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Der Israelit · 1906-03-15 · 11 (15.3.1906) · p. Seite 4

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
11 (15.3.1906)
Date
1906-03-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-41׳ I I . wCUC 4 *L€l ^»tUflU IV Marz!'.»»> Wirkungskreise, unabhängig von der offiziellen, brr Reform huldigende» Clemeinde, Sorge zu tragen. So nm es auch in Ungarn, noch bevor der Kongreß ein verusen wurde. Ja, der ganze Kongreß wurde von den Geologen nur zu rem Zwecke in Szene gesetzt, damit »er hier ländischen jüdischen Orthodoxie unter dem Schutze des Gesetzes kurzer Hand der Garaus gemacht werde. Jahrzehnte hindurch haben die Budapest« ncolog^n Juden diesem Kongreß die Wege gebahnt. Las; aber dieses unglücklickw Streben so große Dimensionen, wie in keinein anderen Staate, angenommen, ist den׳ Umstande zuzuschreibcn, daß es sich bei diesem Kampfe auch um eine wichtige Geldfrage handelte. -zd 7!בל! äsen: "ב pur בא על •מיאל r-'.'V'c. Der erste l^rundstrin zum Kongreß wurde gelegt am :!0. Juni ISöO, als Baron Geringer im Namen Sr. Majestät, dem jüdischen Toleranztar Komitee er öffnete, daß die den Juden Ungarns auferlegte Straflontribution von 2,.‘{00,000 fl. durch einen Gnadenakt Sr. Majestät auf eine Million redu« ziert und zur Gründung eines israelitischen Kultus und Schulfonds bestimmt sei. Mit diesem Gnadenspruch des Königs wiirde die erste, wirklich gemeinsame Angelegenheit geschahen. Die Budaprster Neologcn hatten nunmehr auch eine materielle Basis zur Ausführung ihrer Pläne und verstanden es, auch >n jenen absolutistischen Seiten, ihre Zwecke zu fördern. Sie erwirkten, daß in einem Ertaste vom Wiener Kultusministerium vom 7. April 1858, die allerhöchste Entjckließung ausgesprochen wurde, daß die Million Gulden als ein u n t e i I barer Fond zu verwalten sei und von den (5r׳ träguis?-n;0 ein Nabbinats Institut, l>» Muster hiupkschulen, <) Stistungsplätze für ier. blinde und taubstumme Kinder erlichtet und der Nest <1, zur Unterstützung armer Gemeinden für Kultus und Schulzwecke »erivendei werden sollte. Im Sinne dieses Erlöstes wurden nach und nach Musterbaupkschulen eröffnet, auch eine Lcbrer praparandir wurde gegründet׳ di? Rabbin»rs»^.in,1r Angelegenheit kam aber ins Stochen und sollte erst durch den Kongreß inauguriert wrrden. Der größte Widerstand der Gesetzeskreuen richreie üch damals gegen die projektieile Gründung eines Nabbinersemi nars. Die Grsah^ung balle schon zur Genüge gelehrt, daß die s o g c n a r. n r e n g e m c i n s a n, e n jüdischen Aktionen unter ncologer Leitring die Sache der Gesetzestreuen gefährden, auch!5! r. r. d i r Orthodoren in der M e h r י zahl sind. Die Borbcreitungen zum Kongreß wurden aus schliei.liw oon den Neologen iwirieben. Sie »itlen die intimsten Beziehungen zum damaligen Kultus minister, der die neologen Bestrebungen mit seiner nonzin Autorität deckte Die Abhaltung des Kon grest»s :׳,ar schon eine deschlosiene Sache, als der da mcl'ae Kultusm-nisirr Baron E ö t v ö s mehrere jüdisch« Notablen als Vertrauensmänner zu einer Borderatung e>n»vrusen batte. Um den Schein der Unparteilichkeit zu wahren, wurden zu dic'en Vorkonferenzen in der Negel auch einige O r t h o d o r e z u g e z o g e!:. Gin solcher ortbo dorer Bertrauensmann rrKickre den Minister, das Prinzip sestzustellen. daß es den ortbodoren Ge׳ unnungigknosien gestattet sein möge, selbständig und getrennt von den Netormern zu kon s׳.״.e:e:׳,. Gin zweiter Bertrauensmann schlug sogar die Adkaltung ,weier Kongresse vor, eines ortbod o r e n und eines r e f o r m e r i s ch e n. Der orästdierende Kultusminister setzte diese Bor ׳'chlöge nicht au? die Tagesordnung, um ste e.ner Diskusiion zu unterziehen, sondern wies m selben sogleich entschieden zurück. ,.Ich bin," tagte er. ״in dieser Beziebung. als Nichtsude!orbl nickt lomoelent, rin Urieil darüder adzugeben, od d!e Juden eine, oder mehrere Kontellionen bilden: toweil ick mir atwr im Wege der Wissenschaft ein llr teil darüber gebiloet, kenne ick nur eine m o s ׳ s ck e K o n s r : s i o n. Im Sckoße derselben er. wic in jeder anderen Konfession, wobl Mei nunasverickiedenbeiten iikri׳ aewiste Frag»n di» ab»» nock lange k»ine Konfk«׳.onsvr:sch.;rdrr.krit eräugen. Auch bade ich diese .Konferenz insolae eines Gesetzes einberuken. )oelckes die israelitische Religion der Gleichaerkckkigu.ig 'eilbastig ,nackte. Dieses G»sctz kennt nur eine israelitische Religion, und die Regierung kann daher nur eine israelitische Religion anerkennen." Kein Geringerer als Leopold Löw hat schon damals gegen diesen Ausspruch des Kultusministers energische Einwendung erhoben. ״Das ungarische Gesetz" — schrieb damals der illustre Reformradbiner — ״kennt nur eine jüdische Religion. Zugegeben. Aber innerhalb der Grenzen dieser einen Religion bleibt ja noch immer Raum genug für v c r s ch i c - dene kirchliche G e st a l t u n g e n.' Theologisch genommen gibt es auch -nur eine ch r i st - lichc Religion; diese schließt aber mehrere gejetzlich aneikannte Kirchen ein, die in Frieden mit und neben einander bestehen. WaS berechtigt nun zu de, Annahme, daß der ungarische Reichstag ge rade auf die jüdische K ircheneinhcit derpicht gewesen sei. In dem Gesetzariikel, der die Gmanzipation der Juden ausspricht, ist wirtlich keine Andeutung einer!olchen Absicht z» entdecken. Dieser Gesctzartikel legt weder den Orthodoren noch den Reformern ein Hindernis in den Weg, sich als besondere kirchlickw Gemeinschafirn zu konstituieren." Und doch blieb diese GinheitSduselei bis auf den heutigen Tag das Steckenpferd der Neologen. So oft es ihnen gelungen, einen ministeriellen Ausspruch oder sonst eine behördliche Gntscheidung zu provozieren, dir im Sinne d:S ״einheitlichen Judentums״ anSgelrgt iverden ionnte, gab es einen Fest- und Gedenktag für die Kongreßpartei. Anderseits verstanden sic es aber, alle gesetzlichen, ministeriellen, königlichen und reichstägigen Verfügungen, die das ״Einheitlichkcits Prinzip" praktisch desavouierten, durch hermeneutisck^ Taschenspieler« für ihre Zwecke auSzuschlacklen. Am 18. März 1870 hat der ungarische Reichstag, wic wir g'sehrn, in der Tat eine separate, unabhängige ortbodorr Konfession anerkannt. Weil aber dieser Reichstagebeschluß den Zusatz enthält: ״ . . . i n s o l a n g e d j e Gcsckgctning keine eingehendere Verfügung trifft", haben unsere neologen Glaubens b r ü d e r die Einschränkung so aedeutet, daß das ungarische Parlament die spätere D e - kreticrung einer einheitlichen jübischen Organisation auf Basis der Kongreßbcschlüffe in Aussicht gestellt habe und haben seitdem nickt ausgehört, bei jeder Regierung die Gnade zu betteln, daß den Juden Ungarns von st a a t s w e g e n eine einheitliche kirchliche Organ! sation oktrotncr« werde. Im Laufe der Jahre wurde es auch in Regier׳ uogs;r«sen zum Axiom erhoben, daß d!- jüdischen Angelegenheiten eine gesetzgeberische Regelu n g erheischen. Ob aber diese gesetzlich: Regelung (?) ׳,wangswkise oder im Wege einer Bereinbarung der Parteien stattfinden werde, blieb für jeden Kultusminister eine offene Frage. T r e s o r t und B e r z e v i e z v waren ausgesprochene der Konyreßpartei. Die übrigen Kultusminister waren nicht Freunde der Orthodoren. aber sie billig en rs mcm, daß letztere von ihren neologen Glaubensbrüdern vergewaltigt wurden. Der derzeitige Kultusminister hak das neue Organisationsstatut der Ortbodoren sanktioniert, aber auch hinzugefügt: ״bis eS möglich tvird. hinsichtlich de, Israeliten unseres Vaterlandes, die Laudec-autonomie aus Grund einer gemeinsamen Vereinbarung zu Stande zu bringen." Also leine gewaltsame legislatorische Regelung, sondern ein? Lanorsauronomie aus Grund einer gemeinsamen Vereinbarung. Ist aber eine gemeinsame Vereinbarung zu einer einheitlichen kirchlichen Autonomie zwilchen Orthodoren und Neologen auch nur möglich? Durck die Frage deS oberwähnten jüdischen ״Schulsonds" und durch die Grrichtung eines Rabbinerseminors glaubte die Kongreßpartei die durch den Kongreß verlorene Unifikation wieder zu erreichen. In diesen Fragen hatte die Neologie von ihrem Standduntte aus große Resultate erzielt, aber die ko sehnsüchtig gewünschte Vereinigung ist nickt nur nicv! «solar. sondern durck diese Scheinerfolge in noch w-eiirlr Frci.c gcrückr. ivvriibrr mir in einem nächsten Artikel berichten wollen. Deutsches Reich. Briefe von öer Spree. (Von unserem Korrespondenten.) bi. B. Berlin, 1. März. III. Halten) us [>a!»am! Wie bereits kurz ve» richtet, ist Heir Dr. Gmil Cohn, ein Zog ling der Berliner ״Lehranstalt für die Wissen schaft deS Judentums" (Hochschule) zum Prediger der hiesigen jüdischen Gemeinde gewählt worden. Damit hat endlich die lange Reihe der Gastprobe predigten, von denen nicht wenige von vornherein pro ii usti a waren, ihr Gndc gefunden und das nur von wenigen Unverbefferlichen als zweiselhasr an gesehene Gndergcbnis ist tatsächlich eingetreten. Um mit dem Erfreulichen zu beginnen: Dieses GrgebniS ist um der Lektion willen, die es dem orthodoxen Renegatentum erteilte, dankbarlich zu begrüßen. Wenn die Verwaltung der jüdischen Gemeinde ihre Kanzel Kandidaten eröffnete, welche ihre Ausbildung uiid Förderung dem Berliner Seminar zu verdanken und dir moralische wie formale Verpflichtung übernommen habcn, ihres- Amtes im Geiste des glaubenstreuen Judentums zu walten; wenn sie diesen Kanoioaicn die Verpflichtung auferlcgt, als vollgiltiges Zeichen ihrer vollendeten Abkehr oon den religiösen Anschau׳ ungen. die sie angeblich früher hegten, neben der Heidereuteraasse auch di? Orgelsynagogc in der Oranienburgerstraße zur Stätte ihrer erbaulichen Grgüssc zu machen: und wenn diese Kandidaten in ihren wisienschaftlichen und sonstigen Leistungen — abgesehen von ihrer religiösen Wandlungsfähigkeit — keinesfalls ha* DnechschniOSmaß ihrer a eatliecki a neologen Amtsgenoffen überragen: so war die Erwartung nicht abzuweisen, daß diese nach divlo matiscbem Sprachgebrauch als ״unfreundliche Hand lung" anzusehende Provokation der gesehestreuen .Kreise in der Wahl eines derartigen Kandidaten zum Prediger ihren letzten Trumps ansspielen möchte. Daß dem Renegatentum dieser Triumph dorenlhalte!׳. blieb, daS ist das Erfreuliche an dem Ausgange der Wahl, insoweit dieselbe uns angeht. - Im Ueb ngen ist der Grkvählte der Berliner Repräsentanten vorläufig ein unbeschriebenes Blatt. Es geht ihn׳ der Ruf voran, vollendeter Gentleman, konzilianten Wesens und ein guter Redner zu sein: der Orient lichkeit ist er bisher nur durch seine Tätigkeit in den! ״Verein jüdischer Studenten", zu besten sührenden Geistern er als Redakteur des Cartellorgans gehörte, bekannt geworden. Diese Mitgift ist etwas mager fnr «tntti ^).יי^זי׳ןי^יוי■ A-.1f 'Y)T/־rf)* *in ^TTJ ן •*» tiivii vt^4 uw| vtttt v>wyvf «י 1 «« «•«׳ . Sachs ׳רל oder selbst ein Abraham Geiger einge nommrn. Jndeffen, das ist eine Privatangelegenheit der Berliner jüdischen Gemeinde, in die die Allgemeinheit hineinzureden weder ein Recht noch einen Anlaß hat. Größeres Jntereffe für weiteste Kreise dark vie Ernennung des Justizrats Dr. Eugen Fucks in Berlin zum Mitgliede der Justizprüflings kommission, d. i. der Behörde, vor welcher alle preußischen Juristen ibr Affefforeneramen abzulegen habcn, beanspruchen. Man braucht nicht in jeder Verleihung eines Kroncnordens IV. Klasie an einen in weitesten Kreisen unbekannten Glaubensgenoffen eine!: Kiddusch Haschrm zu feiern: hier liegt die Sacke anders. Einmal kann diese Anertepnnnq der wkven׳ sckasilicbcn Bedeutung eines jüdischen Juristen, der es unter dem Regime Schönstedt zwar zum Justizrat, aber nickt zum Notar zu bringen oermockte, als Be

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