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Der Israelit · 1906-04-05 · 14 & 15 (5.4.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
14 & 15 (5.4.1906)
Date
1906-04-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nr 11 u. l.־>. Seile t Der Israelit. «pril!!**>. Szenen jüdischen Familienlebens auf den Lppendeim'schen Bildern zu bewundern. Gerade der Sckabbos Hagodaul ruft uns heute zu: Zurück zu jenen alt'üdischcn Grsloqenheiten! (Gerade ai» ״glasten Sabbat" kommt uns jene Erinnerung lcbendig in's Bewusttsrin! War eS doch bei unseren Alivordern heiliger, fest s> ebender Brauch, am ש׳ דגריי־ eine ד־שד z u hören, ebenso wie ani ש שיבד. W a s ist eine דרשז־? So fragt man da. wo man die einzigartige, herrliche Einrichtung der בוד »"ישיב, der öffentlichen L-Hrbäuser in Der bindung mit blühenden nicht kennt, nicht einmal dcm Namen nach Nur in weniger ״kultivierten" Landern, in Nustland, Ungarn und Galizien stnd solche ״Dslkähochschulen" wi» man sie modern am besten benenncn könnte noch nicht;ur Seltenheit geworden: dort finden wir noch jene si a r k e n B o l I w e r k e gegen die krasseste Ignoranz in jüdischen Dingen, gegen den tätlichen Indssseren tismus. Dort in auch der Boden geeignet und norde »ritet für eine echte und rechte rv'~, s i e bildet das ״Ereignis" am -די די v. Stelle Dir, lieber Leser, darunter nicht etwa eine Predig! im modernen Sinne vor! Es ist ja bekannt, wi׳ hier so oft die Form den Inhalt überwuchrrl, wie eine glänzende Rhetorik zu ersetzen sucht, was an innerem Gehalt abgebl. Die Derascha ist mehr, weit mehr, reich an Gedanken, tirsgeistig an Inhalt, dabei ge mütanregend und veredelnd. 2\t kann mit N-ck>1 verzichten auf brillierende Horm und bombastisch׳ Redewendungen. Ihr Wert liegt in ihr Mbit Man verletze sich in ein Beth Hamidrasch in Nus. land oder «Galizien. Zahlreiche Talmuddcslineue sind anwesend. oder gruppenweise vertiefen ne fid! in die spröde Materie: geiftige Tour!׳öere!׳ er den ausgesvchren. um die unumstöstlicbe Leh,׳n״in,t11g sestzuskellen. Es in der Abscdlust der wochenlanaen Dordereirung aus die .,-r״-," die der Nabdi lullten will: denn es ist gerade 1,'שב7 ד:־־, wv nach alther gidrachtem Minbag ״gedarscheni" wird. Endlich tritt der Nabdi ein, in langem Kailan. um den Lei!׳ den Gürtel geschlungen, ehirurchtsvvll degrüstt von allen. c1uc£ fint?!1יז?יי'יל?י)!י!)ז11י'ןי•? scheinuna. Der lang heradwallende Bart und oi, grosten ^chlät'enlvcken umrahmen ein in heiligem Einste dreinschauendr- Getickt. ״Welche דיש׳ ד.ידדn.ag der ״heilige Mund" wvhl deute künden?" tragt jeder unwillkürlich. Atemlos bängt alles an des Nabdi Lippen. Der lärmende Singsang iveicht eine׳, an dieser Stelle ungewohnten Nuhe. wenn der Nabbi spricht. Er stellt seine Tl>ci-n aus, die zu verteirigen, 'eine Lehrsätze, die zu beweisen sind: D'kiiis und Eharfus, Bilelenbeit und Scharssin» sollen in gleicher Weise zur Geliuna kommen. Der Nabbi laucht dei seinem Dorlrage unter in das arvste Meer des Talmuds, lun Perlen aus der Dieszu holen. Zwilchen rnnernt ueoenven bleuen weroen mir Hilsc einer scharfen Kombinationsgcibe Gedankenbrücken geschlagen. Wide! spräche werden ausgesucht und spielend gelöst. Jinmcr kühneren Flug entfaltet sein Geist, wer vermag zu folgen? Dazwischen leuchten — farbenprächtig — duftende Blumen, am Baume der Agava, im Garten deS Midrasch gepflückt. Die Zuhörer haben gerade zu tun, den leitenden Faden nicht zu verlieren! Der Nabbi bringt auch ״kräftiges Mnsor", und wo es gilt, Gebrechen der Zeit zu geisteln, da reifet es den Redner förmlich hin. Seine innere Ergriffenheit äustert sich in lebhaften Gestiku lationen. Zuweilen entringt sich der bewegten Brust ein schmerzlicher Zwischenruf, der auf die Anwesen den seinen Eindruck nicht verfehlt. Schon ist über eine Stunde dahin, und di- Hörer merken es tauni. Dcr Sckiur gebt zu Ende. Das war eine ״Derascha". Sie war belehrend und erbauend zu gleich. Noch lange spricht inan von ihr. denkt über sie nach. Die heilige Ehrfurcht vor dem Nabbi aber erfährt mit einem jeden solchen ״Schiur" noch eiikd beirächtlicbt Steigcrung. Ist wohl hierzulande ein derartig ausgezeich nkler ‘ש•;דיי denkbar? Abgesehen von einigen ivenigen orthodoxen Kreisen in verschiedenen Groß städten kennt man die דיש־ des ״grasten Sabbat" auch nicht dem Namen nach. Es fehlt das ganze Milieu hierzu: Das Betb Hamidrasch, die lernbe fiifTenen Baale batim, die grenzcnlosc Vecebrunr und Hvckscoätzuna dein רב gegenüber, Faktoren, die in unseren Derhällnisicn bedauerlicherweise wie ״us geschaltet scheinen. So mag uns, indem wir a!n *-;:ש ל den Blick nach Dsten wenden, ein Gefühl der Webmut erfüllen. Seit dem jüngsten Tbora׳ Freudenfeste bildete die Sabbate die Pseil-r dcr Prö^e, über u׳e!cke bintv-g tvir den Winter h!nd>>rck geschritten zum Pesachfeste hin. '»'it ש׳ -:-ד sind wir .וזיו Schluststein angelangr. Unendliches Webe Kat sich gerade seit jener Zeit ans unsere leidgewci'Nlen Bruder und Schwestern gehäuft. Wir baden Aoi und Elend nach Möglichkeit zu lindern gesucht, wie es Men'ckenpslickt und Bruderliet'e gebot. Möchten wir dock auck sonst uns ihnen nahe fühlen. (M1!t in b? r? r n st e r - n A ussass u 7, יי unserer 11 n v e r ä u st r r l i ch e n jüdischen Lebens׳ Pflicht' בי שיאי ע־בב דד <י7ד In Leid und Frcud bnrgcn wir für einander, weil wir auch in rmr .—־רצי als Einheit ,zusammengehören. Möge der ״arvste" Sabbat unter allen ErU'ägungcn, die er uns dringen könnte, gerade jene starken und beleben dast Sabbat und Dhora; u s a m m e n webr als je einer Förderung bediirscn ׳רב־ב bL,:m. לטיבת• Möge jeder, der ש״ :רב יעדי—" fein möchte, in seinem M reife daraus Hinweisen, wie ein j e d : r n a ck Dhora B 0 r s ch ״ i f t und i in D b v r a Geist gefeierter Sabbat den Ehrennamen S ch a b b v s «y u v v u u 1 v v 1 v 1 v 1t t , v! <• k v» .. י p « * ־ , des Schweistes der Edelsten wert, ein Ziel, wie es schöner und höher der Sabbat vor Pesach wohl kaum setzen könnte! Der nahe Erinnerungstag an unseren Völkerfrühling. זסן חיותנו, >>ie Zeit unserer Befreiung von feindlichem Druck und heidnischer Nacht, möge uns stark und treu finden, wie einst in Aeqnpten, da ganz Israel seinen ״g r 0 st e n" Sabbat hielt. Der Sabbat ist und bleibt heute wie für alle Zeiten das Wahrzeichen m, serer Gröste, an der Pforte des Pesach Fe st es aber für das jüdische Ge< tvissen der Prüfstein, ob wir o-r wunder- und gnadenreichen -־ד«, würdig geblieben! — - ־ cDur Frage der rituellen Verköstigung jüdischer Soldaten. Wir batten in dcr letzten Zeit wiederhol! Ge legenheir, Zuschriften über die Frage der rituellen Verköstigung jüdischer Soldaten zur ö»feutlick-n Kenntnis zu bringen. Man gehr wobl nicht fehl, daraus zu schliesten. dast sich weitere Kreise für diese Fiage lebhaft interesiieren. Andererseits ist freilich nicht zu vertcnnen, dast die hohe Bedeutung der Sache von dem jüdischen Publikum bei weitem nicht ge׳ nügend gewürdigt wird. Die Zahl dcr Garnisonstädte, in denen iur die rituelle Verköstigung der jüditckcn Soldaten hinreichend gesorgt wird, ist leibrr eine sehr fit ine. Meist begnügt man sich damit, die ,:nbemiitelken indischen Soldaten am P e s a ch mit rituellem Esten zu versorgen. Wenn imnn auch wohl di( Tatsache der besonderen Schwere des Ehomez- Verbotes am Pesach zum Ausdruck kommt, so is! doch keinestvegs cin׳,!:sehen, wie jüdische Gemeindm glauben können ihre Pflicht erfüllt zu haben, wenn sic mir in der einen P-sackwochc, nicht aber das ganze Jahr hindurch eine dcrartiae Veranstaltung treffen. Mir halten es darum nir unsere Pflicht, gerade jetzt, wc sich die Aufmerksamkeit des jüdischen Publikums von selbst dieser Angelegenheit zuwendet, eindringlich daraus bin ׳,»weisen, dast die Konsequenz jüdischer Grundsätze dauernde Fürsorge aus dem besprochenen Gebiete erheischt. Man erwäge doch. Alte Dtsnch-Kngüöshs. Em eigenartige( Zander rudi aus dem l'elnen Bnchlein, das wir schlechtweg die ״Hagadah" nennen. Wenn i!t! üe Herdeidole, die alle , Hagadah". am Ercw Pesach z'kachmittag. das Buchelchen mil seinen Flecken von Wein, Moror und Ebarawes. dann Neigen liebe Erinnerungen in meinem Innern aus Ich Iran»,« mich >n meine Kindheit zurück, sttze neden meinem teuren Bater und delrachic mil Andacht die Bilder der vier Tökne, des E bochem mit dem Turban und dem türkischen Tchlasrock. des aut einem Bein stehende» Noschob »nt schild, schwer! und Panzer, des dartustigen Tb am. der sich in seiner E»»sall aus seinen langen stecken stuyl und de» lleuien E n 0 i e d 0 a t i i ch a u i, der vor Freude in dir Hände klatsch!. Aus dcr nächsten Teile sebe ich zu inetnem Schrecke», wie die kleinen Binder von einem Brück chen ins Wasser geworfen iverdcn, und dann ein paar Teilen weiter zu meiner Freude, wie die Kinder Israel aus einer mittelattcrlichen Festung direkt aus den Toren heraus trockenen Fustes durch das Waster lchrencn: ״Gibt es noch mehr so schöne Hagadabs:״ iragc ich mit kindlicher Neugier meine» Baier, ״Gewist antwortete er, ״es gibt noch viel schönere als dtese" Es vergingen kliiigc Iabrzebnie, t׳>s ich »»ch schönere Hagadah» zu sehr» bekam und von anderen alten Hagadabs etwa» näheres erfuhr Biele alte Hagadabs aus der Zeit vor der Erstndv.ng der B»ck1dr>,ckerl1,»״ gibt ,» ״berbauvt incht Ter bode Preis der Manuskripte bat das schreiben derselben 1» ei» besondere» Buch für den Tederadend zweisel kos beeinträchtigt Bor der Zeit des M,,,״n,ml>es i I t C> bis 1:011, der die -Hagadab in sein Eesetzbuck Iad nach dem Abschnitt von Ebomez einfngl, wird eciidcrbanpt keine be sonderen Ausgaben der Hagadab gegeben haben, Tie Niein ung mancher Gelehrten. das; bereits in talmndischer Zeit Bücher erstlierten, die die Gebete und Nczitalioncn des Tederadend enthielten, ist aus einen Urtcilsspruch dss Naba zu Gunsten eines Mannes zurückzut'iilire». der eine Hagadab «Tisra de Agad'tas aus einer Kiachlastmaffe mit der Begründung tor derte, ne dem Berstorbenc» geliehen zu baden. Tieie Aus leaung ist jedoch im höchste» Grade unwahrscheinlich, den» nach Nasch! ist. was »ch hier auch ans de», Ziiianimenbang ergibt, von homiletischen Werken die Nede. Tiejenige» Niannskrivle von allen Hagadabs, die deute noch eristierc», gebe» nicht weiter a>s dis ins dreizehnte Jahrhundert zu rück, der Zeit, in dcr der Hagadabtcrt wahrscheinlich z»m ersten Male in ein besonderes Buch geschrieben wurde. Eine sriibere schritt dieser Art wird nirgends erwähnt. Al» die Hagadah als besonderes Buch Berdreilung fand, wurde eS anch üblich ihr poetische Beitrage anzusiigen. In dem Buche: ״Tanja", einem 'Auszüge des Werkes Tckiidole ha Lekel wird davon zuerst berichtet Tieies Werk wurde von Zcdekiab den Abrabai» Anaiv im Jahre I geschrieben, Tic Ge dichte und Pinilm wnrden nicht gerade znm Zwecke der Berwendung am Tederadend geschrieben. ec ivurden vielmehr andcrcn Tammlungc» die volkstinnlichstc!: entnommen, so; B das ״Adir du", da» ״Ki lau noch" unv. Tas ״Echod »li jodea״ und das ״Ebad gadjok" stnd in einer Form vertasit, die auch dir Kinder anreg: und vieUcich! den Zweck verfolgte dies( l׳iv zu,״ Tchiuste Niunlcr zu erhalten. Tie Hagadah ist »nzabligemal in Truck crichlenen. Herr Adolf D'stcr. der trüber in lantcn »nd jeyt in Nene» adr wohnt, bemüht stch seil Jahrzehnten alle brauchbare» Ausaaben zu iainmel». und er Hai einige hundert bis beute znsammengebr.ich, Ta die Zaki oer Druck A»vgui-eu ״bei zweifellos I >א<י> wen übersteigt, so kann die^sterst'chc Tamm lniia au: BoUstandigkeil keinen Anspruch mache». Eine der artige vollständige Tammlung aller gedruckten Hagadabs wird es n'ahricheinlick überbauvt nicht gebe». Tic älteste noch vorhandene Hagadah wurde in Italien, wabrschenitich in Fano. »nge'ähr im Jahre!.',Ost. gedruckt: aber es must doch »och eine Ausgabe vorbergegangc» sein, wahrscheinlich die jenige, welche mit der Kovie des ״Tefillal Iachid", Toncino, I4si;, verbunden war, und welche stck jetzt im Besitze von Ni. Tulzbergcr bcnndet. Tchon in früher Zeit war es zur Gewohnheit geworden, die Hagadah zum Berständnis der Kinder in die Muttersprache zu übersetzen. Aaron ha .Koben von Luuel 114. JahrhI erwähnt dies als eine» löblichen Gebrauch, und sagt, dast man so in England verfuhr :Moses Isierles, in seinem Kommentar zu Tur, Aurach Ehajim 473V Eine lateinische Uebcrsetzung wurde in Frankfurt a, Main I st! ׳' gedruckt, aber ne war natürlich nicht für den «Kehrauch der Iuoc» bcstiinmi. Eine Ausgabe von Talonika Istl>7 enthält nur die Uebersetzung in Ladino't. aber Ausgabe» von Benedig, vom Iabre I«!ntt. cnlhalten Uedersetzungen der ganze» Hagadab in das ladinische, italienische und jüdisch^deutschc Bc» dem Ul. Jahrhundert an wurde die Hagadah sehr häustg in homiletischer Weise ausgelcgt, Tie Wilnaer Ausgabe von enthält allen!!!.יי Ko»!!nentare Topisch in dielet Be Ziehung ist der Kommentar von Aaron Teomim in der Amster« damcr Ausgabe H l!t4 14054 ״Hillnke be Nabbanan" genannt. Es »lögen uns noch einige Bemerkungen über die illustrierten Hagadah» gestattet sein. Ter ttzedanke, diese Bücher, die für Haus und Tisch ausschliestlich bestimmt stnd, und die den Kindern schon so früh in die Hand ge geben werde», mil Bildern auszustatten, war ein sehr nabe liegender, und so nnden wir demgemäst auch schon die frühesten Manuskripte mit Illnstralionen unk Miniaturen versehen. Geschriedeiic und gemalte Hagadabs aus der Zeit vor der Erünbmia dcr Kunst GutenberaS sind ungefähr sünfund zwanzig bekannt, zwanzig hiervon sind in dem deruhmien Porti.q. Jar-tvn.

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