Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 12 (22.3.1906)
- Date
- 1906-03-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9886729--0223-7374731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1 1 ■י<9 Seite 2 Der Oeraeltt. J^narbeilen, und mit Dolchen. Revolvern und Bomben bewaffnet, jüdische Häuser und Läden überfallen, um für die Zweite ihrer Organisation Geld zu erpressen. Dte Banditen, die unlängst den Bruder des Kownoer Rabbiner ermordet und seine Kinder verwundet hoben, erwiesen sich als christliche Mitglieder der lokalen Srlbslwebr und die konfiszierten Waffen waren — von der Selbst wehr angeschafft. So wenig diese letztere Tatsache gegen die Selbstwehr an sich beweist, so lässt das Ganze doch einen erschütternden l^inblict tverfen in d׳e Veriviloerunq. die im Gefolge der Schreckenstage eingeriffen ist und die in der jüdischen Geschichte ohne Beispiel dasteht. So viel ist sicher, was auch von einem Teil der russisch silbischen Jugend in tteberschreitung der Grenzen besugt'r Notwehr in Russland gesündigt sein mag: die sittliche Verantwortung dafür fällt auf d e Häuvter der Machthaber. Dik Marokkokonfkkknrunö die Juden Die Aussichten, dass die Konferenz von Algeciras eine a l l g e ,n e i n e Reform der marollanischen Zustände >>n (befolge haben werde, werden immer geringer. Bei den Schwierigkeiten, die sich dem regelmässigen Gang der Verhandlungen entgegen stellen, ist es wahrscheinlich, dass man sich darauf be schränken wird, einige wenige fragen, die im Vorder׳ gruud des politischen Interesses stehen, einer be friedigenden Lösung entgegenzusühren. Um ein Scheitel» der Konferenz zu verhindern. wird man die Zahl der zu diskutierenden Punkte möglichtt herabsetzen, (Mrade die marokkanische Iudenfraae aber dürfte am ivenigsten zu Disserenten der rivali sierenden Mächte Anlass geben können. Eine Beratung dieser Irage würde sicherlich der Konferenz nicht gefährlich werden. Wir übersehen nicht, dass man sich bezüglich eines Eingeifens der Konferenz in diese Angelegenheit nicht allzu sanguinischen Hofs nungen dingtben darf. Wie dem aber auch s«i, wollen wir nicht versäumen, immer wieder die öffentliche Meinung darauf hinznweisen, dass die Mächte, wenn sie die Rechte der Iremden in Marokko siederzustellen im Begriff sind, auch die moralische Verpflichtung haben, die dort unter den traurigsten tklerkältnissen lebenden Juden zu berücksichtigen. Mir Koben schon wiederholt geschildert, in wie schwach voller Weise die Juden in Marokko behandelt werden. Da» Allerschlimmste aber ist. dass ein Jude auch vor der marokkanischen ״Justiz" völlig rechtlos und aller Willkür preisgegeben dastehl. Sollten es die Mächte für weise halten, die arabische!vevolierung nicht durch eine plötzliche Geichftellung der Juden zu reizen, so müssen st» wenigstens Sorge tragen, dass der Jude vor Gericht nicht schechter behandelt wird als der Muselmann. Möchten sich doch in den verschiedenen Staaten, die an der Marollokonferenz teilnehmen, einflussreiche Männer finden, die gerecht genug sind das einzusehen, uno ihr Ansehen dafür geltend machen, dass diese Ehrenschuld der Kulturmenschheit beglichen wird. Zamlon Raphael Hirsch und Rabhi Israel Salant über die Zukunft des gesetzestreuen Judentuins in Rußland. Berlin, im Adar 5Ht]0. Die trefflichen Ausführungen des Herrn A r e n s o h n in Nr. <i d. Bl. dürften wohl kaum eine bessere Ergänzung erfahren können, als durch Mitteilung des Geöankenaustauschs, der über diesen hochbedeutsamen Gegenstand, zwischen den in der Ueberschrift genannten Geistesfnrsten in einer per׳ sönlichen Zusammenkunft erfolgte. Zur richtigen Würdigung dieser Aussprache mögen einige Be merkungen über die Art und Weise des ZusammentreffenS der beiden Grossen in Israel am hiesigen Lrte vorausgehen und über die äussere Veranlassung ihres hiesigen Aufenthalts. Es ist das besonders wichtig für die Leser dieser Zeilen innerhalb der ge setzestreuen Kreise des jüdischen Russland. Dort galt schon bei Lebzeiten R. Israel Salant als massgebende Autorität: er gilt es heute — dreiundzwcinzia Jahre nach seinem Tode in noch viel höherem Grade. ־וריב צד־קיב בד־־״תן ־•־"י מפדז-ר־ז: Die Notwendigkeit der Verbindung von תלמיד תייד mit דרך א־*ן, die Bereinigung der Thorakentnis mit allgemeiner Bildung, die heute wenigstens in der Theorie von den meisten ־ירי דיייאד: in Russland anerkannt ist. hatte lange Zeit in R. Israel Salant ihren einzigen Vertreter unter den russisclM איני תדור:. Tross seiner unglcnss׳׳ lichen Tborakunde, trotz seiner weitausschauenden Weisheit und seiner tiefgründigen Gottesfurcht stiess er mit diesem Prinzip viele Jahre lang auf entschiedenen, luftigen Widerstand. Diese Gegnerschaft hat heute allerdings anfgekmrt. Seine nach Tautenden zählenden Schüler, die er als יאש יש־בה ausgestellt _22. Mär, 1906. hat, haben ier. Meisters in alle Schichten der Bevölkerung getragen und ihn so glänzend und mit solcher Hingebung vertreten, dass er seine Rechttenigung in sich selber trägt und keiner Verteidigung!nekr bedarf. Aber wie es R. Israel für seine eigene Person mi' der Aneignung von allgenieiner Bildung in der Praxis ernst nahm, das dürfte selbst in Russland nicht allorniein bekannt sein, da die ersten Anfänge ihrer Perloirtlichung stch während des letzten Jahr zehnts seines Lebens hier in Berlin vollzogen. Nabb> Israel war schon vorher wiederholt in Deutschland. Bei den Passscherercien, die in Russ land mit jeder Reise und besonders mit einer solchen in's Ausland verbunden sind, war das auf lohal'm Wege kaum möglich. Er hatte in seinem Leben nie ein Amt. nie eine offentlicheStellung bekleidet, er war kein Kaufmann, kein Handwerker, kurz, er gehörte keiner der Kategorien an. die in Russland einen Pass aut geschlichen, Wege erlangen können. Er benützte daher auf seinen bisherigen Reisen den Pass eines besreunbeten Kaufmanns erster Gilde; ein Verfahren, das bei den unerträglichen russischen Passplackereien auch heute trotz ׳'einer Illegalität vielfach eingehalten wird Sein lauterer Charakter konnte sich aber dieser l'.ngesetzlichteit nicht auf die Dauer befreunden Als er dnber Anfang der siebenziqer Jahre wieder nach Berlin kam. um für seine angegriffene Gesund» be!׳ Heilung zu suchen, erklärte der W-jührige Greis er reise nicht wieder von Berlin ab, bis er ein Metier gelernt habe, auf das er stch nach seiner Rückkehr in Russland brüten lassen werde, um so einen legalen Pass zu erlangen. Als das leichteste und ihm am meisten zusagende erschien ihm die Tintknsabrikatior. Er nahm bei einem Ebemiker Unterricht: ein be freundkter Mäcen räumte ihm eine ganze Etage seines Hauses als Labvtütorium ein und so verbrachte er Wochen lang einen grossen Teil des Tages und der Nacht mit dieser Beschäftigung, mit emsigen, unab lässigen theoretischen und praktischen Chemie Studien. Das!vor aber aller nicht so leicht, als cs dem Leser scheint. Er und der ihn unterrichtende Ehemiler konnten nur durch einen Dolmetscher mit einander verkehren. Damals lernte R. Israel deutsch lesen und schreiben und brachte es bald sotveit. dass er täglich die Zeitung lesen und späterhin mit etwas Nachhilfe für die?Fremdwörter und chemischen Nus drücke Sckiriftcn über Chemie' studieren konnte. Nach tvenigen Wochen verstand R. Israel die .Herstellung aller Arten von Tinte, selbst Gold und Silbertinie, sogar sympathische Tinte: er hatte das sich gesteckte Ziel so rasch und so vollständig erreicht, dass sein Mrmrs Ausflrabungkn in LMptkn. Um das Jahr l«>0 1׳ d. g. Z erbaute Cnia». ein Hobe priestersohn. de» aus Palästina nach Egvpten geloben war. m diesem Lande. wo damals schon viele Jude» wohnten, einen Tempel, in »׳etchem ähnlich wie in den! Heiligtum zu Jerusalem Opfer gebrach! wurde» Der Tempel des Cnuie bestand »der 200 Jahre und hat i»1 Leben der cgvplischen Jndenbeit eine bedeutiame Rolle geipiell. Bis m die letzte Zeit war man über be» Ort. an welchem der Oiiiastenipel errichtet war, aus Bcrmutuiigen angewiesen Der englische Professor Jlinders Prtrie giedt jeizt über die Nachforschungen, die er in dieser?frage aiigestellt hat, einen lnieressanien Bericht, dem wir ,folgende» entnehmen: Im vergangene» Winter hat das Britische Arcbäo logische Institut in Egvpten. im östlichen Teile des Nildelta» und in der Kegend von Eosen und Sukkoth Augradungen unternommen. Bo» de» Ausgaben, dir man hierbei zu lösen suchte, war von besonderer B'deutung die?frage nach der Lage de- Ontasirmpel-. des Mittelpunktelener großen jüdischen Ekiiirind«, die »ich umrr den Ptolrmären u» Egvpten angestedc't hatte. Die bei Joseph»» gemachten An gaben lehren, daß der Tempel an der Stelle einer alten egvp tischen Stadl, Leonlopoli», die der lowenköpsigen (Göttin Budafiigeweiht war, gestanden bade, daß der Crt voll von Baumaterialien lei. daß der Dempcl ״ach dem Muster de- ,erusalem,rischen erbaut, rin BO Ellen hoher steinernen Durm errichtet wurde und daß die (Gründung der ganzen Ansiedtnng ans die Erlaubnis de- Königs Ptol»n,a»s Philometor hin stattgesunden hadt. Man war allgemein der Ansicht, daß di« ehemalige Stadt Dell el Pehudiyeh. achtzehn Meilen nördlich von?Lire. wahr?chein?>ch d«s von nnn» führte Leoatopoli« fei. und di« dort aufgrsundenru jüdisch« Steintnschristen bildeten «in« Stütz« für diese Bermutung Die letzten Ausgrabunge» habe» nun ergebe», bgß dort in ber Tal eine Löwciigötlin verehrt worden ist: inan fand nämlich die Statue eines Admirals der Mittelmcerstotlc König Piamctich's ll., die jene» eine» Altar der löwen köpngen Eötti» tragend barsteül Auch die Angabe, daß der Orl ״reich an Baumaterial" sei, stimmte: die große» Stciiiniasscii. die sich dort vorfanden, reiche» bin. die ganze Stadl wieder neu z» errichte». Aut der Außenseite der ehemaligen Stadt erbebt sich ein künstlicher Erdbügel, der höchste, den es im s Umkreise von 20־ :to Meilen gibt. Anden udriggeblirbenen Spure» ist zu schließen, daß der Hiiget mit den daraus errichteien Gebäuden zusammen sich etwamehr als .Vi griechische Ellen über die Ebene erhoben haben muß. was be» bei Joseph erwähnten 60 Ellen ent spreche» würde. Töpsereigegenstände, auf die man dort stieß, zeige» daß der Hügel im 2. Jahrhuiiderl v. d. g. Z. ausge Worten wurde. A»>i dem Eipsel fand man Münzen au» der Zeit Ptolemäus Philometors und eine Scherbe mit Ab bildungeu, die «. a. den Name» Abram auszeigt. ein Be weis, baß Juden damit zu ln» hatten. Die?form dieser Ansiedlung des Cnia* war. in grobe» Umrisse», ein rechiwiuklicheS Dreieck, besten rechter Winkel von der Nord und der Ostseile gebildet wurde Ter Eingang in die Stadt wurde, wie wir aus Beschreibungen wissen, durch Tünne und Tore geschützt. Bo» dort führte der Weg durch einen Hauserkompler hindurch zu dem Platz vor dem Tempel. Der äußere Borhos desselben war 32־?fuß breit und 4r>?fuß lang, der innere 24?fuß breit und 64?fuß lang Das Jregel?fnndament de- Allerbeiligsten hatte eine Länge von?fuß »nd eine Breite von 17?fuß Der Tempel war in korinthischem Stile erbaut, die Borderseite nach syrischem Brauch mit runden Zinnen verziert. Bor zwanzig Jahren, als die Eingeborene», die hier Erde gruben, noch nicht mit ihren Berwustungen begonnen hatten, standen die Erundmauern de- Onia-trmpels noch und auch da- Pstafter und Säulen waren noch zu sehen. Ewird auch berichtet, daß eine qroße Masse daldverdranntrr Knochen nördlich von der Stadt aufgehäusi gewesen sei. höchst wahrscheinlich die Uederreste der täglich im Tempel dargebrachlen Opfer. Drr Tempel ist. wir man an der großen Treppe noch erkennen kann, zweimal restauriert worden. Die Stadt hat eine schwere Belagerung au-gehalirn. wahrscheinlich unter de» späteren Ptolemäern: Dutzende von Steinkugeln sind rings um den Hügel zerstreut aufgesnnken worden Sie haben ein Gewichl von 1" 20־ P,und und wurden von Baliste» geschleudert. Der Kaiser Bespasian bat später die ganze Sladt und de» Tempel zerstört. Pros,?flinders Petrie setzt gegenwärtig die AuSgrabunge» i» der Ecgend von Gosen und Succolh fort, und es ist anzuiiebnien, daß dabei noch manche iiiieressaute Entdeckung gemacht werden wird. Jil kiiimillW Its iähif^rn 3titung9totftn6. lEortsetziwgt. Wie sehr ein echt jüdisches Organ fehlte, mag der Um stand zeige», daß 2. R. Hirsch genötigt war, seine Eni gegnuiigeii aus die Angriffe, die sein Naphtule Naphtali er fahren, in der Judentiimszeitmig selbst erscheinen zu lasten Hier fertigt er die ״Jsr. Annalen" und Ereizenach in seiner be kannten senriae» n»d schlagfertigen Weise ab. Er zeigt sich hier bereits als ein hervorragender Lamdon und als ein Meister der Sprache, zwei Eigenschaften, deren Brreinigung da malS geradezu sensationell aus die Leser wirken mußten In einem Schlußworte bittet Hirsch um Nachsicht, daß er manchmal zu schroff werden mußte. Er schreibt: «Nr. ׳'2־ ״A. Z d. I." v. י!2־. Februar 1639.) ״Mein Pensum ist zu Ende. Möge eS daletzte Mal sem dürfen, daß ich solch dreister Nichligkeil mit den» Worte schonungsloser Härte entgegentreten mußte. Denn, wa« sollte da- Ende sein, wenn nun wieder ein Berteidiger austräte, und mit derselben Wissen- und Gewissen-losigkeit diese Berteidigung verleidigle. wie sie die Berteidigung de- TariagS versuchte?! Ermüdet bin ich nicht. Denn, daß die Widerlegung säst aller dieser Behauptungen offenbar so federleicht ist, daist eben der Jammer. Müde aber bi« ich, müde des Harle» Wort»-. des schonungslos»» AüSdeiick-. die einzig und allein solchem Machwerk gebühren. Also sollte?« nicht sein unter uns. Bei der Wahrheit, die unserrr Lehre schönster Edelstein ist, bei der Wahrhaftigkeit, die Jahrtausend« herab unsere Literatur zierte, der wahrlich