Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 10 (8.3.1906)
- Date
- 1906-03-08
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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10 זאי. e*iU 14. Ter Israeli!. H. : März 1900 Ein anderes Mitglied de- Komitee« ist Herr Wiffolsky, ein reicher Mann, da« Haupt der bedeutenden Teefirma gleichen NgmenS, die die größte in Rußland ist und fast Überall Zweiggeschäfte hat. Er besitzt ein großartige«, palastartig auSgestatteteS Hau«, bei dessen Anblick e« einen traurig stimmt, die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit in« Äuge fassen zu muffen, daß e« über fürs und lang von einem wütenden Pöbel demo- Vordalle eines Haute«« iu Odessa. liert wird. Man hatte die« schon manchmal erwartet, und schon oft hatte das HauSpersonal, auf einen Ueberiall gerüstet, die ganze Nacht durchmacht. Auch hier find di? Frauen »nk Kinder in« Ausland gebracht worden. Am eigenen Leibe verspürten wir während unsere« Aufenthaltes in Moskau die revolutionäre Stimmung der Zeit zum ersten Male infolge de« Ausbruchs eines Streikes deS Hotelpersonals. Die Bedienung war eine äußerst mangelhastk. Auch die Dienstboten streikten in großer ,1(01(׳. ^ie Kvwmstsion wurde gewarnt, bet Nacht nicht auf die Straße zu gehen, da Fußgänger häufig beraubt und ermordet würden. Nach Einbruch der Tunkelheit wurden -re Läden vervarritadren: ein allgemeine« Gefühl der Unsicherheit beherrschte die Bevölkerung. Bald kam die Nachricht, daß die Revolution in Moskau größere Dimensionen angenommen habe. Die veryäitnismäßig unbedeulende Ardeilsemstellung in den Hotels und Restaurants halte sich zu einer Lahmlegung de« gesamten Berkehr«- und KeschästSlebenS erweitert. Der Play vor dem Hotel, in dem die .Kommission wohnte, ist von Truppen, darunter auch Anillerie, besetzt. Die glimmende Asche ist in der Tat in Helle Flammen ausgedrochen. Bon der Bestechlichkeit der Russen und ihrer Neigi'ng. für empfangene nnd nicht empfangene!Regenstände exorbitante Rechnungen auf.zustellen. haben wir hier manches erfahren. Bei einer Gelegenheit hatte ein Mitglied der Kommission Schwierigkeiten, seinen Paß von der Polizei zurückzucrlialten; man müsse, jo wurde erklärt, erst Instruktionen von St. Peters bürg cinholen. Ein inhaltsreicher Händedruck jedoch g:n!'7׳." um trotz de« Post- und Telegraphenstreiks die Instruktionen von St. Petersburg in l'1! Mimten zu bcschaste». An׳ die Frage .wohinV" antwortete der russische Jade mc>sl .in Rußland bleiben." Er mag wohl wünschen, daß-die Auswanderung derjenigen seiner Bruder, die die Mittrl und den Wunsch liadeu, Rußlaud zu verlassen, gefördert nnd ihre Ansicdluna in anderen Ländern ans eine feste Grundlage gestellt werde. Ader andererseits ist e« doch intereffant zu hören, wie drei russische Juden von verschiedener sozialer Stellung, Baron David Künzburg in PeterSbürg, ein reicher Kaufmann in Kiew, drffen Hau« demoliert worden war und dessen Verluste sich aus viele Tausende bezifferten, und ein Landwirt, deffen Besitz vollkommen zerstört worden, fast mit denselben Worten, sich über diese Frage dahin äußerten: .Ich liebe Rußland, wo ich geboren und erzogen worden bin, ich habe nicht den Wunsch, eS zu verlaffen, und ich könnte nirgends glücklicher sein. Nur möge man das Schwert, das über unserem Haupte hängt, entfernen und unS Sicherheit für unser Leben und Eigentum verschaffen." Diese leidenschaftliche Liebe zum Heimatland, trotz aller MassakreS und Plünderungen, zeugt von dem PatriotismuS des russischen Juden und seinem Werl atS Staatsbürger, Tugenden, die sich noch glänzender entfalten würden, wenn man ihm nur ein bischen Freiheit und Schutz vor Mord, Plünderung und Verfolgung gewähren wollte. Ein Teil der westlichen Juden bat den Eindruck, daß der russische Jude sowohl körperlich, als auch materiell auf der niedrigsten Stufe stände. Das ist jedoch nicht der Fall. Seine Lage ist in dieser Hinsicht weit besser, als etwa die der Juden deS Ostens von London. Seine Gewandtheit sowohl im Handwerk, als auch im Handel und den anderen Gewerben hat einem großen Teil der Bevölkerung trotz der unzähligen Beschränkungen einen gewissen Wohlstand verschafft, lieber 100 000 Juden in Rußland sind Landwirte. In jedem Berufe, der straft und Ausdauer verlangt, zeigen die Juden sich als hervorragend tüchtig. In. Odessa z. B. war die Zahl der jüdischen Hafenarbeiter so groß, daß die Behörden verfugten, daß nicht mehrals 50"/«zugelasten werden dürften. .Der gegenwärtige Ausblick ist düster und trübe", sagte ein angesehener Jude, .aber, man gebe uns Freiheit, und die Ausmandernng wird aufhören: die rusfische Judenfrage wird und muß in Rußland selbst gelöst werden." « Die nächste Stadt, die die Kom- Mission nun besuchte, war Kiew, wo der Pogrom mit besonderer Heftigkeit und länger als anderwärts gewütet hatte, und wo stcki die Kom- Mission persönlich von den Verheerungen überzeugen konnte, über die so uicltc schreckliche und Traurige berichtet wurden war. ־ > ־ “ Von ökN Ltiökn ökr marokkanischkn Juden. «Aus einem Schreiben de» DirekrorS der Alliance Schule. Herrn OtuSro», in 1* afats'Ianca.) A. Die Juden vo« M'zab. Bier Tagemärsche nordöstlich von Casablanca liegt der Flecken M'zab, auch .Stadt des Riri Jzon Amasl" Blick genannt, rings umgeben von Beduinendörfern, wie z. B. Beni Hof Ouardiga, wo zahlreiche Juden leben, zumeist Hausierer oder Schuhsticker, die von den Märkten und Messen, die in diesen Küstengegenden häufig sind, hierher gezogen wurden. Das Ansblnbcn der Ernte hat die Araber in diesem Jahre dstonders anspruchsvoll gemach!, der Hunger peitscht alle ihre räuberischen Instinkte ans. sodaß sie unsere armen Glanbensgcnoffcn ohne Gnade mißhandeln. D c r Maghzen, wegen der Rivalitäten der Mächte au keine Rücksicht gebunden, setz! seine Drangsalierungen fort: unaufhörlich werden unsere Glaubensgenossen durch neue Schreckens- Nachrichten beunruhigt. Viele, die die Angriffe der Araber auf Leben und Habe nicht länger ertragen können, verlassen ihre Dörfer, um sich in den Städten an der Küste zu zerstreuen, wo sie bei ihren Brüdern Zuflucht zu finden hoffen. Ein trauriger Exodus hat begonnen. Meist werden die Unglücklichen auf dem Wege all ihrer Habseligkeiten beraubt und gelangen iu schauderhaftem Zustande am Ziel ihrer Reise an. So ging es einigen Unglücklichen, aus deren Munde ich das Folgende vernahm: Die Schuhflickerfamilie Zenou bewohnte seit langeni M'zab. Da sie keine Arbeit mehr fand, so entschloß sie sich, nach Casablanca zu gehen. Der Vater, 3 Söhne, ihre Frauen, 2 Schwestern uud 2 kleine Kinder machten sich auf die Reise. Kaum hatten sie M'zab verlassen, als eine Räuberbande sich auf sie stürzte und sie ausplünderte. In Ouardiga stoßen sie auf einen Araber, dem sie eine Geldsumme schulden und der nun die Schuld von ihnen einfordert. Umsonst erzählen die Flüchtlinge ihr Abenteuer. Der Araber verhindert die Beerdigung des auf dem Wege vor Schreck gestorbenen Familienvaters und behält als Geisel eine der Frauen zurück, die im 8. Monar schwanger ist: er droht, sie zwangsweise dem Islam zuzuführen, wenn man ihm nicht seine 40 Duros gibt. Jetzt hat sich der Trupp in unserer Schule eingefunden. Ein und einen halben Monat hatte er für die Reise von M'zab nach Casablanca gebraucht. Ich gab den Unglücklichen Kost und schrieb dem englischen Konsul, er möge sich bei dcm Kaid oerwenden, damit man die Frau zuriickgede. Konsul Mac Lean schickte mir einen seiner persönlichen Freunde, der mich zum Kaid begleitete. Wir erhielten ein Schreiben an den Kaid von Ouardiga und veranstalteten eine kleine Sammlung. Die Flüchtlinge marschierten zurück, um die junge Frau zurückzuholen, und ich erfahre soeben, daß sie ihr-n Anaübergeben worden ist. in «tue« ausgeplüuderte« Juueuraum. H. («ffangenf Jud en in («asablanea. Im April 1905 seyie folgender Vorfall die jüdische Gemeinde von Casablanca in Bewegung. Ein arabischer Trunkenbold hatte die Gewoh nhcit, täglich in dein Laden eines unserer Glaubcnsaen offen zu betteln. Eines Abends, voller noch als geiv ohn-!ich. und erbittert durch die Abweisung, die er er fuhr, wollte er aus dem Laden eine Flasche Getränk ge-