Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 11 (15.3.1906)
- Date
- 1906-03-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr 11. Sette ׳.׳ Der Israeli!. t'1. März 1906 gotle: dienstlichen Reformen nichts mehr wissen will, ist man weit davon entfernt, die Würde und Ver pflicdkungskraft des Nrligionsgesetzks wiederum anzuerlenneii. Das i\ 0 st ü m . der llamf Hut ge wechselt, die Sache ist geblieben. In einen׳ /seit alter, das gegenüber jener NivellierungSsuck.t und Nackiäfk.rei,!.sie sie die Reform kennzeichneten, auf allen Gebieten einen ästhetischen Widerwillen empsindcl, das überall das Efsarakteriitjsche. Indi viduelle bevorzugt und me alte zerfallene Dorfkirche lieber steht, als de» abgezirkelten Neubau einer ,.icnonen r'.azerne »1 einem wichen genauer izr die indische Reform an-: ästbetischen (Gründen allerdings n׳cht mehr .zeitgemäß. Zeitgemäß aber i st die A n s ch a u - uni) geblieben, die das eigentliche Wesen der Reform auöniacht: die Leugnung der V e r p f l i ch t u n g s t r a s t des jüdischen Religionsgesetzes in Gemeinde und Lebe n und zeitgemäß geworden ist der An spruch. diese das Judentum negierende Anschauung als gleichberechtigtes Judentum anerkannt zu sehen. Zeitgemäß geworden ist der Anspruch, aus der alten Resorm in ihren! neuen Kostüm und der überlieferten Gesetzesrcligion des Judentums ein G e s a in t j u d e u I u in zurechizuzimmern. das die hftt זיזי♦ Wfh* 14 4t v iln «l » ן t* 4* .« 4» *$ v 4 *-y «. » V ין ••‘ד• * * יי• und besten Priester und Propheten zu ihrer alten, unmoderiien Mnrter Reform um astes keine kompromiiticrenden Beziehungen mehr unterhalten möchten. Hiiic illae lacinnae! T A r u m lost es nur ״wenige Reform gemeinden" geben darum aber auch müsten iv i r umso lauter der traurigen Wahrheit die Ehre geben, daß ״R e s o r in" und ״C r t b 0 b 0 r i «״ - - Name ist Schall und Rauch in Deutschland n n rh immer h 1! ז >t eine II n ü b e r b r ü ck - bare Klus! von einander getrennt sind, die leine Pogelstraußpolitik und leine Dialektik sondern nur redliches aeistigeS Ringen vielleicht eines Tages zu verkleinern, zu icvließkn vermag, wenn die Erfahrungen der Iulirbnnderte aesvr״chen baden. Tie Ausführung des Fremdengesrtzes beginnt allmählich die öffentliche Meinung in England stark zu beunruhigen. Tie Tagesblätter beschäftigen sich riirig mii der Angelegcnheir und berichten fortgesetzt über Mißgriffe der mit der Vollziehung betrauten Beamten. ES scheint, daß im englischen Volke das Gefühl wach geworden ist, als ob ein Gesetz wie die Alien Bill sich mit den liberalen Traditionen des britischen StaatSwesenS nicht vereinbaren laste. In der vorigen Woche hat sich auch das Parlament an zwei Tagen eingehend mit diesen Vorgängen befaßt. Der Staatssekretär des Innern, Gladstvne, gab ohne weiteres zu, daß große Fehler begangen worden sind. Das sei aber nicht in erster Linie die Schuld der Beamten, liege vielmehr an der unbestimmten Fastuna oes Gesetzes, einem Mangel, der sich überhaupt nicht beseitigen laste. Herr Gladstone verhehlte nicht, daß er ein entschiedener Gegner der Alien Bill sei. und nur Verbrecher und mit Krankheiten Behaftete an der Einivanderung verhindert wissen möchte. Solange jedoch das Gesetz in Kraft bestehe, könne die Regierung wester nichts tun, als dafür sorgen, daß cs mit der denkbar größten Milde angewendet werde. Vor allen Dingen werde man dafür sorgen, daß den Ankömmlingen eine in allen in Betracht kommenden Sprachen abgefaßte Information über ihre Appellationsrechte ausgehändigt wird, damit feiner aus Unkenntnis ver säume, dieser Rechte sich zu bedienen; und ferner dafür, daß die Verhandlungen der AppellationS insianzen in Zukunft öffentlich, unter Zulassung der Presse, stattfinden. Bemerkensinert ist die Mitteilung des Staatssekretärs, daß im Monat Januar nur 89 Einwanderer endgültig zurückgewiesen worden sind. Das sind nach den statistischen Feststellungen etwa lIz. Proz. aller Ankömmlinge. Es kann nicht Wunder nehmen, wenn weite Kreise des englischen Volkes darüber ungehalten sind, daß um eines so winzigen Resultates willen ein besonderes lstesetz gemacht und ein so kostspieliger Berwaltunasavparat eingerichtet wurde. Dazu kommt noch, daß sich unter den 89 Abgewiesenen nicht ein einziger Verbrecher be fand, daß allo die Alien Bill, insofern sie die Fern- Haltung gerade solcher Elemente gewährleisten sollte, ihren Zweck vollkommen verfehlt. Die Antipathien, aus die die Anwendung des Gesetzes bei einem großen Teil der Bevölkerung stößt, lasten zuversichtlich hoffen, daß die Lebensdauer dieser Englands unwürdigen Maßregel keine allzulange lein wird. * 4- * Wir haben bereits vor kurzem von der großer. Not berichtet, die infolge Regenmangels gegenwärtig im. südlichen Marokko herrscht. Unsere Brüder in Moqador und in Marrakcsh leiden, wie neuere Berichte melocn, außerordentlich: besonders hart ist bas Geschick der Juden in Marrakesh. Die jüdischen Gemeinden machen die größten Anstrengungen, um das Elend der Armen nur einiaeimaßen zu lindern. Aber es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, oaß. was von dort aus an Hilfsgeldern aufgebracht werden kann, bei weitem nicht auSrricht. Auch sind dir brmiitelteren Juden in Marrakesb und Moqador nicht in der Lage, noch längere Zeit die großen Opfer zu bringen, die sie sich seither auferlegt haben. Biele Arme sterben auf der Straße vor Hunger. Die marokkanischen Juden hoffen, daß man ihren Notschrei nicht überhören wird. Möge man diese Hoff nung nicht zu Schanden werden lasten und den Unglücklichen unverzüglich zu Hilfe kommen. * * * Wie uns das Hilfskomitee für jüdische Aus Wanderer in Basel mitteilt, kommen dort immer während aanze Scharen von 'X11־tm,1nh»m1 8!!״ ״v~ Gebieten der Pogrome, Kischinew, Odessa, Kiew. Hömel etc., an. Die großen jüdischen Hilfsgesell schäften befördern die Unglücklichen nach Argentinien, dem einzigen Lande, das der Immigration nicht nur leine Schwierigkeiten bereitet, sondern sie nach Kräften durch Gewährung van Konzessionen zu fördern sucht. Tie Hilfskomitees in Basel. Paris und Harre besorgen die rituelle Bervfleaung der Auswanderer an den Ankunftstagen, und in Basel erhalten die meist in der traurigsten Verfassung An kommenden Kleides, Wäsche und Schube. Infolge der letzten Maffentransporte — vom 10. bis 13. März verpflegte und kleidete das Baseler Komitee 6 5,0 Personen — sind die Vorräte jedo-ck! gänzlich erschöpft. Das Komitee bittet daher dringend um Zuwendung guter getragener Kleidungsstücke, Schuhe und Wäsche. Es erscheint angezeigt, allenthalben Sammelstellen zu errichten, von denen aus die Effekten nach Basel befördert werden können. * * * Am vergangenen Freitag ist der Reichstagsabgeordnete Eugen Richter verschieden. In allen politischen Lagern hat man den Hintritt des Führers der freisinnigen Voltspariei aufrichtig bedauert. Auch seine politischen Gegner haben die Be gabung und die geivaltigen Leistungen des bis kurz vor seinem Ende rastlos tätigen Mannes bereitwillig anerkannt. Wir Juden wollen ihm noch besonders Dank Nachrufen für die mannhafte Entschiedenheit, mit der er vielfach antisemitischen Angriffen im Par lament und in seinem Blatie entgegengetrelen ist. Man hat zwar immer die Empfindung gehabt, als ob Eugen Richter nicht gerade Sympathien für die Juden hege. Aber es muß ihm nachgerühmt werden, daß seine leidenschaftliche Gerechtiakeitsliebe sich gegen Zurücksetzungen der Juden und gegen antisemiiische Hetzereien stets enmört hat. Diese aus reinem Rechts gefühle fließende und darum umso!vertvollere An Waltschaft Wird »hm von seinen jüdischen Ntitbürgern nicht vergeffen werden. silluiM. ,MI uni ^otffbttnp. «,me ütw.n* le׳c!!swe׳.׳.e Lindie 1!t־cr Nie■ Berbätiiiis - es '»alurgeietze» zu »iiuv b«»׳uftt wirkenden Boriebung und die daran» >>ch ergebenden stvnieauenze» für den Wunder begrin i'.ii Tr. Tenneri unter den! odiaen!ttel im Aerlage de« Eamdurzer Rauben Hame» veröffentlicht. Tenneri wem zunackin mit ireneiider *tritif den ganz uiian ,edracknen stnllns!u kennzeichnen den gewisse moderne weistesricknuiigen m» dein Begrine de» '. Nalnrgesetzc» treibe« Um Erian im das fehlende Gottesbewiißiiein zu ׳chanen. wird die rein begrinlude Abstraktion. die wir Ha >״r-ze>e> nennen um den Attributen der ..Ewigkeit . der Uiiad -!ideitichleii ansgestailel und vor dein io aeickiaffriien >^on..: »,!kl die glaubenslose. aber glaiibeiisbcbürnigc mo der,!, ">e1n<hl>»-.l anbeienb 111 die >inie« Ter Hauvlieil dc-> Zscrkche»» da» ft* dur» .Hlarbat 1»׳.d Schlichldeil der •i -uucUun^ au»u ichnel obne 1» 3et*tbett 111 verfallen, ist \ז1ז1ו der ,trage .1tw,d»1e1. in welcher Weite die kausale ' .icNtichle!« alle» ''d׳n,rge׳chede!!»!1:-.׳. der erziel,end ,in >r?»cnre:, itvatiung des Alliiiackmgen vereinbar 1» denken ni öזזי <׳ Nidiichen Pbttoiovbie wird dicie Eindeil durch >< veaei.»»>,--» der!׳׳oitesnameii p"» z« einaiider ver ' ׳ W. der Peria'ier die Probleme -,u vovnla rinereu versteht, zeige das Beispiel, ein echtes פשר. das er für jene» Berhattnis vo» Ralnrinechanisnius und Kokles leiiung gibt. Er sag!: .Ein.stlavierspicter schlägt aus die Taste׳, seines Instru meiitcs und benul» die Sailen, uni mit ihnen nach .u» wandelbaren" i'iesetzen der Akustik Töne hervorzubringen, die sich »ach dem ibi» im Eeist vorschwebenden oder »ach dein ihm aus dem Roleubtatt vorliegenden Plan zu einer Harinonie und Vketodic vereinige». Ter sest bestimntte Pta» und die .unwandetbaren" tWcfette der Akustik und endlich oie Sailen des Instlumrntes und unbedingt nötig, >»!> hie Me lobte zu erzeugen; allein ne genüge» noch nicht? das akustische Eeicn kam! sich nicht sür sich allein an der Latte offenbare» und die Melodie erzeugen, es ist unbedingt »ölig, bah ein Leiter vorbanben ist. ein Spieler, der k!c Saiten zwuigt, »ach dc» bestedcnden Eesehe» zu tönen, so erst kommt bas vieien zur Eellung. und so erst kann der Plan verwirklicht iverden. d. b. die Melodie entsleben. Ter Wille und die regierende Täligkeit de» Spieler» sind dabei auch sür den einzeinen Ton notig und veraittworilich. so dap. wenn der Wille des «nnstlrrs hier und d,1 einmal aussestt. eine u» vollständige .s>ar»1o»ie oder gar eine Tisbannonie eiilstedt. ,Zeder einzelne Ton entstellt kam'aliter nach de» bestehenden Eeseste». allein auch nur dann, wrnn der Wille des 9ü»stlers ik» bervorrnit. .iianialitäl und Wille gebören also iammrii. 1,1 i'11*1 Bild »och abzuander». um es sür »«ii- 'Jliniietltiitliihi (wn|iist «n» \!lי...rx... . .«*י. «;.- .׳*•«*•,♦•Ml .VU|||lVlll aeichlech! nutzbar \u mdrbftt: M.in denke an die Wirksam ffit eines Musikdirektors Er siebt mitte» in feinem Orchester, fr lxiuchl demselben. d. b. jedem riiizeliien Musiker seinen Eei'I ei» und lenk, bei voller ־״rreibeit jedes einzelnen doch aller Spiel zusammen zu einer herrlichen Harmonie. Was wäre er ohne seine Musiker und diese ohne ihre Instrumente und diese ohne die akustischen Gesetze, nach denen sie tönen' Ader was wären auch die Jmtrnmenle ohne die Musiker und diese ohne ibren Musikdirektor und dir sich in ihm ver körpernden Gedanken des Musikstückes, das hier zum Au» druck gebracht werden soll; Alles hängt innig zusammen, das eine ist nichts ohne das andere, und doch ist der Musiker Herr seines Instruments und der Direktor Herr seines Orchesters, über das er mit voller Freiheit herrscht, oknc in ibm ganz auszngehen, ja. ohne daß eS etwa seine Hülle, seine Wobnung wäre zpantbeinischer ׳nevankei, wie der Leib die Hülle der Seele ist.".' Ter Schluß des Buches bringt die Nutzanwendung der gewonnenen Elgebnistr aus du» Gebet u!» Biiie. Auch da weiß der Verfasser wirksame Waste» gegenüber de» pie tätlosen Ausfällen in die Hand zu geben, i» denen sich ein zelne radikale Tageszeitungen mit blonderem Behagen zu ergehen pffegen .sui 6cttgitfiang It5 jjWkuZtiiuuMskir. lffortsetzungi Sie versteckte», wie offenen Angriffe gegen die Ortho dorie von Seiten der ..Allg. g, tnna de« Judentums" gingtu »u» Ia'ore hindurch wener, ohne daß von gesetzcstreuer Seite etwas ne ,enswerteS dagegen ge schehen wäre. Ini Jahre IM-te in 1»fr. l-> vom 28ל. April taucht auch m diesem Blatte zum ersten Mal . r Geda»kc der Sonntags