Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 14 & 15 (5.4.1906)
- Date
- 1906-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I AN V V.J N ׳\ srae Ein Cenfralorgan für das orthodoxe Judentum 1 Begründet 00b Dr. Lehmni in Iflaiitz bs 47. Jahrgang. S--LU Kranlisurt ». M., de» ^ז:,’!,?,3-' י |C. ©tilflit ©bbb. X. M l i rk 15. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Abonnements: Gewöhnliche Ausgabe Mk. t.50 viertel,ahrtich, Heslauagabe auf »unstdruckpapier Mk. vit,1«l,ahrlich. ,Ausland» vrris« für die gew. Ausgabe: Oesterreich 2 Kr.. Rußland! Ruh״ England 2 »k, Amerika et,. Rtederlaiwe 1,20 tl.) Adoiinenienls bei allen Postanstalten, Buchbaiidlungen. sowie dinkt bei der Expedition, Hestausgabe nur direk.. ^aserate: 80 Pfennige für die secksaespaltene Eolonel-Ieile; Rabatt nach Tarif Inseratenannakme nu, durch H a a s e n st e i n 4 Bögler A. «E. in Frankfurt a. M und deren ,Filialen. Diese Nummer ist 2« Letten stark. Die nächste Nummer erscheint Ves Pesachfestes wegen am 19. April. Der ״grobe״ Sabbat. Den Sabbat vor dem Pesachfeste pflegen wir den ״großen Sabbat" zu nennen, שבת הגדול 'Jiacü der Ueberlieferung wird diese Bezeichnung von dem Wunder abgeleitet, das an dem Sabbate vor dem Auszug aus Egypten sich vollzog. Am 10. Nissan nämlich nahm auf Gottes Geheiß jeder jüdische Familienvater das Lamm für sein Pesachopfer und band es daheim an seinen Bettpfosten an. Der 10. Nissan aber fiel damals auf einen Sabbat, und da wunderbarer Weise die Egypter nichts gegen Israel zu tun vermochten, das sich anschiclte, ihre Götter zu schlachten, so nannte man diesen Sabbat orn ״großen" Sabbat. Gegen eine derartige Begründung wird allerdings geltend gemacht, daß die Bezeichnung ״groß" eigentlich dem 10. Nisian zu erteilen wäre, nicht dem Sabbat vor Pesach, wie wir das zu tun pflegen, auch wenn es nicht gerade der 10. Nisian ist. Es war doch reiner Aufall, daß zur Zeit des Auszuges von Egypten der 10. Nisian auf einen Sabbat fiel Ein sonstiger innerer Zusammenhang zwischen jenem גבן und dem Sabbat ist nicht vorhanden. Und doch isi es nickt obne innere Berechtigung, die Größe jenes Wunders gerade mit dem Sabbat in sieter Verbindung unserem Gedächtnis zu erhalten. Durch unser gesamtjüdisches Leben und Bewußtsein zieht sich wie ein roter Faden die Erinnerung an den wunderreichen Alt des Auszuges aus dem Egypter lande. Fast auf jeder Seite unseres Gebetbuches treffen wir die Worte -"-w 7>זכר לתהא, in allen gehobenen Momenten unsere? Religionslebens lehren sie wieder. Wurde doch Israels Existenz mit Ieziat Mizrajim erst recht eigentlich begründet, wurde doch erst damit ein freier Volks körper geschaffen, dem eben am Sinai der Bolks g e i st eingehauckt werden sollte. Der Sabbat aber ist und bleibt eine ebenso starke Säule in unserem Volksdasein wie Ieziat Mizrajim, und wir verknLpsrn sprachlich und inhaltlich beide Norstellunaen dauernd miteinander, indem wir den Sabbat vor וח»יי Ueberschreitungsfeste Sabbat Hagodaul nennen, ohne Rücksicht ans das jeweilige Datum: Mit einem Sabbat wurde unsere Freibeit eingeleitet! - Ja. der Sabbat v o r Ieziat Mizrajim war schon groß und bedeutungsvoll und jeder Sabbat >st's heute noch. Wir sprechen es wöchentlich aus: 7>7ev ב־ יום זד. נדוי ור,ר״8 הוא denn dieser Tag. groß und heilig ist er vor Dir! Der wahre Jude hat jede Woche einen großen Sabbat, הדל וקדוש:, u ist ihm groß,!oeil er ihm heilig ist! Unsere Zeit ist diesem Gedanken leider vielfach entfremdet worden. Erwerb und Genuß sind die Götzen des Tages geworden, denen am ehesten der heilige Sabbat zum Opfer fällt. Schauet nur bin ein ins voll bewegte Leben der Gegenwart, es mochle einem das Herz blulen, über den schrecklichen, immer mehr um sich greifenden .":תלוי ש!. Alle Altersstufen, alle Berufsarten, alle Stände sind da beteiligt. Während vor Jahrzehnten nur die größten Städte an der großen עבייה der öffentlichen Sabbatschändung beteiligt waren sieden heut zutage hierin die kleineren Orte, ja die Dorf gemeinden nicht mebr zurück. Wo vor Jahr zehnten noch der schöne alt-patriarchalische Sinn ge herrscht und in Familien wie Gemeinden feine Segensstrablen warf! wo vor Jahren im Frieden des Sabbatlichics sich ein innigreligiöses, heirerglückliches Leben entfaltete, das Dichter besangen, und dessen Zauber des Malers Pinsel festznhalten gesucht! wo früher man mit Freuden dem Sabbat entgegensah, entgegenjubelte und nur mit Wehmur ihn scheiden sab: da bat jetz. die Jagd nach Gold und Genuß jede edlere Regung ertötet, der Materialismus unserer Zeit hat mit eisiger Hand in unser religiöses Leben zerstörend und verheerend e i n g e g r i f f e n , eine der wichtigsten, ä l l e sr e n . h e i l i g st r ,1 und stärksten Stützen unserer Emuna gebrochen, zerscb,n eitert' Grwesene Geschlechter würden verwunden staunen über die Allgemeinheik, über die Verbreitung des llebels, das man eben mit dieser allgemeinen Hebung ent schuldigt. Die Skrupellosigkeit, mit der man dem ״Zeitgeiste" huldigt, ist dabei eines der bedenklichsten Symptome, das nicht so leicht eine baldige Genesung von der Krankheit hoffen läßt. So lange noch Hunderte frommer oder doch konservativ gesinnter Eltern sich ohne schweren Seelenkampf entschließen, durch ihr Kind den göttlichen Ruhetag mißachten zu lasten, so lange ist der Frevel an unserem Heiligsten noch im Wachsen begriffen. Man echauffiert sich über den mittelalterlichen Judenhaß mit all seinen Begleiterscheinungen, man bedauert und betrauert es. in unserer erleuchteten Zeit einen ״Verein zur Abwehr des Antisemitismus" haben erstehen zu sehen: nun, die Sckomre S ch a b b o s - V e r e i n e sind wahrlich ein nicht minder trauriges Zeichen de: Zeit! Die Eristenz eines solchen Vereines in Jsxoels Mitte spricht schon für sich allein Bände! Es ist nur von ganzem Herzen zu wünschen,ן daß die Zentralisation all der edlen Bestrebungen, wie sie der ״Verband der Sabbatßreunde" ׳n die Weg« leitet, mit G. H. von reichem Erfolge gekrönt!ein möge, הכי~ סכשיל ולזבות את הדווים\ Es muß der שבת יךש wieder dem Volke zurückeroderk werden in de: Erkenntnis, בי •ים זה ניייל וק־יש w1׳, daß jeder wöchentliche Ruhetag ia'iächlicb ein 'שב-. :הוי ist, eine himmlisch« Perle, die mi,- ׳!״! irdischen Glanz und Flitter nicht verichacbern sollen. Dabei komm, aber ein weiteres Moment in '3t tracht, an das uns gleichfalls Schabbos Hagodaul gemahnt: Wir meinen das Thorast u d i u m! Die Thora ist der Lebensgrist, der Lebenssaft, der Lebensnerv Israels. Obne Thora kein Israel, ohne Thora auch kein echter Sabbat. Der gottgebotene Ruhetag ist nicht etwa ein Ausruhen nach den Strapazen oorausgegangcner Arbeitstage, er oient nicht zum sträftesammeln für die nun wieder folgenden Anstrengungen, nein, der jüdische Sabbat ist mehr als eine physische Erholung, wie sie der verminstlosen Kreatur zutommt. Der gottgebotene Ruhetag ist eine geistige Stärkung und Labung, ein Jungbrunnen für jüdisch« Herzen und Seelen. וברב ־שביעי שבת ד:םש von Gott selbst mit dieser wundersamen geistigen .straft ausgestattet. Unser Sabbat, eine יאודכה ישי-ם •שלוה ידשקם ובבה re* גיחת:, eine Ruhe der Wahrheit und Treue, des Friedens und Glückes, der Stille und Sicherheit, ist geweiht und geheiligt im Geiste der Thora und von ihr unzert r e n n l i ch. ein Adelsdrirs, den Gott seit der SchöpfungSzrit in unsere Hände gelegt, in seinen Freuden und Genüsien hebend und veredelnd, um Himmelsweiten von dem Sinnentaumel und den lärmenden Vergnügungen entfernt, mit denen in der striminalstatistik die hohen Zahlen unter der Rubrik der im Sonntaqsrausch begangenen Delikte im kausalen Zusammenhang stehen. Leider muß konstatiert werden, daß selbst in jenen Kreisen, welche der Sabbatseier noch nicht verloren gingen, vielfach die Sabbatrub« ihren würdigen Eharakter einaebüßt hat. Man verbringt den Tag in Langweilt, diese führt wiederum zu verbotenem, unjüdischem ״Zeitvertreib", zu Spiel und Vergnügungen, welche direkt einen «הלול שבת involvieren. Und warum dies? Weil unserm Sabbat die eigentlich« Seele fehlt. לסוד תו־ה, d i e Beschäftigung mit dem Thorast u d i u m . welches den Tag erst weiht und adelt! Wer de» edlen Genuß nicht kennt, der verfällt unwillkürlich auf gemeineren. Ehedem war es anders Man traf auch noch im bescheidensten Dorfe Männer, die ״ihre" Sidra am Sabbat vurchlernten. vielleicht auch mir Raschi Kominriitar. man sah jüdische Frauen beim ־ יסתה:•** Buch oder mit erbauenden und belehrenden Schriften anderer Art beschäftigt. Jetzt schein! man sich damit zu begnügen lolcbe