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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Aüs\X/eff untf JLek Dlluslrierte Beila^ Dsracli t e zum Stätten öer Thors in Deutschland. -11. (*in Ausflug nach Höchberg. Unler der Aufschrift ״Eine Pflanzstätte der Thora", brachte vor längerer Zeit der Israelit die Schilderung einer Ieschiwah im Osten unseres Laterlandcs. Mit Freuden wird jeder Thoraverehrer den Darlegungen in beregtem Artikel gefolgt sein, der einen Einblick in das Wesen und Treiben einer Ieschiwah gewährte. Tie Liebe zur heiligen Thorah weckt naturgemäß das Interesse jene 15nb dtinrid}H!!!Q?n, bi? bet Pflege dieses teuersten Gutes gewidmet find. Darum liest und Hort ein wahrhafter Iehudi so gerne vo» einer Schule, die ausschließlich dein r1־,״r רדד geividmet ist. von einer Anstalt, die dem Grundsave והגיח כי יומם וירילה gerecht wird. Weiß die Gegenwart, die unter so manchen verhängnisvollen Begriffsver- Wirrungen leidet, den Wen einer Jeschiwah zu schäveu? Hat man eine Ahnung davon, daß die ׳ג׳עי־ים הפצי־נים בד,רכה, daß das Lehrhaus, in welchem beständig ״gelernt" wird, an דושה? selbst die כחי כנסיית, die Sunagogen, übcrtrifft? Hai man sich nichl allmählich daran gewöhnt, die jüdischen Gemeinde» unter dem Signum der S Nnagoge sich vorzustelleu und nur von ״Sunagogengemeinden" zu sprechen? llnd opfert man nickt diesem abgrundtief eingewurzelten Gedanken Millionen und abermals Millionen? Wer zählt die Tausende, welche man schon au prachtvoll ausgestattele. aber — leerstehende Synagogen verschwendet hat? Will man immer noch nichl begreisen, daß unsere Tefllah so ganz und gar auf dem Grunde von חירחיגו הקדושה ruht, von ihrem Geiste durchweht, durchdrungen und durchtränkt ist. daß also erst das Lehrhaus den Synagogen Gehalt und Inhalt zu geben vermag und sie zu dem macht, was sie im Bolksmunde find: zu einer ״Schule"? השיבנו אביני רתירחד Ersi muß die Rückkehr zur Thora erfolgen, dann erst kann der weitere Wunsch in Erfüllung gehen, וסיבנו לעכדחך dem Gottesdienste näher zu treten. Heutzutage steht vielfach nicht die Thora im Milteipunkte des Gemeindelebens und vrägt den verschiedenen Instiluliouen ihren Stempel auf, nicht die Religionsfchule und ihre Lehrer bilden den Hauptgegenstand jüdisch-kommunaler Fürsorge. Gar zu häufig hat man die Gemeinde ihrem heiligsten Boden entfremdet, ihre Z'ele und Zwecke verkannt, ja allmählich ganz vergessen. Weil das Beth-Hamidrasch in unfern Gemeinden verschwunden, ja dem Namen nach nicht mehr bekönnt ist, darum mußten die Gemeinden aushören. ein fruchtbarer Boden zu sein für die Fortentwicklung und Fortvererbung des reinen ThorageisteS, darum konnten sie den großen Humanitären Unternehmungen, den Organisationen sozialer und wirtschaftlicher Fürsorge der Gegenwart nicht daS Gepräge echt jüdischen Geistes verleihen, das vom Standpunkte der unverfälschten Glaubeustreue, der reinen Emuiiah, »nabünderliches Postulat bleibt. So hat mau sich allmählich daran gewöhnt, die Länder westeuropäischer Miiltur als die Stützpunkte und Stätten jüdisch-sozialer Unternehmungen zu betrachten, den Osten dagegen als das Heim unausgeievter Thorapflege im Limud allen Stils, verbunden mit allen Begleiterscheinungen eines Lebens voll Iirah und Awodah. Man liest die Berichte von den דביח?' 2"יכה in Rußland, Polen, Galizien. Ungarn :1. mit dem Gefühle, daß dorten noch das heilige Feuer der Thora gehütet ist und wohl auch ferner gehütet bleibt in einer Art, die leickterdings sich bei uns nicht so bald «•rhossen läßt. Darüber wollen wir uns keiner Selbsttäuschung hingeben, ohne ה״ו die hierländifchen Stätten des רידד חה״ק zu verkleinern oder unterschäyen. Im Gegenteil, indem wir uns dieser Tatsachen be- Ansicht vo» Höchberg. mußt sind, freuen wir uns doppelt herzlich, auch bei uns von Schulen berichten zu dürfen, in denen ב״ה ein ״Lernen" nach altem Muster detrieben wird, wo man das חנ׳ך zur Hand nimmt mit den verschiedenen Peruickim: wo man Mischnajoth und Gemara aufschlägt, um in einem einzigen Stündchen mehr zu profilieren, als die Hörer und Hörerinnen in Literaturvereinen während zehn Lorlesungen ״über" den Talmud: wo man noch Dinim lernt in der Schule der Poskim, um — last not leant — auch das Wort zu bewahrheiten ירדד ודרמד ישמיד ירעשוח, mit der Theorie harmonisch die PrariS zu vereinigen. So lade ich denn hiermit den lieben Leser ein, mich in Gedanken ein wenig zu begleiten »ach einer Pflanzstätte der Thora, die vor allem mit jener geschilderten Ieschiwah (in Nr. 9*2) das gemeinsam hat, daß sie sich in einem Tone desindcl. Das dürfte zwar manchen modernen Glaubensbruder von vornherein etwas reservier!" stimmen. Hat man fick doch einmal aus den Gedanken sestgelegk, es könne wahrhaft Bedeutung«, volles nur von den Großgemeinden, von den Großstädren, von großen Organisationen ansgehen. Ge mach, r'ieber Freund! Wer waren denn die berühmte!! Makkabäer s Wer bat in jener ״großen" Zeit Großes gestiftet? Waren das nicht die ״Dorsjuden" von Mod in? Habe» sie nichl mit ihrem .Ruhme und Glanze die Welt erfüllt? Habe» sie nickt so manche Städte, selbst das heilige Jerusalem »ick: ausgenommen, in den Scharten gestellt? Blickt man nicht heute noch voll Bewunderung und Berehrung zu jener Prietlerfamilie empor? Daran sollten mir doch auch denkcn in einer Zeit, da sich die Land gemeinden immer mehr entvölkern und die Städte fick riesig vergrößern. So manche Landgemeinde har ein ebrwürdiaes Alter und eine ebrwnrdiae Bergangcnbeil von oft historischem Interesse, ganz abgesehen davon, daß in religiöser Hinsickl sich die »leisten kleineren Dorigemcinden wohl mit den «Großstädten messen können. Derlei Erwägungen mögen unsere Voreingenommenheit gegen das platte Land etwas mildern und die Schwärmer rnr .«Großstadtluft" zu etwas größerer Bescheidenheit mahnen. Gedanken, wie die soeben dargclegten, drängten sich mir unwillkürlich aus, als ick am jüngsten Ehanukafeste, es war Rosch Ehodeick Tebelh, meine Schritte nach dem idyllisch gelegenen Höchberg bei Würzburg lenkte, um die dortige Talmud-Thoraschule aufzuiu chen. die zugtelch eine Präparanoen- Anstalt nach dem Normativ der rtgl. Bayer. Regierung bildet und deren Absolvierung zum Eintritt auch in jedes «tgl. Schullehrerseminar in Bayern berechtigt. Damit habe ich eigentlich meiner Darstellung schon etwas vorgegriffen und verraten. Laß eS sich um eine Schule handelt, die in schönster 'Weise dem Grundsase "!•פה ח״ח עה הי איץ gerecht wird. Die Freude an dieser Tatsache ist's anch, die mich veranlaßt, sie andere milfühlen zu lassen Meine Beobachtungen, an Ort und Stelle persönlich gemacht, haben gewiß nichl nur für einstmalige Schüler dieser Anstalt Interesse, wenn auch sicherlich für jene in hervorragendem Maße. Wie vieles mag sich wohl geändert haben, seitdem in truheren Jahrzehnten so mancher dort seine schönsten Iugendtage verbracht! Und wer erinnert sich nichl gern der Iugrnderlebnissc, der Iugendträumel Es ist nichl schwer Selbsterlebte« mitzu teilen, wenn man die Freude am Mi'teilen, gleichsam den Drang hiezu in sich fühlt, und so ging es mir bei dem jüngsten Au-fluge, den ich רכבזד Chanukah mir geleistet. Als Nachwirkung biete ich die im folgenden gegebene Schilderung Herrlich strahlte die Winlersonne auf die sestgefrorene Erde nieder, als mich der Eilzug nach dem rebenumkränzlen Würzburg brachte. Diese altjüdische Gemeinde, welche seit dem Wirken de« vor einem Bierteljahrhundert Heimgegangenen ״Würzburger Raw", Rabbi Iizchak Dow Halevi Bamderger wohl einen Weltruf in der jüdischen Diaspora genießt, ist ihren bewährten Traditionen treu geblieben, trov der in religiöser Hinsicht auch hier zutage tretenden Schattierunqen. Hat es doch sogar nicht an Boritößen zu-

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