Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 14 & 15 (5.4.1906)
- Date
- 1906-04-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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!14 ז1י u. 1r>. Leite Der Israelit. »April IR .<־. geschrieben: sv »nien אד , sondere dich nicht von der Gemeinde ob! 3p rufen auch alle diejenigen, welche kaum wissen mögen, wo dieser Aukspruch sich findet. Und diejenigen, die da wissen, dass dreser Satz zur?Nischnah, in den Sprüchen der Väter Kap. 2, gehört, mögen noch immer nicht seine eigentliche Bedeutung kennen, die eine ganz andere ist. als die, welche dem unrichtigen Schlagwort, zu dem jener Sah geprägt worden ist, gegeben wird. Wir wollen dies näher untersuchen. Dir M2HNUNA Hille!'-: ״Svndeee dich nickt von der Gesamtheit ab" findet in den talmudischen Quellen an mehreren Stellen ihren Kommentar. GS sei nur der wahrhaft rührende Ausspruch in Taanit ll hervorgehoben: ״Zur ,-seit da Israel in Nöten u״d Schmerzen sich befindet, und G׳ner an« ihrer Mitte sich absondert, um am Unglücke der Gesamt beit nicht teilzunehmen. erscheinen die zwei Gng-l, welche sonst den Menschen begleiten, und legen ihre Hände auf den Kops des sich Absondernden und sprechen: Dieser, der sich von der Not der Gesamtheit losgesagt hat. er soll auch die zu erhoffende Tröstung nicht sehen. Daher auch Matmonides in den Borschristen über Teschuwa Kap. 'i Hat. ll schreibt: ״Wer sich lostrennt von den Wegen der Gesamtheit, wen» er auch leine sündhafte» Taten begeht lalso z. B. das Sitteiigisetz respektier׳», aber sich adsondert von der Gemeinde Israels, indem er ihre religiösen Borschristen nicht übt. nicht mit eintritt in ihren leidensvoUcn Instand, nickt mitfastet an ihren Fast tagen, sondern wic Einer aus den nicktjüdischen Kreise» seinen Lebenswandel einrichtet. als wenn er gar nickt zur indischen Gemeinschaft gehörte, ver-!irrt seinen Anteil am ewigen Leben." Hier erscheint das jüdische Z i b b u r in einen! ganz andere» Sinne als in dem gewöhnlichen Schlag׳ wort ק ולצב־־ tr'cr איי, mit dem die Nesormer schnell jeden Kamps auf dem religiösen Gebiete und innerhalb des jüdischen Ledens abzuiveisen glauben. Wir scheu aber, dass ein jüdisätes Zidbur mit dem vom Staate gesetzlich gebildeten ׳Gemeinwesen durchaus nicht identisch ist. '.stich' die gemeinsame Steuerkasse, aber das gemeinsame religiöse Bekenntnis und die gemäss desselben geschaffenen Ginricktunaen machen t-ie Gemeinde zur jüdischen Gemeinde. Daher baben an oersch.edcnrn Qrten, da, ivo die indisch religiösen Griiieiiidc Institutionen in die leitenden und gestoltendcn Hände *er aesetzverwerfenden Virologie ge :atkn sind, und nach langem Dulden und Kämpfen die iKesetzestreuen endlich das völlia Bcrgebliche ihres Bemühens eingeselxn, innerhalb des bisherigen Ge meindenerbaiide^ .ine Riickicbr ׳,ur religiösen!ichkcit. und damit eine Möglichkeit ihres ferneren Berbleibens i» demselben herbei zufiibren, überall da haben sich die dem allen Bekenntnis des jüdischen Nkligionsgeseyes üreugedliebenen von dem mit dein Neligioiisgescyc zerfallenen Gcmeindewet'en losgesagt und haben ein neues, selbständiges religiöses Gemein-, wesen aut dem Boden des altcn unvcrdrüchlichen iü dische» Religionsaetetzes gegründet «Irschurun X>'i, S. l2U>. Sic Halen ein jüdisckvs Zibbur im wirk liehen Sinne des Wortes hergestelli. welcheaucl. von Seiten des Staates die gesetzliche Sanktion erhalten hat. Sie haben allen Legalen und BenUieien gern entsagst alle Qpser gern gebracht, 11 in nicht ferner unter dem Zwange einer Gewissenswirdrigkeit zu leben. Fortan bestehen zwei paritätisch gleickbrrecktigre Neligionsgcnosienschasten neb.meinander. von denen jede friedlich schiedlich ihre eigenen Weae geht. Der wahrhaft Gebildete,!reicher sich das Gemüht für Neckt und Gcrechligkeil ungeschmälert bewahrt hat, wird die Achtung dem religiösen Gegner nicht rer sagen, der unter den grössten Schwierigkeiten und teuersten Opfern das ererbte traditionelle Judentum ,'iir sich und seine Kinder erhallen ivill. B e r c i n! werden irir uns die Hand reichen, wo es gilt. Werke der 'Wohltätigkeit im ecknjiidisckien Sinne zu fördern. B e r e i n t iwrbcn wir auch eine Phalanr bilden, wo es gilt, den äusseren Feind ׳,u bekämpten ober abzmvebren. «־ « klktielt grtits it Irr ״iMn Aldilttic. Äon Rabb Tr. Herm«»» KIei> Kronstadt 1. Bon verschiedenen Seiten werde ich bestürmt, über die Bachurimvewegung, die gegenwärtig mehr denn je von sich reden macht, in vielen Blättern zu berichten. Ich komme dieser Aufforderung uw. so liroer nach, a>s ich oiefcr Äeivegung vom :aeguuti־ u» ourchaus sympathisch gegenüber gestanden habe. Ich habe aus dieser meiner Sympathie kein Hehl gemacht und habe bereits im vorigen Jahre Gelegenheit genommen, in diese» Blättern über die Bewegung zu verichlen, ebenso wie ich es für meine Pflicht erachtete, vor einigen Monaten in dem Organ der ungarischen Bachurim mit konkreten Vorschlägen für die Bewegung Stellung zu nehmen. Die Frage, um die es sich hier handelt, ist von solch hoher Wichtigkeit, von so bedeutender Tragweite für das Thora׳ studium im Allgemeinen, daß sie eine ausführliche Behandlung dringend erheischt. Wir wollen nun vor allen Dingen die Geschichte dieser Bewegung in kurzen Umrissen uns vor die Augen führen, um dann das Problem selbst näher zu beleuchten. Bor mehr denn Jahresfrist gründeten einige Bachurim eine Zeitschrift ״Nit,- Bachurim", die unter der sachkundigen Leitung dcs Herrn Bictor K a tz b n r g Waitzen steht. Diese Zeitschrift hatte sich das Ziel g-steckt. das Interesie der Bachurim. sotoobl geistig als auch materiell zu fördern. Die ״geistig« Hebung", um uns eines seit neuerer Zeit landläufigen Ausdrucks zu be dienen, glaubten die Begründer in der Weise dewerkstelligen zu können, dass sie in dem Blatte ein Organ für die Geistesprodukte der Jünger der Wisset:- sckiaft schufen und sie so zu selbständiger Arbeit an spornten. Die ״materielle Hebung" sollte dadurch in's Werk gesetzt werden, dass sie unaufhörlich über das Glend, unter dem die Jünger der Wissenschaft dahinleben, klagten. Sie schilderten die Menschen׳ unwürdigen, erniedrigenden Berbältnisse, unter denen die zukünftigen Träger der Thorawissenschast. die Zukunft des gesetzestreuen Judentums, ihr Leben perbringen, in so grellen Farben, dass allmählich die Gewissen wachgerüttelt wurde». Dass die Schilder ungrn nicht übertrieben!varen, weist, ein jeder, der selbst einmal Zögling einer ungarischen Ieschiwah war, der selbst sein Brot mehr als einmal mit Tränen aß. In den einigen bundert Gemeinden Ungarns, dir zur Orthodoxie gehören, befinden sich überall kleinere oder grössere Icschiwoth. Dir Zahl d-7 Bachurim beträgt mehrere Tausende. Die Zöglinge der Ieschiwoth sind zum weitaus grösseren Teile Kinder armer Eltern, die beim Vesten Willen nicht in der Lage sind, ihre Kinder deiart zu unterstützen, dass sie sorgenfrei dem Studium obliegen könnten. Die Gemeinden, in denen sich eine Ieschiwoh befindet, geben <:ch die grösste Mühe, um die Bachurim mit ineiischenwürdiger Nahrung zu versorgen, sie macl!en die grössten Anstrengungen, um die Anstalt zu erhalten. Aber in den meisten Fällen reicht diese Auf opseriing der Gemeindemitglieder kaum bin. auch nur einen Bruchteil der Bachurim mit Nahrung zu ver sehen. Wo bleiben nock Wohnung, Kleidung und die anderen kleineren ooer grösseren Bedürfnisse, die diese ebenso baben wie andere Menschen! Nun hat sich im Lauic der Zeiten ein Shstem eingebürgert, das vielleicht die Hauptschuld an dem Niedergange des Thorasludiums trägt. Die Bachurim geben nämlich betteln. Dieses Snsiem bat es verschuldet, dass die Bachiir.i'l im Allgemeinen als inferiore Wes?» be trachtet neiden, sie iverden verachtet, denn die Begriffe .,Bachurim" und ״Schnorrer" sind im Lause der Zeiten zu identischen Brgrifsri! geivorden. Wer fa»!! sich da noch wundern, dass die bemittelteren Eltern ihre Kinder nicht lernen liessen? Selbst der Hand tvellsblirsche strbt in böberem Anseben als der ״Scknorrbocher", ja kalt es sogar unter seiner Würde, mit einem —ב zu verkehren! Und dock opfern die Backurim ihr Leben, ibre Gesundbeit, ihre Zukunft auf dem Altar der Thora! Man kann ruhig be hauvtcn. dass beute ein jeder, der sich dem Tbora studium widmet, dies rein lsckem schomajim tut. denn aul jedem anderen Gebiete würde er es eher zu etwas bringen, als aus diesem. Welchen Berus er sich I immer wählen würde, er könnte eher selbständig sein Brot sich erwerben denn als גת־ In früheren Zeiten wurden die Märtyrer verherrlicht, in unserer materiell gesinnten Zeit werden sie verlacht und verhöhnt. Bis heute haben die Bachurim geduldet und geschwiegen, nun haben sie das Schweigen gebrochen. Alle Qual und aller Jammer kam mit solcher Vehemenz zum Ausbruch, dass man seinen Augen kaum traute. Die Gleichgültigen, die ihre Bequemlichteit über alles lieben, waren erbittert, sie halten Ruhe für die vornehmste 7״: Pflicht, aber die (5in I>chUg:u :uumi eegcissril. Dir Sü'ün, dir ignrn vvr geführt wurden, wirkten mit elementarer Macht, nackte Tatsachen, die ohne jede Ausschmückung registriert wurden, erschütterten die Herzen Aller, die \t<c noch ehrlich Mit unserer Lehre meinen. Die lieberzeugung wiio allgrincin geteilt, dass es so nickt bleiben könne. 'Aber was tu»? Wie diesem Uebel abhelfen? Wie auf einmal den Tausenden eine menschenwürdige Eristenz sichern? Wie bas Thorajftubium vor dem Untergänge bewahren? Pläne aus Pläne wurden den berufenen Führern her ungarisch n Orthodoxie unterbreitet, sie wurden gewogen und zt> leicht Pfunden. Die Herren arbeiteten mit dem Herzen anstatt mit dem Kopse. Eine besondere Kom Mission wurde zur Prüfung dieser Frage eingesetzt, die Kommission wählt? einen Referenten, der mit Aufgebot all seiner Fähigkeiten sich an die Lösung dieses Problems machte, er arbeitete ein wunderschöne- Referat aus und dabei blieb es. Bevor das Referat der Kommission vorgelegt wurde, wurde mir vom Referenten Gelegenheit geboten, in dasselbe Einsicht zu nehmen, aber ich sah, auch sein Lösungsversuch hat der Phantasie mehr Bläh eingeräumt, als ihr kn dieser Frage zukommt. Die Phantasie ist eine schlechte Beraterin, Alle dssle Pläne leiden an dem Fehler, dass sie die Hilfe von einer zu gründenden Landesunterstützungskasse erhoffen. Wenn irgendwo, so gilt in dieser Frage L-tz-nv פתפלא "zn אין Die Beiträge, die der Landesuntkrstützungslasse znflossen. würden den einzelnen Icschiwoth abgehen und loir stünden dort, wo wir gestanden haben. Die Not würde sich meines Erachtens eher steigern als mildern. GS müssen den Ietchiwoth andere Quellen erschtosse« werden. Es gilt, aus Mittel und Wege sinnen, wir man die verschiedenen rituellen und Kaschruthgegen stände für die Zwecke der Ieschiwoth nutzbar macken könnte. Wir wollen deutlicher reden. Der Berkauf von Ritualien liegt gegenwärtig in nicht sehr zuver lässigen Händen. Tausende von Jehudim benützen Tesillin, deren Kaschruth mehr als zweifelhaft ist. Gin jeder Rabbiner wird es aus seiner Praxis wissen dass der Tefillinhandel gegenwärtig in einer Weile gehandhabt wird, dass ein Paar echt koschere Tesillin zu den Seltenheiten gehören. Dieser Misere könnte nur abgebolfen werden,!venn man nach dem Beispiele der ״Freien Bereinigung für die Interessen des orth Judentums" in Frankfurt a. M. die Herstellung der Tesillin unter Aussicht stellen würde. Gs müsst.׳« Sosrim angestellt werden, die unter Aussicht d»r Rabbinerkommission Tesillin anzuseriigen hätten Bon diesen Gegenständen iväre eine gewisse Steuer für die Ieschiwoth zu entrichten. Auch die Fabri kanten der verschiedenen Pflanzenfette, die Pesach mehtproduzenten, die unzähligen Weinverkäufer, die zahllosen Spirituosenhändler, die Zuckerfabritantin etc. würden sicherlich ohne jede Widerrede eine solch? Steuer bezahlen. Und geben sie nicht willig, so kann man ja Gewalt gebrauchen, man kann sie, falls in rabbinischen Kreisen der nötige gute Wille vorhanden ist. dazu zwingen. Wir würden hier eine Ginnabme quelle haben, die die früheren unberührt lässt und sie wesentlich vermehrte. Wir sehen nicht ein. warum man diesen Weg nicht einseblagen könnte. Nach Pesach tritt der erste Bachurimkongress in Budapest zusammen. Gr wird von Bielen nicht gerne gesehen. Den Grund dieses Missbehagens verstehen wir wohl, ohne ihn aber billigen zu können. Der Kongress iss unter den gegenwärtigen Berbältnissen eine Not Wendigkeit. Wir werden hier von den berusensten Bertretern der Bachurim ihre Klagen und Wünsche hören te: ע ם־ת— r\ Wir brauchen Ueber!reib ungen nicht zu besorgen. Die Agitation der Bachurim war so taktvoll, dass wir allen Grund haben, zu hoffen, dass auch der Kongress sich in oen Formen bewegen wird, deren Ginbaltuna der Sache dienlich ist. Die Lage der Bachurim ist ein so traurige, dass