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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 9

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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5. April 190«. Ter Jsraelil »rnn der Akt unter strenger Beobachtung der gesetz. lich vorgeschriebenen »Formalitäten erfolgt ist. Nun aber habe Bihari seinen Austritt aus der jüdischen Konfession überhaupt nicht angemeldet und von seiner Taufe habe die israelitische Religionsgemeinde keinerlei Verständigung erhalten. Der Taufakt sei daher als nicht geschehen zu betrachten und Bihari habe vor dem Gesetze nach wie vor als Jude zu gelten. Die israelitische RelizionSgemeinde halte fest daran. Nah Bikari bis zu seinem Tode dem jüdischen Glauden angehört habe. Das Rabbinat ersucht daher den hauptstädtischen Magistrat, zu erklären, daß Bihari als Jude gestorben und daher auf dem israelitischen Friedhofe zu bestatten sei. Die Ehewra Kadischa erklärt sich in der Eingabe erbötia. dem verstorbenen Künstler ein Ehrengrab zu überlaffen und für einen der Bedeutung Bibari's entsprechenden Leichenkondukt Sorge zu tragen. Die Begräbniskosten werde der Verein aus eigenen Mitteln decken. Mit Rücksicht darauf, daß der Leichnam Bihari's im Rothen Kreuz-Spital ausgebahrt wird, richtete auch die Ofener Ehewra Kadischa, in deren Bereich das erwähnte Spital fällt, an die Stadtbehörde eine ähnliche Eingabe. Die Witlve Alex. Bihari's hingegen wandte sich heute an den Magistrat mit dem Ersuchen, dem Toten ein Ehrengrab aus dem christlichen Friedhöfe zu überlassen. Oberrabbiner Dr. Samuel K o h n und der Sekretär der Pester Ehewra Kadischa, Dr. Franz M a c e n suchten Len Bürgermeister-Stellvertreter, Jul. Rozsavölghi, auf, den sie über den Sachverhalt und den Standvunkt der israelitischen ReliaionSgemeinde informierten. Der Bürgermeister Stellvertreter erklärte, seiner An sicht nach sei Bibari, falls nicht mittels Matrikelauszugs bewiesen meine, daß er den! E h r i st e n! u m angehö! e, als Jude zu betrachten und dem iSraelitischen Friedhof beizusexen. Sollte sich im Lause der iveiteren Verbandlungen ergeben, daß Bihari als Ehrist gestorben, so werde sein Leichnam exhumiert und auf dem christlia-en Friedhof begraben werden müssen. Der Hauptstädtisch« Magistrat hat jedoch entschieden, daß Bihari nach katholischem RituS bestattet wird, da er sich nicht für kompetent kalte, die Frage der konfessionellen Zugehörigkeit zu entscheiden. Die Veranstaltung des Leichenbegängnisses sei das eigen st e Recht der Familie. llebrigenS sei Bihari laut des vom Abtvfarrer S t i e b e r ausgestellten MatrikelauSzuges und der Erklärung von ztvei namentlich aufgcführten Taufzeugen zum römisch-katholischen Glauben übergetreten. Der Magistrat hat demzufolge dem verstorbenen Künstler im Kerepeser Friedhof unentgeltlich ein Grab überlassen. Die Vertreter der Pester und Ofener Ehewra Kadischa erklärten, daß sie gegen diesen Entscheid Rekurs ergreifen und den Minister des Innern ersuchen werden, die Erhumierung der Leiche Biharis zu veranlassen, damit dieselbe nach isracli tischem Ritus wiederbestattet werden kann. D.e Beerdigung findet heute Freitag, den 40. d. M. statt. Wir glauben, daß der Eifer der jüdischen Be Hörden sich wichtigeren und würdigeren Dinge zuwenden könne, als einem Eingriff in die unbestreitbaren Familien-Rechte einer christlichen Witwe. Der Jude, der einen Lebensbund mit christlicher Familie eingeht, hat in jedem Falle die Konseguenzen zu tragen, die aus einer solchen Verbindung resultieren. Rußland. ' kl rHW WetW' <Don unserem Korrespondenten? Petersburg, den 20. März. Unser altes, bewährtes rr־rr, welches in den letzten Jahren durch unsere beißspornige, kampflustige Jugend zurückgedrängt wurde, hat sich letzthin doch zu einem Schritte aufgerafft, welcher allem Anscheine nach von Erfolg gekrönt sein wird. Ich meine die jüngste Deputation beim Grafen Witte, von welcher ich Ihnen bereits berichtet habe. Der Graf hat nämlich sein der besagten Deputation gegebenes Versprechen eingelöst und ihr Memorandum dem Ministerrat unterbreitet, welcher Beschlüsse faßte, die aller Wahrscheinlichkeit nach die Selbstwehr. wenigstens für die nächste Zeit, überflüssig machen werden. Laut der Zeitung ״Rußtoje Goffudarstwo" (»Der russische Staat"s beriet der Minifterrat in der Sitzung vom 24. Februar ui. Stils! über die Frage: wie neuen Pogromen gegen dir Juden vor zubeuaen sei. und beauftragte den Minister des Innern: l. besonderer Aufmerksamkeit alle diejenigen Umstände zu würdigen, welche auf die Möglichkeit von Ausbrüchen antijüdischer Unruhen an gewissen Orten schließen ließen, zwecks rechtzeitiger Abwehr der Unruhen. 2. Den betreffenden General Gvuver neuren undGouverneuren die Notwendigkeit von Vorbeugungsmaßreg׳!? gegenüber beabsichtigten Greuel taten gegen Judc״, wie auch ihre Pflicht zur Ver Hinderung anderer Vergehen gegen die gesellschaft liche Ordnung einzuschärfen. 4. Den im Ministerrcit ausgesprochenen Wunsch nach Beseitigung der neuen, nicht uninittelbar aus dem Gesetze bezvorgehenden Beschränkungen der Juden zu beachten. Im inneren Zusammenhänge mit diesen Beschlüssen des Minister rats steht wohl ein anderes Vorgehen desselben, über welches das oben angeführte osiizielle Blatt Folgendes berichtet: In der Sitzung von 2^. Februar a. St. beriet der Ministerrat Uber die mehrfach vor gekommene Verbreit,!na von Flugblättern, welche öffentlich zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden auf rufen. Indem der Ministerrat den ungeheuren Schaden anerkannte, den derartige Aufruse anrichten, indem sie einen Teil der Bevölkerung gegen den anderen aufhetzen, wies er die betreffenden Bekörden zu strengem Vorgehen in solchen Fällen und zur Verfolguna der Schuldigen an. Nachdem der Minister rat von den durch d-n Minister des Innern vorgelegten Resultaten der Voruntersuchung der Januar Unruh-n in Hömel, die von einem dazu beauiiragien Mitgliede des Ministerrats eingeleitet wurde. Kenntnie genommen hatte, beauftragte er den Minister des Innern für die iveitere Untersuchung zu sorgen und die Personen zur Verantwortung zu ziehen, welche als schuldig erkannt werden, nicht die gehörigen Maß regen zur Verhinderung und zur Unterdrückung der Unruhen getroffen zu haben. lieber die oben erwähnten Flugblätter brachte die Zeitung ״Ruß" folgende Mitteilung: ״Die An gcleqenbrit der in der Topographie des Petersburger Siadtpräsidenten gedruckten Proklamationen des ״Vereins des russjschcn Volkes" mit dem Aufrufe zur Veriolguna der Juden und ihres Gönners. des Grafen Witte. ist. wie wir erfahren, zufolge An ordnung des Grafen Witte vor die Gerichte gebracht worden, damit die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden. Außerdem wurde der Beredt er lassen, sämtliche bei den Kolporteuren und in den Vcrkaussläden vorhandenen Broschüren in Beschlag zu nehmen." In demselben Blatte lesen wir: ״Wir erfahren daß ssch als Autor des Schwarzen׳ hundert Ausrufes, der in der Topographie des Petersburger Siadtpräsidenten gedruckt worden ist, der wirkliche Staatsrat Lawroks entpuppt Hai, der selbe ist einer der aktiven Leiter des .Vereins des russischen Volkes"." Lawroff war Beamter im Ministerium des Innern, wurde aber gemäß dem Beschluß des Ministerrats, den Autor des Aufrufes gerichtlich zur Verantwortung zu ziebrn, von seinem Posten entfernt. Er und noch andere werden zur Verantwortung gezogen für das Aufhetzen zu Pogromen und zum Mord der Juden und ihres ״Verteidigers", des Grafen Witte. Auf Befehl des Prokurato-rs des Justizpalastes wurde bei Lawrosf eine Haussuchung vorgenommen, wobei eine sehr große Anzahl von Ausrufen des ״Vereins des russischen Volkes" konfisziert wurde." — Zur Charakteristik des soeben genannten Lawroff will ich noch hinzufllqen, daß er in der jüdischen Frage in literarischer Hinsicht als die reckte Hand Plehwe's galt, als dieser Minister des Innern war. Das berüchtigte Memorandum Plehwe's, betreffs neuer Rechtsbeschränkungen der Juden, welche nur durch den Tod von Plehwe verhindert wurden, stammt aus der Feder dieses Lawrofs. — So kühl und zurückhaltend die oben angeführten Beschlüsse des Ministerrats auch abgefaßt sind, so lassen sie uns doch hoffen, daß die russische Judenheit an den bevorstehenden Osterfeiertagen von Kra- Wauen verschont bleiben wird, iiiciiiciwtiis hat tu Minister des Innern nicht verapsäun^^^^^^^^W angeführten Beschlüße Zirkulare Gouverneure und Gouverneure ergehen zu^^^^^W benklick ist es nur. daß diese Zirkulare spätet ausgesandi »norde» sind, denn nach den teilungen der Petersburger Zeiklinge» soll der l.^ rücktigte Aufruf des ״schwarze» Hundert" in einer ungeheuer aroßen An:ahl von Errmplare» nach der Provinz befördert »׳orden sein hauptsächlich in die Goiivtriiew.knts Witebst. Minsk, Kiest, während das Berkalirsverdot vik'er ״Scmvarzc Huilörc, Blätter" nur Mir Vetersbura erlassen worben ist. Peters dura. I. April. Die russische Hunbrlv »nt, Jubustt>czcitung schreibt: Gesuche ausländischer Inden u in Zulassung zum Betrieb von Handel u n d G e werbe irerden vom Ministerium für Handel und Industrie im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern und d»s Auswärtigen entschieden. Di- Ein holung der Gutachten dieser beiden letzteren Mi nisterien erforderte bisher gewöhnlich ni i n d e st e » s «'> M o n a t e . manchmal auch ein ganzes I a d r. Im Hinblick daraus, daß die Heranziehung ausländischen Kapitals zur Anlage von kommerziellen und gewerblichen Nntecnebmuggen sowohl im Jnrcressr ^cr Gntwicklung von HarGel und Industrie, als auch nir Versorgiinq der rnssischen Broölkerung mit E werbsaelegenheieen wiin'chens wert erscheinl bat das Mi-iisterkvinitke eine Frist von einem 'יי< onat Mir die ׳Mnbvlnna der Gutachten der Ministen, n des Innern »nd Au? wärtiaen vo-rge?ch׳ieben. Lausen die Gutachten in diese׳- Frist nickt ein. so ailt dies als Reichen des Ein vcrständnisseS der betreffenden Ministerien mit der Erteiluna der .Konzession, und das Ministerium kii׳ Handel und Industrie entscheidet alsdann das «Ke such von fick aus. Schweiz. Baiel, st. April. Herr Jules Drevtus Vrodski, unser Gemeind« Präsident, hat zu״ <*r irnerung a» seine Eltern. besonders an seinen seligen Vater, den langjährigen und hochverdienten Präß deuten und Ehrenpräsidenten der Gemeind« Basel, dieser die Fumme von 100,000 Franken Mir eine vom Vorstand näher zu bestimmende Stiftung über geben. Gelegentlich der Barmizwah seines ältesten Sohnes hat .Herr Drevlus an sämtliche wobltätiae Anstalten unserer Gemeinde beträchtliche Summen verteilen lassen, indem er nach dem Worte ’לי"'’,?"1־־ wollte, daß seine Freude zu einer allgemeinen Freude würde. Frankreich. Paris, 3l. März. Das ehemalige Kon sistorium hat vorige Woche eine Anzahl Notabel» zur Beratung der durch das Trennungsgcsetz ge schaffenen Lage rinbrrufen. Narcis Leven präjidierte in Vertretung des abwesenden Gustav von Rothschild. Es wurde dargelegt, daß die Pariser Gemeinde, abgesehen von den Kosten des Sammelns und irgendwelchen Beiträgen zu Leistlingen an un fähige, benachbarte Gemeinden eine JahreSausgad« von 170.000 Francs zu decken haben wird. Dabei sind die Beiträge für eine Gesamtorganisation der französischen .Kultusgemeinden noch nicht brrücksich tigt. Die neugebildete Neformqemeinschast erklärte innerhalb der Gemeinde verharren zu wollen, voraus׳ gesetzt, daß man ihre Wünsche in der Synagoge derückstchtigt. Gg wurde ein Komitee ernannt, das zusammen mit dem Konsistorium die Grundzüge für oie künftige Gestaltung der Dinge fesistellen soll. V n g l a n v. London, 31. März. Zu einer lebhaften Auseinandersetzung kam es in der JahreSversammlung des Board of Guardians, aus dessen Bericht wir schon einige das LehrlingSwerk betreffend« Einzelheiten mitgeteilt haben. Herr Greenberg. der bekannte Zionisienführer, warf dem Board vor. daß er sich an der Ausführung der Alien Bill beteiligt hat. Man hätte diese Bill boykottieren sollen! Dieser A$2$B

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