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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 11

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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frTflpril nxtn._ Nach der «chreckerisnachrichl ertönte allerwegen der Nut נפלה עטרח ריא׳^בי Tie Mrone unseres Hauptes ist gefallen! Die derrltchen Worte, die am Grabe binausgeklagl wurdrn, sind durch den Truck der Bergestenbrit entrissen worden, damit auch die Nachwelt ersabre: Auch unser Geschlecht dal grauen auszuweisen. die des salomonischen Preisgesanges würdig sind. Heil den Eltern, die ein solches Ztind heran gebildet und ausgezogen baden! חבר עי דאבדץ ולא בד*הכחץ Der Wunderbecber. Lin TNärchen für jüdische Rinder. Äon Babette ftrifb P r a g. Ein langer, harter Winter neigte lick seinem Ente zu, und laue Lüfte kündigten die längst ersehnte Ankunft des holden Lenzes an. Das Pesachfest sollte ihn einfiihren, und die .Kinder freuten sich nicht minder auf dieses erhabene Fest, als auf das Frühjahr selbst, dnis sie aus den dumptcn Stuben hinaus ins Freie locket und sie in Ttesd und Wald und Wiese tummeln läßt. Wo gäbe cs ein jüdisches Kind, welches sich nicht von aanzem Kerzen auf das Pesachfest treuen würde! Der Anblick der manchmal reckt lange dauernden Vorbereitungen zur Feier dieses schönen Frühlings- und Vefreiungsfestes gibt dem jüdischen .Kinde schon einen Vorgeschmack der Freude und Genüsse, die »6 an diesem hohen Feste erwartet. Dann kommt der weihevolle Sederabend, mit dem das Fest seinen Ansang nimmt. Wir seben zuxi kleine Knaben beim Seder sitzen. Ihre Augen glänzen und die Wangen glühen, mehr noch vor Freude, als von dem genossenen Weine, denn dieser wurde ihnen nur in ganz kleinen Gläschen gereicht. Wenn die einzige Flasche, welche zu Arba Kosos aus dem Fische stand, für die vorgeschriebenen vier Becher reichen sollte, da mußten möglichst kleine Kelche benützt werden. Auch die für das Festmahl vorbereiteten Soeisen waren nichts weniger als reich haltig und iihbig. Denn bei dem Hausierer Ahron «var Schmalhans Küchenmeister geworden, und nur unter großen Sorgen und Mühen konnten die Eltern die notwendigsten Bedürfniffe zu diesem Feste herbei׳ schassen. Jedoch Mazzos gab es hinreichend, und den Kindern, welche sich schon lange darauf gefreut hatten, schmeckten diese vorzüglich, zumal sie noch dazu ein Stück von dem Eharausses bekamen, dem aus Aepfeln und Mandeln bergestellten Latwerge, welches eine Erinnerung an den Lehm darstellen soll, den unsere Voreltern beim Ankertigcn von Ziegeln in ihrem Frohndienst verwendeten. Die Knaben wußten das alles ganz genau, denn sie hatten in der Schule aufmerksam zugehört, als ihnen der Lehrer vor: der Knechsschass der Kinder Israels in Egvptcn und deren wunderbaren Errett ung aus dem Lande der Sklaverei erzählte, von dem zur Erinnerung an diele Begebenheiten eingesetzten Pesachfeste und den sinnigen Gebräuchen und Borschritten desselben. Heute hatte der eine der Zwillingsknaben das Ma niichtaneh im hebräischen Urterte gesagt, und da« für sollte der andere das Recht haben, den Afikomon zu entwenden und sich für dessen Rückgabe ein» kleine Begünstigung auszubitten, am anderen Sederabend sollten die Rollen getauscht werden. Die Knaben waren noch viel zu jung und unerfahren, um sich in ihrer Festesfreude durch die trauriaen Mienen der Eltern stören zu lasten. Der Bater leerte eben die lrtzir Neige des Weines in einen silbernen Becher und stellte diesen mit den Worten: Ter Israel«. «e«e l l Nr I l u I: »Für den Propheten E l i j a h u!" vor sich auf den Tisch. Ein vorwurfsvoller Blick aus den Augen seiner treuen Lebensgefährtin traf ihn dabei. »Du zürnest mir noch immer, Sarahs frug der Hausvater. »Ich zürne Dir nicht, habe Dir niemals g: zürnt, es hat mich nur in meinem Herzen sehr ge kränkt, daß Du aus Eigensinn meine Bitte nicht er füllt hast. Ich hatte Dich so dringend darum ge beten, diesen silbernen Becher, der doch wahrlich auf dem Tiscbe solch armer Leute, wie wir es sind, ein überflüssiger Luxus ist, zu verkaufen und von dem Erlöse kräftige Nahrungsmittel für unseren kranken Benjamin anzuschaffen: Tu vertröstetest mich immer bis nach Jom tow, und indesten wird unser armes Kind vielleicht an Entkräftung sterben." ״Vertraue auf Gott, liebes Weib, der unserem geliebten Kinde Genesung senden wird! Hätte ich gewußt, daß in dem Befinden des Kindes eine solch« rasche Verschlimmerung eintretcn iverde, so hätte ich gewiß das letzte Erbteil aus meinem väterlichen Hause geopfert. Es geschieht aber gleich nach Jom tow. Verzeihe mir, daß ich dieses Kleinod noch über die Scdcrabende behalten wollte. Dieser silberne Becher hat schon auf dem Tisck-e meines Urahnes ge standen, und hat sich durch alle Generationen aus mich vererbt, und wie gerne hätte ich ihn behalte», um ihn einst unserem ältesten Sohne, unserem Benjamin, vererben zu können. Da lies die eingcgrabene Jahres zahl auf dem Becher, und betrachte genau die künsi lichc Gravierung daraus. Aus beiden Seiten sind Szenen aus dem Leben des göttlichen Wundermannes dargestellt. Hier die Erweckung des Sohnes d»r Wittve von Sarepta, und hier aus der vorderen Seite das Opfer auf dem Berge Karmel, wo der Prophet allein den Hunderten von Götzenpriestern gegenüber stand. Und dieses ererbte Heiligtum muß ich nun um schnödes Geld und vielleicht zu profanen Zwecken hergeben, wo doch niemals noch fremde Lippen daraus getrunken haben, denn »r ist bisher nur für den Propheten Elias bestimmt aewesen." ״Der aber auch noch niemals daraus getrunken hat." meinte Frau Sarah ironisch. ״Spotte nur, Weib: in unserer Familie Hai sich die Sage sortgeerbt, daß einstmals der heilige Prophet erscheinen und aus diesem Becher trinken werde." ..Das erleben wir beide nicht." entgegnete Sarah. ״Das ist leicht möglich. Aber ivenn ich den Becher verkaufe, so wird es auch von unseren Kindern oder Enkeln niemand erleben. Lasten wir aber jetzt das Gespräch se!n, und sagen wir lieber die Hagadah auf. Du siehst, wie Karl und Josef ungeduldig sind." ״Bete nur indes allein, ich gehe nach dem Kranken, zu sehen, ob er noch schläft." Ja, er schlief noch, aber es war zu erkennen, baß er seinem Enoe entgegenschiief. Es ließ sich da gar nichts tun. Die Schwäche war zu groß, als daß menschlickie Hilfe noch möglich gewesen wäre. Nur Gott allein konnte da noch Helsen. Und zu Ihm. dem Hclfer in Nöten, lichteten die tiesbetriibten Eltern ihr Gebet. So unter Gebet und gar traurigem Gesänge war dcr erste Teil des Seder vorübergegangen und das frugale Festmahl wurde von der Mutter ausgetragen. Die Eltern berührten kaum die Seifen. Sie waren beide durch die schlimme Wendung im Befinden Benjamins viel zu betrübt, um esten zu können und dann mochten sie nickt die Portionen der Kinder noch schmälern, als sie sahen, mit welchem Appetite die Knaben den ausaetragenen Gerichten zuspracken. Es war ihnen dies lieber, als wenn sie selber davon genosten hätten. Als das Tischgebet verrichtet und der versteckt gewesene Afikomon gefunden und verzehrt war. schickte b« Bater nach altem Brauche den einen der Knaben die Türe zu öffnen, als Zeichen, daß man sich nicht fürchtete, die Gebräuche des Seder frei und offen zu erfüllen und die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten. Ter Knabe machte die Türe auf. sprang aber erschrocken zurück, als eine fremd« Gestalt durch die offene Türe ins Zimmer trat. Es war ein alter Mann mit einem langen, weißen Vollbcrrte. eingehullt in einen weiten, braunen Mantel, das Haupt mit einer hoben, turbanartigen Mütze bedeckt. Mit cinem lauten: .,Gut Jom tow! » Gruße!var der Fremde eingetreien und reichte dem schrecktnsdltichen Knaben die Hand mit den Worten: -״Fürchte Deck nicht vor mir, mein Kind! Ich bin ein müder Wanderer, der sich verspätet ha!, und nicht mehr rechtzeitig in dir Gnneinde kam. um irgendwo zum Seder eingeladen werden zu .'önnen. Und als ick ailkai», hungrig und müde, fand ich alle Türen verlchlosten. Die Reictxn in Israel lasten Zwar vor Beginn bes Seder an die Armen vir ׳>!>,» forderung ergeben: ״Wer hungrig ist, der lomme her. und feiere mit un-' dar Pesachfest!" aber iie kaRi: bcreits ihre Türen und Tore verschlosteii, 0׳ aast niemand binein kann, sie in ibrer Feier zu uore:׳. Nur Euere Tür, Ihr gute» Leute, fand ich aeotsnel. i:nb da bosse ick: auch, baß Ihr einem müveii Wandersmann rin Plätzchen an Eurem Tische ver gönnen »׳erdet, damit er von den Beschiverben seiner weiten Wanderung ausrukrn und «ich;זהז Sbeste und Trank erquicken könne." Statt der Antioort reichte ibm der Hausherr die Hand zu einem treuherzigen .. Scholem Aleichem! als Vewillkommnungsarus.. ׳vävrend Mutter Sarah sagte: ״Platz zum Ausruhen sollt Ihr dei uns baden, auch ein gutes Lager zum Ilebernachten, uns ׳ollr unser lieder Gast sein über die ganzen Feiertage, vis Ihr Euere Reise fork'e-en könnet: voraucaesetzl. vast Ihr Euch mir der bescheidenen Beivirtung begnüget! wollt, die toir armen Leute 1*1,111 biete» könne». Euein Hunger ein wenig zu stillen, wird uns wohl vergönnt sein, ecist noch etwa-: Suppe und ein Bisten Fleisch vorhanden, und ungesäuertes Brot zur Genüge, aber was den Wein brtrifft. müßt Ihr fiir beute daraus dcrzicktcn. Er ha: uns nickt einmal für d!e vorae schtiebenrn vier Becher gereicht, Bei dem dritten haben wir den lenken Rest eingeschenkt." ״Ei!" sagte der Greis lächelnd, ..gerade aus einen Trunk Wein batte ick mich gefreut. Es war mir nickt anders, als wäre ein Becker kür mich in diesem Hause bereit. Und wirklich funkelt es in diesem hier so. als wäre er voll des köstlichsten Rebensaftes 1H< stattet mir. meine Freunde, daß ich davon Euere Kelche fülle, und dann auch selber davon trinke." ״Für uns alle langt besten Inhalt nickt, und dann ist dcr Becher für den Propheten Elias vc stimmt," sagte der Hausherr in warnendem Tone, ״Ach. »venn der Prophet berniedersteiat, seine», Volte zum Froste und Segen, dann steht für ihn in manchem palastartigen Hause ein bcsterer Bew-illtommniingstrunk bereit, als Ihr ihn bieten könnt. Er würde, wie ich mir ihn vorstelle, auck garnich! erbaut davon sein, das! solche frommen Leute, wie Ihr es seid, aus Pietät für ihn, das Gebot, an diesem Abende vier Becker Wcin zu trinken, nickt voll und ganz erfüllet, nnd in seinem Feuereiser gewiß darob zürnen, daß Ihr trotz Eueres guten Willens die Pflichten der Gastfreundschaft derart verletzet, indem Ihr einem durstigen Fremdling den Labetrunk verweigert." Das Antlitz de» Greises erstrahlte bei diesen Worten vor: Güte und Milde, aus seinen Augen wuchtete ein überirdischer Glanz, so daß Vater Akron ikn vertrauensvoll gewähren ließ, als er den kostbaren Becher ergriff, um mit dessen Inhalte die dargsteichtm Kelche der Eltern und beiden Knaben zu füllen, den Rest aber mit einem kräftigen Zuge leerte. Nun wurde der Seder zu Ende aesiibrt und mit dem gegenseitiqer, Zurufe: ״llebers Jahr in Jerusalem!" geschlossen. Jetzt begann ein Gespräch zwischen dem Fremden und seinen Gastsreunden. Diese wurden über ihre Familien und sonstigen Brrhältnisse befragt, namentlich ob die beiden Knaben, die sich so freundlich um den Frcmden bemüht litten, indem sie ihm den Mantel auszieben halfen und ihm beim Waschen und Trocknen der Hände behilflich waren, ihre einzigen Kinde״ wären. ״Es sind Zwillinge, unsere jüngsten. Unser Erst׳ geborener liegt an schwerem Siecktume darnieder und sein Leben ist nur nach Tagen, vielleicht Stunden berechnet." ״Nickt so verzagt, meine Freunde!" sagte der Fremde, ״Die ärztliche Kunst ist heutzutage so weit fortgeschritten, daß sie es vermag, anscheinend dem!Tode Geweihte mit göttlicher Hilfe zu neuem Leben

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