! Anstalt, doch wieder viel höher gelegen, befindet sich die Smiagoge, ganz im altjüdischem Stil gehalten: ohne Glasmalerei, der Almemor in der Mitte, die Frauenableilung rückwärts gelegen und eng vergittert. Neben dem Vorbeterpulte sind zwei Plätze für Kultnsvorstund und Srtsrabbiner vorbanden. Prachtvolle Stickereien finden sich aus wertvollen Porocheth, besonders jenen für die שלש ר^לים. Die Leuchter besitzen antiken Wert. Der schöne Almemor zeigt an den golhischen Stil erinnerndc Rundbogen, von denen Messingarme nach außen streben. Eine Ginzeichnung nmnk das Jadr תס״א als Gründungsjahr und einen Schimon Bar Mcnachem סג״ל als den Stifter. Rückwärts an die

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