Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 11 (15.3.1906)
- Date
- 1906-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Scr.iÜctoi! > Beilage zu *CU. i LL יf - ד - 11 sraeltt^, ה&ס \\ yyyv^xxyxkyx'yyvx )0rg״>r5rm< x kyry^'w xxyymv x x x x x xxjk x x xir KyLLLltxwM. JflinöH 11. Mnlias in Der ZnÜWsfft. Bon Arthur Kudu. > > 'ckiachbruck verbelcu. Er versuchte noch über den Zehnten nachzudcnten, an welchen die morgige Verlesung mahnte. Korn kam endlich וע einem beruhigenden Schluß. Das besetz konnte nicht inehr rechlskräitig «ein. seitdem die Kinder Israel nicht mehr in ihrem eigenen Vater land, sondern über den ganzen Erdball zerstreut lebten. Wenn er nun wirtlich zwanzigtausend dulden jährlich verdiente, so konnte der liebe und sonst lo gnädige Gott doch nicht sc ungnädig sein und verlangen, das; er davon volle zweitausend als V.'aaser abgeben sollte. An wen auch׳' Berez Storch, der Schneider Friedberg, wollten ja gar Nichte ge schenkt hüben und vir paar ,Gäscht" welcher liebenswürdige Ausdruck einer Menscbknllaste galt, die man. wegen ihrer absoluten Besitzlosigkeit an irdischen Gütern, im allgemeinen Leben als Habe nichGe. zuweilen als Lumpen bezeichnet die ewig >ie Hand aushiellen, waren schon nir den zwanzigsten acil des Maaler danlbar. Allmählich beruhigt, schlief Korn ein. In zwischen hatten sich die heimgekehrten Löhne gemeinsch-ftlich mit ihrer Schwester in dem altmodisch ge ׳guten >dause wieder ein wenig umgeüben, die .in ir'escntlichen baulichen Beränderungen betrachtet und waltN l>fi ihrem IIinkergehen an ihres Bruders (rmil Zimmer gekommen. Emil las in einem Buch und blickte geloffen len Gintretenden entgegen. .Das sikivatmuleum ui.leres gelehrten Herrn Bruders," erklärte Emma ironisch lächelnd und deutete aus die vielen an die kahlen Wände äugeklebten Bilder, die aus alten Büchern und pfxKcbr'Hm h'rrusgeschnitten waren. Aus zwei Brettern umer einem ausrangicrtrn Schieidpult. lagen Bücher ver ichicdener Grosze unordentlich aufeinander gfsch cklei. Blumentöpfe standen auf den Ftnslkratsimlen die tief in die Blauer dineingebaut waren. Alte, aim der Umgrdung des Städtchens ausgeg׳׳abene Töpre. Basen und Gläser, wohl aus der Nömerzeii, standcn sorgfältig auigrschichtet aus einem alten Kleider ichrant, der anscheinend nickt mehr verschlieszbar war. Bett, ein Waschtisch, ein roher Holztisch und .zwei Stühle bildeten, nebst einem halbvlinden Spiegel, das Inventar der übrigens Kellen und ge räumigen Stube. ״Gerade nicht elegant, aber recht intcrest ant." lachte S'kgsried. der mit einem Gemisch von Neu Gerd- und Belustigung sich umsah. Simon betrachtete inzwischen einen an der Waifd hängenden Karton, aus dem eine Anzahl Schmetterlinge und Käser ausgesteckt waren. ״Und "-lit solchen ungereimten Sachen gibst Du Dich ab?" »rng er gerinaict,ästig. ,Hast Du noch mebr solcher Koi,b״rleiten in die׳'em Prunkgemach' Du scheinst wirklich viel -seit übrig zu haben." Obne auf den sarkastischen Ton des Bruders u»o dir höhnischen r->esichter der Geschwister zu achten, erwiderte Emil, indem er sich feierlich erhobt ״Ihr S .rchz v!m Lungen, die Ihr nickt versteht Ich musz drraus sachlich und in logischer Rkibensolge gut warten. Du. S'mov, hast soeben den Ausdruck ״n gereimt gebraucht. Bon Deinem Standvunkt ans erscheinen Dir meine Sammlungen ungereimt. Schön. Du bist Kaufmann, ober warum kannst Du Dich richl höher aufschwinqen-“ ־״- Genug, genug," fiel Siegfried laut lackend dazwischen und hielt sich die Ohren zu. Simon, weniger belustigt, meinte ziemlich trocken: ״Du lvirst Dich noch so lange ausschwingen, bis Du in eine Dachstube geraten bist." Emil machte eine pathetische Handbewegung. ״In einer Dachstube wohnt oft mehr Glück alin einer großen Fahl von Prachträumen. Mein Ideal ist eben nun-" ״Gr macht uns noch verrückt," schnitt Emma ihrem Bruder das Wort ab. Simon lmite inzwischen seinen reckten Zeige׳ singer über die verschiedenen dürftigen Möbel gleiten lassen und in eine d'ckte Stanblage lange Streifen gezogen. ״liebet dem grofzartigen Komfort in diesem Raun, scheint?׳ine sorgfältige Hand zu walten." wandte er sich zu seiner Schwester, die hestbämt er röiete, ,.Vcrw'ihni scheint Emil hier nickt zu werben/' snhr er, ohne sich beirren zu lasten, fort: ״Du solltest ,edenialls zuweilen hier revidieren." ״Unser Bruder ist nickt so empfindlich für Ordnung und Sauberkeit," entschuldigte sich Emma, zugleich den Bruder verleumdend. ,.Man müszte sich mehr um ihn kümmern: ich dächte, eine freundlichere Behandlung könnte ihn von seinen bizarren Neigungen abbringen." -Die Geschwister hatten die Stube verlassen. Emil schien ihre Entfernung kaum wahrzunehmen. Gr batte sein Buch ergriffen und sich wieder ans offene Fenster gesetzt. Die Spatzen, die beim Gin tritt der Geschwister vom Fenstersims geflogen waren, kamen allmählich wieder naher und holten sich furchtlos das auf dem Brett gestreute Futter, Der junge kaum achtzehnjährige Mensch sab von seinem Buche aus ״nd beobachtete die Zänkereien unter den grauen Vögeln, die zuweilen untereinander in Streit gerieten und sich unter lautem Gezwitscher de׳ sehdeten. Ob sie das von den Menschen gelernt hatten' Das schöne, ionnknwzirme Wetter batte fast die ganze jüdische Einwohnerichait in's Freie gelockt. Am Nachmittag lusiivaiivclie Jung und Alt vor der Siadt: und ans den Landstrasten. die stromauf- und abwärts führten, entfaltete sich ein stillbeiteres, farbenreiches Bild. Trotzdem unter den Spaziergängern alle Stände und Berufskreise der Gemeinde vertreten waren >o dielten doch die oberen Kreise musterhafte Ordnung, damit keine Vermischung stattfinden würde. Besonders hielten die Damen ihre zur Halbheit in diesen Nangesangelegenkeiten neigenden Männer in angst sicher Hut. Und sie taten wohl daran. Wer des Sabbats oder Feiertagsabends, wen» vor Beginn des Nachtgottesdienstes kleine oder gröfzere Truppen Männer in lebhafter Unterhaltung voc bei Schul!tanken, beobachtete, mnszte sich ge stcben. vast alle Standesunterschiede auf den Kopf gestellt waren. Der Schammes disputierte b׳er vor der Schultür dem Parnes rundiveg alles ab. was diese: auch besprechen mochte. Schickerleibchen, dem mancherlei öfienlsiche und geheime Unterstützung ׳ugi.ig, der daher zu den ״gemeinen Leuten" gehörte, lehnte sich gegen alle Bcschlüste der Vorsteher auf und ver-׳ spotteie noch obendrein seine Wohltäter. Dann gab es damals schon wahrhaft unbotmäsiiae Sozialdemo lratcn, da» Wort lyar noch nicht erfunden wie etwa Kalme Hirschnickel, obwohl er's als gutsitu ertcr Mann nicht nötig hatte. Ohne die indignierten Blicke d-r Damen zu beachten, stellte er sich den Lust wandelnden breitspurig in den Weg und nötigte die Männer zu Nev ״ob Antwort Lief; ihn;euiand sehr deutlich merken, dafz er kein tiesgefühltes Bedürfnis empfinde, mit ihm spazieren zu geben und sich zu unrrrLatrrn. dann hielt Kalme mit seiner Meinung nickt hinterm Zaun. ״Aha," sagte er dann, in seinem ergötzlichen Gleichmut. ״Ihr seid fürnehm geworden. Dic Madam wird bald den Adel kriegen und Ihr einen Orden. Dann bleibt Ihr wohl gar nicht in der Kille' Staat genug habt Ihr schon an." Letztere Bemerkung war an die Gattin und Töchter der reick'n Leute gerichtet. Sollte nicht völlige Anarchie eintreten, so mutzten die Standesbewutztcn eben umso fester zusammenhalten. So gruppierten sich denn auch die Handelsherren für sich: die Handwerker und deren Gesellen, wie die Kaufmannsgehilsen und Lehrlinge fanden sich in gleicher Weise fast von selber zusammen. Im Städi chen gab es je eineir jüdischen Tischler, Küfermeisier, Schuster, zwei Schneider. Drei Zigarrenmacher. ivelche ״Täg" atzen, d. h. jeden Tag bei einen, andern jüdischen Bürger freien Miitagstisch erhielten, fanden lvenig Würdigung, und die beiden Klempner- und drei Metzgergesellen bildeten mit den erstgenannren schon eme ansehnliche Truppe für sich- (Fortsetzung folgt.) Heinrich Eine Erzäbluna von Friedrich :Xott. Gr begann daher, gleich dem Untersuckungsrichter, mit der Versicherung, datz er den Angeklagten eines gemeinen Mordes aus Gewinnsucht, Nachsuch: oder ähnlichen Motiven unfähig halte. Dann aber erinnerte er an die Zeiten der Inquisition, an die flammenden Scheiterhaufen, auf denen Tausende'und Abertausende einem religiösen Wahn zum Opfer gefallen, und pries die Gegenwart mit ihrem Fortschritt, ihrer Aufklärung, die Wahn und Aberglaut׳e mehr und mehr zurückdrängen, so datz man kühn de Haupte» könne, datz in der grotzen Maste des Volkes aller Wahnzlaube bereits geschwunden. Höchlich', zu beklagen wäre es jedoch, datz noch eine MindellM existiere, die alle» Fortschritt und alle Aufklärung perborresziere, die mit dem Blule unschuldiger Kinder ein der Gottheit wohlgefälliges Opfer zu bringen ver meine. Und dann schilderte er den Mord in Grosi dorf, wie derselbe nach seiner festen Ueberzeugung, nach den Aussagen sämtlicher Zeugen und nack dem Befund am Tatort vollbracht sein miiste. Wie der Angeklagte Wochen zuvor das unschuldige, zutrau siche Kind an sich gelockt habe und wie er dann in lauer Sommernacht durch ein offen stehendes Fenster wie c׳n Vampir in die Lchlaskammer seines Opfers gestiegen, wie er. um dasselbe am Schreien zu ver hindern, dem schlafenden Kinde vor allem ein zu sammengelnülltes- Blatt Papier, aus dem noch heure hebräische Schristzeichen sichtbar, in den Mund ge schoben und dann mit dem Kinde durch dasselbe Fenster in den Hof gelangt und in den Schuppen, wo die Kommission noch am folgenden Tage das Schäckt mester gefunden. Lautes Schluchzen vernahm man, als d:r Staatsanwalt das Entsetzen der Angehörigen des ermordeten Kindes schilderte, als sie es am Morgen oermitzten und dann im Schuppen leblos mit dem bekannten Schächtschnili am Halse gefunden batten. Nachdem der öffentliche Ankläger geendet kakle, sprach der Verteidiger. Mit glänzender Bcredsamkei! widerlegte er die Änllage Punkt für Punkt. Er er innerte daran, datz der berühmte Hosprediger Veit in Wien, detanntsich ein getaufter Jude, am EharKeitag auf der Kanzel mit dem Kruzifix in der Hand geschworen hat, datz das sogen. Blutritual der Juden eine Erdichtung ihrer Feinde ist. daß in dem ganzen grotzen Schrifttum״ der Juden sich auch nichi eine einzige Stelle findet, die aus derartiges auch nur hin die g.eiche Erklärung abgegeben. Dann aber sprach er von dem Verbrechen an und für sich, wie dasselbe nack der Behauptung desöffentlichen Anklägers dollbruchi worden iein sollte. co^ ״ v v.r״,, Ml*v vup tun yun)l «Htlllt Wli