Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 13 (29.3.1906)
- Date
- 1906-03-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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fl r. 11. itltf 4 Xtr Qarattit. 'J.U«tu IHW. fein, izz ״?:trv.iuT!״ ft1.״ burdh den t^rbanlfn frheilt, den der Glaube daran tni׳;׳ft. Tarun.i müsst it>r auch das jüdische System gottesdienstlicher Veerichiungen »nd Entsagungen, verbunden mit seinen Segensformeln und Gebeten, als ein tevendiges Ganze, in seiner vollen Wirksamlei: «ruf innig religiöse Gemüter betrachtet haben, um es zu :׳egreisen: auf solche Gemüter, die, auch bei bolx.׳ 'LiÜbung und lxllen, freien Religion- Beqriften. darin leben, >vie in einer marinen Atmos: lxire des Glaubens und der Andacht, die die Seele um "ch her geschaffen, der sie «'׳eist und Liebe eingehaucht, uni sie von hier zurück;u empfangen, von der >!e in jeder Giiipfindung. jeder 2ätiafeit des Lebens begleitet wird, in die sie sich hüllt, um vor dem ertältenden Ginslus: der Lebenssorgen und der Lebenslnite ge schirint z» sein. Ihr müsst sehen, mir jenes Unsrem für jeden religiösen Gedanken eine Tat hat, die ihn srsthält, für jede Tat einen Gedanten, der sie erhebt, für jeden Genus: einen Segen, fiir jede Ttrctifce ein Gebet, für jeden Schmer: einen Trost, einen Dank selbst: ihr müsst .n Vater sehen, - er bei der Leiche des Lohnes den Schmerz überwindet und mit festem .chu'e ׳» gerechten Richter seoner, und ihr werdet me tenntnislosc 'זritit nicht minder albern al:׳ h finden, Wem b-i jenen schwach entmoifenett Zügen auch nur ei» verehrtes, erhabene-, heiliges Bild, ivie dem Verfasser dieser Zeilen, vor Augen schiveb:, der wird seine Entrüstung über jene eng aer;igk, stumpfsinnige Ausfanuiig des äusseren Lebens einer Religion teilen." Das in freilich, eine ganz andere Aussanuna. als ne o׳r rpn en Reforinianatitern so oclii veemeudettii Ausdrücke ״Verknöcherung" und ״Rückständigkeit" euldaitkli. Man darf gegenüber einer so feinfühlige Erfassung des großen ״heiligen Epos". wie 3. R. Hirsch einmal das Alltagsleben des Juden genannt ::׳.t umso schmerzlicher bedauern, bas׳ Riester von Anfang an für sein eigenes Leben irgend ein׳ Vorstellung von dem Ernst des jüdischen Pslick.:!ebotes, wie es scheint, niemals beigebracht morden ׳:>ar, sooass er ohne 3ou! vo» Ge:r',ssrnssir!:pe:n diese ganze Herrlichteit jüdischen Mizmoth Glückes!vie eine ibn selbst zu nichts verpflichtende Pbantamagorie an sich vorübrrziehen lassen konnte. Je mehr so Riester aus der einen Seite dazu ve׳ anlagt schien, gegenüber der aerüblsmästiaen Schätz »ng religiösen Gebens den I n h a l 1 des reli- :iösen Rewustt'ein-׳, das Bekenntnis bintan:r׳.stellen. aeno schiverer wiegt das kräftige Wort, das er g e g c n nje administrative Zusainmensaffung der verschi'denen religiösen ,Richtungen" gesprochen: .Der Umstand, das: die Juden infolge alter und neuer widersinniger Veranlassungen die und da noch statt einer Neligions Genossenschaft eine Korporation, siau eines durch ein geistiges, und daher freies Baud gebildeten Vereins, eine Art von besonderer, ad׳ min'sirativer Ganzheit bilden, in der Grund der meisten Mängel in ihren inneren Verhältnissen, der Grund unnützer Vergeudung von Kräften, die nütz lieber wirken könnten: der Grund eines tiefen Und-e Hägens, das alle Viel^Itniise durchoringi, der Grund der meisten .Hemmniste, für die Beförderung des rel: giöfen, des gottesdienstlichen Wesens, das anstatt der eigentliche und der einzige Mitielpunit des Gemeind״ leb,ns zu sein, zu einer untergeordneten 3iellung vrrurlriit ist. der Grund, warum dem G»wi»en Zwang angetan, und in den meisten Fällen die fort schreitende, in einigen Fällen auch die dem Alten an hängende Meinung gewaltsam unterdrückt wird, iceil K o r p o r a l i o n s v e r k ä l t n i s s e eine E:n t. eit fordern, d i c in den Ansichten nicht i in m e r verbanden ist, und »veil dem Iiet st en religiösen Bedürfnis G r >a >. I t angetan w e r d e n must, u m Interessen, die nichts mit ihm ,11 schasse» u u 1׳ t ח , n i L i z u verletze..." Wie wäre es, ivenn die Freunde jüdischer Kon fiftotien in der Gegenwart diesen Ausivruch eines Manne», d«ssc» Autorität sie gewist anerkennen wer den, sied nck nntam nähmen? Gabriel Riester war keiner der Nnsrigen: wir ׳edauern er. Aber wir freuen uns, seststcllen zu tonnen, vag er auch- '<r tteinen Sckar der Gesetzes :reue,׳, gegenüber stets der Mann der Gerechtigkeit 'e'oeken ist׳ wir freuen «n; hfr ^v>mn,׳:v>en r>te wie mir «fnnfirn. er ♦rnb allem fiir das aesetrestrrae I Judentum hegte; freuen uns dessen, weil diese Züge' im Eharakterdild des ManneS seine edlen Eigen schäften in desto hellerem Glanze erstrahlen lassen, desto liebenswerter machen. Wenn auch der Ruhmestitel eines Grasten in Israel den Männern vorbe halten bleiben must, die durch ihre Lebensarbeit t>:e Erfüllung der alles andere überragenden jüdischen Volksausgabe, die Verwirklichung des GoiteSgesetzes mächtig gefördert haben, die Lauterkeit seiner G t - finnung, der Adel seines S t r e b e n S sichern Gabriel Riester einen Ehrenplatz in der jüdischen Geschichte, M PklcM»« ik» " .. ÄiWkS. Zu unserem Artikel in der vorigen Rumn:er über den Montagutonflitt sind aus aller Herren Länder Zuschriften bei uns eingelaufen, die einmütig das Verhalten des Londoner Oberrabbiners v.rurteilen. Wir veröffentlichen hier eine der Zu schriften, eine zweite geben wir an anderer Stelle wieder. ״Der Vorfall, welcher gegenwärtig*die gescbestreuen Kreise der britischen Metropole in Atem hält, wird gewiss nicht verfehlen, allgemeines Interesse zu erwecken. Um so befremdlicher erscheint der von dem Londoner Oberrabbiner in dieser Frage eingenommenr Standpunkt. Rur nebenbei sei bemerkt, dass der Vorgänger und, wenn ich nicht irre, auch Vater des derzeitigen Oberrabbiners in derartigen Fragen eine wesentlich andere Haltung beobachtet hat. Soweit der Bericht in Rr. 12 Ihres geschätzten Blattes erkennen lässt, orrtritt der Herr Oberrabbiner Adler die Ansicht, dass der in Gesinnung und W orten vollzogene Abfall von entscheidender Bedeutung nickt sei. infolange der Thora und ihrem Gesetze nicht auch praktisch de. Gehorsam verweigert wird. Wer das Leben einerseits und die Forderungen der Thora anderseits kennt, der wird ohne weiteres zugeben müssen, dass diese Scheidung dermassen gekünstelt er scheint, dass sie für bic Wirtlichkeit des Lebens jede Bedeutung verliert. Ich frage, wer in aller Welt wird sich dazu verstehen, alle und jede Aeusserungen seines Lebens von einem Religionsgesehe bestimmen zu lassen, dem er im vorhinein jede religiöse Wahr- Hastigkeit aberkennt? Einen anderen Sinn kann doch wohl die Leugnung des Osfendarungscharakters der Thora nicht haben! Soweit mir bekannt, hat ausser Mendelssohn in dessen ״Jerusalem" überhaupt noch niemand im Judentum die Ansicht vertreten, dass die Praxis des gesetzlichen Lebens ohne Anerkennung seiner religiösen Grundlagen Wert ljabe. Mochte Mendelssohn selbst auch strikte auf dem Voder, des Offer.barungsqlaubens verharren, so kann n:au jedoch an den seltsamen Blüten, welche seine ״staatsrechtlichen" Theorien bei seinem. Jünger David Friedländer getrieben, leicht deren Wert und Tragweite erkennen. Es konnte doch nur in richtiger Würdigung dieses Grundsatzes gescrrtjen sein, dass eben dieser David Frirdländer für seine Person und einen grossen Teil seiner Anhänger dem Propst Teller das Anerbieten machte, zum Christentum überzugehen. vorausgesetzt, dass man ihnen die Anerkennung des christlichen Dogmas erlasse. Bon seinem Standpunkte hatte er vollkommen recht. Er wollte eben in demselben Sinne zum Ebristentum übe»gehen, in welcheni er das Judentum — sit venia v ei —aufgefasst batte. Dem Judcntumc jedoch ist ein solcher Standpunkt völlig fremd, Er wider spricht nicht nur den in zahlreichen seiner Einricht uugen ausgeprägten Grundanschauungen, sondern mehr noch den ausdrücklichen Bestimmungen unseres RklrgronSgrsetzes. Schon in Bereich, I I, 1, heißt es: '1דד. קישר שדע ל*־״ד. אד שדש א,1» כדי שיקבל עלי׳ עול מי^כית שדיד תלד 'אידב 'קבי‘ על" ע־,1 מצית"-. Das kann doch jedenfalls nichts andres besagen nie dass die Beobachtuna der Gebote nur dann von Wert sei, wenn ikre Betätigung aus der Ueberzeugung fliesst, damit den von Gott offenbarten Willen in Erfüllung zu bringen. Auf den gleichen Gedanken leitet die Tatsache, dass jeder Vollziehung eines reltgiösen Gebotes eine Berackah unter Anerkennung von .שד ום־ים-־ voranzugeben bab:. 3>r1unt>c11 iim durch tifliifS, düss ivik uiisj uns 1.»en Standpunkt der Offenbarung im allgemeinen stellen, io imrd durek letzteres die engste versönlsthe Belieb una zwischen Gott und unserem Leben geknüpft, in dem wir uns zur Betätigung seiner Gebote anschicken. Aus diesem Gesichtspunkte erklärt sich auch der scheinbare paradoxe Satz: שאיני xc נחל הנע״ה ועדשה מנדה ששד. Weil nämlich bei letzterem die Beziehungen zur göttlichen Offenbarung entfallen, durch welche dir religiöse Tat erst zu wirklicher Bedeutung gelangt. Dieser Grundsatz wird für das Judentum als der- Massen ausschlaggebend angesehen, dass er auch das Kriterium unseres Verhältnisses zu der nichtjüdijchen Welt bildet. Als :הדיה׳ אדיה העול gelten uns nur die jeuigeu, welche die dem Roah vssendarien sieben all gemein menschlichen Gebote als eine Tatsache der Offenbarung anerkennen und betätigen, nicht jedoch, wofern dies ausschliesslich aufgrund menschlicher Beivrggiüiide erfolgt (Maim. Melachim Vli!. IN. 1£du1> jedoch den!11 Lviiddii in Frage kommenden Fall betrifft, so fällt derselbe entschieden unter den Grundsah, den Maimonides (More nebuchim 11 i, 41) vertritt: דעביר w אבל העישה ביד רדה היא הדזיד שיעיז בדהיכיא שזה אינו עיבר לתאבק לבד ולא לעשיר. דה שמנעה התודה לעשות* לרש מחודו לב־ אבל לדלוק על התורה ולעמוד בנגרה ספני זה אד־ את ח הוא נערף והיא ידרג בלא דפק שעלה בלבו ־עת אח־ת לחלוק ב־ על x ולא יעשה זה אלא התירה ומפני יה בא דשייש המקובל בדו הבודב מדב־ מפני שהיא חולק על פנית התירה כי לא עבד אדם כיכב כלל אלא שיא^ בי דקדסית כמו ש:ארני בחבורנו וכן הוא הדין X אצלי בכל עבירה ש יאה ממכה סתירת התד־ה אי המחלוקת כנגדה יאפילו אכל אדם מישיאל בב״ח אי לבש שעמנז אי הקיף פאת הראש לבדק התירה םפ:י רעת ש־תבא־ סמנה שאינו מאמין שזאת המורה אמת הוא אצלי הנאם׳ עליו את ד׳ היא סנהוז. AuS diesen Worten erhellt unwiderleglich, daß Maimonides die von dem detresfenoen Miigliede des Londoner Schulvorstandes öffentlich geäußerten Ansichten als eine Gotteslästerung der schwersten Art dezeichnet. So wenig es daher begreiflich erscheint, wie ein solcher Mannes mit seinen Grundsätzen noch vereinbar finden kann, einer Körperschaft wie der gedachten noch weiter anzugehören, so unerfindlich bleibt es. wie letztere ein solches Mitglied noch weiter in seiner Mitte zu dulden vermag. Diese offenkundige Verleugnung aller Grundsätze kajin aus die Jugend doch nur demoralisierend wirken. Unter auedrück lieber Bezugnahme aut die oben zitierten Worte von Maimonides ist Rabbi Salamon ben Adereth (Responsum 418) mit entschiedenster Schärfe der zu seiner Zeit in der Provence auftauchenden Nichtung entgeqengetreten, welche, obzwar nicht den Offen׳ barungscharatter der Thora verleugnend, dennoch darauf ausging, durch allerlei künstliche Deuteleien ihren Geboten die praktische Geltungskraft abzu streiten. Es wäre höchst interessant, zu erfahren, worauf der Londoner Oberrabbiner eigentlich die in seinem Gutachten ausgesprochene Entscheidung zu stützen in der Lage ist." «w« Nadmdmii Deutsches Reich. Frankfurt, a. M.. 27. März. Der vor zwei Jahren gegründete Zentralverein israelitische Gemeindemitglieder. der bekanntlich bei den letzten Wahlen zum Anschuss der Frankfurter Israelitischen Gemeinde durch die Aufstellung einer aus Vertretern aller ״Parteien" bestehenden Liste den Sieg davon getragen hat. entfaltet z. Z. eine rührige Agitationstätigkeit innerhalb der Gemeinde. In einer heute Abend stattgehabten Versammlung referierte Dr. med. 33. vuiiuttü über um Haushcuisplan der Jsrar littsckirn Gemeinde, der insgesamt Einnahmen und Ausgaben >,an nahezu 700<W1 Mark varsiehk ^985