Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 14 & 15 (5.4.1906)
- Date
- 1906-04-05
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 u. 15. Leite 12. •־>. April 19,46." zu erwecken, Es gibt so vielerlei Arzneien, die im Stande lind, einem entkräfteten Organismus neue dauernde Kräfte zu verleihen: man darf nur mit den Mitteln hierzu nicht kargen und darf keine Geldopfer scheuen." Ahion wurde verlegen. Doch sagte er: ״Das Letzte wollten wir hergeben, ja haben es auch schon getan, so daß wir jetzt ganz mittellos dastehen und nichts mehr haben, was wir zur Rettung unseres lindes hrrgeben können." ״Wie verstehe ich das, Ihr guten Leute?" sagte der fremde. ..Ich habe doch auf Euerem Tische ein Kleinod geseben und selber daraus getrunken, das einen unschätzbaren Wert besitzt. Abgesehen von der kunstvollen Arbeit, womit es hergestellt ist. verleiht idm sein hohes Alter für Liebhaber solcher Anti quitäten einen großen Wert, leinen solchen als Käufer aufzusuchen, soll meine Aufgabe sein, sobald ick׳ von hier iveqqehe und meine Wanderung fortsetze." ״Ich kenne den Wert dieses Bechers, der tür mich einen doppelten als Erbstück besitzt. Um alle Schätze der Welt wäre mir dieses Gut nicht seil gewesen. ES knüpft lick, daran die in unserer Familie von Generation zu Generation vererbte Sage, daß. ivenn es alljährlich am Tedertiseb« prange, auch ein mal der Prophet Elijahu daraus trinken und alles Unbeil aus unserer Familie verbannen wird. Daraus Holste ich zuversichtlich und weder die äußerste Not, noch der Spott, dem ich desbalb ausgesetzi war. vermochten es, mich in meinem (Glauben wankend zu machen. Jetzt aber bin ich docki genötigt, mich von diesem (Erbstücke zu trennen, denn wo es Leben und- G-ßindheit meines Kindes gilt, da muß alles andere weichen." De׳ Fremde sprach: ״Daß )hr cs über Euch vermochtet, lieber auf irdische Güter zu verzichten, als (such dieses Familien- Heiligtums zu entäußcrn, ist sebr lobenswert, und ich wünsche vollem Herzen, daß sich Euere Hoffnung auch er» Ule. Nur jetzt nicht verzagt. Ibr Guten, und laßt Euch Euere "Festesfreude durch Sorge nicht trüben. In meinem langen Leben habe ich so manches mitgemachr und meinen durch Studium erworbenen Kenntnissen und meiner Erfahrung iß es gelunaen, in vielen Kranktcitssällen helfend einzugreisen. Führt mich zu teurem tränten Sohne. 7׳ck möchte an rbm meine ärztliche Kunst versuchen: vielleicht gelingt es mir mit der göttlichen Hi!»e, ibn zu beilen." Bold limßaiiden die Eltern mit dem Gaste das ärmliche, aber reinliche Laaer, woraus der arme Ben׳amin ruhte, aus dessen bleichem Antlitze bereits der Frieden und die Rübe des Todes lagerte. Bei dem Anblicke dieies hinsälligen Körpers, dessen Brust rast unmerki.ch von den schwachen Aihrmzügen gehoben wurde, ring die Mutter zu schluchzen an. während aus V3 Bakers Augen Tränen herab in den Bart rollten. Die beiden Knaben blickten scheu und erschreck binübrr nach dem kranken Bruder und Sviekaesäbrten. Fbr kindlicher Sinn mochte vcr muten, daß ste ibn bald verlieren würden Der fremde Mann berührte mit seiner Hand die Stirne des kranken, dann!!»endete er ßck yr:t der Bitte an Ab.ron. ihm einige Tropfen Wein zu bringen, womit er die sinkenden Lebenskräfte des Knaben beben ivollte. Aber ach! Es war ja kein Wein inekr vor Händen' Der fremde mußte vergessen haben, daß fx selber den letzlen Rest aiisgetrunlen. und traurig und zögernd machte ibn Abron daraus ansinerkian,. ״Nein!" meinte der Gast, ״im silbernen Becher ist noch eine kleine Neige zurückgeblieben. Her damit!" Mit zitternden Händen reichie ihm Abron den silbernen Becher, der aber nur wcniae Tropfen von dem tostbarln Naß enthielt, ivomit der fremde den Knaben starten wollte. Der nahm den Becher in oie Hand, benetzte die trockenen Lippen des Kranken, und dietl ihm den anscheinend leeren Becher an den Mund. Und siebe! Der bis dahin apathisch da liegende Knabe. der bis vor kurzem zur Ausnahme ron Nahrung unsäkig schien, begann aus dem Becher zu schlürfen: langsam belebten üch die tode^starren Züge, rin leichtes Rot überzog die bleichen Wangen, dir Augen öffneten sick und blickten ruhig und in mildem Glanze umher. Ter Israelit_ ״Benjamin, mein Liebling!" riefen Vater und Mutter freudestrahlend aus. ״Stille!" mahnte der Greis. Der Genesende braucht vor allem Ruhe und Pflege. Für ersteres müßt Ihr selbst sorgen, und für letztere wird dieser Wunderbecher hinreichen, desien Inhalt nicht versiegen wird, so lange das Kind hier seiner bedarf. Und jedesmal, so oft Ihr ihn einem Kranken oder Schwachen reichet, wird er Kraft und Genesung daraus trinken, und niemals wird er seine wundertätige Kraft verlieren, so lange Ihr fromm und bescheiden bleibt." Sprach's und war verschwunden. Die erstaunt Zurückgebliebenen wurden von heiligem Schauer ergriffen, denn jetzt wußten sie, daß es der Proset Elias selber sei, der sie mit seinem Besuche begnadet hatte, um ihrem Liebling Genesung zu bringen. Das Wunder, das er bei der Witwe von Sarepta vollzogen, hatte er bei ihnen erneuert. Nach dem Feste stand dem armen Ahron die schwere Pflicht bevor, für den ihm teueren Becher, den die Lippen des GottesmanneS berührt hatten, einen Käufer zu suchen. Mit zitternden Händen ent nahm er ihn ans seiner Umhüllung, so daß er seinen vor Aufregung 'rastlosen Händen entglitt und zu Boden siel. Als er sich erschrocken bückte, um ihn aufzuheben, gewahrte er am Boden ein großes Gold׳ stück, das ans dem Inneren des- Bechers herausgefallen war. Freudig nahm er es zur Hand, und erkannte, daß es ein binterlasseneS Geschenk des heiligen Wundermannes war, zu dem Zivecke, es ihm zu ersparen, sich von dem Becher trennen zu müsien. tlnd wirklich reichte der Erlös der fremdartigen Goldmünze bin. die Bedürfnisse der kleinen Familie zu bestreiten, und dem Kranken Kräftigung und voll ständige Geneslina zu verschaffen. Der Rest wurde von dem strebsamen Manne dazu verwendet, ein tlcines 'Unternehmen zu gründen, wodurch er seine )Tulnuie mit umiiluiti jjuft: uuf tci'iiuft ewutc uilständia ernähren tonnte. Benjamin genas bald und vollkommen, und wurde nebst den Zwillingsbrüdern die Freude und der Stolz seiner Eltern. Die Kinder, auf denen die Hand des Gottes marines segnend geruht, sind in der Folge brave Männer geworden: der vom Tode gerettete Benjamin ward eine Leuchte der Wissenschaft, eine Zierde des Judentums, und sein Name hat bis in späte Zeiten Berübmtbeit erlangt. Der ivunderbare Becher bat noch lange, lange Zeit den Kranken Genesung, den Schwachen Kräftigung und den Betrübten Trost gebracht, bis er einst durch Erbschaft an ein Familienglied gelangte, das sich mit seinem Schatze irgendwo in die Btrborgcnbeit zuriickzog. Milche Kinderlieber. Das Pesachfest. Es war einmal vor langer Zeit. Da wohnten wir Juden im Süden weit, Weit drunten in eincin fremden Land, Dort berrschte mit Strenge dcS Pharao Hand, Und lastete schwer auf Groß und Klein, Sie alle mußten ihm Sklaven sein. Der Pharao baute manch herrliches Schloß, Die Juden dienten als Ardeitstroß, Der Pharao wünschte sich Mauern von Stein. Die Juden mußten die Bauleute'sein. Der knetete Lebm, der hat Ziegel gebrannt. — Der schaffte herzu den Mörtel, den Sand, Der trug aus den, Rücken die Steine herbei, — Der stellte sie auf in langer Reih', — Und war einer müde von schwerer Last. ES gab keine Ruhe. eS gab keine Rast: Denn gleich trieb wild mit der Peitsche ibn an Der Wächter, ein strenger, ein finsterer Mann. So ginge von der Früb bis zum Abendrot Als einzige Sveise nur trocken Brot. Und selbst die Kinder, noch schwach und klein. Sie mußten schon mit bei der Arbeit sein. — Da loeinten die Juden in ihrer Not Und beteten innig zum lieben Gott! Der hat seiner Kinder Flehen vernommen. Und ist seinem Botte zu Hilfe gekommen. Ihn hat der Armen Leid gerührt. Er hat sie hinaus aus Aegypten geführt. Mit starker Hand und erhobenem Arm Rettet' Er sie aus der Feinde Schwarm. Und hat viel Zeichen und Wunder vollbracht Und hat uns zu Seinem Volke gemacht. Der Pharao und sein mächtiges Heer. Sie alle erkranke» im tiefen Meer. M a z z o h. Eh' wir aus Aegypten zogen Bor viel tausend Jahr, Hatte Gott mit Furcht geschlagen Der Aegypter Schar: ״Geht nur. geht, so lang ihr weilet Droht uns Leid und Tod!" ..״Gern, nur lastet uns erst backen Für die Reise Brot! Müssen durch die Wüste wandern, Und da gibt'- kein Mehl."" — Doch sie wollten gar nicht warten Riefen: ״Macht doch schnell!" Da nahmen in Eil Ein jeder sein Teil Bon Wasser und Mehl Und kneteten schnell, U.nd ließcn's nickt stehen. Damit es könnt gehen. In Tücher ganz rein Den Teig schnell hinein! Ein jeder machts gleich Ob arm oder reich - - * tlnd so wohlverwahrt Gings flugs auf die Fahrt. — Glühend brannt die Wüstensonne Buch den Teig zur Not Und wenn's auch nicht herrlich schmeckte, S' war doch Freiheitsbrot. Der Sabbat ist aus. schaut mir doch flugs zum Fenster hinaus, Kinder, ich glaube der Sabbat ist aus. O seht, auf der Straße da will es schon dunkeln Und droben am Himmel drei Sternlein funkeln. Ja, ja. ihr .Kinder, wie schab' es auch sei. Der liebe Sabbat ist wieder vorbei. Bald wird der Vater nach Hause kommen, Tann wird vom Sabbat Abschied genommen. Der Vater stecket die -Kerze in Brand Und füllet die Becher mit Wein bis zum Rand Aus silbernem Büchslein steigt würziger Duft. Erfüllet mit Wohlgerüchen die Luft — Gr saget den Segen, verlöscht das Licht: ״Gut Woch. gut Jahr." die Mutter spricht. Eine gute Wockx voll Arbeitszeit — In ackt Tagen ist wieder Sabbat, wie heut. Pelacb-Räifel. 1, 2, 3, 4 Wassergott in der nordischen Mythologie. 2. 5, 6. 7, 8 Wohnort der Kinder Israels. 9, 6, 5. 10 Pflanze, beim Pesachopfer benutzt. 10, 11. 12. 1, 12, 6 König von Aegypten. 13, 9, 4. 12, 8, 8 Bezeichnung für einen Gewalt- Herrscher. 7, 14, 4, 1, 7. 4 Name für die Bekenner des indischen Glaubens. 8. 3. 16 Fluß in Mizraim. Die Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen, ergeben den Namen eines Landes, das Israel hart geknechtet hat und zu vernichten drohte. Wohl sollen Bitt'res wir damit umhüllen. Noch weisen Lehrers frommer Sitte: Doch nie darf's uns mit Bitterkeit erfüllen: Die bleibe fern aus uns'rer Mitte. L. Cohen- Borken i. W.