Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 14 & 15 (5.4.1906)
- Date
- 1906-04-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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:> *nrif t*k« Itv .Waelil -'lte l "t'r > I » l. wie verderblich es auf den jüdischen Lolbaten wirken muh, wenn er mit dem Eintritt beim Militär sich allmählich an den Genuß verbotener Lbeisen zu ge wohnen beginnt! )st einmal die erste Lckeu davor überwunden, wer bürgt dafür, daß nicht auch nach beendigter Dienstzeit die Gewohnheit fortgesetzt wird! Wer hier nicht sein Möglichstes tut, um dem großen Mihsrand steuern zu Helsen, lädt wahrlich eine schwere Verantwortung auf sich. Gewiß wird der junge Mann, der sich seiner Pflicht als Jude voll oewußt ist. keine Entbehrung, keine Unannehmlichkeit scheuen, um auch als Toldat die Gesetze des Kaschrus stritte zu befolgen. Und wo ein fester Wille ist. da findet sich auch immer ein Weg. Wie viele aber gibt es. dir nicht gefestigt genug sind, um für ihre lieber zeugung solche Opfer zu bringen, die jedoch, wenn n.an ihnen in der Erfüllung des Gesetzes beistände. mit ssreuden die dargereichte Hand ergreifen würden! Es sind uns eine große Zahl solcher!falle bekannt. Um nur ein Beispiel anzusühren, lasten wir hier den Brief eines in Blei׳ dienenden Loldaten, der uns von befreundeter Leite übergeben wurde, dem Inhalte nach folgen׳ M e v,, 2!« 'JLWärv ..«oweu ich erfahre» habe, werden hier in Metz am Pesach für diejenigen, welche darauf rerleklieren. Billers zum Koscher Esten von der indischen (Gemeinde ausgegeben. Es wäre jedoch eine große Wobltal. wen» dauernd dafür gesorgi würde. Wir dürfen ieden Monai einnial in die snnagoge geben, »nk wäre es vielleichl bester, wenn wir an diesem dag koscher zu essen bekämen <sie!1 ^rf) selbst erhalle wenig von meine» Eltern geschickt. Ist, kann mir daher keine hoschere .'tost kanten, obwohl ich das trefene Este» kaum hinunterbringe. Wenn sie eine große Mi zw oh tun wollen, so sorgen sie bitte dafür. Es und bei unierem Regimen! Hr« Judun. ioovon »ngefähr 2u ans koscher reflektieren." Wir meinen, daß es keine größere.צ־קד geben kann, als an diele traurigen Berhältniste die bessernde Hand anzulegen. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, in der gewtzestreuen jüdischen Oesfentlichkeit die lleberzeugung von der Notwendigkeit geeigiiet.r Maßnabmen zu erwecken. * * * Line Arbeiterbewegung zu Gunsten des öabbats in New Dorf. Im Osten von Ncivgorl spielt sich gegenwärtig ein im höchsten Matze intcrestanter .stampf ab. Leit kurzem ist dort eine Bewegung im Gange, die auf die strenge Beobachtung des Labbats in den jüdischen Geschäften hinstrebt. An der Lpitze dieser Bewegung, die mit jeder Woche an Ausdehnung gewinnt, steht die ״Labbath Eooperativc Association". »nd der Bcr band der jüdischen Handlungsgehilfen. Der stampf richtet sich gegen die Labenbesitzer des Ostens, die sich weigkin. ihre Läden am Zamstag zu schließen. Die Handlungsgehilfen, die bisher wie Sklaven tikben Tage in der Woche arbeiteten, ohne eine Zeit für Ruhe und Muße, geschweige denn für geistige Sammlung zu haben, verlangen einen Jeiertag, und die gesehestreuen streife, vor allem die . Labbath kooperative Association". ergreifen die Gelegenheit, den Handlungsgehilfen in ihren! Berlangen nach einem Ruhetag zu Hilfe z» kommen, sodaß man mit vereinten Kräften auf dos gemeinsame Ziel hin arbeitet. Besonders bemerkenswert ist es, daß hier zum ersten Male die Rabbiner in enge!fuhlung mit einer Gewerkschaft treten. Es ist zu hossen, daß sie diese Beziehungen benutzen, um auch in anderen An gelegenheiten einen günstigen Einfluß auf die Arbeiterbevölleriing auszuüben. Die Misracb, vereine haben fim dem wampse für den Labval ange schloffen und eine Konferenz der jüdischen Organ! sationen eiiiberuse». in der übrr die iveitere Iörder ung der Bewegung beraten iverden soll. * * * Die tage in Ausland. Wie an anbei er 3 teile unseres Blattes ausführ lich mitgeteilt wird, hat der ruffische Minilierral dieser Tage in recht dcmerkenslverter Weise zur Judenfrage Ltellung genommtn. Er hat bescb.lc>«׳c1,. Maßregeln zu treffen, durch die dem Ausbruch neuer Pogrome oorgebcugk wird, und sich auch für eine teilweise Aufhebung der für die ),,de» gellenden Ausnahmehestimmuiigen ausgesprochen. Welches die Bcranlaffiing zu diesen Beschlüffen gewesen ist. darüber herrschen Meiiiungsi'erschiedentieilkn. Nach der Darstellung unseres Petersburger storrefpondcn tcn. der sich bisher immer als gut unterrichtet bc währt hat. scheint der ',!Ninisterrat ans eigener Initiative gebandelt zu habe». Bon anderer Leite wird behauptet, daß auf Beranlaffung von Lir Lamuel Montagu der englische Minister des Aus wärligen bei der Regierung des Zaren ivegen der ruffischen Juden vorstellig aeworden fei. und daß diese Intervention Englands den Umschwung herbei geführt habe. Wie es sich aber auch damit verhalte, es wäre erfreulich, wenn diele Beschlüsse praktische!folgen für unsere ruffit'chen Brüder haben würden. Die Tatsache freilich, daß Gras Witte schon wieder holt ähnliche Bcrfprechungen gegeben hat, ohne stk zu erfüllen, ist leider nicht geeignet, die Hoffnung zu nähren, daß eie russische Regierung es diesmal rbr licher meine. * * * Der Ausgang der A7arokkokonferenz. Die oielbesplochene Konferenz von Algeciras ist mit ihren Beratungen zu Ende. Man hat jüdischer teils von vornherein keine bochgesvannten Erwartungen an die Berhandlungen geknüpft, und der Er folg hat diesem Virhalttn recht gegeben. Ganz un crlvähnt ist ja die marokkanische Judentrage au» der Konferenz nicht geblieben. Nachdem in der Litzung vom Montag die B e s ch l ii ז f e der Konferenz endgültig festge'egt waten. wurden von verschiedene!׳. Leiten noch ״lüüiildic” über!fragen rcraebracbt, die. wie das amtliche Kommuniqu׳- über diese Litzun^ sagt, außerhalb des eigentlichen Programnies der Konferenz liegen, aber dort, Marokko und die .'tus länter interessieren. Der amerikanische Delegierte Whilr sprach hierbei den Wunsch aus, detß der Lulian die notivendigen Maßnahmen treffen wolle, um die Lage der Juden dauernd zu verbeffern und zwar nicbt nur derjenigen, die in den Häfen ansässig sind, sondern av.1 derjenigen, die im Inner» des Landes wohnen. Der Vorsitzen!». u,׳ e!ze-^z nun ׳l! o>»dooa 1 strllie fest, daß sämtliche Delegierte sich dein Wunsche anschließen. und fügte hinzu, Lpanien tue dies um so lieber, als 0׳ viele Juden Marokkos durch Bande der Abstammung und durch Gemeinsamkei: der «pract!« inii Lpanien -» Berdindlina ständen. Wir Juden sind nicht so verwöhnt, um nicht schon für den von der stoinniiffion ausgesprochencn Wunsth und die schonen Reden, die ihn begleiteten, aufrichtig dankbar Z» fein. Hätte man sich doch taum gewundert, wenn aus der .stonserenz üdcrtxiupt kein Wort über die ge drückten merokkaniscben Jude» gefallen wäre' Ader praktischen Werl bat das alles wokl kaum. Denn auch der Lultan weiß zwischen einem eiitschiedencn Wollen »nd einem Wunsche zu untersilwiden Kukukseier. Ei» 'Wort zur stläruag der Begriffe. üfortictzung und Lebluß > E's ist die ablehnende Hallung gegenüber den׳ vor einigen Monaten gegründeten ״'Verbano t״r dcuIschen Juden", de׳, den Hauptpunkt der Anklage schritt bildet׳ ihn, schließt sich das analoge Vergehen gegenüber dem Lehre!verbände an. und zum Schluß wird noch einmal die ganze ...wlai!feinvsctwst" der cnhodoren Jndividualistei! vor dem Angesicht der jüdischen »stesaiiiiheii an den Pranger gestellt. Den ״Verband der deutschen Juden" nach seiner Entstehungsgeschichte, seinen Arbeitsmethoden und seinen Zielen hier gleichsam im Vorbeigehen u würdigen, wäre ein Unrecht und eine Untiugbeit. Nur an die e׳ne Tatsache sei erinnert, daß noch vor wenig Jahren die Bildung eines solchen ״Verbandes" neben dem Gemrindedund aus der einen, dem Zentralvercin deutscher Ltaats biirger jüdischen Glauben; auf der anderen Teile für so überflüssig gehalten wurde, daß sich ihr Männer von ausgesprochen ..ge samtjüdischer" Tendenz wie Horovitz, Plotke 1׳. a.. Werke ״Tie HagadahvonSerajewo,berausg von Schloiierund Mutier .Wie» G!», eingehend beschrieben. Sowobl in derWaht des Themas, wie in der Behandlung der einzelnen Sion« und die Bilder in diesen Hagadahs von großer Berschiedenheil. indes, nieistens verraten sie eine naiv kindliche Austastung. Manche enthaUe» Minialuren von unschätzbarem Werte, der Stil iü meistens der der reinen Renaissance. Taß aus manchem dieser Bilder eine veritadle Hasenjagd zu sehen ist. dafür weiß so niancher keine Erklärung. Tie Sache ist aber höchst einfach.!fällt der erste Tag Pesach aus einen Sabbat, so sind am Abend desselben folgende Berackolb zu machen : Jajin. 5!wusch, Rer. Hawdolob. S man. die Ansangsbuchstaben hiervon be deuten ״Jaken Haas" woraus nch die Auslösung dieses Jahrhunderte alten Bilderrätsels ergibt. Tie Hagadah im Germanischen Museum zu Stürnberg wirb von Kunstsach verständigen besonder» grschätzi. Eine dcuü'chc Hagadab. im Besitze der Jrau Prof. ׳Tav. .stausmann Wwe, wurde von staufmann aus das Jahr I UW zurückgesübn. sie entbäli nur tsrodusillustrationen. Tie Hagadah aus dem 1Y Jahr Hunderl in der tiit.liotd.-gne vationvle bat prächtige Initialen, außerdem häusliche und historische Scenen, während ein sorgfältig auSgea, beitete» Manuskript, im Besitze des Baron Ed'mond von Rothschild, drollige Bilder aus Haus und <V schichte im Stile des vierzehnten Jahrhunderts enthält. Eo sehr nun die Erfindung des großen Mainzer» der Ber dreitung!üdikchen Wistens z» stalien kam. den illustrierten Hagadähs hat sie keinen Borteil gebrach!, den» von dieser Zei't ad hörte plötzlich die prächtige Mannigsaliigkeii, die «u« diesem Gebiete herrschte. am. Tie zahlreichen illustrierten, gedruckte» Ausgaben, zeigen nun eine deutliche Tendenz zur Einförmigkeit, und beschranke,1 nch rast ganz aut die zum Uebrrdruß reprodu zierten Bilder die uns allen so sebr bekannt sind Tte erste §.»>»״ck״ illustrierte Ausaab« scheint diejenige von Prag von i.,26 zu sein, ihr folgte die Ausgabe von Augsburg >m Jahre IY-U Tieie setzen den Tvpus der Illustration kür ganz ׳Nord Europa, besonders für die Prager nnd Amsterdamer Ausgabe fest Tic erste Ausaabe de« ltaiieniichen Tvpus scheint die von Mantua l zu sem. der diejenige des Jahres i 5*«י י solgie: die letztere hat Illustrationen, die jede «eite einrahn,en. Tie'Ausgaben von Beliebig, von 1 und 1י.'2י;י, enthalte» auch eine bedeutende Anzahl!figurrn: von diesen Ausgaben stammen die in Süd Europa benuizten Hagadahs. Beide, der nördliche und der südliche Tvpus, be schränke» nch säst ganz aus «olgenbe Szenen׳ Rabbi«tZaniliel׳ Tas Präparieren der Mazzoth. Szenen aus dem Sederdienste^ der i^rodus mit den zebn Plagen Rabbiner Tr.!frank in EpZn soll int Besitze einer geschriebenen, »nt prächtige» Illustrationen versehenen Hagadah sein, die ans dem Bentze der!familie Heinrich Heines stammt. In der Buchhanoiung von I. staunnlann in!franksurl a. M. saben wir vor einigen Jahren einmal eine m!t der Hand hergestellie Hagadah aus Pergament, deren formal Eroß sfolio, und die mit herrlichen Bollbildern in Pouninicher Vlanier verziert war. Man!orderte für die Hagadab 8,nn> Mark in wessen Besitz nch dieselbe beute brstndet. vermögen wir »ichi anzugeben I» der vor einige» Wochen he,ausgegebenen zVigadah von Tr. Lehmann lind einige Bilder aus den oben er wähnten alte» Hagadahs revrobucieri, die die Leser diese» Buches »nieressicren werden Eine modern illustrierte Hagadah harrt bis I!eute noch thres Schöpfers, der zionistische Maier Lilien verspiach der jüdischen Welt vor Jahren eine solche, er scheint aber von seinem Plane abgekommen zu sein!Die älteste J«de»gemei»»e der IVett.s Ter enguiive!forschungsreisrnbr Bainviidgr Ui״ soeben über einen von ihm der ällesten Judengemeinbr de״ Welt adqe statteten Betuch rolgenb« intereüante Einzelheiten mit. «^« leqentltch einer kürzlich unternommenen Reis« in Ehma fand der Engländer, der in chtnestscher Bekleidung mit einer Eskorie reiste, in stai!f o ng I u an der Bereinigung des alten und neuen Lause» de» Eelben ,flmse», Meilen südlich von Peking eine jener, man kann wobl sagen vor gei'chichtlicheu Judeugtmeinden, deren Borhandenseii, »1 Ehina schon von älleren!forschern als zweifellos angenom men wurde. Mr Bainbridge erzählt nun. daß die von ihm auigesundene uralte, vermutlich schon יייול Jahr« vor der g. in Ehina eiugrwanderie Juoengemeinde voll kominc» gesondert ln der Milte der chinesischen Bevölkerung lebt und in ihrer Svnagog« nach einem ganz eigenen Rituale den Gottesdienst geheim abhalt. Bor Aurzem hat eine durch dl« Berandrrungrn im Lause de» gelben!fluffe« herborg« riis,״« Ilekerrchwemmung den Tempel diesrr i^eiiirlnde zrr ftöri. und der englische sforscher wurde von den Borständen der stongregaUon braurtragi. de»^ den «lammesgenorsen m Europa iür den Wiederaurdau des Ztzolteshause» im Inner sten i'hma» Propaganda zu machen Ter Reisende hat Abschriften der Epitaphe mitaebracht. di« er au« den Z^rab steinen des ältesten aller!üdischen!fr»edhvie «and Au» den, Borhandensrin vieler altperüscher Wortelemente in der Sprache dieser Gemeinde wird geschlossen, daß ihr« Bor fahren ungefähr Jahre vor der g. I. von den Persern in i^erangenschaft geführt wurden und später den Weg nach Lstasten gesunden haben, aut der alten transatlantischen starawanroute. den Lru« entlang, über den Pamir, am Rande drr großen Wüstr hin zum!selben Meere. Ein anderer englischer!forscher, der eine zweii« dieser iniereffan ten Judengemeinden «and, berichtet über dir mS Ed«ne׳äsche übertragenen biblischen Namen im Pentateuch dieser Inden Abraham figurieri hier als Awoo Lo bau. Mose« als Mao st>r und Ezra als 'lle Tße la. I -