Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 12 (22.3.1906)
- Date
- 1906-03-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Vir 1; 2-2. Mar, 1906. _ ba Religion hinwegsetzen. eine führend« Rolle in der jüdischen Verwaltung zu spielen suchen. Man wolle lieber auf die materielle Unterstützung solcher Kreise verzichten, als auch nur ein Tüpfelchen von dem heiligen Vätererbe unter ihrem Cinflusse verlieren. Sir Samuel schlug vor, nochmals in nicht mistzuoerstehender Weise an den Chief Rabbi zu schreiben, und gab der Hoffnung Ausdruck. dast diesmal eine befriedigend? Antwort einlaiifen werde Der Antraa wurde einstimmig angenommen. Ob sich die Hoffnung Sir Samuel Montagu's verwirklichen wird, das erscheint uns lehr ziveifelhaft. Jedenfalls verdient das energische Auftreten dieses Mnnne« und der Snnaaogenvereinianng des Londoner Ostende unsere uneingeschränkte Anerkennung. wrcdl Nädbröcibtcn. Deutsches!Heidi. Frankfurt a. M.. 19. März. Profestor Czerny in Heidelberg hat in der Frage des M e > z i z a h röhrchens folgendes Gutachten abgegeben: GroüherzogUch Badische Universität Heidelberg Ofiuif '-V•»“*»•'“»* .. Aus Veranlassung de« Herrn Emil H, Lek inan» aus Frankfurt a. M, habe ich den 'Apparat des Herrn Professor Prltenkofer zur Ausübung der Mezizak georuil und jchliesic mich dem Eulachle» des Herr» Professor E. von Bergmu״״ vom!:12 ,׳. <!! voUkomwe» au. da ich de» Apparat bei sauberer Handhabung für durchaus unschädlich und geeignet Halle, Uebcrlragung von AnfleAungsitonen zu verhindern. Ebenso Halle ich die Anwendung des Apparates bei richtiger Handhabung iür unschädlich für das Aind. Heidelberg, .'»: Febr Hx׳»>. gcz. '1*rer. Tr. Ezernv. Diese Aeusterung einer Autorität wie Professor Czerny ist um so beachtensiverter, als der badische Oberrat dem Vernehmen nach gegenwärtig scharf gegen die Mezizah vorgebt, gestützt aus Gutachten lokaler medizinischer Grössen, die an einen Mann von der Bedeutung Pros. Czernn's nickt im ent scrntesten heranreichen. Frankfurt a. M., 18. März. Welcher Leichtsinn cs ist, wenn manche Juden sich auf die rituelle Zuverlässigkeit von Landbutter verlassen, die nickt untcr Aufsicht eines Rabbiners hergestellt ist. mag durch folgende Mitteilung der ״Kl. Pr." aus G r o ft II m st a d t illustriert werden: Origes Auffehc» erregt hier die Enldecknng bedeuten der Unregelmäßigkeiten im Geschäftsbetrieb der Genossen schastsmolkerei. Teil längerer Feit sollen große Menge» geringwertiger Holsteiner Butter und seibsi Mu»garn.e rer arbeite! und mit dem Lienipel drr l^enossenichafi als ״Feinite Molkerei Lußrahinbutler ׳ verkauft worden sei». I» der dieser Tage abgeiialienen t^eneralversaminlung dert'tenossen schalt wurde mit *7 gegen 42 stimmen beschlossen, dag der bisherige :lli'vlkriestechner Eg. L hl V k leine?telle nieder zulegen habe. Tie Geschäftsbücher wurden alsbald vernegett und solle» genau revidiert werden. Te» «chuldige» an diesem, das Auscheu der Eeuvssenschaft schwer schädigenden Treiben wird die Untersuchung ermitteln. Berlin, 21. März. Ter Verband der S a b b a t f r e u n d e hat ir, den letzten Wochen in verschiedenen Städten Süddeutschlands eine Reib« von Propaganda-Versammlungen abgehalten, die alle zur Gründung von Ortsgruppen führten. Der er folgreich verlaufenen Versammlung in F u l d a . über die bereits berichtet wurde, folgten am 7. März die Gründung von Ortsgruppen in Hanau, am 13. März in München, am 15. Mörz in Mannheim, am I?. März in Giesten. Am gleichen Tage fand eine zweite Versammlung in Fulda statt, ׳n der sich zahlrcichr Miig:׳.-drr ■r»;s den umliegenden Landgemeindcü dem Verbände an׳ | __Ter Israelit. schloffen. Für die nächsten Tage find Versammlungen in Berlin und Posen einberufen. Die einleitenden Referate wurden in Mannheim durch Herrn Rabbiner Dr. 1l n a , in München und Fulda durch Herrn Moritz A. L o e b aus Frank surt a. M.. in Hanau und Giesten durch Herrn Jacob R o s e n h e i m aus Frankfurt a. M. erstattet. Ter Verband hofft, dast sich allmählich überall, wo i'snssch? Gsm'inden bestell«». Ortsgruppen bilden, damit es gelinge, eine nach Zehntausenden zäblenve Heerschar zur Rettung des Sabbats für die jüdische Gesamtheit ins Feld zu führen. Mo die Veranstalt ung von Versammlungen gewünscht wird,!volle man sich ans Siidveutschland an die Ortsgruppe Front furt a. M. tNeue Zeit 63), aus Rorddentschland an die Zentrale Berlin «Heidereutergaffe 4) wenden. S t r a ß b u r g i. C., 15. März. In der Sitzung des Landesausschuffes vom 14. März tut spann sich beim Ctat der Universität zwischen dem Abgeordneten Cmmel und dem Ministerialrat Stadler folgende Debatte: Abg. Cmmel fragt an. wieviel Professoren ihre Berufung nach Straftburg abgelehnt hätten, ferner warum man an der hiesigen llniversität Anti seinitisinus treibe? Cs sei ihm mitgcteilt worden, dass Israeliten nicht ordentliche Professoren werden könnten. »Dfnn sie sich nicht vorder taufen!testen, Mintsterialrat Stadlee. Referent des .Kurawrs: Tie erste Frage komme ihm unerwartet, seines Wiffens sei in den letzten Jadren eine Berufung nach Sirastburg überhaupt nicht abgelehnt worden. Der zweite Vorwurf des Antisemitismus an der Uni versität sei wohl noch niemals erhoben worden Cs sei eine Tatsache, das es israelitische Professoren gebe. Kein israelitischer Professor sei aenöligt!norden, sich taufen zu lassen. Abg. Cmmel: Tann sei es vielleicht zutreffend, dost die Ptofefforen auf ein Sichtaufenlassen der israelitischen Kollegen einwirkten. Warum sei Professor Barth nicht an Piofeffor Röldetes Stelle b«rufen worden? Ministerialrat Stadler: Herr Dr. Bartb sei von der philosophischen Fakultät überhaupt nickt in Vorschlag gebracht. Was das Judentum anbelangt, so wiederhole er. dast Regieruna wie Lehrkörper der Universität dieser Frage vollständig fern ständen. Cinzelne Professoren bäiien ihr« Kinder taufe,» lassen, dock auch damit babc die Regierung nichts zu tun. Oesterrei di - ttngarn Link blutigk Wolj!täti^keits»1ff»irk. — Lkmlikrükl- AürgrrmtiKkrlag. ז01י1י י iinfcrnn Kerresuondrnteic.) Krakau, 15. März. Cin trauriger Vorfall, der nicht totgeschwiegen, sondern einer strengen Untersuchung unterzogen werden sollte, hat sich hier am Mittwoch, den 7. März, abgespielt. In der Weiterbeförderung der russischen Flüchtlinge war eine Stockung cingetreten, welche diese Unglücklichen in Verzweiflung setzte. Die Wiener Israelitische Allianz sandte nun ihren De׳ amten, Herrn Roller, nach Krakau,!״elcher, wie es sch.'int, eine Auswahl unter den zu bekördernden jungen Leuten, »neistens Militärpflichtigen, zu treffen Hane. Die ^urüdgewiesenrn vrglrUrtLN den Herrn aus die Strafte (Grüne Gasse) und scheinen sich etwas ungestüm benommen zu haben. Cr ries sofort um Polizei, welch« mit blanken Säbeln au» die Leute einhieb, einen Mann tätlich und sechs junge Leute mebr odec weniger leicht verwundete. Der Crstere. welchem der Schädel gespalten wurde, soll bereits im Spital gestorben sein. Wir haben erst vorige Woche de» Sturm erlebt, welclwr sich im Reichsrate darüber erhob, daft e ne von ruthenischen Bauern angegriffene Soldateneskortc, welcher Arrestanten entrissen wurden, von der Waste Gebrauch machte. Wir haben hier in Krakau vor einigen Wochen gesehen, daft ein Polizeikommissär, in Ausübung seiner Dienstpflicht sich von Svtiald.'mokraltn schivrt verwunden lieft, ohne den B.stsil zu erteilen, daft zur Waffe gegriffen werde weil d?r מי?;::!» §»ts,s»k,h,rrfchuna otNUg besaft, Blutverqieftrn > zu vermeiden. Ckwas weniger Feigheit, etwas mehr _ätitt .< Mut und ein geringe« Maft (steduld gegenüber oer zweiflungsvollen. wie da« W»ld gehetzten Mensche», hätte dem jüdischen Wohlrätuzkeitsdeamten, bess-n Toilette nicht einmal decangirrt wurde, gewiss aus der gar nicht so bedenklichen Klemme geholten. Avrc wir kennen ja unsere Pappenheimer. Rur, dast es uns unwahrscheinlich schien, dast die Handlung ׳weite dieser Scv.anzen der Wohltätigkeit aus oss-ner Straste in Krakau dieselben Szenen Hervorrufe, wie in c׳r» Puüipa» vvn Argentinien. Wird man;ist wieder mit einer phlegmatischen Rüge des Herrn Rarcisse Leven begnügen^ Behuf« Stellungnahme zur 'Wahlresorm, n-elche eine so heftige Fehde zwischen den beiden Volts stämmen ber Polen und Ruthenen in incuizien her vvezurufen im Begriffe steht, wurde am 7. d, M. st׳ Lemberg eine Versammlung der Bürgermeister und Vizebürgermeister der grösseren «.stemeindei, istaliziens abgrhaltrn. Die neue Wahlordnung droh', die Juden, welche vermögr ihrer Zahl < 41 Pro,,. der Gesamt bevölkerung), ihrer Steuerleistung und Jnlelligen׳. ldie einzigen unter denen es keine Analphabeten gibt» da« Zünglein an der Wage zu bilden berustn wären, von der so unumgänglich notivendiaen Vertreiung im R-ichsra« gänzlich auszuschliesten. Da müssten doch Männer, die selbstlos sind und es ebrlich mit ihrem Volke meinen, nichts anderes als die Interessen desselben ins Auge lassen. Die Ruikrnen, welche m -stgalizien ebenso die iiderwiegende Mazorirat bilden, wie die Polen!» Westga'.izicn, haben im Reichsrat.׳ für die Juden, als besondere 'Rationalität eine bc sondere Berüclsichtigung g,fordert. Der Polenllud hat dagegen den Juden das freil.ch garantielose 'Ver sprechen gegebcn, dast fünf der bisherigen iiititctxn Abgeordnetcn die nächste Wiederivabl gesichert werden solle. Darunter ist auch der Vizebürgernicisser von Tarnow, Dr. Golbhammer. welcher aus obstzein Kongilsse.!mierstützt von zwei Kollegen, die Versicherung abgageben Hai, dast die Juden mit den Polen durch dict und dünn gegen die Ruthenen geben würden, .X >»-,-> 11011»: U* »IHutr**. den len die Leute, der brave Mann denkt ja bekanntlich an sich zuerst. Dieser Orsizial Vertreter des Judentums bat vor seiner Wahl zuia Vizebürgermeister in Tarnow in einen׳ Prozesse cines jüdischen Vaters gegen den Cnt'ührer und Verführer seiner kaum dem Kindec-alter ent rücklen Dochte: die in ein Kloster gebracht worden war. dem lebtcren dadurch zu einem Freispruche ver Holsen, dast er aussuhrie, der Angetlagle habe L>ti der Unierbringung des Mädchens im Kloster nur dessen Wohl im Auge gehabt. Seine eigene Tochter war, indrin sie sich taufen liift. mit gutem Beispiel vorangegangen. Und dennoch ist es diesem Manne gelungen in einer Stadt in!.׳elcher seine Wahl lediglich von Juden abbing. mit Hilf« von jüdischen Agitatoren in chasidischer Maske, gewählt zu iverde»! Wer beechligt dies?» Mann in! Ramen einer Million Juden Crtlärunaen abzugeben. inel.^, zj, Haskle derselben der Win eines gan,en Volkes vreisgeden' Was wir an Antisemitismus bloss aus dem von Schmerlinz seinerzeii vorgezeichneten ״Wege der Gesetzgebung" in den letzten zehn Jabren in Galizien erlebt haben, dar ermutigt keineswegs dazu, ohne irgendwelche Komp n sationen für uns selbst, uns dem bisher herrschenden Regime aus Gnade und Ungnade auszuliesern. Hat doch erst vorige W^ch« der polnische Lehrer am Gnm nasium zu Stainslau, Bregonski, den Schülern (darunter sind nicht wenig jüdische) oorgetragen, es sei durch den Prozess Hilsner erwiesen, dass die Juden zu Ostern Christenblut brauchen, es sei ihnen nur bisher immer möglich gewesen, die Gericht» zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Der vernünstige Selbsterhaltunqstrieb erfordert, dast wir uns in diesem drohenden, blutigen Kampfe entweder so weit als möglich passiv verhalten und die Streitenden sich selbst überlassen, oder aber mit der jeweiligen Majoritä׳ gehen, deren Bekämpfung uns mit dem B-mtott und mit Lebensgefahr bedrohen würde. Aber die Haut eines Andenn für persönliche Zwecke zu Markte 1!,׳ tragen, mag wohl praktisch sein und patriotisch scheinen — moralisch zu rechtfertigen ist das n cht Die politische Moral verwirft das «I«» »' •1• *» kr׳neswegs. Wenn die Herren fick aber auf den politischen Ktthbandel kinlassen. so sollen sie nicht kurzer Hand ihre Volksgenossen verkaufen, sondern eine Besserung der bisherigen uner!rägstchen Verhältnisse zu erlange» suchen.