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Der Israelit · 1906-03-08 · 10 (8.3.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
10 (8.3.1906)
Date
1906-03-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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9lr. 10. Leite יי ler Israelit haben sich nun an die Statthalterei in Lemberg ge tvandt und diese hat den hiesigen Kultusvorstand zu einer Meinungsäußerung über das Projekt aufgefordert. In der ersten Sitzung wurde dasselbe mit Stimmengleichheit abgelehnt. Dir Urologen Doktoren stimmten mit den Konservativen dagegen, weil dadurch die bisher an den Gymnasien wirkenden Religionslehrer entbehrlich und geschädigt werden würden. In einer zweiten Perhandlung am letzten Mittwoch änderte sich das Verhältnis, indem das Prozekt durch eine Stimme die Majorität erlangte und die Annahme desselben an die Statthaltrrei belichtet wurde. Die Konservativen sind somit vor eine vollendete Tatsache gestellt, in einer Zeit, wo dir verschiedenen Fraktionen einer einheitlichen. festen Leitung entbehren. Es wäre somit vor allem höchst notwendig, die Wahl eines Rabbiners zu beschleunigen, welcher seiner Ausgabe gewachsen er scheint. Sonst ist die Schule den deitruttiven Gle menten ousqeliefert. da auf eine einheitliche, ziel bewußte und fachmännisch gereifte Aktion seitens der Konservativen im Privalkreile kaum zu rechnen ist. England. London. 27. Iebr. Vor einigen Tagen wurde hier ein ,־ צ־ד: zur ewigen Ruhr bestattet, dessen Persönlichkeit und schriftstellerische Tätiakeit darauf Anspruch machen darr, durcb eine Schilderung seines Lebenslaufes in diesen Blättern vor der Vergessenbeit bewahrt zu werden. Im Laufe der letzten zwei Iabre erschienen hier vier Biicker in englischer Sprache, nämlich ״Rußland, wie es ׳.st". ..Die Pdihrkeit über den Zaren". ״Der Iall de: Zarentums". ״Die weifte Hand", sowie gleichzeitig eine vierteljährliche Rundschau lQuarterly Review» und Artilcl in renommierten englischen Zeitungen. tr>elrfx sämtlich die Behandlung der voli tisckun und sozialen Vorgänge in Rußland zum Db->ma hatten und ״l5arl Ioubert" gezeichnet waren. Diese literarischen Erzeugnisse verrieten eine derartig intime stenntuis, nicht allein des Treibens der ver schilvenen politischen Parteien in Rußland und ihrer Führer, sondern auch des Zaren und seiner nächsten Umaehuna dab sie das höchste Intereffe er regten und viele in dem Pseudonym Earl Ioubert eine dem Hose sehr nal-esteheade, liberalgesinnte Per ׳Milchtest oder Herrn von Witte selbst, der sich damattnicht der belonveren Gunst seines Monarchen ersrrute, vermuteten. Wer in Wahrheit der Verfasser war. das stellte sich erst nach dessen Tod heraus, in dem seinem Wunsche entsprechend sein intimer Irrund. Mr. Albert M. Hvamson. im ״Jewish Gbronicle" eine Biographie Carl Jouberts verössentlichte, welche höchst überraschende und interessante Avttchlüsse enthält. Sein wirklicher Familienname ,vor «strote unv ttilier Abstammung nach floß rein arisches Blut in seinen Adern. Gr war Großneffe des in England wohlbekannten Gelehrten Grote, des Verfassers einer Geschichir Gnechenlands. Mütterlicherseits entstammte er einer alten holländischen Familie Ioubert. welche zu den ersten Ansiedlern in Südafrika gekörte und dort zu hoben! Ansehen und politischem (Einflüsse gelangte. Die ׳rsten Beziehungen ״Garl Joubens" zu Rußland waren geschäftlicher Natur. Gr kam in seiner Jugend dorthin, um die Firma seines Vaters, ivelcher dort einen Gctreidehandel unterhielt, zu vertreten. Das Land und seine Bewohner fesselten ihn derart, daß er sich dem Leben und den intellektuellen Bestrebungen derselben aufs innigste anschloß. Be sonders warm jedoch fühlte sein Herz für unsere Glauorn-genoflen, deren unglückliche Lage fein In teresse immer stärker beschäftigte. Gr suchte das innere Leden des jüdischen Volkes genau kennen zu kernen und lebte zu diesem Zivecke längere Zeit zulammen mit einer armen jüdischen Arbeiterfamilie, für ivelcde er fortan die herzlichste Anhänglichkeit bewahne. Gr eignete sich die jüdische Sprache an, nahm Inlerrffe an jüdischem Wissen und studierte die Bibel und die mündlich« Lehre. Seine Fortschritte im Stud'um Talmuds und sein Eifer hierfür waren 0 groß, daß er sich ernsthaft mit der Absicht trug, die englische Uebersetzung desselben zu unternehmen. Gr rühmte sich, drei Jahre in Jerusalem und vier Jahre in Kowno gelernt zu haben und von dem eligeii Gaon Rabbi Elchanan ein Diplom zu deitzen, welches ihn als befugt erklärte, ein Lehrer in Israel zu sein. Se'-wn Üebertritt zum Judevrum hatte er in Warschau vollzogen und seitdem stets als gesetzestreuer Jude gelebt. Als er vor ungefähr zwei Jahren nach England zurüctkehrte, schloß er sich d:r Hammersmith-Synagoge an, wo er häufig sein Gebrt verrichtete Gr war unstreitig äußerst gui über alle Vorgänge in Rußland informiert, und seine Versicherung, daß er zum großen Teil nur der Interpret der einlußrcichen liberalen Männer in Rußland sei. welche aus Furcht vor ihrer Umgebung es vorzögen, durch ihn zu sprechen, verdient vollen Glauben. Ich habe, :flegle er zu sagen, mein Leben dem Kampf für das jüdische Volk gewidmet, nicht um mir damit einen Ruf zu erwerben, sondern weil ich die Wahrheit über die Juden besser weiß, als irgend ein anderer. Gar! Ioubert erblickte das .Heil Rußlands und seiner Iuden In einer konstitutionellen Regierung und seine literarische Wirksamkeit arbeitete für die Erreichung dieses Zieles. Gr starb ohne Familie in dem fast noch jugend!!chev. Alter von achtunddreißig Jahren 71 axrv. London. 2?>. Febr. Am vergangenen Sonn tag hielt hier Sc. Grzellenz, Abdullah Ouilliam Bcv, Sheik ul-Islam der britischen Inseln, eine Rede über bas interessante Thema: ״Die Juden unter dem Islam." Abdullah Ouilstam BeN war es, der in der jüngst stattgehabten Protestversainmlung gegen die russischen Judenmassakres den Antrag einbrachte, man möge bas englische Kabinet ersuchen, daß es bei der Regierung des Zaren zugunsten der russischen Juden vorstellig werde. Ter Sheik suchte nachzuweisen, daß die Juden unter der Herrschaft des Islam stets einer guten Behandlung sich zu erfreuen hatten. Wenn man von Persien und Marokko abieht, so muß das im allgemeinen als wahr anerkannt werden. Der 'Redner gab einen Ueberblicl über die Geschichte dcr Juden in Mesopotamien und Arabien, dann zur Zeit der spanischen Kalifen, unter deren Regierung das jüdische Geistesleben sich zur böchsten Blüte entwickeln konnte. Mit dem Ende des spanischen Kalifats brach eine trübe Zeit für die Juden herein. Vor der Inquisition flüchtete ein Teil von ihnen nach Saloniki und der südlichen Türkei. Vierhundert Jahre sind seitdem dahingegangen, aber noch heute leben die Juden in Salonichi unter dem Szepter des Sultans ungestört und glücklich. Als während der Herrschaft des vorigen Sultans die Verfolgungen in Rußland begannen, fanden viele jüdische Auswanderer in der Türkei eine sichere Zuflucht. Der Zar verlangte die Auslieferung der׳ selben. Aber der Sultan antwortete״ ׳Nein, sie hak>en meine Gastlichkeit ausgesucht, ich müßte kein Muselmann sein, wenn ich diejenigen, die sich unter meinen Schutz gestellt haben. Ihnen vreisgeben wollte." Während Rumänien türkische Provinz war. war das Los der dortigen Juden ein gutes. Ganz anders ist es heute, nachdem dieses Land selbständig geworden ist. — Der Sheik empfiehlt den unterdrückten russischen Juden einige Teile des türkischen Reiches als Jmmigrationskeld. Insbesondere kalt er Trapezunt mit seinem Hinterland für ein geeignetes Gebiet, das vor allem für die Juden in Odessa als die nächstwohnenden in Betracht käme. Amerika. Newvork, 15. Febr. Eine Reibe bekannter Juden der Vereinigten Staaten haben in einer kürzlick abgehaltenen Versammlung ein Siebener-Komitee eingesetzt, um Maßregeln zur'Gründung einer Vereinigung. die sich besonders mit der Lage der russischen Juden beschäftigen soll, zu treffen. Es sieht im Werke, ein General-Komitee der Juden der Vereinigten Staaten zu ernennen, das dann sein Augenmerk auf _X. Marz dauernde Hülfsmaßregeln für die russischen Juden richten soll. Es ist übrigens eine weitere Bewegung entstanden, die den gleichen Zweck verfolgt, deren Ur Heber ober eher unter den russischen Juden zu suche״ sind als d׳e Mitglieder der eingangs erwähnten Organisation, oic fast durchweg aus Deutschland stammen. Die zweite Bewegung umfaßt vornehmlich die strikt orthodoxen Gemeinden. Diese Herren be absichtigtcn, einen allgemeinen Kongreß der amerila Nischen Israeliten einzuberufrn, aus welchem die russische Frage besprochen werden soll. Washington, 15. Febr. Repräsentant Towne, N. A., brachte eine Resolution ein, durch welche das Haus seine Mißbilligung der Gewalttaten gegen die Juden in Rußland und seine Shmoathtt für die Notleidenden aussprechen und erklären ioll, wenn Rußland nichts tue, um die Verhältnisse zu bessern, so sei dies entweder ein Beweis der Sch!väc> des Reiches oder des Mangels an gutem Willen b-i den Beamten, den Verfolgten Beistand zu leisten. 5«mon 11. Phinlias in Der'.\ Äon ׳Arthur Kah«. tos Nachdruck verboten. Als Korn und seine Söhne zurückkehrten, wandten sie sich zuerst der Hausfrau zu. Mit be sonderer Inbrunst legte sie, als die jungen Männer sich vor ihr niederbeugten, um sich benschen (segne,,» zu lassen, ihre Hand auf Emils Haupt und ließ sie lange darauf ruhen. Gravitätisch schritt Emil auf seinen Platz am Tische zu: sah nachdenklich auf seine Mutter und Brüder, ohne sich mit einem Wort an der Unter Haltung zu beteiligen. Gr wurde heute Abend nur wenig beachtet, und auch die heimqekehrten Brüder, die vieles zu erzählen und zu fragen hatten, schenkten ihm nur wenig Aufmerksamkeit. Am nächsten Vormittag, nach Schluß des Gottesdienstcs statteten sich die Leute gegenseitig Besuche ab. Insbesondere suchten die aus der Fremde heimgelehrten jungen Leute oder von längeren Reisen zurückgekehrten Kaufleute Verwandte und Freunde auf, fet es. um die alten Freundschaftsbande zu erneuern, oder auch nur um den Forderungen der Höflichkeit zu genügen. Als Jomtvf Schiff, als einer'der letzten von dem für ihn so eigentümlich verlaufenen und folge reichen Gottesdienst nach Hause kam, war bereits Besuch eingetroffen. Außer Maier Korn und dessen beiden Söhnen, war sein intimer Freund Limbacher mit seinen beiden Kindern, welche, wie noch mehr junge Leut«, erst tags zuvor nach Hause gekommen waren, anwesend. Gustav und Betti waren eben falls Jahre lang der Heimat fern gewesen und trafen nun mit den seit ihrer Kindheit befreundeten zungcn Leuten in Schiffs Wohnung zusaininru. Nach einem allgemeinen Bewillkommen und Händedrücken, legte Jomtvf zunächst seinen glänzenden Gylinder ab. setzte sein Sammetkäppchen auf, goß aus der vor ihm stehenden Flasche Wein ein Glas voll und sagte den vorgeschriebenen Segensspruch. D׳e anwesenden Männer setzten, so lange dieses dauerte, ihre Hüte auf. ״Habt Ihr das auch nicht verlernt, Ihr jungen Herren?" frug er neckisch. 7079

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