Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 11 (15.3.1906)
- Date
- 1906-03-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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I.V Mar; l;»**»; Ter 4»r.,eI1« <״»» l .»-- 1 M?nissiIitinW in risßsltk» j,)k«. Die Berufsgliederung der russischen Juden war bisher nur sehr unvollständig dekannt. Es ist daher zu begrüßen, daß die .Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" aus 8em jetzt vorliegenden offiziellen Material die Haupt ergebniffe zusammenstellt. Sie erfordern deshalb de cvM1.r«1r. w.;f w:. cn_..ts.1:A.r..n. y«. ,v',vk“- -4^ ׳י*׳־uj^.üvv».41.y Juden in Rußland in wesentlichen Punkten von der jenigen in Westeuropa abweicht. Diese Abiveicbung hangt naturgemäß mit drr Verschiedenheit der Wirt schaftlichen Verhälniffe Rußlands und der west eurvväischen Länder überhaupt zusammen. Rußland ist vorwiegend ein Äckcrbaustaat und seine Industrie vorwiegend Rleinindustrie und Handwerk im Gegen satz zu den westeuropäischen Staaten, in denen die Industrie an Bedeutung die Landwirtschaft überragt und in der Industrie wiederum die Großindustrie vorherrscht. In einem Punkte freilich stimmt die Berufc׳- gliederung der ruffischcn Juden mit derjenigen der Juden aller anderen Länder überein, nämlich darin. daß der Handel unter Gnen : iveitaus am stärksten vertreten ist. Es entfallen I:> den (einschl. Angehörige) auf in «»!»>. Katzien »t»|<ntual. 1. Oeffentl. Dienst und freie Berufe 318975 6,30 2. Dienstboten, Rentenempfänger, Gefangene 537299 10,61 3. Landwirtschaft 192721 3,81 4. Industrie 1753603 34,63 5. Verkehr 201 308 3,98 6. Handel 1965312 38,64?. Sonstige Berufe 102938 2,03 5072156 100,00 Eine Vergleichung der Prozentualzahlen Ruß lands mit denen Deutschlands (auf Grund der Ge werbezählung von 1895) und Oesterreichs «Gewerbe zählung 1900) ergibt, daß in Rußland der Prozent׳ satz der Juden, die ihrem Beruf nach zum Handel und Verkehr gehören (42,62%), geringer ist als bei den Juden in Oesterreich (43,7%) und Deutschland (54,56%), dagegen ist in der Industrie das Per hältnis umgekehrt. Merkwürdig ist die Tatsache, daß in Oesterreich verhältnismäßig dreimal so viel Juden zur Landwirtschaft gehören als in Rußland. Das könnte zu dem falschen Schluß verleiten, als ob in Oesterreich der jüdische Bauer und Landarbeiter so viel häufiger wäre. In Wahrheit ist aber der hohe Prozentsatz für Oesterreich nur dadurch zu erklären, daß die beträchtliche Zahl •xr Juden, die landwirt schaftliche Grundstücke besitzen und verpachtet haben, ihrem Berufe nach ׳,»r Landwirtschaft gezählt werden. In Wirk'ichkeit ist der selbstwirtschaftendc jüdische Landwirt und Landarbeiter in Rußland häufiger anzutreisen, als in Oesterreich. Gehen wir aus die einzelnen Berilft näher rin und scheiden dabei alle jene Ziveige au«, die nicht mindestens 20.000 Erwerbstätige «also ohne Angehörig et unifafsrn, so ergibt sich folgendes Bild: Industriezweige baden weniger als lno.n«»» Berne׳ angehöriqe. Jür die Gmiqrationsfrage dürfte vie hier auszugsweise wiedcrgcgedene Ltatistit eine betondeie Bedeutnug besitzen. l.. Berufsgliederung der Juden Erwerbs lälige männl. we'bl. zus. Nicht erwerbstätige Angehörige man»!, weibl. zus. ש^כסי w o 5 e-«2 Herr und Marin«. 5310 t :100 t;*4 10*3 51277 Unterricht und Erziehung.!!;tu :45273 310,5 50!:»; 00-2,1 12551 1 Persönliche Dienste. Dienstboten Tagelöhner Rentner. Grundeigentümer, von ihre» Eltern t;1002 112740 175732 1 102521 150,05 331*37 Unterhaltene. «:1:141; 25074 5*120 1י NillT 72* 18 I134*5 17l'to5 Ackerbau . 2!» >4,! 41 '51 :i:iIOl 5(110 70*0«; 1 «0025 1*1102•; Holzindustrie. 101:1 42525 3132« 02027 0*1051 1301 rt; Tertilindustrie. 13158 3»,;12 21215 37171 0320* Metallindustrie. 42*28 1.21 (31(0 ilT-i.V» < 12 ליי >04**0 I 1*320 Industrie der Steine und Erde». Jadrikation von. pflanzlichen und tieriichen Nahrungsmittel». 5017 311 5358 5226 I0IO7 15333 ■20601 10150 101* 1 I371G' 18331t; Bekleidungsindustrie. 202711! MtiTO 2543*4 1**333 330737 52*070 7*2 151 Baugewerbe. 172 200|:1 :«015•; 7:4V 11 ):«050 I 1207* Wagenverkehr und Landtransporte .... 3*0.50 1 337 :«*:4*7 4731; 1 *107t; 132337 170721 Handel im allgemeinen. 78<־.<־.I 06215 10*0:41 1037**' :«02722 30*0:17 Getreidehandel .... . 1t;4*3 24*0 >80';3 22׳!1.2 11'»^>-2 172';2 i )*.«־■221 Handel mit sonstigen landwirtichastl Produkte» 11534:( 2071t; I »50.50 111021• 2*1*02 i 1201* 5*71"7 Handel mit Bau und Heizmaterialien . . . 270:. 1 י! 662 27713 3:4*07 t«olo7 Olt toi 7׳ <* 121 Handel mit Geweben und Kleidern .... :4*470 1 5713 > (1183 11 107 732113 1 I littO 15*** 1 Diese Tabelle wäre eine sehr lehrreiche Lektüre für unsere Herren Antisemiten, wenn sie der Belehr ung überhaupt zugänglich wären. Ergibt sich aus ihr doch zur Genüge, daß die russischen Juden gerade zu den schwersten, physische Arbeit am meisten er fordernden Berufen das Hauptkontingent stellen. In der Industrie überragt alle anderen Jnduitriezweige an Bedeutung die Vetleidungs industrie, in der 254,384 Juden (202,714 Männer und 51,670 Jrauen) erwerbstätig sind. Einschließ!ich drr Angehörigen beträgt die Zahl der aus der Bekleidungsindustrie ihren Erwerb ziehenden Juden 782,454, d. h. mehr als ein Siebentel der gesauten jüdischen Bevölkerung in Rußland gehört diesem Berusszweigr an, zu dem neben cxr Handwerks mäßigen Schneiderei, die das Hauvtkontingent stellt, auck die Schuhmacher, Hutmacher, Modistinnen Handschuhmacher usw. gehören. Die Schneiderei ist im Ansicdlungsrayon so gut wie ausschließlich in jüdischen Händen, insbesondere soweit di; An f-rtigung von Männerkleidung in Betracht kommt: aber auch das Schuhmacherhandwerk, die Anfersig ung von Männer und Jrauenhiiten. von Hand schuhen. Stickereien und Modeartikeln können als vorwiegend jüdische Handwerke bezeichne« wrlden. Drr Bekleidungsindustrie kommt an Bedeutung für die Juden am nächsten die Nahrungsmittelindustrie mit 183,316 Berufsangehörigrn, das Baugewerbe (Maurer, Zimmerleute, Glaser usw.) mit 142,676, die Metallindustrie (Klempner. Schlosser. Schmiedel mit 148,329-und die Holzindustrie (Tischler, Drechs ler) mit 139.476 Berufsangrhörigen. Alle anderen Wiedergeburt und sturbau der ungarischen orthod. tandesorganisation. :11. Budapest. im März. Das erweiirrle orthodore Organisationssialur wird von der kön. ung. Kultusregierung zur Geltung erhoben, ,bis es möglich wird, hinsichtlich der Jsrae Uten unseres Vaterlandes, die Landrsaulono - in i e auf Grund einer gemeinsamen Brr» eindarung zu Stand: zu bringen." Diesrr Sab schließt augenscheinlich eine formelle Einschränkung der ministeriellen Sanktion in sich. Und doch haben die Orthodoxen alle Ursache mit dieser ״Bedingung höchst zufrieden zu sein. Die Jrage, ob die Orthodoxen und Neolegen zivei verschiedene Religionsgenoffenjchasten bilden, ist nicht erst auf dem Kongresse und nach demselben aus getaucht. Sie tvar in Wirklichkeit schon aktuell bei der ersten Reform, die im indischen Religionslcvcv ringrführt wurde. Dir grsetzestreuen Juden aller Herren Länder wrhrten sich mit allen Krallen gegen die dem jüdischen Gesetze, dem jüdischen Geiste srem den Reformen, mit denen man nur die 4tu!?r an derer Bekenntnisse nachehmen wollte. Und al^ sie zur Ueberzeugung gelangten, daß die Reformer die Oberhand behielten, blieb ihnen nichts übrig, als für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse in eigenem predigt ans: da es charakteristisch Ul, wie ängstlich vie Herren damals noch Vorgehen mußten, so möge aus dem detr Ar tikel ein kurzer Auszug hier wiedergegeben sein: ״Es ist hier durchaus nicht die J-rage (wollen wir den» ebenso taub und blind gegen alle «beschichte und Erfahrung sein, wir der Chor der Judens-rude?) ob Israeliten existie ren sollen, welche die jüdischen Saddat und Feiertage nicht beobachten: sondern umgekehrt, da eine bedeutende Anzahl von Israeliten und Israelitinnen leider einmal vorhanden ist, in denen das religiöse Gefühl nicht stark genug wirkt, um sie an diesem Tage von ihren Geschäften abzuhalten, so ist die Jrage, was ist zu tun. wenn man diese wichtigen Glieder nebst ihren Nachkommen nicht gänzlich der Religion entfremden lassen will? Und eS dünkt mich. es gib! kein einfacheres Mittel als das vorgeschlagene. Selbst der^größte Orthodox, wenn er nicht religiös venkt und nach Jesaja S Vorschrift ״das geknickte Rohr nicht addrcchcn, die glim mende Herde nicht völlig auslöschen will", wird hiergegen nicht» rinwenden, er müßte denn den hoben Grundsatz ״ ח״מוד חורה כעד כולםder Unterricht in der Religion ist die wichtigste von allen Pflichten", gänzlich verkennen. Taß hier von einer, auch nur scheinbaren Verlegung des «abbatS nicht dir Rede ist, verstebt sich von selbst und ließe sich auch in der Anordnung betätigen. Auch könnt« man den Pre digrrn vorschreiben bäusig über diesen Punkt, so wie über da« gesamte Kultuswesen rrNärend zu retzen. und dabei allen'protestantsschen AufNärungSdünkel fern zu tasten. So würden di« Strenggläubigen auch im geringsten nicht denn ruhigt, hörten vielmehr israelitisch« Rrligionswahrheirrn auseuia illufirieren, «ab sähen beim Z»s.׳mmentressen mit wirklichen Jeier- und Jestlagen den allgemeinen Ritus mit der Predigt verbunden und ein um so größere» Publikum an beiden Teil nehmen. Tenken Sie sich de» gewöhnlichen Alltagrgottcsdicnst feierlich und würdevoll begangen, beim Lchluüvsalm «sie0' ׳ יים) siele ein Chor ein. mit öder obne Jnstrumentalbsglei tung: hieraus folgten deutsche oder dori sranzösische «besänge, «Gebete, eine salbungsvolle Predigt und «ine Kollekte für die Armen: dabei jedesmal die Empore» voll beiender Iran«« und Mädchen »nüßte ein solcher Anblick nicht »»endlich viel heilsamer wirken und wäre darin das geringste gegen rabbliiisch israelilischen Religionsbegrisi .“ Später wurde man deutlicher. Bei dieser Gelegenheit sei eine interessante Bemerkung zur Geschichte des Wortes ״Orthodox" von der ja erst iüna« in diesen Blättern öfters die Rede war. wiedergegeden: In einem Artikel der ״A. Z, d I." vom l:i. April 1*30 über die Zustände de» Jsr. Gemeind« in Frankfurt a. M. heißt es: ״Die s. g. Ortbodoren erhalten letzt alle» Da»1en>gr, um was sie bei unserem Hohen Senat gehvrsamst nachgesuchl haben" und bemerkt hierzu am Juße der Bersasser: ״Man muß diesen Ausdruck ״Orihodox" nur relativ nehmen, indem ein großer Teil drr so Benannten nicht» weniger als orthodox ist. e« ist hier nur die Bezeichnung einer Partei, als «Gegensatz zu den sogenannten Neologen, bei denen aber ein gleicher nur im umgekehrten Sinne der Jall ist." Aus Deutsch: ES gab unter den Gesetzestreuen einige, die da» Gesetz verletzten, aber auch unter den Lerletzern d«S Gesetze» Einig«, die noch Einiges hielten iJorlsrtzung folgt > [Karmf8 Lylva und die Inden in Rnmänienf. Angesichts der Beriolgungen und Bedruckungen, die die Juden in Rumänien erfahren, bat man sich in der Oesienl lichkeil immer darüber gewundert, daß Carmen Svlva. di« Tichterin aus dem rumänischen Königslhron. nicht ihren Einstuß zuguiisteii der alle» Gesetzen drr Menschlichkeit zum Hohne mißhandelten Juden geltend macht Bon der Tichterin. die für das Schöne und Erhabene so begriiterien Ausdruck zu finden weiß, glaubte man annebmen zu 1»üss»n, daß da» himmelschreiend« Unrecht, da« geschah, nicht ihr« Zustimmung finde» könne. Au« einem Artikel, den Carmen Svlva in der englischen Zritschrtsl .Ceniurv Magazine vrrvssrnlüchl. sieht man jedoch, daß drr Künstler nicht immer aus der Menschheit Höhen wandelt. Ter Artikel ist überschriebrn ״Tie Juden in Rumänien", autzer in der Uevrrschrist komm! jedochda» Wort Jude nicht «in einzige« Mal darin vor. Immer ist nur von Jremden und Ausländern die Rede: ganz in Uedereinftimmung mit drn antisemitischen Grundsätzen drr rumänischen Regierung. In bewegten Tönen wird die Not und die Armut de« rumänischen BolkeS geschildert und daun gefragt, wie man von einen! Bolkr, das selbst in so unglücklicher Lage ist. verlangen könne, daß es auch noch für Jrrmde sorgen soll«. Carmen Svlva beschwert sich, daß Handwerk und Handel in Rumänien säst ganz in drn Händen der Joden liege, und Nagt darüber, daß in schlechten Zeiten di« Wirtshäuser von den Rumänen zu stark besucht würden Man darf eS sich wohl ersparen, mit der Dichte»»«. die so ihr« schöne Seele pnciwuii, uvii v» rinuänifche Jnbenirage zu rechtes