Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 14 & 15 (5.4.1906)
- Date
- 1906-04-05
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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•.nrrit n«*i. Xtr ,Uva«»! »fit# I « 'Jlt 11 u r. Fr^eiisliitagoge schließen sich die Räumlichkeiten der stsiberen Elementarschule an. Tie Snnagoge bat einen mäßig großen Vorhof, aus ihrer C»leite einen Obstgarten. Im Borhose nahe am (Eingänge zur -LNnagoge sehen wir an der Nordseite die für דדדצץ notwendigen Gegenstände auf einem Stein eingemeiselt. Änno נi>(>4 wurde die Slinagoge renoviert. Tie Mikweh ist ein in einer anderen Straße gelegener ^eparalbau. Tort ist noch der Backofen vorhanden. 1״ dem früher die Maroth gebacken wurden. Tie schweren Eichenvlatten, welche dabei in Verwendung Israels, jüdische Hochzeit. waren, sollten ein eigenartiges Avancement dnrckmachen!sie dienten später in der Anstalt als Tische zum ״Lerne n", als שיח; שאומר־מ עדו ד״ל. So mancher ehemalige Bochur — wie die Zöglinge allgemein, auch bei Ehristen, genannt wnrden — wird sich noch an die massiven Tischplatten erinnern. Das 2ביח ח״ liegt aus bergiger An- Höhe, fünf Minuten vom Crtc entfernt. Tort ruhen u. a. der fei. R. Elotor Cttettfoffer von Höchberg, der Oberrabbiner Abr. Bing von Würzburg, der berühmte ״Würzburger Raw" Seligmann Bär Bantberger, Rabbi Feibel Spiegel von da, Rabbi Moses Huna, Lehrer an der israelitischen Volksschule in Würzbnrg, Rabbi Jakob Ehreureich. der Anno 1881; verstorbene AnstaltSvorftand und Ortsrabbiner von Höchberg, Rabbiner H. Wechsler, ebenfalls at^ der Anstalt wirkend bis zu seinem 1814 erfolgten Tode, Schüler der Jeschibah des -eio חהמ und berühmt als 2למדן מ1פל wie als חסי־, ferner R. Seligmann Sonn, langjähriger שד־ ב מומחה in Würzbnrg, früher bei der HildeShetmer'schen Gemeinde in Berlin, Schwager des obengenannten Rabbi Ionah Rosenbaum von Zell, u. A. m. Ramen von Männern, wie obengenannte, זכרינם לברכה ד*ע erregen selbstverständlich das Interesse für diesen Friedhof und machen das Betb Ehajim zu einem vielgenannten. ES wurde im Jahre 1824) חקפ״ד) eingerichtet und von Würzburg viel benützt vor der Anlage eines eigenen Friedhofs daselbst (18811). Nach einer allerdings ungenauen Aufzeichnung des früheren Kultnsvorstandes Salin besteht die lüdische Gemeinde seit dem Jahre 1158. Sie nahm erheblich ab, als um 1845, wieder Juden in Würzbürg wohnen durften. Da zogen viele, die ihr Geschüft dort hatten und bisher jeden Tag hin gingen, ganz in die Stadt. In alten Schullislen kommt öfters die Bemerkung vor: Eltern wohnen seit 1845 mit Pnlizeierlaubnis in Würzburg. — Ein LrtSrabbinat wurde Höchberg durch die Stiftung eines gewissen Jakob MoseS Kahn, der auch eine Brantsteuer- und Mazzenstiftung für Arme errichtete. Vorher war kein More Zedek dort angestellt. Ehe R. Elosor Cftenfofftr Ortsrabbiner gewesen, halte diese Stelle ein הל namens ~שרא■ jnne. Seit dem Tode des obengenannten R. H. Wechsler (1894) ist sie nicht wieder besetzt worden. (Fortsetzung folgt). Joskf Israels. <Ju ««iere« ׳Bilder«». Von Ioies Israel» haben wir wohl alle sckion gehört und auch zum Teil seine Werke bewundert, aber cs ist doch schade, daß wir so wenig Gelegenheit haben, seine Gemälde zu sehen, und wen sollte das mehr interessieren als uns, seine Stammesgeiiossen'k Von einer jüdischen Kunst wird man bei ihm wohl schwerlich sprechen können, denn diese feinen. stimmungSvollen Interieurs haben auch schon seine Vorgänger, die alten Niederländer, in der vollkommenften Weise geschast'en. Aber es ist doch etwas in seinen Werken, was uns Juden weit mehr anzieht, als die technisch manchmal vollkommeneren der älteren Meister, das ist die Stimmutig in seine» Bildern, diese rührende, traurige, hostnnngslose Stimmung, dieser Druck, der auf seinen Gestalten lastete der mankende Gang. mit dem die Verlassene im Sterbehause umherirrt, der alte Mann mit resignierter Wehmut drinnen in der ärmlichen, dunklen Hütte, der feinem Hunde in die Augen starrt, oder das ergreifendste seiner Bilder: ein alter jüdischer Trödler vor seinem Laden sitzend »nd mit fnintpient. stierem Blick in die Weite sehend. Wer dieses Bild einmal gesehen, wird es nie wieder vergessen: denn »irgends tritt uns mit solcher Lebenswahrheit daS'tauiendjätirige Goluselend unseres Volkes entgegen, wie in dem ergreifenden Anblick dieser einen Gestatt. Solch ein Bild kann nur derjenige schatten. der das Elend mit gefühlt, miter lebt bat. Vor den Augen des Beschauers schwindet der Gegenstand, und was er sieht, wird ihm gleichsam zum Erlebnis. Andere Gestalten aus dem Leben des jüdischen Volks zeige» uns die beiden hier abgebildeten Werke des großen Meisters. Ich glaube, man braucht nichts darüber zu sagen, sie werden durch ihre wunder« volle Einfachheit und Größe schon von selbst zu einem jeden sprechen. ״Es ist eine von Israels' außergewöhnttchsten Gaben". tagt einer unserer Kunstkritiker, ״den einfachsten Sachen, den alltäglichstet! Handlungen, indem er sie in ihrer innerlichsten Art so wohl begreift, eine so große Bedeutung beizulegen. Im Beseelen des Gewöhnlichsten liegt seine Größe". ,11 alten Zeiten jüdische Friedhöfe gegeben. Tie Juden wohnten a»f dem Wisckiehrad, aut einem großen Gelände der Neustadt und. wiederholt vertrieben und wiederholt zugelassen, auch aut der Kleinseite. Erst als sie endgültig in den Getto zwischen der Altstadt und dem rechten Moldauuser einqesperrrt wurden, verloren sich ihre Ansiedlungen in den attderen Prager Städten. Tie Grabsteine der Kleinseite boten ein willkommene» Material für die Fundantente der altberühmten steinernen Brücke, und »tan kann noch heute in einem Pfeiler die hebräische Inschrift eines solchen Gtabsteines entdecken. Einzelne Bruchstücke von Steinen, die matt im sogenannten Jndengarten, dem ehemals von Juden bewohnten Teile der Neustadt, gesunden hatte, wurden ans den alten Judenfriedhof gebracht und dort eiitgemanert. Wann der alte Judensriedhoi errichtet wurde, darüber seble» die Urkunden. Erst aus dem fünf zehnten Jahrhundert geben Verträge über den Ankauf von Grundstücken Kunde, die zur Erweiterung diese» Friedhofes dienen sollten. Es wird aber aitt dem Friedhoie ein Grabstein gezeigt, der die lieberreite einer Frau Sara Kav deckt, die im Jahre 1!«u! gestorben ist. Es ist eine ausrecht stehende Candsteinplatte in Barockiorm, deren bildnerischer Schmuck in einer Weintraube, dem Sinnbild der Fruchtbarkeit, besteht. Tie Buchstaben der Inschrift sind so tief eingegraben, daß ihr anderthalb Jahrtausende nichts auzuhabeu vermochte». Böhmische Ehronisten und die Ileberlieferung der Friedhofwärter verteidigen die Echtheit der Jahreszahl. Allein einer der gelehrtesten indischen Schriftsteller, der Prager Oberrabbiner Rappoport, versetzt diesen Grahstein in das siebzehnte Jahrhundert, und wir möchten ihm in Hinsicht ans den Stil beipstichten. An und für sich erscheint übrigens das Todesjahr der Sara Kap. »'»«!, nicht so unwahrscheinlich. Mancherlei llrkuttden und Tatsachen deuten daraus!>!!׳., büß die Juden schon mit den Römern, wenn nicht- 1׳e>t diesen, im Laude gc wesen sind, nnd an der Ställe Prags sich niedergelalsen haben, bevor Prag selbst noch gegründet war. Benedikt Fogcs fuhrt in dem nach den Manuskripte» de« Kustos David Podiebrad verfaßten Buche über die Altertümer der Prager Josesstadt!!!»er anderem 2!!, daß der Kanzler Bretislaws II im Jahre Itt'.G den Juden, die, um der gewaltsamen Tanie z» entgehen sich zur Auswaitderuug anichickten, vorwarf, ״daß sie nach dem Verbannungsedikt Kaiser Vespafians arm und elend von Jerusalem abzogen und die hier angehäuften Israels. Tdoraschreiber. Der alte jüdische Nrieöhof in Drag. Ter Abbruch des Prager Ghetto'S wird auch die Beseitigung eines Teiles des alten jüdischen Fried- Hofe« im Gefolge haben. Alle Bitten, diese an geschichtlichen Erinnerungen so reiche, ehrwürdige Stätte unversehrt zu erhalten, sind vergeblich gewesen. Einer Plauderei von Heinrich TeweleS in der ״Galtenlaube" über dieses Denkmal der jüdischen Vergangenheit entnehmen wir das Folgende: Der Friedhof liegt stellenweise klasterhoch über dem Straßenniveau, da der verhältnismäßig kleine Begräbnisplav im Lause der Jahrhunderte immer wieder aufgeschüttet werden mußte, um die Toten auszunehmen. Dabei war er diirchanS^nich: der rinztge Bcgräbnisplatz der Prager Juden. Sowohl auf der Neustadt, als auch auf der Kleinseite bat es schon Schätze des Landes anderswohin zu verschleppen deabsichtigen". Im Jahre 155» richteten die Ehristen Prags NN den Kaiser Ferdinand l die Bitte, oas gegen die Juden erlassene AuSweisungsedikt zurückzunehmen, wobei si, betonten, ״daß die Juden dieses Land vor Zerstörung ihres jerusalemischcn Tempels bewohnt hätten". Tradition und rituelle Gebräuche der Juden selbst lassen diese Behauptung nickt unmoalich erfchemen. Man darf also annehmen, daß der alte Judenfriedhof in Prag schon zu den ältesten Zeiten seinem Zioecke gedient hat und daß er der älteste Begräbnisplav der Stadt ist. ־V' •»'