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Der Israelit · 1906-03-08 · 10 (8.3.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
10 (8.3.1906)
Date
1906-03-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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H. Marz UH«;. Ttt FSraelit Lei,« '׳ Nr l< *. vorgelontmenen Landgerichtsvcrhandlung, betreffend Gottesdienststörung, wissen. daß am 22. Oktober nicht da» Laubhüttenfest, sondern Gesetzesfreudc war. ferner, daß durch die Richtigstellung meiner Aussagen die Angelegenheit noch iveiter aufgebauscht würbe, unterließ ich eine Entgegnung in den politischen Tageszeitungen. Nachdem aber auch jüdische Blätter die Meldung nachdruckten, fühle ich mich zur Aufklärung meiner gutachtlichen Aeußerung ver flichtet. Meine Aufgabe war, 1. den religiösen Wert des Zeitpunktes onzugeben, an welchem die Störung ftattfand und 2. über die Bedeutung, resp. über den Grund der Heiligkeit dieses Festes zu sprechen. Nachdem ich den 1. Punkt erledigt hatte, fuhr ich unge fahr fort: In der Anklageschrift, sowie auch während der Verhandlung, wäre ein Irrtum unterlaufen, indem der Tag immer als Laubhiittenfest oder Laubhiittrnende bezeichnet wurde; der Tag heiße Gesetzesfreude: er stehe mit dem Laubhüttenfeste in keiner Beziehung; er sei ein echtes Freudensest. Nachdem durch den Ernst und die Ehrfurcht der kurz vorhergegangenen Bet- und Bußtage das Gemüt sich er leichtert habe, würde an di-scm Tage das innerliche Frobsein oft auch nach außen kund gegeben. In vielen Gemeinden zögen die Kinder mit Fähnchen in die Synagogen und würden mit Geschenken er freut; in anderen Synagogen dürften sogar die Knaben, dir noch nicht konfirmiert sind. zum Allerheiligster! tThorai berantreten, um Gebete zu der richten unk den Segen zu erhalten, während dies an anderen Tagen streng verboten sei. Wenn ich dieses Fest für Andersgläubige so recht verständlich machen soll, so vergleiche ich es mit dem Kirchweihfeste: Wie sic sich des Besitzes ihre heiligen Kirche beim Gottesdienste erfreuen und diesem freudigen Gefiibl den Tag über durch Lustbarkeiten Ausdruck verleibe», so freuen wir uns gerade an diesem Tage ob des Ke sitzrs der heiligen Lehre tThoral und widmen ihn der freudigen Andacht und dem Vergnügen." Oe st erreich-Ungarn. Aus ökm Wiktttr GkMkiliöklkbkn. (Von unserem Norrespondentens. Wien, Anfang März. Meine Ausführungen in Nr. t! dieses geschätzten Blattes haben in manchen Kreisen des hiesigen gesetzestreue» Judentums Widerspruch herausgesocdert. Weit davon entfernt, mich durch denselben abschrccken zu lassen, sehe ich in deniselben vielmehr eine will kommene Gelegenheit, dem Gegenstände in auskührsicher Erörterung näher zu treten. Das allgemeine, über den örtlichen Schauplatz weit hinausragende Intereffe darf für denselben ohne weiteres vorausge setzt werden. Handelt es sich doch dabci um das religiöse Leben der größten Gemeinde Westeuropas, die 100,000 jüdische Seelen zählt, also fast die Hälfte der Judenschaft, wie sie die gesamie, große prrußische Monarchie aufzuweisen hat. Heber die inneren Ge schice eines so bedeutungsvollen Gliedes am Körper der ganzen Iudenhrit kann man auf keiner Seite mit kalter Gleichgiltigkeit einfach zur Tagesordnung übergehen. Vor allem erachte ich mich für befugt, den Gegen satz, Ivie er sich in der Mitte des gesehestreuen Judenimns hier geltend macht und zum großen Schaden der Sache, trotz verschiedener Versuche noch nichts von seiner Schärfe eingebiißt bat. aus eine verschiedene Auffassung der prinzipiellen Seite der Dinge zurück Zufuhren. Bestärkt sehe ich mich hierbei durch dir Tatsache, daß mir gerade auf diesem. Wege mein Gegner säst ohne Absicht in den Wurf gelaufen lonimt. Tenn, wenn ich auch, so weit meine Erfahrung reicht, einerseits nicht bestätigen kann, daß der Wiener Kultusvorstand sich ja geneiat erwiesen hätte, wirklich gesetzcstreuen Männern Sitz und Stimme in seiner Mitte einzuräumen, so ist es andererseits ebenso offenkundig, daß man auch in dem Kreise der um di? Tchiffschul sich gruppierenden ungarischen Ortfiofcorie niemals ernstlich danach gesirebt hat. Das auf eine so durchgreifende Umgestaltung des Wahlrechts ab׳ .zielende Vorgeben des Herrn Salomon Meisels kann aber vernünftiger Weise nur aus dem Bestreben herausaedeutet werden, der Orthodoxie eine gebührende Vertretung nnd einen dem entsprechenden Einfluß im Vorstände zu sichern. So formuliert, erscheint die Frage auf die ihr gebührend« moralische Höbe gehellt. Sollte ihre Erörterung von diesem Standpunkte aus die erhoffte gegenseitige Verständigung auch nicht herbeiführen. so wird das eine sicher erreicht, daß die in der Gesinnung einigen, m der Tattit aber rerschieden vorgehenden Parteien in gegense.tiger Achtung einander wenigstens begreifen werden. So herausgeschält, zeigt es sich außerdem sofort, daß die hier in Wien obschwet>«nde Frage nur eine Spielart eines Problems darstellt, das eigentlich allenthalben mit mehr oder weniger Schärfe auftaucht und wir es scheint, eine befriedigende Lösung noch nirgends ge funden hat. Man lann mir mit dem Einwurfe degegnen, daß doch wenigstens für Ungarn, wo die Orthodoxie von Gesctzeswegen als autonome Reli gionsgenoffenschaft anerkannt worden ist und in Preußen, wo durch das inr Iuhrc 1870 erlastene Austritlsgisetz ihr »oenigstens der Spielraum freigegedrn wurde, sich neben dem Resormjubentum wohnlich einzurichtcn, die Frage einer in unserem Sinne er wünschten Lösung nahekomint. — Ganz anders liegen die Verhältiffe in Oesterreich. Viel später als anders-!00 sind die Juden hierzulande dabin gekommen, die Angelegenheiten der Gemeind« nach einheitlichen ze seylichen Normen gestalten zu können. Es geschah dies mil dem ״Gesetze betreffend die Rechtsverhältnisse der Israeliten' vom Jahre 1800. Die österreich'scktt Orthodoxie hätte damals verhältnißmäßig leichtes Spiel haben können. Es bedurfte nur des Hinweises auf dasjenige, ioas im benachbarten Ungarn nach horten Kämpfen und Auseinandersehnngen erreicht worden, auf die Zugeständnisse der preußischen Gesetz gebung, um hier ein Gleiches zu erlangen. Nichts von alledem ist geschehen! Ja mit einer gewisten Ab sichtlichkeil versperrt sich der Wortlaut des Gesetzes gegen die Anerkennung der Thatsacke, daß in der Indenheit eine Reform und ein gesetzestrenes, eigent liches Judentum vorhanden ist, Gearmaye, die eiaen: lich auf vollkommen verschiedene Weltanichauungcn zuriickzuführen sind und die nach de» Darlegungen T. R. Hirsch'« weit schärfer, als irgend welche Kon fe^ionen des christlichen Vekenntnisses allseinander gehen. Statt besten ivciß das österreichische Gesetz nur von vcrschikdcnen ״Ritualsormen" zu reden und ve>-sliichtigt damit die Sacke unter Verkennung des ganzen Tatbestandes auf eine Abweichung in geiv'sten Formen, wie s!e zwischen den morgen und abend ländischen Juden bei sonst ganz gleichmäßiger Auf sastung in den wesentlichen Stücken tatsächlich vor banden ist. Es soll indes keineswegs in Abrede gestellt werden, daß das winzige Häuflein der Gesetzestreu-» in Wien durch die tatsächlichen Zustände einen besonders schweren Stand hatte. Aus der eine» Seite sind unsere Gesinnungsgenossen hierzulande vor. Un wissenheft und durch nicksts zu erschütternder Gleich giltigicit in allen religiösen Anliegen belangen, auf der andern Seite ist in Galizien, wo die Orthodoxie noch am stärksten vertreten ist, das politische Urteil nach zi, weit im Rückstände. Wo sollte da so ohne weiteres die nötig« linterstützung von außen her hinzulomnien ’ Allein es ist aber auch von hier aus nichts geschehen, um die Zerstreuten und Lässigen aufjurütteln. zu samniekn und zu einheitlichem Vor gehen zu cntflammen. So weit Wien in Betrach: kommt, hätte das Versäumte wenigstens teilweise wieder eingebracht werden können. Hatte doch die Regierung erklärt, sie werde nur jenem Entwürfe eines Gemeindestatutes ihre Genehmigung geben, der vor her die Billigung und Anerkennung der Ortkwdoren gesunken hat. Gerade die Führer drr Wiener Ge setzestreuen, die sich heute vom Gemeindeleben scheu zurückziehen waren es, welche ohne Vorbehalt dem in Wirksamkeit befindlichen Gemeindestatutc ihre Zu stimmung gegeben haben. Prinzipielle Bedenken geltend zu machen, war damals die günstigste G< legenheit gegeben — sie ist aber verpaßt worden. Heute bleibt demnach nichts anderes übrig, als vor der Hand mit den gegebenen Tatsachen zu rechnen und so gut es geht, sich damit abzufinden. Will also die Orthodoxie unter dem ehernen Schritt ver Zeir nicht ganz zertreten werden, so bleibt ihr eben nichts anderes übria, als dem Vorstand« ein möglichst hohe« Maß von Zugeständnissen abzuringen, was den Ein tritt gcsrtzestre'.rrr Männer in den Vorstand zur notwendigen Voraussetzung hat. Der von gegnersschcr Seite dagegen erhobene Einwand, dieselben würden sich dadurch mit einer Verantwortung bela>ten. die sie vor ihrem Gewissen nicht tragen kannten, will a!_ein stichhaltiger mir nicht erscheinen. Dagegen gibt e» meines Erachtens gewisse Vorkehrungen. In allen jenen Fällen, wo eine Verletzung des heiligen Reli gionSgefttzes in Frage käme, müßten die Vertreter der Orrhodorie namentliche Abstimmung fordern und ihren gegnerischen Standpunkt in einer besonderen Verwahrung begrünten. Von einer Verantworiung könnte alsdann nicht mehr die Rede sein. Den! ge setzkstrenen Judentum wäre damit jedoch aut eine viel wirksamere Weise gedient. Seine Grundsätze und Forderungen blieben dadurch vor allem in stetem Fluß, man könnte nicht, wie dies jetzt geschieht, über dieselben einfach zur Tagesordnung übergeben. Dock darüber das nächste Mal. Nachbemerkung der Redaktion. Wir bedauern, den 2tn»dp»nkl unteres verebrie» Narre spcndenle» m dieser Frage nickt!eilen zu kennen. 2c wenig sich die Mitglieder eine-- Ausnchisralcs von der i'iras recktlickc» und cwilreckiltcken Pernnlwcrlückkei: tnr cüen kundige Geienesvcrleini».,«» der Majorliar dadurch deireie» können, dan ne ilire abweichende Meninng z» VrctckoU geben, sc wenig in e-> nach unserer lieber»».,»»., attee-e» treuen :»iaiinrr» »»׳glich, in irgend einer Fern! an der Verwaltung eines »in Gesesesverleftniige» arbeitenden indischen Gemeinwesen» 1,1,1,»wirke״ Wir degren'en »nd würdigen da» um.׳ i'iniitiuri Viil’v iimiiti»•» <2tü״i״. i-iKui itebrrrednng cd«, Maicrisieriliig die de», Indeiiluni eiilsremdeieii Groft aeineinden »>,, »liiere 2>1cke tnrncktnercbe,». allein t׳cr dem kategorischen ,imperativ der kein 'tcmprcml» kennende» üidi'che» Gew,sse11l׳1<׳>i>tkeit »!,!ft auch da- Icckenb'te ^Ziel geienesirelier 'M.rckientintlung zuni,(treten Wc eine IH« meinde in ihre» dancriiden Fiisiiiuticne» de» Boden de» 1**• icyes t erlassen!׳»•. gibt es keine ande»e iLalil, als ein selbstständiges Ge>1!e>ndelet>e1> ans de»! Grunde de» Geiebes an'zndgnen, sc wenig anherrr 2ch!!v.mrr di,k, ׳»ki,״a>״r G-t'itd» glich >>>>,ו.ו,זוז -JUir ti'jffrn INI» in dieier Attichauniig einig mit 2 R Hirsch זצ״י, der mit klarem Blick da» twiii.zende ׳>U»n der reiigicnsgesetzlichen Benim mungen a»> dleieiu «Gebiete erkannt, nicht ininder aber auch ihre geineindet'clniicht» Xciiieguenren vorausgeschaul hat. Tieie Xonieaneniei, givieln nicht etwa darin, das! d»e geieneslrene Fudenbril cur i'-insluftlosigkeii und 2ler1litgt ver- »rteili w.ire^!!» atr.,«»!«!! als geichlciseiie Lrganisaticn autireteiid. können d!e i^ciencstreiie» »dcraU ihre -schuldig keil gegenüber ber Ges.,!>»be» odne Nett sehr wobt ihn», wenn nur eine Bedingung eriuUt 1ü. sie selbst, die Gesetzes- Irenen, »itisse» el»>a sei», d!» unaluckieliqe Lpportiinititr- Politik dar׳ nicht tri»!«!!!« r>drr ganze!Gruppe» ins Lager der Gegner kinnberireiden. um dort Augenblickserfolge zu erstrebe» und damit zugleich, cil cbne Absicht, die rück »I.iiidigen ..Fntraniigeiilen״ »ul dein Ldiuin kr- Fanati» mu» und drr Fincirraii; »! beianen. Krakau, 2»a. Febr. Seit Jahren war das Streben der sogenannten Mttklpartei dabin gerichtct, unter dem Namen einer Talmud Thora Kollelet eine An jüdischen Gvinnasiui»» riuzuführcn, an welchen׳ den religiö'en wie den vrosanen Wissenschaften eine entsprechende Gteichbetecktigung ringeräumt werden r׳.-"- o...r ז L’UC. %.* t ד onviu' umiu’1 ui«• «.'11!י«••»• * ך ui ici , Hamburger und Preßburger Schule hinaewiesen und auf die unabweisliche Notwendigkeit, die Jugend dem Zwange der Sabbatentweihung im polnischen Gvmnastum zu entziehen. Das Projekt, zu dessen Gunsten sich bereits im Jahre 187:1 der selige Rabbiner Simon Schreiber ausgesprochen hatte, scheiterte jedoch an dem 'Widerstande der Konservativen. Dieselben wiesen die Verusung auf die ermähnten deutschen und Ungarischen Anstalten mit der Begründung ab. daß die selben unter der Leitung von Autoritäten entstanden seien,!velche das Problem drr Bereinigung von Glauben und Wissen nicht nur in sich selbst gelöst, ssndern auch in ihren Schülern ein entsprechendes Lrhrpe:sonst geschaffen hätten, dem man die Jugend anvertrauen tonnte. Beide Vorbedingungen fehlten hierzulande, sodaß der Schaden und die Gefahr,!velche unseren alten Institutionen drohe, durch *??׳ Nutzen nicht ausgewogen würde, ivelcher durch die zett weilige Zurückhaltung der Indifferenten von der G« setzeSverletzung durch ein solches Institut erzielt werdcn könnte. Die Zionisten, welche in verschiedenen, dereitS in unserem Blatte erwähnten Zeitungsartikeln der Wied.wausnahme dieser Agitation vräludierteir.

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