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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 8

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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'J<r. Ii׳*u. K». öfit« h. Ter ■3*tatUt. •־>. April 1!*XV usw. uf;k>., das es sich zur Aufgabe gemacht hat. die zur Auswanderung entschlossenen Elemente in Os!׳ eu.opa über die Verhältnisse in den neuen Ein wandklungSgebietesi zu informieren, und eine A»S tunfissteUe für jüdische Auswanderer nach den süd liehen Lander» zu gründen, welch« zuverlässig An fragen beantwortet und durch die Presse informatorisch wirken will. Das Bureau soll die Aus- Wanderung nicht fördern, im Gegenteil alle diejenigen vor der Auswanderung warnen, die sich nicht absoli't *!״für *־יייח hi* sormationen dienen, die vermöge ihres Berufes und ihrer Intelligenz als Landwirte, Handwerker, qualifizierte Arbeiter etc. sich für diese Länver eignen und von denen anzunehmen ist, das; sie in ihrem Vesiimmungslande sich leicht eine Existenz werden gründen können. Berlin. 2 April. Zn Ar. 13 dieser Zeit schrift wurde in einem Artikel das!üdische Auswandererelend während der Ueberfahrt nach Amerika geschildert. Es ist tief bedauerlich, dass, nachdem mehr als fünfzehn Jahre schon die Massenauswanver ung nach den Vereinigten Staaten anhält, erst jetzt Zustände besprochen werden, die nie hätten eintreten können, ivenn die massgebenden Personen und Ver eine ihr Augenmerk nur um ein n>enig<s!veiter ge richtet hätten, als sie wirklich getan. Verfasser dieser Zeilen bot bei acht Amerikafahrten auf fast allen Linien, die empörendsten Vorkommnisse beobachten und öfter dagegen energisch protestieren inüsien. Dir Behandlung der jüdischen Auswanderer i't auf keinem Schiffe freundlich, dagegen oft bis zur unerhörtesten Rohheit brutal. Das Schnfsvolk ist zumeist schon so daran gewöhnt, die schutzlosen Juden mit den gemeinsten Schimpfworten zu beleidigen, ihnen auch zuweilen mit Tätlichkeiten zuleide zu gehen, dass sie schon förmlich erstaunt sind, wenn man ihnen abwehrend entgegentritt. Die Offiziere erfahren selten davon, weil die verängstigten Menschen nicht wagen, sich zu beklagen und wenn sie erst wieder an Land sind und andere Sorgen an sie derantreten. nickt zu bewegen, Klcgen anzubringen. Meine Publikationen über solche Ausschreitungen gegen jüdische Auswanderer haben vor einigen Jahren eine heilsame Wendung auf den französischen Schiffen veranlasst und die Direktion zu geeigneten Schritten bestimmt. Auf englischen Schissen soll es am schlimmsten bergcben: am besten scheint mir. werden die Auswanderer auf den belqiscden sRed Star Line) Schiffen behandelt, leidlich auf deutschen. Würden unsere grossen, jüdischen Wohlsabrts Institutionen es sich zur Aufgabe machen, ihre *ih sorge nickt nur bis zur Schifssplanke. sondern auch über die Dauer der Fahrt hinaus den Auswanderern angedrihen zu lassen. so würde nickt die Ueberfahrt für 90 Proz. derselben eine schmerzliche Episode auf ihrer Wanderung nach einem Ruhepunkt auf dieser Erde bleiben. Da voraussichtlich die Auswanderung der ofteuropäischen Juden ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat. so ist es an der Zeit, endlich einmal energisch dafür einzutreten, dass auf allen Amerikalinien für diese armen Menschen nicht nur lheoretische, sondern auch praktischc Maßregeln getrossen werden, welche sie auf hoher See vor dem Hass und der Bosheit roher Patrone tatsächlich schützen. Wenn es mir, als einem einzelnen Passagier, schon öfters grlunqen ist. ein paar bösen Buben das Handwerk gründlich legen zu lassen, so wird eine grosse Hilfegesellschaft wohl auch für die Dauer Zehntauienden unserer schon ohnehin geschlagenen Brüdern nachdlücklichen Schutz angedeihen lassen können. Ihr Arbeitsfeld hört eben an der Abfahrtstelle noch nicht auf. K Hamburg. 30. März Am 27. März fand im Börsensaalr ver öffentlich angesetzte Verkauf der alten Gemeindesrmagoge (Elbstrasse). der sogenannten ״Altonaer Schul", nebst Borgedäuden statt, da diese Synagoge mit der Fertigstellung d«S Neubaues am Grindel, zu den Herbstfriertagen ihrem Zwecke ent zogen wird. Ter Erlös (220,100 Mt.) war etwa 70,000 Mt. höher, als man seinerzeit angenommen hatte. Diese Summe wird nebst einem zinssreien Darlehen von 50,000 Mt. dem Synagogenverdand überlassen, der vertragsgemäss daraus, sowie aus eigenen Mitteln und 200,000 Mt. freiwilliger Spenden, die Kosten des Neubaues zu bestreiten hat. Ueber die Gewährung des Darlehens von 50,W» Mt. herrschen in der Gemeinde Nieinungsverschiedenhe.ten, deretwegen jedoch eine Verständigung zwilchcn Geijtih kommen wird, da!a die Gemeinde, obgleich sie im Jahre 1867 die Verwaltung des Kultus an den Shncgogcnverband abtrat, an der würdigen Gestaltung des Kultus ein bedeutendes Interesse hat und eallezeit betundete. Noch den Bertaufsdedingungen findet dic Uebernahme erst zu Neujahr statt und muss die alte Sqnagoge. damit sie nicht vom Käufer zu pro fanen Zwecken in Anspruch genommen wird, abgerissen und alle daran oder darin befindlichen zum Kultus gehörigen Gegenstände, die der Verkäufer als solche reklamiert, an diesen abgelielert werden. In der Wahl des neuen חזן des Herrn Rosen zweig aus Prestburg, der eine bedeutende Begabung an den Tag legre, war die G-meinde. nach aller Meinung, recht glücklich. Man plant nun auch die Anstellung eines Hilfspredigers, da man dem יב nicht aut zumuten kenne, den!vciten Weg von seiner Wohnung in der inneren Sladt nach dem Grindel — eine aute halbe Stunde - zu machen. Ueber die Zweckmassigkeit einer solchen Anstellung gehen die Meinungen weit auseinander. Abgesehen von allem anderen, sind wir glücklicherweise in Hamburg noch nicbt auf dem Punkte, dass wir in der Predigt etwas so überaus Wichtiges, etwas Unentbehrliches, sähen. Und dann, warum soll denn die ganze Krafr des Shnagogenverbandes, dem doch die a e j a in t e Kultuspflege obliegt, dem Gottesdienst in der Svnaqoge geopfert werden. Andere Gemeinden haben dielen ,Rebler schon lange bereut. Oesterreich-Ungar« Link Tauft im jüdischen Spitalk. (3?on unserem Korrespondenten.) B u d a p e st, 30. März. Im hiesigen jüdischen Spital wurde dieser Tage im geheimen eine Taufe vollzogen. Der Täufling ist der bekannte Maler Alexander B i h a r i. der seit mehreren Tagen im Spitale schwerkrank darniederlag. Die Taufe wurde durch seine Frau, eine Katholikin, mit der er vor einem Jahre st a n d e s - amtlich getraut wurde, veranlaßt. Dieser merkwürdige Vorfall in einem jüdischen Spitale Hai sich unter Erscheinungen abgespielt, die es verdienen, in einem jüdischen Blatte registriert zu werden. Der Borsiand der israelitischen Gemeinde hat dem kranken Künstler ein separates Zimmer zuge wiesen und verfügt, dass der Patient mit der grössten Sorgfalt gepflegt werde, eine Begünstigung, die sonst nur gegen Bezahlung der vorgeschriebencn Gebühren eingeräumt wird. Talmudgelehrte, dir die hoben Separatzimmer.-Preiie nicht entrichten können, müssen sich damit begnügen, mit 20 b!S 30 anderen Kranken zusammen in einem Saale zu liegen. Der Künstler wurde bevorzugt. Sogar seiner katholischen Gattin wurde vollständige Unterkunst im Spital de willigt, damit sie an der Seite ihres Gatten!veilen rönne. Der Zustand des Kranken war ein sehr be denklicher und niemand wurde zu ihm gelassen. Inzwischen suchte nun Frau Bihari den Spitalverwalter. Herrn Samuel Lichtmann, in dessen Amtszimmer auf und fragte ihn, ob sie die Taufe idreS Galten vornehmen lassen dürfe. ,.Da dir Aerzte jede Hoffnung aufqaben" — sagte die fromme Gattin — ״bat ich händeringend meinen Mann, er möge doch sein Gewissen erleichtern, sein Testament machen und sich taufen lassen. Mein Mar.n hat mir noch bei der Zivileheschliessung versprochen, dass er zum katholischen Glauben übertreten werde. Nun ist er schwerkrank, und ich muss mit der Taufe eilen, so lange es nicht zu spät ist." Der Verwalter meinte, dass der Taufakt in einer jüdischen Anstalt ein gewisses Befremden erregen würde, er glaub« kaum, dass die Erlaubnis hierzu erteilt werde. ivt Gattin d«S Künstlers aber ließ die Sorge um dessen Seelenheil keine Ruhe, und als mehrere Spitalsbeamre sie beruhigten, dass es keine strafbare Handlung sei, wenn sie auch ohne vorherige Erlaubnis die Taufe vornehmen lasse, holte sie rasch einen bürgerlich ce kleideten Geistlichen mit zwei Zeugen und liest ihren tobtranfep Mann taust». Die Zeugen waren gar nicht im Zimmer des Patienten, der bartlose Mann allein weilte dort eine kurze Viertelstunde. Als der angebliche ״Geistliche" hcrauskam, hatte er ,in» K; n ״ i n n , an Nun wusste jeder bau die Taust des kranken Künstlers vollzogen worden war. Eine recht sonderbare Haltung hat die Der Wallung des Krankenhauses bei diesem Vorgang an den Tag gelegt. Man begnügte sich mit der prinzipiellen Erklärung, dass die Taufe ,mit" ihre« Einwilligung im Spitale nicht geschehen könne. Die Gattin des Künstlers verstand, wieviel diese ״prinzipielle" Weigerung der Spitalsleitung zu be deuten habe, und bat einen Tag später auch um die Erlaubnis, sich mit ihrem Manne nach katholischem Ritus kopulieren zu lassen. Der Verwalter Samuel Lichtmann, fühlt wieder ein menschliches Rühren und erwiderte, er habe von der eifolgten Taust ״offiziell" keine Kenntnis, da es sich aber um einen Schwer kranken handle, könne er die Erlaubnis nicht ver weigern. Die jüdische Spitalsleitung hat also die Taust eines schwerkranken Juden, der viel leicht deswegen gerade hier Unterkunft gesucht, um in schweren Stunden unter Glaubensgenossen zu sein, nicht verhindert, zu ver hindern qarnicht versucht und gegen diese katholische Kopulicrung nichts einzu wenden gehabt. Es ist aber allgemein bekannt, dass orthodoxe Rabbiner und sonstige gesehestreu? Juden auf die Wohltaten des jüdischen Hospitals verzichten müssen, wenn sie Gewicht daraus legen, auf eigene Kosten von ortbodoxer Küche gespeist zu werden. Wie bei allen jüdischen Institutionen der Budapestcr Rkformgemeinde sind auch in diesem Hospital die Kaschrusverbältnisse durchaus nicht befriedigend. Hierzulande weist jedermann, dast einem gesetzestreuen Juden die neologe Schechitah als ncweloh und trefoh gilt. Aber für orthodoxe Juden haben die mosaischen Pbilanthropen kein Fünkchen Toleranz. Der Taufakt selbst ist noch in ein gewisses Dunkel gehüllt. Die Zeugen weigerten sich nämlich, das Protokoll des Taufaktes, dem sie nicht persönlich beiwohnten, zu unterfertigen, bis sie nicht aus dem Munde des Patienten erfahren hätten, ob die Taufe wirklich vollzogen wurde. Als sich die Herren zwei Tage später in das Krankenzimmer begeben wollten, kam ibnen die Gattin des Künstlers entgegen und sagte, dast sie es nicht gestatte, den Todkranken durch Fragen aufzuregen. Die Herren entfernten sich und erklärten, dast die Angelegenbeit nunmehr für sie er ledigt sei. Nun wollte die Dame ihren Gatten aus dem Spitale wegführen lassen. Tie Aerzte lehnten es ab, für die Folgen des Transportes die Derant Wortung zu übernehmen, die Frau beharrte jedoch bei ihrem Wunsche. Sie unterfertigte eine Erklärung, wonach sie die Ueberführung des Kranken, trotz der Ein sprach« der Aerzte, auf eigene Verantwortung vornehmen lasse. Ein Transportwagen der Rettungsgesellschast brachte den Kranken ins Elisabeth-Spital des Rothen Kreuz Vereines. Dort sind die Taufzeugen nicht so rigoros. Der arme Künstler! Er hatte gewiß nie eine Ahnung von der alten jüdischen Tefillah, die da lautet: rvrn ת־ם6:י ,Er! Und er hatte vielleicht auch davon keine Ahnung, dass während er in einem jü dischen Spital, in einem Zimmer mit Mesusah tot krank danitderliegi. seine arme Seele zwangsweisr dem Schutze eines Glaubens empfohlen wird, zu deni er sich im Leben nie bekennen wollte. Um Bibaris Leichnam ist — wie es voraus Zusehen war — zwischen der israelitischen Religions gemeinde und Witwe, resp. der katholischen Kirchen gemeinde, ein Streit entbrannt: beide Parteien rekla mir?» den Toten für sich. Die Pester Ehewra Ka discka richtete, wie das ״Neue Pester Journal" be richtet — im D.'rein mit dem Pester Rabbinat eine Eingabe an den hauptstädtischen Magistrat, worin ausgeführt wird dass das Gesetz über die freie Reli gionsausübung vom Jahre 1896 auch auf die israe likische Religion Anwendung hat. Im Sinne dieses Gesetzes ist der Uebertritt aus einer Konfession in i eine anvrre nur dann als rechrgilrig zu brrrachien.

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