Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 10 (8.3.1906)
- Date
- 1906-03-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr Id S Mari 1'♦^_ kmdlirde Anhänglichteil und Verehrung nstc sie -bei Nökdeke- Schülern >u 'c-evbachlrn ist, Ihre» Haupt sächlichsten Grund darin, haß dieser Manu alt Mensch ebenso groß Lastehr. wie als Gelehrter. Nöl Vele gehört zu den großen Gmstern, die das Zukunsks ideal der Aushebung aller nationalen Schranken innerhalb der wiflrnschaftlichen Welt schon jetzt ver wirklickt haben. War es doch gerade die Pariser Academie de» Inecriptions, die dem deutschen Nöl׳ de!e für seine Koranqeschichte den großen Preis ver lieh. sZür eine auch nur annähernd angemessene Würdigung von Noldekes Leistungen aus allen Ge brrtni der orientalischen Wissenschaft ist in einer sür das große Publitum berechneten Zeitschrift tein Platz. Aber auch schon, um seine Verdienste un: die jüdische Wissenschaft nur einigermaßen hervorzuheben, - iniis-.te uns rin ganz anderer Raum zur Verfügung stehen, als ihn diese Blätter uns bieten können. Ganz vereinzelt sind die Partien im k^bräischen Lerikon und in der hebräischen Grammatik, welche nicht durch Nöldekes Scharfsinn vielfache Läuterung und Erweiterung erfahren hätten. Nicht minder groß sind seine Berdienste um die talmudische Literatur, deren philologischen Teil er durch die Erschließung der syrischen, ncusyrischen und mandäischen Gram matik so außerordentlich gefördert hat, wie auch um dir jüdische Wissenschaft des Mittelalters. Nöldetes wissenschaftliche Bielseitigkeit kommt jedoch erst in zweiter Linie in Betracht. Bor allen, aber beruht die Genialität dieses Mannes auf seinem durchdringenden Scharfblick und seinem vorsichtigen Ucieil. Daher dürfen seine Arbeiten viel weniger noch, als diejenigen anderer Gelehrten, anantitativ beur!eilt werden. Seine Bücher-Anzeigen sind off l-hr reicher, als die von ihm besprochenen Bäcker. Aus seinen «Glossen und Anmerkungen zu anderen Schnften sind wissenschaftliche Sckähe zu bolen.; (Wer in die halachische Literatur eingeweibt ist, weis-, welche Männer es sind, deren größtes Berdienst in ihren הנהות liegt.) In unserer trüben Zeit, in der die gesamte Wissenschaft des Altertums, knwußt oder unbewußt*), vom Geiste Stewart Ehamberlains getragen wird, und in der man die schwierigsten kulturhistorischen und religionswissenschaftlichen Probleme durck die moderne Rassenthcoric lösen zu können glaubt, muß *> ®aft Diele (Belehrten. auch »nbewuht, im Banne Chamber - lains stehen, beweist am eNatanteste» «Kiedrich Delitzsch. der — einer NoiiZ de« m ak!demi'chen Kreisen besonder« gut unterrichteten »Berliner Tageblatt«" znioigr — noch einige Monate »or seinem zweiten' Badel-BIbel-Dortroge dem Berliner akademischen Senat gegenüber geünßert bat, er müsse gegenssbamberlain, der ivn in semem Bamovlet so mahto« angegriffen bade, öffentlich Vorgehen, wovon ihn die SenatSmitglieder abhielten, mit der Bersicherimg. daß kein Melebrter e« mit lsbamberlain ernst nehme. tSvweit die erwähnte Notiz.) Kurze Zeit daraus dielt Detigsch den 2. Babel-Bibel-Bortraa. Was ist nun dieser Bortrag. in dem eigentlich weder Babel noch Bibel zu Worte kommt. a-derS. als rin kurzer Äuizug auk Lhambrrlaini Bnchr k gründet wurde und die 4c»er Jahre überlebte, war der oster reichliche »sterem Ehemed" iltk-iU 42». welcher als der Nachtolger «Cv vuvfwlticbcn .iSufiUi ha ,«1,,, ,1 mit einigen Neuerungen im Stil erschien; seine Ariikel über rregeiische, archäologische nnd literarisch geschichtliche fragen waren in Briessorin geschrieben. In der Schweiz erschien: »Alles nnd neues Morgenland" IK:W to, eine eregeiische Mo natsschrfft: in Frankreich »^rchives <le France' die erste erfolgreiche französische Veröffentlichung und die Zweitälteste der' jetzt noch bestehenden jüd. Zeitungen — und ein früherer Versuch »Die Wiedergeburt" (La KfitfÄnAration»!Hilft— :47) in Straßburg, wahrscheinlich die erste doppel sprachliche jüdische Zeitung: in England, die, Hehre w Review;imi Magaziue tor Kablmiical Literalure" (!Hi»4—ii»! und in Holland, das ״Iaarboeken r״or de Jsraelit;n in Nederland“ (1H:15 40.» Die religiöse Tätigkeit des fünften Jahrzehntdes Jahrhunderts war überall vom Wachstum journalistischer Produciivilat begleite!, dir Zahl der neuen Zeitungen war nicht weniger als siebzig. Deutschland fuhr fort in dieser Beziehung an der Spitze zu marschieren, es war ein Wiederaufieben jüdischer Interessen, während in dem jüdischen Zei tungswcsen Englands und Frankreichs meist keine großen Bewegungen staUsandcn. Jünsundzwanzig neue deutsche Zeitungen kamen aus. fünf von ihnen in Oesterreich, und eine je in England und Amerika: ungefähr sünszehn hebräische, von denen fünf in Deutschland erschienen, eine gleich« Zahl in Oesterreich, zwei oder drei je in Galizien und Holland und eine in England und endlich l-l Englische, von welchen einer in Amerika und einer in England eine lange Lebens dauer bestimmt war. Nur dir bemerkenswertesten dieser Zeitungen, diejenigen, die eine neue journaliitnhe Pbaic emgesührt oder gegründet baden, sollen hier erwähnt werden. Die .,Revue Orientale" tlH4I—4*11 war die erste Ter Israelit es uns uw so freudiger berühren, daß dieser Nestor der seuii'ischen Wissenschaft, trotz der mächtigen fluten des allbederrschenden Nafsenantisemiösinuü, von der geraden Bäh» des objektiven Urteils nicht adge wichen ist. NöldSe steht unter den großen Vertretern der Wissenschaft auch den Juden gegenüber als auf« richtiger, von Rassenvorurteil freier Menschenfreund säst vereinzelt da. Dies hat er schon in einer großen Zahl Fällen tund getan, sein eifervolles Auftreten gegen die Btutbeschuldigung in .Konten wird ihm die jüdische Geschichte für alle Zeiten ein ehrenvolles Andeaten bewähren. Dies nur rin winziger Teil von Nöldekes Verdiensten um das isidische Volt und die jüdische Wissenschaft. Nöldete war bis gegen Ende der L׳»er Jahre Professor der Theologie. Aus dieser Zeit datieren a.ich seine kritischen Studien zum Akten Testament. Seit den 7«er Jahren hat er sich von der alttestament lichen Wissenschaft ziemlich zurückgezogen. Als Theologe ist auch er oon dem Strudel der ertremsten Bidelkritik vollständig mitgerissen worden. Beim Ausbau der modernen pevtateuchisckwn Quellenscheidungstheorie war er in hohem Maße beteiligt. Wenn auch seine Schichtung um ein Geringes geniäßigter ist, als diejenige der Schule Wellhaujens. so ist doch sein Standpunkt in Sachen der Autden tizität d«S Pentatenchs für uns ein geradezu er schreckender. Können wir ihm nun für diese rrligions wissenschastlichen Leistungen nicht danken, so dürfen wir doch keinen Augenblick anstehen, die Lauterkeit seiner v!- r.• 1 nrt. .<!. a 1»• 1i׳c,11nuuu uuu UIC otciiufcu Iriiirs t'uuiuiici», Ulf tu!) beim Verfassen des Llttestamrnt'.ichtn Gebietes leilelr״. rühmend anzuerkeimen. Das unerwartet rasche Aufblühen der Assvriologie in jenen Jahren und ihre Occuputisn für dir Bibel war, wir allaemrin anqr nommrn wird, das Hauptmotiv für diese Meta morphosr Nöldetes. Einem objektiven Forscher wie Nöldete mußte es ebenso zuwider sein, mit der Schule Stades und WellhousenS das vor drei Zahrzedntrn zurechtgc schnitzt« System, trotz der vielen durch die Epigraphik inzwischen angeregten umwälzenden Ideen, aufrecht zu halten, wie er es andererseits verabscheuen mußte, mit Gunkel und Genossen aus dem von unvorsichtigen Affyriologen dargebvtenen ungeläutcrtrn Stoffe all testameniliche Hhporhkscn aufzubaue», dir bei der geringsten kritischen Berüdrung wie ein Kartenhaus Zusammenstürzen. Möge es diesem aufrichtigen Wahrheitssreund vergönnt sein, sich noch recht viele Jahre seine Geiste» frische zu bewahren, zmn Heile der Wissenschaft und zur sfrrude seiner zadlreichen Schüler und Verehrer. S. I. Seite i Die beiden Briefe. Line Betrachtung zu j?urim. Bon Rabbiner Dr. Herma»» Klei» stronstadt Alljährlich,!oenn uns das freudige Purimsesi es ins Gedächtnis zuriickruft, wie Gott ׳insere Aknen von dem schmählichen Untergang -gerettet, d-n ihnen die Tücke der Feinde zu bereiten gehackte. aNjäbrlich, wenn die Erinnerung an jene Zeit in jeder jüdischen Brust das freudige Bewußtsein weckt, daß Gottes Hüterauge immer wacht und seine mächtige Batcrband all die Netze, die die Feinde stellen, zerreißt, tritt z» sammen mit dieser h-rzerhebrndkn Jreude auch die ernste Mahnung an uns beran, uns die sür die Ge staltung unseres Lebens wichtigen Lehren jener Tage vor die Seele zu führen, uns die Schuld und Sühne der Väter zu vergegenwärtigen. Die Sckulv der drobenden Katastrophe, ihre Ursache, lag in liniere», Volte selbst, und die jüdischen Helden jener Zeit , traten mit klarem Blick den Ursachen entgegen und wie sie das getan, leuchtet als zlänzendes Beispiel . durch die fistsieren Jahrhunderte hindurch, an dem i wir eistarken und für den Kampf uns stählen. Was war die Schuld der Väter' Ein rälsel Halles Wort unserer Weisen dürfte uns. wen!: wir eS richtig erfassen, Aufschluß darüber erteilen. Unsere Weisrn im Midrasch bemerlen nämlich, daß die Zeit ziinschen den beiden Erlasse» des Perserlönigs, von denen in. der Megillak dir Rede ist. siebzig Lage betrug. Am dreizehnten Nissan wurden hi? b?£ ftöniftg unb schrieben, ganz so Wie Haina» gebot ירדיאד- רה*: •יאב־ א־" כי1 ודהודיש' zu vertilgen, umzubringen alle Juden. Am dreiundzwanzig st en Siwan wurden die Schreiber des Königs alxrmais berufen und eS wurde geschrieben, ganz so wie Mordechai gebot, daß der 5iönig den Juden gestatte zre: *להקהל •יזהד־ ע sich zu sammeln und für ihr Leben einzustehen. Zn siebzig Tagen, welch« Wendung durch Gottes sfügnng' zvzv א־י אב־•־ »־תן שבידם י*= שק א:-1 ר*עי« כג;־ חם־ עב •ער,ב אב: בא~ן מצ״ם «-־> rrtr ״ ״םN Ada hu meint, daß die siebzig Jage, die zwisckx» den beiden Briefen des Königs liegen, jenen siebzig Tagen ent sprechen, die von den?legpotern als Irauertage ״m den Hintritt unseres Stammvaters Zakob sesigeseht wurde»," llnfcrr Väter nahmen in drn Staaten des AhaSveroS eine sehr bevorzugte Stellung ein, sie loaren oollständig emanzipiert. Man zog Juden zu den Hoffelten heran, man rertehrte mit idnen als mit gleichberechtigten Faktoren im Slaatsleden. Aber diese Gunst war durch die Verlenannna der Gottes gesehe erkauft worden. Was unsere heutigen söge nannten Großen so aus tiefstem Herzen ersehne» und doch nicht erlangen, hatten die jüdischen Bürger des persisch-,»eoischen Reiches ohne sonderliche An- Zeitung in Belgien. Die .,Voiee of Jacob“ , l->1l —w war die erste englische Zeitung, die der Resvri» dieule aber weil erioiareiwrr ivar der ״Jewinii Chronici«11 mu der rnrgegengeseczren rciigiösen Lichtung, >n dem,'eiben Zadr gegründet und die älteste Berössentlichung in englischer Sprache, .,l’irke Zaton“ 1 Wilna IHtl f I) für literarische Äritif, biblische und talmudische Untersuchungen unk Reuig keilen, war augenscheinlich Rußlands erste Zeitiinq Zm Jahre 1H12 begründete Isidor Barsch in Wien seinen »Kalender uild Jahrbuch für Israeliten" <1*12 17 un» 1K54—,17). der eine Zusammensassuna der :)ienigkeilen bes Jahres war und auch geschichtliche, wissenschrilliche, belle tristische und andere unterhallende Stoffe enthielt. Eine jüdisch •spanische Zeitung, die ״liuroniea Ixraelit iea" — die erste 1eit der .,(lazeta de Aanftjrdam“ — trat in iffibrallar im Jahre lH42׳, und eine andere. ״Rxperanza lzraeliiiea׳•, im Jahre lSl:t hervor. ״The Occident“, eme MonalS schrifl konservativer Richtung, war die erste wirklich erfolg reiche jüdisch« Zeitschrift der Bereinigten Swaten iPhila delphia 1*4:1 -ft:M. Eine wichtige demschc Aeröffenilichung dieser Periode war Jränkels »Zenschrist sür die religiösen Interessen de« Judentums4—11044 ״*«, später unter einem anderen Titel Weiler geführt). Ungarn versprach journa listrschen Unternehmungen keine Erfolg«: im Jahre 1*11 versuchte Leopold Löw seinen ״H-o L'hanaijt“ für die Jude» dieses Landes in Leipzig herauszugehen: 11 Jahre vergingen, ehe er diesen Versuch erneute. ״Jerarehalaji n“ sZollkiev 1H44: Lemberg, dann Prag I81',i in hebräischerI Sprache war die erste galizianoche Beröffenclichung ..Kirrrl Kruifa of the West“ ist dadurch von Interesse, daß sie inj .Kmgstone. Jamaica veröffentlicht wurde ,1*11,. «Jork, t.» s Keligiö e Le'ire» der Lt»ristik.I Ueber die rimmalitat der osterreichischeu .Zude» ent!,alt die »,Zeit• schritt sür Temoqraphie imd Statistik der Juden" ein« lehrreiche Arbeil von Tr. I. Thon, Berlin. Wahrend da» iöeiauiidild der viterteudiiilie» Statistik des: der deutschen ungefähr enzspricht. ssl es >m einzelnen eine auffallende Encheinung. daß cffalizien und die Bukowina mit ihrer ver elendere»!üdsschen Bevölkerunczsniass'e eine günstigere Krimi ualilat als die reiche» Industrieländer Mähren. Schlesien und Niederösterreich aui'weisen Ter Verfasser glaubt mit Recht, daß diese Tallache, namentlich soweit Nieder-Oesterreich und Wien m Betracht kommt, daraus zurückzusübren ist. daß die in die Großstädte c»i״wandrrnden, losgrrrvcn von!Krem Milieu, ihrer Religion und Tradition enlsremdet, den moralischen Rückbiilt bauna vertieren Nicht!nindrr interrffai.r ist «ine Bemerkung von Rudolf Wassermann. Blünchen, in einem Artikel über den Seldstniorb unter den bayrischen I ud e n. T orl wird dargeian. daß sich die absolute Ziffer der bavrischen Selbstmörder!üdischer .stonsesffon seit siO Jahren mehr als verdoppelt hat. obwohl die Zahl der bavrischen Juden stch *eit damals sogar etwas verringerte. Laffermann sühn als Uriache neben der Abwanderung in die cffroßstadt». die der Herd de« 311v}imv1vt» sind, die Loderung der »dertieserlen jüdischen Religion a». die sich überall als Bollwerk gegen den Selbstmord erwiesen habe. lit Disjk Sfoolltrsn!) ärssksslis. Bei dem in Nuniner '* unter dieser Spitzmarke er schienenen Artikel bat der Drnck'ehlerkobold eine schauerliche Verwirrung angerichtel Wir geben daher diberichOgien Zahle» hier nochmals wieder Am I. Dezember 11)05 w»rbe» gezählt: Z»—>». 23M2 7.»»«. gegen TS' , ) ~ JfrtöOii-.OK iiSriiteu . . iuti 422 .11.0•/ . :*ZV-« I »'7' «v,»,etsscke Ldkilten . > - t'A7* . . <W*'< I ' Ueorni« und unbekannt 274b ־ US* , 1'0.1 ״