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Der Israelit · 1906-03-29 · 13 (29.3.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
13 (29.3.1906)
Date
1906-03-29
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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1'iU Feuilleton - Beilage zu ZU. z?) oes ״jsraeui v»n x-srx wy^üfiin nnm üyituii^v^vvnn *:sexy* X X X. X X.X kjljljlk Smnon u. Phinliss in Dtr Ziiütiilisßk. 1:1! Von Arthur Kahu. Flachdruck verbole». Mag aber auch in vielen Beziehungen Vieser oft bis zum empörendsten Ausbeiitungssystem betriebene Ausbildungsgang einer, glücklicherweise überwundenen Zeit angehören, so ist doch fraglos ans Vieser Periode ein tüchtiger Schlag Menschen hervorge gangen, der den Handel emporbrachle; Menschen, die als Knaben schon lernten, sich in den widersprechendslen Berbältnilse vnrchzuarbeiten und kerauszufindcu. h!f»h^Tfn# ►nirS ohne weiteres verständlich machen, das! Prinzipalssöl.iie wiederum eine abgeschlossene Gruppe für sich bilden muhten, an die sich nicht der erste beste Kommis oder Reisende heranwagen durfte. So gingen denn auch Maier Korns Sölme mir ihrem Jugendfreund Julius Liwbacber, wie deren beiden Schwestern Emma und Bett!, denen sich als Dritte Jomtof Schiffs Tochter, Leontine, ange schlossen hatte, als eine für sich geschlossene Crlite unter den zahlreichen Spaziergängern. Ter Sohn des als sehr reich geltenden Kaufmanns Limbacher er war schon dreimal Parnes gewesen gehörte <11 lenen bevorzugten jungen Männern, deren Väter genug Mittel, Einstuß und Verbindungen besahen, um ihren Söbnen die Härten der Lehrjahre abzunehmen und zugleich in Gesell lchastskreise zu bringen, welche die Elite des .Handelsrandes repräsentierten. Julius Limbacher war seit mehreren fahren in einem grohcn Bankinstitut in einer der angesehensten Handelsstädte. Vier volle Jahre war er nick! mehr in seinem Elternhause gewesen, in dem es leine Mutter mehr gab. Das erklärt, wie der junge Mann eine so lange Zeit, ohne Besuch, in der fremde aus harren konnte. Gleichzeitig mir ihm hatte auch seine vierzehnjährige Schwester daü Vaterhaus verlassen um in einem Institut einer französischen Provinz stadt ihre Erziehung zu vollenden damals etwas sehr seltenes. Als eine eindrucksvolle Schönheit war Belli nun heimgelchrt und lenltr auch alsbald die Blicke aller ikr Bcgegnenlen aus nch. Selbst die strengsten weiblichen Kritilcr fanden Betti Limbacher einwands frei schön. Jetzt, wie ste mit ihren beiden Freundinnen. Lrontine Schiss und Emma Korn, am Strom entlang ging, und die beiden Begleiterinnen fast unbeachtet bliebe», begannen die Leute sofort mancherlei Prophezeikungen zu wagen. Ein fast nrunzebniäh'iges Mädchen, fraglos sehr reich, einzige?achter eines ongkstlienka Kaufmannes von vornehmer Herkunft, als vollendete Schönheit aus einem französischen Pensionat lximgckrhrt, wird in einem kleinen SUM chrn nicht nur in ihrer gegenwärtigen Erscheinung besprochen. Man denkt auch schon an ihre Zukunft: loelche ..Parin" sie einmal macken werde, wieviel Mst» gist ste einst belommen, ob ste nach auswärts heiraten oder am Platze bleiben werde und ob nickt dock noch am Ende eine nur ganz mittelmästige Heirat das r.׳os des schönen Mädchens fein werde. Auch darin batten die Spaziergänger nicht un r:cht. dast Limbach-r's Kinder das schönste Ele schwifterpaar seien, dem man nur begegnen könnte. Julius mit seiner schlanken, elastischen Figur und rosigen Gesichtsfarbe, loelche durch den sehr sorgfältig gepflegten Volldart angenehm hervortrat und den fast weibisch zarten Zügen, hatte etwas Sympathisches an sich. Man durfte schon voraussetzen, daß er für die Mehrzahl von Frauen als das Ideal eines schönen jungen Mannes erscheinen würde. Auch die dunklen Augen mit fast schwärmerischem Aufschlag mochten leicht für ihn einnehmen. Da Kleider auch stets Leute machen, so muß auch diesem Umstand mit zugcschrieben werden, oaß auch Maier Korns beiden Söhne — der jüngste befand sich in anderer und weniger hervorragender Gesellschafr sich neben Julius Limbacher recht ansehnlich ausnahmen. Es wurden viele Grüße gewechselt. Die jüngeren Männer besonders zeigten durch die verbindliche Art. wie sie ihre Hüte zogen, daß sie auf der Höhe der Zeit standen und sich als Träger einer höheren Kultur wohlbewußt waren, welche Anforderungen eine wahre Bildung an sie stellte. Aber auch die jungen Damen bekundeten in der Weise, wie sie mit dem Haupte einen Viertel- und Halbbogen be sctirieben und zugleich sich oerneigten, oder, auch nur ohne beides, und ohne dem Gesicht ein liebenswürd ge» Lächeln aufzuprägen, wieviel ihnen die verschiedenen Grüße wert waren und wozu Rang und Stand verpflichtete. Ein guter Beobachter, selbst wenn er ganz fremd im Städtchen gewesen wäre, hätte nach Ar» der gebotenen und erwiedertcn Gruße ohne Schwierigkeit den Rang, den die einzelnen Spaziergänger unter ihren jüdischen Mitbürgern einnahinen, bestimmen können. In dieser, viellkicht oem Gotha'schen Almanach nachgebildcten Rangbewertung, schien eine untersetzte, schon etwas korpulente Dame von etwa fünfzig Jahren, mit zwei jungen zwanzig und zweiundzwanzigjährigen Mädchen, noch keine Unterst!»»! a:- funden zu haben. Diese drei Frauenspersoncn machten gegenwärtig der;üdischen Gesellschaft des Städtchens einiges Kovszerbrechen. Die Damen wußten noch nicht, wohin man Frau Wächter stellen sollte. Bor einem halben Jahre halte sie noch mit ihren beiden Mädchen Hüte und Hauben gemacht. Da kam ein? unverhoffte Erbschaft, groß genug, um das Verschönern der Geschlechtstonstirrentinnen anderen Mitschwestcrn überlasten zu können. Auch aroß genug, um den Gatten und Vater dieser Damen. Mendel Wächter, seiner seitherigen Geschäftstätigkeit, als Händler mit altem Eisen, Lumpen, Knochen und Flaschen, zu entziehen. In den Augen seiner Gaitin war Mendele ein Schlrmihl, was hier soviel besagt wie ein unanstelliger, unbeholfener Mensch, mit dem derzeitig noch wenig Staat zu machen war. Da nun Frau Wächter welche von ihren Kindern seit der Erbschaft Mama, statt wie früher Mutter, gcrnfen ward — ihren Töchtern niemals verhehlt hatte, daß sie ihren Mendele nicht als ebenbürtigen Lebens geführten betrachte, so sahen auch die beiden holden Mädckxn in ihrem Vater - der vorläufig noch nicht Papa gerufen tverden konnte, sich diesen Grad erst erwerben sollte - auch so etwas ähnliches, wie einen Schlemihl. Es sind ja fast immer die Frauen, welche die Mißachtung der Kinder gegen die Väter verschulden. Zur Entschuldigung für das nicht von großer Kindesliebe zeugende Verhalten der beiden Töchter Wächters mag hier eingeschaltet werden, daß seine äußere Erscheinung von der gemachten Erbschaft tat sächlich noch ivenig angekränkelt worden war. Trotz aller Bitten und Vorwürfe nahm Mendele weder *Jir4• י fWa;._*•י*«> י •*aA *י• tu («Ir 11T1 itui i ui ו ivm aauuu u»1, tnw!mvmv u »»» 114! Sprechweise den hohen sozialen Aufstiea, der mit eincr Bierzigtausendtalererbschaft verbunden ist, zum Aus druck zu bringen. Erklärlicherweise konnte ein Gatte und Vater, der im Vildnngswetteiser soweit hinter den Seinen zurückblieb, auch m1f*i öffentlich mit ihnen erscheinen. So blieb denn Mendele Wächter bi? auf Weiteres in ה?ףז?י alten llmgangskreisen, In denen er sich noch ganz wohl zu fühlen schien, i Die Provbeieibutta seiner Frau und Töchter. daß ihn seine alten Freunde und Bekannten schon in allernächster Zeit anpumprn würden, hatte sich nichl erfüllt. Keiner von ihnen machte auch nur einen Versuch, von seinem plötzlichen Reichtum zu profitieren. So stand denn Mendele Wächter, wie sonst um diese Zeit am Sabbat, bei einem kleinen Kreise früherer Standesgenofsen in ruhiger Unterhaltung. Berrz, der die Gewohnheit hatte, allen Leuten auf die Füße zu sehen, weil bei ihm der Mensch mit den St'efeln begann, bemerkte daher nicht, daß der eben vorübergehende Jomtof Schiff ihn keines Blickes würdigte, während Jekefchen Geisenheimer, welcher lebhaft gestikulierend an seiner Seite ging, dem Schuster vernichtende Zornesblicke zuwarl. An einer scharfen Biegung des Stromes unterhalb der Stadt, wurden dicke Raucbwolken sichtbar welche das Hrrannahen eines Damplbootes der kündeten. Das Anlegen eines Schiffes an seine Landestelle behält immer denselben Reiz und ist uns viel in ieresianter, als die Ankunft eines Eisenbahnzuges. Das Schiff ist die Verkörperung der Reisepoesie, der Bahnzug der Repräsentant der Reiseprofa. Das Schiff bat eine Seele, der Eisenbahnzug ist nur Körper, und deshalb wohl lernt man ein Schiff liebgewinnen. (Fortsetzung folgt.) Heinrich Neer. Eine Erzählung von Friedrich Rott. >-1" Am folgenden Tage, schon in den Vormittags stunden, hatte Alfred sein erstes Verhör zu bestehen. Durch oie Erkenntnis, daß man ihn nur als Mit schuldigen, nicht aber als Alleinschuldigen gelten lasten wollte, batte seine opferfreudige St'mmunz allerdings eine starke Trübung erlitten: doch er ergab sich der Hoffnung, daß es ihm schließlich doch gelingen werde, die Richter zu überzeugen, daß nur er und ec allein den Mord begangen haben konnte. Mit Ge nugtuung erinnerte er sich, daß der Gerichtspräsident es gestern erforderlich gefunden hatte, die ihn ver haftenden Genchtsdiener für seine Sicherheit verant wörtlich zu machen, da die Menge, empört über sein rohes, herausforoerndesBenehmen, ihn möglicherweise halte lynchen wollen. Ein glückliches Lwckeln um spielte seine Lippen, ivenn er der Szene gedachte. — Dumme Menschen, wie leicht waren sie zu täuschen. Zwar alle batte er nickt aetäulcht. keineswegs alle. Selbst unter den Judenfeinden gab es manche, die den hochherzigen Jüngling durchschaut und bewundert hatten. Zu ihnen gehörte der Unter suchungsrichter, der mit seinen scharfen durchbohrenden Blicken den jungen Mann betrachtete, der, mit zur Schau getragenem Ueberniut stramm ciufgrnchtci vor ihm stand und sich bemühte, seinen sonst zwar feurigen, aber leintslvegs wild blickenden etwas Drohendes zu verleihen. ״Warum lasten Sie denn die Augen beständig rollen?" fragte der Richter. Alfred erwiderte nichts, zuckte nur wegwerfend mit!er Achsel». ״Warum antworten Sie nicht, wenn Sie qe fragt werden?" ״Weil die Frage nicht hierher gehört." ,,Was erfrechen Sie sich!" fuhr der Unter si,chuilgsllchj<l uuf, ״Sir find rin roher, uiigrhvbrlirc —" er unterbrach sich, fuhr sich mit der Hand über die Stirn und blickte den ibn in Wirklichkeit frech Anscheinenden kopfschüttelnd an. ״Machen Sie. was Sie wollen, mich werden Sie doch nicht täuschen. Sie sind von Natur aus weder frech, noch roh, noch unge hobelt. Aber Sie wollen so erscheinen, um mich an Ihr Verbrechen glanben zu macken. — Nun. wa: haben Sie!arauf zu erwidern? Augen Äirrev zuckte abermals >״r Achseln.

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