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Der Israelit · 1906-03-15 · 11 (15.3.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
11 (15.3.1906)
Date
1906-03-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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jff ומי״ , .!׳•׳iw *■Utw I Mwj» V :wi'ivi Ter ^taelil erscheint jeden Tonnerstag 4Ibv«»emei»tei: iNewvhnliche Ausgabe Mk. l.r>i) vierteljährlich, .Hen>1nsg>tbe aut ieunsidruckpavier Mk. -> vieileltahrlich >Auslandspreis« h die ge». Ausgabe: Oeüerreich 2 Kr., Rußland I Rub.. England 2 sb. Auierika •V) et!«. iHieberfiinhe 1.20 fl-• Abanuemeiiia tvi afJui ׳Reü.imf!׳!!׳וו Auchd.׳.!:d!:!ngen,!en-ie direkt W der Expedition, HettauSgabe nur direkt. Inserate: ttO Pfennige für die sechsgrspaliene Eolonel Zeile: Rabalt nach Tarif ,siiierilenannabiiie nur durch kill Centraloraan für das orthodoxe Judentum //(Ul Begründet non Dr. Lehmann in Itiainz \\ \ 19015 ז-1ו;י*1• jjfranhfurt n. •!£., den }$. Mar?1500 Haasenstein 4 Bögler A.-W in Frankfurt a. M. und deren Filialen. Sibt es jttditbe keforwgsweivclev? \U;ä i׳ .״TN-.״ ״ - -1- - T .TTXV- .!*_״..״ ...' im wn J. juiutj iuuiuvii iuif, und zwrillos alle unsere Leser, ei» naives Gemüt, das sich 1t der Jirage: ״gibt es jüdische Reform- ,Temeindem ein Iinä n»1vmhf twi♦*» ungefähr in der gleichen, zischen Aerger und Heiterkeit schwebenden Siimmimchegrüßt haben, wie sie kindliche Naivität bei Erwachnen auch sonst zu erwecken pflegt. Mit jZm denkwürdigen Tage aber, an dem di: Vvllsfchulkiimiffivn ihre entscheidenden Beranuraen über den versprochenen -r 24 abhielt, ist jene?frage zu einem schwort geworden, das zu sehr ernsten Betrachtung Anlaß gibt. Im der Diskussion, über die erst jetzt ein ausführlicherer:^ in der ״Preußischen Lehrerzeituna" voigt, hatte ein Regierungsvertretcr betont, daß deptaat sich in allen religiös-jüdischen fragen für hcompetent erachten müsse, daß er darum an!5 jüdischen Lehrerseminaren in allen?fächern, mitluSnahme der Religion, Zeugnis erteile und d»s vor allem nicht Sache des Staates sei, zu entschitn, ״ob die orthodore jü dis che Region die richtige sei oder die der Rio r m j >1 d e n." Diese sachlich und formell gleich ^rekte Erklärung zeigte vor allem, daß der Regiefg die Tatsache des Vorhandenseins zlvcier in Lei und Lebensführung weit von ein ander abweich-er Konfessionen innerhalb der Judenbeit klaior Augen steht, und daß sse d'e Konseauenzen. s sich aus dieser Tatsache für die Wahrung der mssensfreiheit ergeben, zu würdigen versteht. j Darauf ntsrhebt sich ein Vertreter der frei nnnigen Partei! wir wissen nicht, ob es Herr Eaffel war oh Herr ^unck - und macht — sicherlich Hh auf Grund von jü d i s ch e n I n f m a t i o n e n — die verblüffende Mitteilung, ״e! seien überhaupt nur wenige jülche Reformgemeinden (in Preußen odDeutschland) vorhanden." Und diese Erklärung ß mit solcher Ueberzeugungsqewißheit abgegebworden sein, daß der in die Enge getriebene Herungsvertreter nichts anderes mehr zu erwidern ßte. als: ״es könnten sich doch jeden Augenblick G Reformgemeinden neben den orthodoxen Genies bilden."! Uns ruft dieshteressanie Dialog das treffende 3S,׳ü o. 31. Hirs, ,ns Gedächtnis, der einmal meinte, es gäbe fi'i nichtjüdiscbe Welt nichts Unbekannteres. Und^rinalstberes. als das, im hellsten Lichte der Oeifentlichkeit sich vollziehende jüdische Leben! Seit mch: als einem Jahrhundert ringen in per deutschen, in der westeueropäischen Judenheil im Angesichte der ganzen Welt die ,.Reform" und die ״Orthodoxie" um die Herrschaft in Gemeinde und Leben: Die ..Reform", d. b. jene Anschauung, die sich das Recht zumißt, nach s e l b st g e s ch a f f e - neu religiös-sittlichen Maßstäben das ü>׳erliesertc Gesetz und die überlieferte Sitte zu modeln und tu formen, und die ״Orthodoxie". d. h. das alte historische Judentum, mit feinen festen, für alle Zeiten berecki neten und ausreichenden Gesetzcsnormcn. die weder in der?form noch in de: Sache der Willkür irgend welchen Spielraum lassen. Wie ein Sturmwind i't im Gefolge der großen französischen Revolution der Geist der Reform durck, die deutschen Lande gebraust, im Sturm hat er die Gemeinden, die größeren vor allem, erobert und die Sr.mbole seiner Siege: Orgel. verändertes Gebetbuch, Damenchor hineingetraaen bis in die Stätten der Gottesverehrung. Wir sagen: die Symbole seiner Siege: denn die gesetzwidrige Umgestaltung des Gottesdienstes war nur der äußere Ausdruck für jenen Geist des durch kluge ״Geistliche" sanktionierten Abfalls, der daS Gesetz »in jeden Preis in Einklang mit dem Leben dringen wollte und der in der Lebensführung selbst (vom G e m e i n d e l e b e n abgesehenden g: setzestreuen Juden von dem der Reform huldigenden Bruder umerkcheidet. Nur an tveniqen Orten Deutsch lands gelang es, die ihrer Pflicht bewußten Juden zu selbständigen Gemeinden zu sammeln, in denen das j ü d i s ch e ..R c l i g i o n s a e s e tz in seiner < > •Vv . .1> - — .-1 --A UllCIl 41'1U vc mr a i u 1 11 k 1 1 1 ן u! ( 7 uiiuiuuiu ward und wird. Auf dem Lande fand das Reform Prinzip teils aus inneren, teils aus äußeren Gründen natürlich lveniger rasche Anerkennung, oft i'ogar energischen Widerstand. Ein Teil der Reformgemeindezr aber — wie z. B. die Berliner Jüdische Ge meinde — war klug und ״tolerant" genug, unter strikter Wahrung ihres Reform Prinzip» auch den Orthodoxen ein beicheidenes Plätzchen für ihre veraltete ״!form der Gottesverehrung" zu gönnen: andere, wie Breslau etc., stellten — vielfach erst unter dem Druck des inzwischen geschaffenen Austrittsgesetzee sogar gesctzestrrue Rabbiner neben den Resormgeistlichen an — allein an dem Bestehen der Reformgemeinden als solcher, ja an dem Siege des Rrtormprinzips in fast allen deutschen Groß- und Mittelstädten, änderten diese aus Opportunitätsaründen gemachten Zugeständnisse nicht das mindeste. Eine Gemeinde, die den Boden des Gesedes verlassen hat. die sich (Herr Professor Manbauw bar das in seinem letzten Kölner Orgelautachten ja in klassischer?form zum Ausdruck gebrachtda» Recht oindiziert, sich ״die ihr zusagenden formen der Gotlesverehruna ' zu schassen, ist eine R r f o r in g r m e 1 n v e. und m.rg sic anebrn auch »och Sunagoacn nir ,All gläubige", ״Orthodore", ״Konsernatine". ja ׳״'׳gar iiii Ehaisidim ervaucn und in rührender Unpar'e! lichkcit nicht nur religiöse Opeinaussührungen. son dsru auch Mliivaoih oder iridst Swemila Institulionen subvenlionieren. Daß man ״n diese Binsiinvahrheii erst noch ein Ouentchsn Dluckrlschivärze Ivenorn, daß man oie Erislenj der zahlreichen deulschen Reformgemeinden von den Slädlen i» es die erdrückende Mehrzahl erst beteuern muß. das stheint aus den ersten Blick ein Rätstl zu.sein. Lokale und allgemeine t-lesichlspunkle cru.ög lichen indessen die Lösung. In der Reichshauplstadt führt diejenige Sondergemeinschaft den Namen ״Reformgemeinde", die in ihrem Radikalismus die offizielle Berliner Neoloaie noch übertrumpfen zu müssen glaubte und ihren gan׳ besondris ontmickelten religiösen Gefühlen nur an! Sonntag und nur ohne Kopfbedecknn.: Aus druck zu gebe» vermag. Dieser Zns.ill erfei.-hterז der cia-.ntlichen ״Jüdischen istemcinde" zu Berlin de Jiktion, sie sei beileibe keine R e s o r m gemeinde denn ״Resormgemeinde" heiß! ja die Schwester z!:r linken Hand! Und so zwischen jene Ultraradikalen links und die Hhperorthodoren. die Hildesheimerian.r in der Gipsstraßc rechts gestellt, wandelt die jüdisch» Gemeinde zu Berlin im Gefühle vollkommener Ge rechtigkeit den Weg der goldenen Mitte »nd ist kies gekränkt, wenn man sse, in deren Scdoß doch jeder tsolange er sich nicht taufen läßt oder die Taute empfiehltnach seiner Ja,.on selig werden kann, ais Reformaemeinde denunziert! Das ist wohl der Gedankengang. den man auch dem Herrn Abgeordntten suggeriert hat und der ans die übrigen in deulschen Landen sich ihres Da seins freuenden Reformgemeinven als eine Art Ver kleinerunqsglas wirkt. Daß eS soweit gekommen ist -- daß man ück׳ schämt, dcr Reform anzugehören, der einst so laut a!» Morgenrot der Erlösung gepriesenen, ist nach dem geistigen Bankerott der jüdischen Reform allerdings sehr wohl zu begrrifen. Aber es hieße frevle? Spiel mit dem Heiligsten treiben, wollte man diesen Kostiimwechkel so einfach passieren lassen. Daß die Reform auch in ihrer alten wid»r wärtigen Gestalt noch heute recht lebenskräftig ist haben gerade die Erfahrungen der letzten Jabre a׳ ,eiat- ™יי braucht nus ־;ע Namen 5 ii f f r; b 0 ז f, Köln, Natibor, Beuthen zu nennen, in:׳ das zu erhärten. Allein auch dort, wo man von den nberkebten

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