Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 14 & 15 (5.4.1906)
- Date
- 1906-04-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Stil« ו 1}יג ז t u I > ־». April U«»l._ man in den Schilderungen gar nicht zu überkreiden braucht, und andererseits wieder sind die Bachurim von solch tiefer Ehrfurcht für ihre Lehrer erfüllt, daß sich" alle Aenßerungkri von diesem Gefühle beherrscht sei« werden. Es ift eine alte Wahrheit יאז;־ך •-.-»*;ד דבר פאדזר־ך daß wir uns gewöhnen muffen, auch die Worte derer zu beachten, die hinter uich ,leben und ״Heil dein Geschlcchte. in dem die Großen auf die Kleinen hören". Wir stellen unseren Vorschlag bei» Kongreß zur Verfügung. Möge ^>as Vorbaben der Bachurim von oeni gewüniailr» Erfolg gcnöin sein. Die Leiter der ungarischen Orthodorie, und an ihrer Spitze der Mann mit dem warmen Herzen und dem weiten Blicte, Adolf I r ei n! l. sieben dem ,Ronaiesse sympathisch gegenüber, denn sie w!,sru. daß es durchaus nicht genügt, das; oie Burg von außen gefestigt wird, wenn innerhalb der Vurgmauern die Soldaten fallen. Die Organisation ist die Icsligung der Burg der Gesehestreue von außen, sic bleibt aber wertlos, wenn innerhalb der Burg die Soldaten, die zukünftigen Träger der Lehre, die Bürgen unserer Zukunft, »erhungern. Die Erhaltung der Lehre ist unsere Lebensaufgabe, wir wollen sie nicht Preis geben, Es bliebe sonst ״die Tochter ZionS wie die Hütte im Weinberge, wie die Herberge im Wurltn seid, selbst wenn sic noch so sehr befestigt würde". Die hier behandelte Irage ist so sehr eine Lebensfrage der ungarischen Orthodorie, ja der ganzen gkschestrelien Iudenheit, daß all die anderen fragen, auf die wir noch zurückkommen weiden, hinter ihr zurücisteben müffen. An ihrer Lösung sollten alle berufenen .streifen Mitarbeiten, denn nur die Erhaltung und Stärkung der Pflanzstätten der Thorawiffenschaft verbürgt uns eine sichere Zukunft. kmcii faadb>ndit*w. Deutsches Reich. Frankfurt 6. M., .'ll. März. Der Vor stand der Israelitischen ReligionSgefellschaft in Frankfurt a. M. wird mit (.Genehmigung des Kultus Ministers zu Ostern dieses Jahres A u s b i l dnngsturfe für Israelitische lsteli g i o n s l e b r e r i n n e 11 ins Leben rufen, die der Leitung des Herrn Direktor Dr. Lange iintersteben. Die sturse sind zunächst für die ein Lehrerinnen scminar besuchenden jüdischen jungen Mädchen de stimmt und sollen in einem vierjährigen Lehrgang diejenigen stenniniffe gewähren, welche erforderlich sind, um den jüdischen Religionsunterricht an höheren Mädchenschulen zu erteilen. Die Teilnehmerinnen muffen sich über ein gewiffes Maß von Lorker.nt niffcn im Hebräischen auSweifen. Der Unterrichk er streikt sich auf Tnach, Jüdische Gcfchick>te, Grammatik Systematische Religionslehre und praktische Lehr proben. Rach Beendigung der sturse wird vor einer aus den! Leiter und den Lehrern der sturse bestehen den stommiffion eine Prüfung abgelegt, auf Grund deren die Besucherinnen ein Zeugnis über ihre Be fähigung zum Religionsunterricht erwerben können. Voraussetzung für die Erteilung des Zeugnisses ist jedoch, das׳, die Kandidatinnen die allgemeine Lehrerinnenprüsung oblegen. Die neue Einrichtung ist besonders deshalb mit großer Ireudc zu begrüßen, weil hier zum erstenmale den jungen jüdischen Lehranitsaspirantinnen die Möglichkeit geboten wird, an einem im gesetzestreuen Sinne geleiteten und zu gründlicherem Quellen studium führenden Unterrichte in den religiösen Fächern teilzunehmen. Die sturse sind indeffen so eingerichtet, d a ß such junge Mädchen, die nicht die Absicht haben, Lehrerinnen zu wer» Der Israelit_ den. wokl atwr die nötigen Borkenntnissc de sitzen, mit Ruten an ihnen teilnekmen können. Es ist anzunehmen, daß von dieser Möglichkeit in recht großem Umfange Gebrauch aemacht ioerden wird, so daß die neue Einrichtung vielleicht eiiieii ersten Schritt aus dem in diesen Blättern unter der lieber schrift ״Die Reform der Mädchenbildung und die jü dische Erziehung" vorgezeichnrten Weg bedeutet. In der Tat kann es im Hinblick auf die oft verheerenden Einflüsie, denen gerade bildungseisrige junge Mäd i״ bi 4 :rüischsicn Zeit ihrer inneren heute auSgesebt sind, gar nicht hoch genug ange schlagen werden, wenn ihnen an der band er fabrener, vielseitig gebildeter Lehrer ein innere׳. Hali gegenüber den aus Literatur und populärer Wiffen schast cindrängenden!v!dc׳.fpr!!chsvoll׳n Geistes?!römungcn geboten wird. Vrikfk von öcr 5^prkk. <Bon »»serem Norresvondciileni. IX li, Berlin. April. Zu einer (Zi e d a ch t n i S f e i e r für Gabr i e l R i e ß e r , aus Anlaß von deffcn huiiderisien Geburtstag, hatte für den gestrigen Abend der hiesige ״Verein kür jüdische (beschichte und Literatur" seine Mitglieder und solche (Ehrengäste, bei denen er ein Intcreffe für diese Ieier voraussetzen durfte, einge laden, und >'o dankbar war die Einladung ausge nom-nen worden, das: schon lange vor Beginn der aus x1•; 11 hr ange setzten Ieier der große Saal oer ״Gesellschaft der Ireunde" bis aus den lehren Platz gesülll ׳,aar. Es gibt in Berlin e׳n wahres Heer jüdischer 'Vkrsamm>l1nqshahitu>׳s. die überall, wo eine Ieier, ein Bortrag, eine Festlichkeit stattfindet, dabei sein müffen, mag ibnen der An laß noch so gleichgültig, das Thema noch so fremd sein, und die es denn auch fertig dringe», trotz des o übermäßig betätigten Bildvngs und Präsenzeisers von all den Dingen, dir sie gehört und geiehen, io wenig mit nach Hause zu nehmen, daß sie selbst auch nur von der allerelcmeiitarsten Sachtenntnis völlig unberührt bleiben. Es muß mit Genugtiinng begrüßt werden, daß diese Art Publikum gestern in ver schwindender stleinzchl verircten, dagegen in ׳echt guter Vertretung diejenigen streife zur Stelle waren welche für Wesen und Art einer Perfönlichküt wie Gabriel Rießer stch ein 'Verständnis eröffnet haben. Die Heier begann stimmungsvoll mit de»׳ vom Ebor der Lindenstraßensvnagoge unter Leitung des Musik direktors, Herrn William Wolf, meisterhaft vor getragenen ־ נע—ךrr יץ־ Die Gedenkrede hielt Herr Prof. P h i l i P p s o n , der in Gabriel Rießer die Berkörperung der Gerechligkeiisliebe, des Dranges für di.׳ Gekränkten und in ihren Rechtsansprüchen Verkürzten, welch Standes, 'Volkes und Glaubens immer, cinzutreten, schilderke und aus diesem (׳'rund zuge seines Viesens die bewundernswerte Tätigteil herleitete, ivelchc die eiqciitliche Lebensaufgabe und Lebensarbeit Rießers bildete, seinen une»müdlichen, erfolggesegmlen stampf für die Emanzipation seiner Glaubensbrüder, "lb-׳r so wenig ließ diese Seite seines Wesens sich von seiner Gesamtiveltaussassung loslöse», daß er z. B. für die Rechte Schleswig Holsteins gegen Dänemark ausrrat, obwohl diese: Staat allen anderen voran die Gleichberechtigung der Juden damals oereits durchgeführt hatte, während sie in allen deutschen Staaten mxfi rechtlos und vaterlandslas waren. Gabriel Rießer habe die Juden gelehrt, nicht mehr zu bitten und ihr Recht zu er kaufen sondern es zu fordern und hierin ist die ganze moderne Iudenheit seine Schülerin geworden, — mit Ausnahme ein«: kleinen, hyperorthodoren Gruppe in Süddeutschland, wie der Herr Redner völlig deplazierter Meise unter dem Schutze der ihm allein verstatteten Redefreiheit zu unterstreichen sich nicht versagen konnte! Gabriel Rießer blieb tinsam und ging ohne Iiamilienglück durch das Leben; aber er genoß dafür das höhere Glück, das gelobte Land, nach dem er Zeit seines Lebens hinqestrebt. die bürgerliche Gleichstellung seiner GlaubenSgenoffen, wenigstens auf dem Papiere, zu betreten. Ehorgesang beschloß die ffeier. Es tut wohl in unseren lagen, da» Ledensdilo eine» Mannes vor sich erstehen zu sehen M in feiner Jugendzeit seine Brüder im Dunkel der Recbtlosigkei: verkümmern und am Ende seines Dniein» die Sanne der fsreideii und Rechtsgleicbheii ibnen an»rect!e׳., sab. Sind doch unsere Tage, ist doch die Zeit, in der wir leben, nur allzusehr angetan, daran verz׳v׳i»,ln zu lafft», ob Gerechligkeil unl Meiit'chlichkeii in?er Ueberkuttur des LO. Iahrbunderis. ivenigstevs für uns Juden denn wirklich noch einen Platz, '.׳e basten baden. Roch flehen wir nnier dein Schauer des Eindruck», den die Leiben unferer rui'lschcn E-laiibensbrüder n uns wachgernsen noch ׳refsin täglich, stündlich Opfer bei Pogrome. Jammer gestalten, oie von der verlierle», viebisste״ '.'Raiter tunst der ruffischen Gesinnliiiasgenossen des >׳׳tzi so vielfach gefeierten Herrn!>. Adolf Sia.ter fnr ibe ganzes Leben z» strüppeln geschlagen wurden. hier ein: l'chon verzagt die aufs Ae»ßer«'?e angeipannte mildtäli.ik Bruderliebe, ״>, hief etti unermeßlichen Elend gcgeniider '"tk11fchenkre.fi üb-rbauvt Hit׳ oder auch nur Linderung bringen kann Dielen Moment hält der Herr Polizeipräsident von 'Berlin für den gecig,!eisten, um wahllos lausende der Ilüchilinge. die in Preußen einen llnterfchlups, Brot für ibren Hunger, .Heilung für ibre 'küunde» Gastfreundschast. bis sie in ihre Heima« ׳,uriitftehren tonnte,1, fliebten, als lästige Ausländer" auszuweisen.' 'Es hilft nichts, n׳enn die 1!«׳.׳ der Ordre Betrv'fenen nach weisen, dein sie als tüchtige VIrbeiter sich ehrlich und ansreichend ibren Lebensunterbatt erivcrbe», daß sie nie die Arnieiiunierstühliiig in Anspruch genoiumen, nie mit den Gesetzen in .stonslikt gekommen sind tut nichts, der Hude!vird verbrannt! lind da»?ollste des lolle!!׳ tau!!! bat die ״Ruffifche Telegraz׳!׳«» agentur" der russifchen Preffc diese Vorgänge über miiielt, so ייז auch schon der Dementierapparat zur Hand, um zu behaupten, daß in den letzte» W-ochen durchschnittlich ״nur" 50 *50 russisch« Ilnterlaiirii die Aussorderuna erhalle» haben, das preußische Staats gebiet zu verlaffen. Auch sei diese Aufforderung an mittellose und befctiästigungslosc rusiische Staats angebörige ergangen, von denen man deiürchlen mußte, daß Nr dkl öfsenüchcn Armenpslkgr zur Latz fallen würden, seiner an solche Personen, die sich nicht im Besitz der ersorkerlichen Ausweispapiere bEanden, Und ׳) ׳!״ e r a l e Blätter" gewähren diesem unglaublichen Dementi Ausnahme! Hübrwabr: träte ein Gabriel 'Rießer heute als Anwalt des Rechts für seine Glaubensbrßder aus, seine Siiiume verhallte unaehört ׳n der Wüste der Herzlosigkeit und »er Eiacnsucht, in denen wir es heutzutaae '0!׳eirlich weit gebracht. Berlin, L", März. Man ׳'brobt uns: Infolge der niigiinstigen politischen Berhällniffe in Rußland und Rumänien ist in den letzten Jahren bekanntlich eine ständige jü difche Aiistoandernng an» diefen Länder» in: Gange, die zuletzt pro Jahr eine Ziffer von etwa 100,000 Seelen erreichte. In den meisten sfällca war das Ziel dieser Auswanderung die Bereinigten Staaten von Rord Amerika, und unter diesen in erster Reihe Rewvork »nd die östlichen Staaten der Union. Rewyork ist z. Zt. die größte üidifche Ge meind« der Welt, mit einer Seelen zahl von üder 750,000׳ Juden, und es siebt zu befürchten, daß eine!veitere Berscherrfung der Ansprüche in Ellis Island seitens der Regierung der Bereinigten Staaten ein treten könnte. Seit längerer Zeit sind daher Bestreb ungen im Gange, einen größeren Teil dieser Aus Wanderer nach anderen Gegenden abzulenkcn. In Rewvork arbeitet seil einigen Jahren ein jüdisches Komitee in diesem Sinne. Unter di-fen Umständen ist es im Interesse der durch die bekannten Zustände un Zcrrenreiche zur Auswanderung aezwungeneu russischen Juden, dringend geboten, neue Einwandrr unqsmöqlichteiten für diese zu schassen: als solche kämen in erster Reihe in Betracht die Südstaaten der Union, sodann aber auch einig« Staaten des ge mäßigten Südamenta. Es hat sich nun in Berlin ein Konnte gebildet, dem u. a. angeboren: die Herren Direktor Oscar Oliven, Dr. Alfred Klee, Ehrf- Redakteur Dr. I. Landau. Professor Dr. Otto Marburg, Dr. Rüdesbeimer, Redakteur I. Wiener, Dr. Soberizhef׳״. Rabbiner Dr, Rosenak in Bremen