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Der Israelit · 1906-03-15 · 11 (15.3.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
11 (15.3.1906)
Date
1906-03-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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I Vr II 8 » n יזו. Marz Ua*. Ter Israeli! ztiit > weis dafür dienen, daß man im preußischen Justiz- Ministerium — was unter Herrn Schönstedt in Vergessrnheit geraten war — sich wieder zu erinnern beginnt, daß zu8 Recht bedeutet und es auf die Pauer nicht angeht, wohlbegründete Rechtsansprüche durch schlau ausgelüsiclte Berwaltungstiinste einfach aus der Welt zu schaffen. Aber noch in anderer Be Ziehung entbehrt die Ernennung des Herrn Iustizrals Tr Z»m Mitgliede derjenigen Behörde webst« die Elite des preußischen Juristenstandes unilaßt, nicht eines pitantcn Reizes. Herr Dr. Tucks gali einstmals, vor einem Lustrum und mehr, als der kommende Mann im Vorstände der jüdischen Ge meinde, als dessen designierte: Vorsitzender — sobald er erst den Ratstitel ersesien haben würde, ohne den man sich damals den Inhaber des höchsten Gemeinde amtes nun einmal nickt denken konnte. Bis dann eines schönen Tages ׳in Meltau alle diese Erwartungen. Hoffnungen und - Befürchtungen vernichtete, das Unerwartete geschah, und Herr Tr. Tucks kein Ami in die Hände seiner Wähler ohne Angabe von Gründen zurüälegte. In den streifen יי« dinge weihten war man trotzdem über diese Gründe nicht im Zweifel: es war in der Autokratie des damaligen Gemeindegewaltigen kein Platz für eine selbständige, selbstbewußte Persönlichkeit. Damals ließ man Herrn Dr. durchs rubig ziehen, als wäre nichts geschehen. Was gäben die maßgebenden .streike der jüdischen Gemeinde heute wohl darum, wenn sie, die nicht eben ungern mit den von der Sonne des Heils der Re׳ gierungsbehörden Bestrahlten zu Tische gehen, dieses Blatt aus der Geschichte der (Gemeindeverwaltung tilgen könnten?! Wie sagte doch der alte Landrat v. Meyer Arnswalde? ״Ja. meine Herren, es kommt immer ganz anders." Und die Orthodoxie hat es von ihrem Parteistandpunktr aus gewiß זיז** z!: beklagen, daß es also kam. Die Tätigkeit des Herrn Dr. Tuchs im gcschäftsführenden Ausschüsse des D I. G. B. und anderen jüdischen Vereinigungen hat jederzeit erkennen lassen, daß er gerade wegen nrtTfrfort Wnrjim* b*r nf\n(trh' keit seines Auftretens und der geschickten Ausnützung seiner überragenden Mcnschenkenntnis ein Gegner ist, von dem wir für unkere Interessen mehr zu kürchten hatten, als von denen, die an seine Strste traten. Es bliebe noch eine andere wichtige Angelegenheit, die Genehmigung der neuen Lehrpläne für den Rel givnsunterricht an den Berliner Volksschulen durch das Provinzialschulkollegium zu besprechen. Das Thema ist aber zu aroß und zu bedeutungsvoll, um nicht seine Sonderbehandlung, die demnächst אייה erfolgen soll, zu rcchtsertigcn. Berlin .!8. März. Am Sonntag. deu N. März, hielt der ״H i l f S v e r e i n der d c u t s ch c n I u d e r." hier feine Gene: Ü! - v e r s a m in l u n g ab. Der Vorsitzende, Herr James Simon, berichtete zunächst über die Tätigkeit des Hilfsvereins in Galizien. Rumänien, Bnlgarien und der Türke«, und dann über die Hilfsaktion für die rusiischen Juden, für die der Verein zwei Millionen Mark verwendet hat. Als eine erfolgreich. Einrichtung haben sich nach dem Bericht daS Bureau für Auswanderungsangelegenheiten und die SchutzkomiteeS an den Grenzen erwiesen, indem sie die Aus- Wanderer mit Rat und Tat unterstützten und inSbesondere jede Ansammlung von Nacstwanderern in Deutschland verhinderten. In der sich anschließenden ösfentlicben Versammng ergriff Herr Dr. Nathan das Wort zu einer :sprechung der russischen Ereignisse. Der Redner nkt sehr pesstmistisch über die Lage. Wir müssen rauf vorbereitet sein, daß neue Greueltaten sich siqnen. Nach einem Ueberblick über die Entwicklung der ffischcn Reoolukiou verbreitete sich Herr Dr. Nathan «er die Verhältnisse der Juden in Rußland, über ז Pogrome und die Aktion der Hilssorganisationen. 1 über sechs Millionen Mark ausgebracht haben, lese Millionen sind nur ein Tropfen auf den beißen kein und können nur wenig helfen. Nur wenn die - «״• ,rr.״i nx *«««•ft tarnte in «nuüiutiv 1*«* uuvw*, ***** ־־״׳י chicksal der Juden ein menschliches werden. Graf litte will die'Iudenfrage. wie er ckem Redner in m Unterredung sagte, par morcean lösen. Graf Witre hat neuerdings wiederholt liberale Aeußer unaen getan, aber immer reaktionär gehandelt. Ein Hehaufrvs, der in!chärfster Weise gegen die Juden wühlt, ist von der Zensur in Odessa genehmigt und in der dortigen Druckerei des Grivralstabr gedruckt worden. Man muß die Zukunft als düster betrachlen. Eine Agrarrevolution steht in Aussicht, gegen die die bis!)erigen agrarischen Unruyen ein stinderspiel ge wesen sind. Eine offizielle Intervention der euro päischen Staaten ist unmöglich, aber Rußlands Iinanzen hängen von der öffentlichen Meinung der Welt ab. '*2 ist aber moralisch verwerflich, einer solchen Regierung mit Geld beizuspringen, ebenso wie es unklug vom finanziellen Standpunkt ist. Eine Regierung, die nur durch Verbrechen sich am Ruder zu halten vermag, muß von der .׳sfentlicken Meinung der Welt boykottiert werden. Nach Herrn Dr. Nathans mit großem Beifall aufgenommener Rede sprach noch kurz Iustizrat Ea s s e l, woraus die Versammlung geschlossen wurde. Hannover. lt>. März. Die für Mitglieder der jüdischen Gemeinde wichtige Entscheidung des Schöffengerichtes, nach der keine Verpflichtung de. stand, daß jüdisck!« stinder an einem jüdisch'n Religionsunterricht leilnebmen müssen ist in diesem Punkt vom Landgericht Hannover aufgehoben. Einer Reibe von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde wurde vorgeivorfen, daß sie dem Schulgesetz zuwider ihre stinder nicht au de!» jüdischen Religionsunterrickte halten te'!lnc£)nun lassen. In einem Iall bestanden nun darüdcr Zweifel, ob der Vater, der bereits 18!♦;'. aus der Religionsgemeinschaft ausgetreten «var. dann aber seinen Austritt widerrufen hatte, noch M tglied der Gemeinde sei. Das v^chossengcricht Vertrat die Ansicht, daß dieser Vater nicht mehr Mitglied und aus diesem Grunde sowie auch nach § 'ist des in Trage kommenden Schulgesetzevom 80. September 1X12 nicht verpflichte! sei, sein stind am jüdischen Religionsunirkrühi iriluehmen zu lauen. Das Land geeicht ließ die Trage der Zugehörigkeit zur Gemeinde unentschieden. entschied dagegen im Prinzip, daß dir stinder jüdischer Religion nach dem Gesetze ziveiselloc auch an einem jüdischen Religionsunterricht teil nehmen müßten. S t r a ß b » r g i. E., 1:1 März. Schon lange halte sich unter den an der hiesigen Univerliiat fiuL-ieiciiL•«־« grsrtzcsireuen jungrn Männern das Vr bürfnis fühlbar gemacht, sich zusammenzuschlicßen, ׳am gemeinsam den mannigfachen Versuchungen und Prüfungen zu begegnen, denen gerade ein jüdischer Student ausgesetzt ist und leider so oft erliegt. In: Sommer vergangenen Jahres endlich hat sich nucfi Berliner und Münchener Muster auch hier ein ״Ve ein jüdischer Alademiker" kV. I. A.1 gebildet, der sick oir Vertiefung in die jüdische Welt׳ und Lebens anschauung zu seiner vornehmsten Ausgabe gemacht hat. Der Verein blickt nun aus sein erstes Semester zurück 1:nd hat. wie der Semesterbrrickt zeigt, alle au ihn geknüpften Erwartungen in unaeabnter Weite «füllt Referate wurden gekalten׳ Here Rabbiner Vuttcnioiesec: ״Die Aufgabe des Juden." Herr Dr. B. Eohn: ״Astrologie und Talmud." Herr stub. jur. I. Breuer: ״Treihcit und Entwiü lung." Herr cand. Phil, staufmann: ״Das jüdische ** cv«*•■*• ^♦»^{׳• « •י«י,*ויי)י ־״»’* -*«**-*“ f׳*M*• w.*v.|>vt»*yC* «-־* ***** sohn." Herr Dr. Phil. PH. de Haas: ״Resocmjuden tum und Zionismus." Herr stud. Phil. M. Block. ״Rabbi Joselmann von Rosheim." Herr stud. phil. M. Buttenwieser: ״Das Judentum im hellenistischen Zeitalter." Herr stud. jur. E. Meyer: ״Nationalökonomische Gedanken im Judentum." An alle diese Referate schlossen sich eingehende, lebhafte Dis kussionen, deren Hauptzweck war. die Stellungnahme des Judentums zu den einzelnen Wissenschaften und ihren Problemen scharf zu präzisieren. Gemütliche Abende hielten die Mitglieder bis zu später Nacht stunde zusammen und waren nickt blos eine Nack ahmung studentischer storps Gepflogenheiten. sondern suchten den spezifisch jüdischen Humor zu beleben,?(?!!)ne *9!üi??<f)t iür!fcf!?n — Auch zur Gründung einer Bibliothek wurde geschritten. Ter derzeitige Vorstand besteht aus d׳n Herren st'ib. jur. Isaar Breuer. Präsident׳ cand. phil. Joseph stausmann, stassenwart: stud. phil. Mai Bloch. Schriftführer zStraßdurg i. E.. st.nderspiel qalle öst, an oen eventuelle Anfragen zu richten sind». Wir sehen in dem neuen Straßburger Verein ebenso wie in dem Berlin« und Münchener ein in hohem Grade wertvolles Mittel zur Erhaltung der Geietzesireu, innerhalb der jüdischen S tudentenscha'i und wünschen den berrits bestehenden drei Vereinig ungen jüdischel Atadeinikkr baldige Nachsolar an den übrigen Universitäten. Oe st erreich» Ungarn Wien. 4. März. Am heutigen Tage fand die tonstiluierente Generalvcrsammluiiq des Schlau»! Hoir Vereins, der die Intrressen der Juden in Palästina auf gesrtzestreuer Grundlage fördern will, statt, zu welcher von deiu provisorischen Präses. Herrn ^imo» Buchwald. 'ßinladunaen ergangen waren. Es ,vurcci! als Vocsteher di, Herren Rabb.n« Joseph Baumgarlcn, Philipp Back Manns «Boubi. Siruvn Buchwald. M»ritz Telsendurg. Is:ko> Trominer. Bernhard Hosbauer Ignatz st lein. Wo>s Papvriiheim, Benzioii SckO's, Saloman Schreiber und Tr. med. Reiniger gen׳äsilt, als Rrp-äsrntantcn. b!c Hcrrcn Gotz Moldau« >. Emil striyler. Emil Strob. Beniamin Scki'ß Sieg!nund Tis>ster. mit der Ermächtigung, sich als ston«ro>lc1׳:e der Finanzen des Vereines d׳e He׳ren «*11>it '.stcuratb. und Bertbold Sirob zn cooptierrn. Das große Lokal des Betb Hamidrasch. -chiNgasse. war von, einem ungemein zablreicben V'iblikum gefüllt. Es wurden zirka Üיא neue Mit glieder ausgenommen. Nach einer tresslicken Rede Vr- Borsiveudru. her für die starke Teiinayine dankte, folgte eine kurze Darlegung der Ziele des Vereindurch ein Londoner Mitglied des Scklaum Hoir, welckxs daraus hinwies, wie gleich Mot'cheh Rabbenu, der so heiß ru tstntt grbrtri hatte n.ack Ercz Iisroel zu kommen, , elb st aber nickt dieses Glück erreichte, ivohl aber durch seine Anstrengung für Iisro'l dies Ziel in der von Gott gewollten Weise «kämpfte, so auch der Verein Schlaum Hoir. ivenn nicht alle Mit glieder gleich das Glück halten, Einivohner von Erez Iisroel zu werden, doch das erreichen müßte, daß »eder fromme Jude, de! nach Erez Iisroel wandern »volle, infolge der Arbeit des Scklaum Hoir die Ver Haltnisse dort so finde,!r-ic sie ein streng gesrtzrstrru« 11 mir Iamm V> —*•* .»«**!•»'•lUMI »w•»»♦. •iU'l} l״.l AA'IU'I einzelner Gegner des Scklaum Hoir wurde die r'eier liehe, gehobene Stimmung der Ver'ammlun: in keiner Weise gestört und man trennte sich in de.׳ Hoffnung, daß von beute ab der Verein eine energische Tätigkeit ׳ntlalten und zu großer Ausdednung ge langen werde. 91 11 fl I* « v. Oik jetzige Lüge öcr Juden in Rußland. (Von unserem Korrespondenten., Petersburg. 7. März. In letzter Zeit häuften sich die Anzrichcn von bevor st ehenden Iudenerzeslen, die im genßen Stile V?rbe1,i-er >nee>«»n In stiew wurdtN .,Pogrome" zum IE. Tebrnar. in Odessa zum 2>>. Tsbruar erwartet und ähnlich in Eherson und noch anderen Orten. Man hatte diese Prozekte aus aufgesangenen P«-otla ,Nationen vertchiekencr ״patriotischer" Organisationen entnommen, welch letztere täglich neu, wie Pilze nach den! Regen, bald hier bald dort, heroorsck!eßen. In diesen Proklamationen iviro das Volk u: uct wildesten Art gegen Juden und Judentum ausgebeht und zu Iud-nkrawallen animiert. Ta leider, wie die Erfahrung uns sattsam ledrt, solche Aufforderungen nicht ohne Wiederball bleiben, vielmehr als Vorläufer schrecklicher Ereignisse sich erweisen, so hatten dieselben eine ungeheure Pani? zur Tvlge. Diese »var umso beoriindrter, 018 »inersrit«! der Bor wand ZU Pogromen, nämlich die revolutionären Umtriebe des sog. .Jüdischen Bundes" nach wie vor sortdauern. ja sogar in letzter Zeit einen äußerst gefährlichen

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