Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 13 (29.3.1906)
- Date
- 1906-03-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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tu Lote ."> 'Tit l,1 #*. März laop.__ 2 2 Proz. aller Ausgaben entfallen auf ras Pyitanryrvpin. jenes Insniur. dos die Gemeindekriter als J 0 n f 11 ס a t i t>" zu bezeichnen pflegen, wenn sie die starke finanzielle Le lastunq, die die Schule der Gemeind« bringt, de gründen wollen und als ״f r e i s i n n i g'ß wenn es gilt, den hebräischen Unterricht mit unbe deckten! Haupte als geheiligte Tradition gegen die Angriffe orthodoxer Fanatiker zu verteidigen. Ter Redner machte eine Reihe von Vorschlägen adminisnativer Natur. In der Diskuffion wies Herr E t t l i n g e r nach, daß die volle Gleichberechtigung der .Richtungen" in der Gemeinde noch lange nicht hergestellt sei, insofern der Löwenanteil aller Gemeinde׳ Ausgaben auf die ״liberalen" Institute entfalle. Herr L e v i g a r d erörtert die sonderbare Praxis des Almnsenkastens, der dir Gewährunq von Armen Unterstützungen von dem Verzicht auf die Gemeinde Mitgliedschaft abhängig macht, um auf diese Weise lästige konservative Wähler los zu werden. Gr meint im übrigen, die Freisinnigen sollten sich ihre eigenen Institute doch lieber außerhalb der Gemeinde schaffen und stellt die Israelitisch, Religionsaesellschast mit ihren ans reinster Freiwilligleit beruhen׳ den mustergiliigen Institutionen als leuchtendes Bei spiel hin. Herr W i s l o ch rügt die vorsintflutlichen Bestimmungen des Gemrindestatuts. wonach der Vor stand sich selbst kooptiert, die Gemeinde also eigentlich mundtot sei. Es wird von besonderem Interest« sein, demnächst in größerem Zusammenhang auf die Ve slrebunaen des Zentralvereins zurückzukommen. Berlin, im März. Die ״Vere.nigung jüdischer Akademiker", die vor süns Semestern hiec von einer Reibe immatcikuliener und ehemalige: g׳- setzestreuer Studenten ins Leben gerufen wurde, hat. wie der vorliegend« Semesterbericht zeigt, sich auch im vergangenen Semester in erfreulicher Weise weite, entwickelt. Die Zahl der Mitglieder betrug 43, wo von 30 in Berlin antvesend waren. Die im Verhältnis zu der kurzen Zeit des Bestehens große Mit׳ gliederzahl zeigt, daß mit der Gründung des Vereine einem dringenden Bedürfniflc entsprochen wurde, und daß der Verein, der leine Mitglieder zu glauüenstreuen Söhnen des geletzestreuen Judentums ecziehen will, und dabei alle niobernen Fragen in den 1t reis seiner Erörterungen zieht, zu großen Hoffnungen berechtigt. Diese Hoffnungen lasten sich aber nur dann verwirklichen, wenn wirtlich alle gesetzes treuen Studenten, die nach Berlin kommen, sich dieiem Vereine anschließen und mit Eifer für ihn tätig sind, was leider bis heute nicht der Fall ist. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn alle, die sich für die Tenoenzen des Vereins interessieren, in ihren Bekcmntenkreisen für den Anschluß an ihn iverbe». Folgende Referate wurden im vergangenen Semester gehalten: Herr cand. phil. Lewy: ״Ueber ein neues konservatives Geschichkswerk" Herr stud. jur. Möller: ״Zionl-lwus und gesetzestreues Judentum" (2 Abende): Herr cand. Phil. Neuwirth: ״Ueber die Stellung der Nichtrabbiner zum Talmud": Herr cand. phil. Dreifus: ״Kinde.spiele im babdloni'ch n Talmud": Herr stud. Phil. Löwenstein: ״Zum Wescn des jüdischen Religionsgesetzes": Herr Dr. med. Prrusi: ״Der Blinde im altjüdischen Slhrifttum". An alle diese Referate schlossen sich lebhafte, anregende Diskussionen, in denen alle modernen und wissenschaftlichon Probleme, die zum Iudentume in Be Ziehung stehen, eröriert wurden und wo jeder sich demühte, zur Klärung der Fragen beizutragen. Außcrdem wurde auch die Gemütlichkeit gevsilegt die die Mitglieder bis zur späten Nachtstunde zusammenhielt. Der Vorstand sctzte sich aus folgenden Herren zusammen: Stud. jur. Jakob Möller, 1. Vorsitzender: Rabbiner Dr. E. Munk, 2. Borsitzender: stud. med. Iwan Haarburger, 1. Schriftführer, Dr. •mm. Mar Äscher, 2. Schriftführer: cand. phil. Immanuel Lewn. Kassenwart. Anfragen und Mitteilungen sind zu richten an den Ferien-Präsiden. Herrn cand. med. Salomon Hildesheimer, Berlin N., Friedricbstr. 130. — Der Verein bat an die Rabbiner einen Aufruf versendet, m welchem er sie ersucht, gesetzestreuen Abiturienten, die die Beniner Universität bezieh»», den Beitritt zu empfehlen. Es ist im Interesse des gesetzestreuen Judentums sehr wünschenswert, daß man!ich öeinühc, oie Vereine jüdischer mu'utmittt nach Möglichkeit zu fördern. Oe st erreich -Ungarn. Die Lanörskübbinrrschult ju Vudapkft. <Vo» unserem Korrespondenten.) B u v a p e st. im März. Durch das Ableben Martin Schweizers wurde die Präsidentenstelle im Organisation» komitee des Landes - Rabbinenseminars erledigt. Diese Stelle wurde nun mit Josef H a t v a n g Deutsch besetzt. Der neue Präsident gehörte auch früher dem Organisalions Komitee an, hat sich aber um die internen Angelegenheiten des Seminars ivenig gekümmert. Als ungarischcr Vertreter der Allianz hat er mehr auf pbilanthrvpischen Gebiete eine fruchtbare Tätigkeit entfaltet. Das Philosophieren mit den heiligsten Interessen des Judentums überließ er seinen Kollege». Er >oicd auch als Präsident des Organisationskomitees keine Richtung geben!vollen, sondern mit dem talmudischcn Satz sich bescheiden: :דאנדד נעשית ער •די אחיי:. Die ״A cherim" des Seminars, das sind die Mitglieder des leitenden Ausschusses, die als Prüfungskoni- Mission die Studienordnung, das Lcbrziel. die religiöse Rickstung. überhaupt alle Angelegenheiten der Rabbinerschule beeinflussen. Das Seminar wurde auf Kosten des jüdischen Scbulfonds. welches als Vermögen des ungarischen G e s a in t j u d e n - t u m s von der ungarischen Regierung >vr!c aliet tvird, gegründet und wird auch von diesem erhalten. Dieses Seminar verschlingt den größten. Test der Fonds-Eintünfte unv wird von der Regierung und von der Kongrrßpartei als gemeinsame Anstalt des ungarischen Judentums deklariert. Indessen wurde noch kein Seminarzögling in einer orthodoren Gemeinde als Rabbiner anaenellt: vas kann schon aus dem Grunde nicht geschehen, weil ein ortbodorer Rabbiner von orthodoxen Lehrern autorisiert sein muß. Es ist aber wahr, baß diese Anstalt auch von Kindern orthodoxer Eltern besucht wird. Wenn dies nickt der Fall wäre, hätte man übrigens das Seminar sckon längst schließen müssen, weil nur solcke Schüler ausgenommen werden können, die im Standsind, auch etwas Talmud zu lesen. Und Kinder, die un punktiert hebräisch lesen können, finden sich nur in orthodoren Gemeinden. Doch wie immer die Ve: bältnissc sind, diese Rabbinerschule wird »-x otüno als ״g e m e i n s a m c" jüdische Anstalt betracht-t und untersteht in allen Stücken der Oberaufsicht der tön. ung. Regierung, die auch den Lehrkörper lind sämtliche Mitglieder aller Komitees und Ausschüsse erneunt. Wie sich dies alles entwickelt Hai. das z׳r beschreiben, überlasse ich der bewährten Feder Ihres ausgezeichneten ungarischen Referenten, der mit scltene: Meisterschaft, mit historischer Treue und großem Scharfblick die ungarisch jüdischen Be-bält niste, die als Belehrungsquellr kür das Verhalten der »eseykstreuen Juden in allen Ländern dienen können, in diesen Blättern zeichnet. Ich will hier nur das Neueste registrieren. Neulich hat der Unterricht?- minister auch die erledigten Stellen im leitenden Ausschüsse durch neue Miigkieder besetzt. Er wurden — selbstredend auf Vorschlag der neologen Landeskanzlei folgende Rabbiner zur Leitung berufen: Dr. Fischer und Simon Hevesi, Budapest: K e c s k e m e t i, Naghvarad: S t e i n h e r z . Sckekrsfehörvar und Reumann, Naghkanizsa. Samtliche neue Mitglieder waren Zöglinge der Anstalt, die nun von ihnen geleitet werden soll. Außer den ncuernannten Mitgliedern gebären dem leitenden Ausschüsse an: Prsf. Dr. Ignatz Goldzieher, Rabbiner Dr. Klein. Naghberskerek. Rabbiner Tr. S p i d o n , Versecz und der berühmte Oberrabbiner von Arad Dr. A. Rosenberg. Die neoloqe Landrskanzlei hat es sich zum Prinzip gemacht, künftighin nur Rabbinen. die dieses Seminar UT'l'U’UU IfUVVi Die Liieren renommierten Rekormrabbiner. wie «Perl» Fünfkirchen. L ö w Szegedin. Löwi W ' . C «* ״ L |k >«£.(111(91*111 , 1m UUUJ Ulf 4.U1mUVUKmi IM vik, greßpartei hervorragen. werden zu diesen Würden nicht zugelassen. Diese Herrn haben mitunter noch etwas ״konservative' Allüren: sie begnügen sich mit den bestehenden Reformen, wie Orgel und Damenchor, bekennen sich nur in Fragen der mündlich überlieser ten Thora zur Frankel Grätz Weiß'schen Schule, und düt fen den künftigen Raddinen Ungarns nicht als Vorbildtl erscheinen. Der Wunderrabbi von Arad, der in seiner Sbnagoge sieben Mischehen eingesegnet, gilt der neologen Landestanzlci als erste Kapazität. Auch sein Schtviegersohn, Dr. K e c s t r m e t i au» Nagyvarad, hat in seinen ״ivissenschaftlickxn" Unter suchungen ganz besondere Beioeise seiner religiöse» Gesinnungstüchtigkeit geliefert. Er offenbart da unter Anderem: ״Tie Gestalten der Bibel sind mythologijche Gestaltcn: die Wunder sind pure Fabeln: die göttlichen Gesetze sind menschliche Mach werke, selbst der Gott Israels ist eine Schöpfung der Rabbiner. Dieser war früher irgend ein jüdischer Götze, der später zum Nationalgott avancierte und erst in seiner späteren Entivickelung wurde er Schöpfer des Weltall»." Diese» Wc!k wurde seinerzeit auch von der jiid. ung. literarischen Gesellschaft Prä m i i e r ». Indem aber die leitenden Männer der Kongrcßpariei um jene Zeit einr Ve-stänbigunq nii: den Orthodoren zu erzielen hofften, gab man sich alle Mühe, die Drucklegung des Werkes augenblicklich zu verhindern. Auch mußte der Araber Rabbiner damals den Orthodoxcn zuliebe die Einsegnung der Mischehen aufgeden. Er brachte gerne dieses Opfer für die Versöhnung und oerösfentl'ckte folgende Kundmachung: ״Ich habe mich entschlossen. Mi scsi rhrn nicht mehr eiiizusegnrn. und;!oar aus zwei Gründen. Der einc ist, das: gerade mcinr Araber Gläubigen auf!neinen Standpunkt nichts geben und sich taufen, tvenn sie Andersgläubige heiraten wollen. In sechs Jahren ist ein einziger Fall vorgekommen. daß ick eine von Araber Lrutci, ge schlossene geinischte Ehe riiigestguet bade. Ich habe auch schon "a» getan, daß ick den jüdischen Bräutigam oder die jüdische Braut, die sich mit Andersgläubigen verheiraten wollten, gebeten habe ihren Glauben nicht zu uulassen da ick ja die Trau ung vornehmen!volle: kein einzige» Mal fand ich Gehör. (Dir Araber Juden sind doch gewitzigte Leute. Die Religion ihres Rabbiners hat in ihren Augen nicht mehr Wert, als v׳- Taufe. Anmerkung d--> Sehers.s Freilich habe ich da bereut, was ick getan. Soll ich dafür meinen Rücken herbalten.' lO. der arm, Märtvrer!) Mein Prinzip gebe ick nicht auf! Auch beute bekenne ick mich zu dem Grundsätze, daß der jüdische G,ists!ck>, seine Gkäubiaen mit Andersgläubigen trauen kann." Diese Widerrufung hat die Kongreßpartei und ihr Preßoraa» als eine Heldentat, eine heroische Ha ״ p . l u n g gepriesen. Im übrigen hatte der Arade- Nab diner weder früher, noch später von seinem rabk-i nischen Renommee etwas eingebüßt. Er blieb!hm׳- snna ctatrt des Rabbinerseininars. eine Zierde des ungarischen neologen Judentums. Auch sein Sckwiegervater wurde für sein die Gvttesossenbarung leugnendes Werk von der erstrn Rrformgemeinde Ungarns ausgezeichnet. Der Vorstand der Budapester großen Gemeinde hat ihn zur Gastpredigt berufen und wollte ihm die von K a i s e r l i n g inneqedabte Rabbinerstelle übertragen. Dieser ׳Versuch scheiterte aber an dem Widerstand einiger ״konservativer" Reformer, die gegen seine Wahl protestierten. Der Ehrenmann mußt, aber um jeden Preis rehabilitiert werden. Auf Vorschlag des Herrn Josef Simon wurde er vom Kultusministrr in das Kuratorium des Rad binerseminars berufen. Tein Kollege Dr. S. Fischer, dem es gelungen war, die Rabbinerstelle in Budapest zu erlangen, gehört zu den besten Schülern diese: Landessnstalt und bat sich auch im Prager Tempel als radikaler Reformer bewährt. Dieser Monn hat besonderes Talent bekundet, als e׳ in einer Rad»!: :«rdersammkung in Gegenwart seines greisen Lebrrrs, des Seminardirektors Bloch den Antrag stellt«, dir Ebalizab abzu schaffen. Er wurde auch für tauglich befunden und ebenfalls zum Mitglied des Rabbiner Kuratoriums ernannt. Prof. Goldzieber genießt enen Weltruf als Orientalist. Seine Eignung als Semi narrabbiner und PrüsungSkommissär bat er aber da-