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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 10

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Nr I 1 u. 15. Sette 1". Ter ^eratl». 5. April 1906. taum ernst zu nehmend« Borwurf wirkt um so lächerlicher, als stch inzwischen ja herausgestellt hat. daß gerade durch die objektive und hingebungsvolle Tätigkeit der leitenden englischen Persönlichkeiten eine bedeutende Milderung in der Handhabung der Bill eingetreten ist. Daß die Zahl der von dem Board unterstützten Fälle stch von 5000 auf 8700 vermehrt hat, darf nach Lage der Dinge nicht Wunder nehmen. Interessant ist die Mitteilung, das! eine überraschend große Zahl von Ginwanderern ihren Rücktransport nach Rußland beanspruchten und auch erreichten. Vielfach lag dabei der Wunsch zugrunde angestchls der unstcheren Zukunft. der die einzelner entgegen gingen, lieber zu Weib und Kind nach Ruß land zurü>kz»kehren. um ihnen soviel wie möglich Schutz und Schirm zu sein. Rach überseeischen Län dern sind mit llnterstühung des Board 1000 Leute gebracht worden. Das ist sehr wenig, indessen holst man. daß die jetzt in Kanada arbeitende Studien kommiss'vn es zweckmäßig erachten wird, einen größeren Strom von Auswanderern nach vielem Lande zu leiten. London. "1. März. Bekanntlich ist in derichiedenen russischen Leitungen ein in der Peters burger Polizei Präfektur gedrucktes Pamphlet der cllrntlicht worden, das die Bevölkerung zu Angriffen gegen die Juden aufreizt, weil sie in Gemeinschaft mit England und Deutschland die Aufteilung des russischen Reiches beschlossen hätten' Ans Berat! lassung von Sir Samuel Montag» hat daraufhin die englische Regierung ihren Petersburger (Geschäfts träger beaustragt. Erkundigungen einzuziehen und der russischen Regieruug Vorstellungen wegen des t!n gehkuerlichen Vorkommnisses «u machen. Die russische Regierung bat daraufhin die :11 Betracht kommenden Gouverneure für etwa zu Dstern aus׳ brechende llnrutren persönlich verantwortlich gemacht und außerdem die Entlassung des als llrheber des Pamphletes ermittelten Beamten angeordnet. Auch dcr Zensor. der luv• dlutrünstiqe Dokument zum Druck ׳»gelassen bat. ist mit einer Rüge bedacht worden, «Erfreulich ist an dieser A'taite nur das Gingreöen der englischen Regierung, die sich tvieder einmal Anspruch ans den Dank aller menschlich Fühlenden erworben bat. -t in e r i f a. RewnorI. 2'■'. März. Dcr Vorsitzende der sogenannten «5ivi: Federation. Mr. Belmont, Kat sich in einer unlängst gehaltenen Ansprache sehr scharf gegen die j-'idische Ginwanderung ausgesprochen und sich unter anderem folgenden Ausspruch geleistet: ,Jahrelang bat Guropct uns seinen Menschen Abfall in den Schoß geworfen, und wir hegten, nährten und kleideten ihn. Sitten, die uns fremd und geeignet sind, unsere nationale Kraft zu brechen, werten bei uns eingeschleppt. Die Tylui muß eingcdämmt werden, sonst werden wir selbst von ihr verschlungen." Das Beste an vieler Auseinanderießung in. daß Herr Belmont leibst, obaleich jetzt ein hervorragendes Mitglied der protestantischen Kirche, dcr Sohn eines : ü d i s ch e n Einwanderers ist. Sein Vater war Geschästsagent des Hauses Roth schilt in Rewnork. Wie es scheint, hat Herr Belmont an sich selbst Studien riber die jüdische Ginwander ung gemacht. Am 0z. März und 1. April findet hier eine Versammlung de? Bundes orihodorer jüdischer Gemeinden Amerikas statt, über die Ver Handlungen werde ich seiner ׳lei: berichten. 1 ii r f ( i. M o n n a :11 i rr v p e l. :11. März. In dem :07׳ einigen Tagen perössentlichten Blauditch von Macedonien lag: die Pforte unter anderem: Wir sühlen uns verpllichtet. die Signatar mächre des Berliner Bertrags daran zu erinnern, daß. während die Psorle säst alle ihre damals übernommenen Vcrvslichtnnaen gewissenhaft erfüllt bat. andere durch den Vertrag vervflichtcle Länder nur wenig getan baden, und eines von ibnen sich der G r s ii! I u n g der d a w a I s u b«r n o m m e n e n V e r!׳ s i! ch r r! n g e n gänzlich entzogen bat. Dieser Hinweis auf das Vertragsbrüchige Ru mänien, das entgegen allem Recht und Gesetz seine Juden noch immer als Ausländer bezeichnet und b« handelt, ist ein recht deutlicher Wink an die Groß machte, ver auch sicherlich Beachtung finden würde, handelte es sich nicht um Juden. P a l ä st i » a. Jerusalem, 7. März. Die Touristen- Saison hat hier angefangen. GS wimmelt von fremden in den Gassen der heiligen Stadt. Damen und Herren aus aller Herren Ländern zu Wagen, auf Pferden oder Gseln reitend, wie auch zu Fuße, passieren die Straßen Jerusalems in Begleitung der Dragomane. Ginige englisctse LadieS lassen sich von Arabern aus einem Traggestell tragen. Wie in den Briten des iwci 1-1 ist ein Wirrwarr einer Menge europäischer und orientalischer Sprachen zu vernehmen. Für die Antiquitäten Magazine, die Jeru salemer Slivenhvlz Industrie, die Ansichtskarten Pertäufer ist jetzt die Saison. Unter den Touristen fehlen auch unsere Glaubensgenossen nicht, aber leider ist es gar keine Seltcnhcit, jüdische Reisende in hiesigen christlichen Gasthäusern logieren zu sehen, obwohl in Jerusalem auch zwei jüdische den christlichen nicht nachstehende Hotels vor Händen sind In der letzten Beit allerdings, seitdem das FahrkartenZentralbuteau der Kgl. 'Ungar. Staatsbabncn speziell jüdische Gesellschftsreisen nach Palästina veranstaltet, ist in dieser Beziehung eine Besserung eingetreten. Die jüdischen, mit dem ge nannten Bureau in Verbindung stehenden Reisenden logieren hier nur ״> jüdischen Hotels. Vorige Woche!st hier eine solche Gesellschaft von 22 jüdischen Reisenden anS Ungarn. Bosnien und Deutschland an gelangt. Sie verweilten fünf Tage in Jerusalem. Jerusalem, 21. März. Infolge des in Rußland herrschenden Ghaos bat sich eine ziemlich große Anzahl von Auswanderern auch nach Palästina gewandt. Bon Jaffa wird gemeldet, daß dort fast jcve Woä'e viele jüdisck-e junge Leute und Mädchen, die meistens Mitglieder des ״Bundes" sind, von Rußland eintreffen. Sie begeben sich nach der Kolonie Petach Tikwah, wo sie in den jüdischen Drangengärten als Tagelöhner arbeiten. Die Leute, welche sich Brüder und Schrvrsterr! nennen, sollen ein recht freies, unjüdisches Leben sübren, sodaß in der letzten Beit zwischen ibnen und den Kolonisten heftige Ltreiligleiten zum Ausbruch kamen. Herr Rad biner I. I. Jaweh. der viele Jahre das Amt eines Rabbiners der chassioischen Gemeinde in Kremenzug, Gouvernement Poltawa, bekleidete, ist hier diese Woche angelangt, um sich in der heiligen Stadt niederzulassen. Auch aus Worten in Russ. Polen ist ein berühmter Mann, der Ghassidimrabbt '1 hier angelangt und wird in Ghebron seinen Wohnsitz nehmen. - Das heilige Pesachfest naht heran, und die arme jüdische Bevölkerung Jerusalems ist um Mazzoth und die übrigen Bedürfnisse für Pcsach besorgt. Tie furchtbare unter unseren russischen Glaubensgenossen berrschendr Krisis ist auch an der heiligen Stadt nicht ohne Spuren vorüber gegang-u. und alle hiesigen jüdischen Wohlfahrt» Institutionen, tvclche größtenteils von unseren russischen Brüdern unterstützt werden, sind jetzt in sehr kritischer Lage. Auch die Htlfauellen des Zentral Komitees'^:1 -?-der Aschkenasim Gemeinde, der einzigen Anttalt, welche den Aschkenanschrt, Armen der Stadt Mazzoth zu Pesack verteilt, sind jetzt erschöpft. Gs dürste die Pflicht der Pekidim und Amarkalim des lteiligen Landes sein, dieses Jabr noch n׳.it mehr Gifer als sonst dcr Jerusalemer jüdischen Gemeinde zum herannabenden Pesachseste zu Hilfe zu kommen. Uermisdttcs. K K. Berit«, de» 1. April Am heutigen Tage rund die ,Zweibundertjabrseier dcr Krankenpsiege in dcr jüdischen «Gemeinde zu Berlin in dcr neuen Svnagoge Oranienburger »ratze narr. Bnnäebst sang der Odor: ״Wie «chön sind Trine .gelle, Fakob. Teine Wohnungen Fsroel." Rach einem An- I «Iniite religieäo für Violine von 7bcm*, hielt der Bor lieber de» Krankcnban'es Herr Louis Lachs eine An iprache. 09 fei in letzter Zeit oft die Frage aufgeworfen worden, weshalb unsere (Glaubensgenossen nicht die Pracht vollen städtischen Krankenhäuser, rn welche» mir größte, Liberalität Mitglieder aller Konfessionen »ufgenommen werden aussuchen, ctzerade die Arme» aber hätten erklärt, daß sie lieber ibre Gesundheit, sogar ihr Leben verlieren wollten, als die Lpeisegtseye verletzen. Fnsbesondere sei es bringend geboten, für Frauen in ihrer schweren Stunde eine Zufluchts stälte zu schassen, wo ihnen gute Pflege zu teil wird. Da» Anwachsen der «Gemeinde hätte neben großem Wohlstände erne noch viel größere Armut zur Folge. Aus unserer Eigenart gehe es hervor, daß wir besondere Krankenhäuser haben möchten, in welchen man religiös leben und sterben kan». Or bitte die Festversammlung ihre Teilnahme auch ferner dem Krankenhause zu schenken. Tie herzlichen Worte des Redners machten einen tiefen Oindruck. , _____ Straubing. Tie Israel. Kultusgememde hat einen, m der schönsten Straße gelegenen Play zum Baue einer Lnnagoge, Schule und Lchrerw oh nung käuflich erworben. Os wäre scbr zu wünschen, daß die »och kleine, ansblühende Gemeinde eil Familien> die nötige Unterstützung sinden würde, um mit dem dringend notwen digen Baue bald beginnen zu können. 3tidt$cl>e$ Uereinswcsen. -Berlin. Ter Israelitische Fortbild ungsverei» Montesiore in Berlin versendet seinen Jahresbericht. Auch im verstossenen Pereinsjahr läßt sich ein kräftiges Ont wickeln und segenreiches Wirken des Israelitischen Fort bildungsvercins ..Montesiore" konstatiere». 'Außer der der sinanziellen Stärkung, die der Verein durch die (Gewinnung einer großen ,Zahl neuer Gönner und durch die hochherzige Spende des Herrn Abraham Jamorv erfahren dal, der die t^üte hatte, dem Verein 500 B!k. zur Gründung eines Fonds zu überweisen, ist vor allem das rege Interesse, das die Mitglieder durch ihren zahlreichen Besuch der Lehrkurse betätigten, hcrvorzuhcbe». -Außer den gewöhnlichen Lehr vorträgen, zu denen sich die Herren Radb Tr. Biberseld. Rabb. Tr. Munk und Tozent Tr. Wohlgemuth zur Ver sügiing stellten, wurden auch in diesem Winter unter leb ba'ster Beteiligung Referate von Mitgliedern mit anschließen dcr Tiskusnon gehalten. Oin schönes Jeiche» für das Herz lichc Oinvernehmen, das zwischen Tozenteu und Mitgliedern berrichl. bildete die Feier der Uebergade von Obrendiplomcn an die Herren Rabbiner Tr. Munk und To.zcnten Tr. Wohlgemuth, die »1 einer zahlreich besuchten Vereins Versammlung am IS. März stalisand. Ten Schluß des Vereinsjahres bildete die am :,'5. Marz statlgehabte General Versammlung. Tie Versammlung wählte folgende Herren für das kommende Pereinsjahr in den Vorstand: Tr. Ob. Biberfeld, Ohrenvorsitzender, Tr. T. Winter, Bor fitzender. Tr. ')I M ו הc0■,!. Schristsübrer . Iames Halber st a d t, 2. Schriftführer, H ans Lehmann, Kassierer, Arthur Wolfs, Bibliothekar. Personalien. Mainz, > April. -Am 1. d. M. wird das hier wobnente Wolf S ch i I l e r ichc Ohepaar das Fest seiner goldrueu Hochzeit begehen. Herr Wolf Schiller stammt ans der altberüdmren jüdischen Familie Lalant und war ein Talmid des Tauroggener Rabbi Jacol׳ Schüler, der erst unlängst das Feitliche segnete. Ursprünglich Schochet, sun gierte er in den fünfziger Fahren in diesem Amte in Memel unter :>!addi Schaje Wohlgemuth, später in Ham bürg. Or widmete sich hieraus einem ausgedehnten Holz Handel >n Hcvdekrug in Lstprenßen, um dann zu seinen Kindern an den Rhein zu ziehen. Möge sich das Schillersche Odepaar. das sich einer seltenen geistigen und körperlichen Früche erfreut, im Kreise feiner Kinder und Onkel noch eine lange Reihe von Jahren bester Gesundheit »itb unge trübten Glückes erfreuen G öl«, nn '.,itftan 5000. Man schreibt uns aus Oöln: Wie ein belehrendes Tenkmal aus längst enlschwundenen Tagen, ragte die vor Kurzem allzu früh Heimgegangene Frau Rebecca Wut in unsere Tage binein. Tie «beschlagene» und Bedrückten, die Verfolgten und Vereinsamten, sie wußten an wen sie sich zu wenden batten in den Stunden des Kummers und dcr Sorge. Tie Lehrer und die Schüler, die Kinder und ihre Grzieber, siundenlang konnten sie mit der fleißigen Frau die Angelegenheiten der Orziehung und des llnterrickits behandeln und besprechen. Hat einer von ibnen jemals eine konventionelle Lüge, eine Phrase des Hochmuts, eine Formel dcr Nichtigkeit von ihr gehört? Kein Wunder, daß die Kunde von den, plötzlichen Heimgänge wie betäubend aus diese Kreise wirkte, Und in ihrem Hause? Alle die lresstichcn Ratschläge, die unierc Weisen in den Sprüchen der Väter uns hinterlassen haben, waren da in schönster Weise erfüllt. War doch ihr steter Wahlspru» zeitlebens gewesen: ~{r2 ־rr־ ~r׳N, wahrer Fortschritt ist nur bei denen, die ihre Wohnung zu Hause haben und deren Haus Tein Haus, ein Gotteshaus ist. ^r-1 ארק־ ne* -r -בארד. Schönheit bat Gott dem Japket beschieden. aber Wohnung nimmt er in den Belten Sems hier ward'» Oreignis. Was sie ihrem 'Manne, ihren Kindern, ihren Lchwiegercllern und ihren Geschwistern gewesen ist. braucht biernach wodl nicht ausgeführt zu werben. Nicht die vor allem sind zu bedauern, die einen solch imniensen Ver lusi erlitten, nickt die Heimgegangene, die von der lieben Stätic ihrer herrlichen Wirksamkeit so jäh Abschied nehmen mutzte, ionocrn oie Welt, der für solch jüdisches הנד, נא־ל Lebe» das Verständnis zum Teil abhanden gekommen iss

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