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Der Israelit · 1906-03-01 · 9 (1.3.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
9 (1.3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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1. März 190V_ über schreiten lann, werden mit dem detreffenden Kanditdaten im Wege der Vereinbarung de» stimmt werden. Die Anstellung erfolgt im Sinne des zitierten Paragraphen des Gemeindestatutes prooiforisch (!) auf die Dauer von drei Jahren. Die getwrig belegten Gesuche sind bis 15. März 1906 in der isr. Gemeinde-Kanzlei zu Lemberg zu überreichen. Der V o r st a n d der isr. ׳Kultus gemeinde." Und die dreitausend jüdischen geietzestreuen Steuerzabler de. Kultusgemeinde haben nichts dagegen einzuwenden, daß die Stelle des Lemberger ״Ab Beth bin" im Wege eines Kontnrses, eine» solchen Konlurses besetzt werdet Die G'danle Hathorah lasten sich im ״Lernen" nicht stören, die היריב ו«יגזד סעשיז■ wähnen ihre Nabbenu Tam Tefillin und ihre rv׳:rn in größter Sicherheit und er achten es für ganz iiberslüstig, sich auch um das zu kümmern, was in der Gemeinde ltube v o r g e h t! Dort schaltet und waltet der Reichsratsabgeordnele Dr. Emil B n k, als allmächtige׳ Präsident der Kultusgemeinde mit seinen!10 Räten. Dicker gewaltige Herr, ein typischer AssimilationS jude, der sich auf den polnisctien Edelmann herausspielt, bat das österreichische jüdische Gemeindeaefeh. das zur Unterdrückung des EhasidismuS und der Orthodorie auf Betreiben der Neologen von der Regierung oktroyiert wurde, in der Lemberger Kultusgemeinde auf der ganzen Linie schonungslos durchgcsührt. Dieses Gesetz allein hätte aber viel leicht noch nicht hingereicht, »m die gesetzestreucn Juden Lembergs in ihrer Herzader zu treffen. ES mußte noch ein G e m e i n d e it a t u t geschaffen werden, um zede gesetzeslreue Regung für alle Zeit im Keime ersticken zu können. In diesem Statut, das vom Kultusrat und behördlich ernannt c n drei Vertrauensmännern verfaßt wurde, werden dem kleinen Häuflein der Reformrichtung cEfi ziclle Gemeinderechte eingeräumt und neben dem Ab Beth-din wird auch der Tempelprediger als gleichberechtigter Gemeindcrabbiner anerkannt. In Wahrbeit ist aber dieser Temvelprediger im Rahmen der Lemberger Kultusgemeinde der wirkliche Ober rabdiner, und der Ab Beth-din wird von den Gewalthabern der Gemeinde im besten ftaflf als C b e rbajan behandelt. Allerdings kann neben Dr. Byk auch ein Tempelprediger nicht die Reckte eines Obrrrabbiners zur Geltung bringen. Dies war aber auch nie die Ambition eines Rekormrabbiners. Dir Rekormrabbiner oder auch sogenannte konservative Rabbiner, die in Diensten von Rekormgemeinden stehen, betrachten es schon als große Genugtuung, wenn die Herrn Borsieber sich herablasten, in religiösen Jragen ihre Meinung einzuholen. Daß dieses Votum auch in allen Stücken berücksichtigt werde, erwarten sie selbst nicht. R1׳n sind aber die reformierten Juden in dieser Residenzstadt Galiziens so verschwindend wenig, daß man sie ohne ihren Tempel gar nicht bemerken würde. Und doch beherrschen diese paar Astimilationsjuden das gesamte offizielle Kultusleben der Lemberger jüdischen Bevölkerung. Das Gemeindestatut, besten erste Tendenz dahin gebt, den ״einheitlichen" Ebarakter der Gemeinde um jeden Preis und gegen jeden Zweifel sicherz,,stellen, bat die Prärogative des neologen Elements zum Haupt- Prinzip erhoben. Das Stimmrecht beruht wohl auf der direkten Kultussteuer, aber die sogenannte kortschrittliche Intelligenz (Advokaten. Aerzte. Ingenieurc, akademische Graduierte. Osfiriere und Veamte) ist derart bevorzugt, daß ihre Mitglieder in der ersten Kurie wählen, also dieselbe beherrschen. Der Wirkungslreis der Kemcindcrabbiner ist statutarisch folgendermaßen festgestellt: Dem Reformrabbiner uniersteht der gesamte Religionsunterricht sowohl in den Gemeindeschulen, wie in allen übrigen Lehranstalten. Das rituelle Bad und die anderen Kaschrutinstitutionen werden vom konservativen Rabbiner beaufsichtigt. Beide Rabbiner sind berechtigt, jede geistliche Jnnttion. Aufgebote. Trauungen etc. vorzunehmrn: Scheidungen, Chaliza und Herausgabe von Hechfcherattesten sind dem konservativen Rab- Liner z.uaewiesen. In allgemeinen Religionsangelegenbeiken bat eine lollegiale Beratung beider Rabbiner ftattzufinden. Die Dajanim unterstehen dem konservativen Rabbiner, der den Titel: ״Ab Be t h - d i n" fübrt. Doch b-i Beratungen mit dem Reform- Trx Israel« rabdiner bestimmt dar Präsidium von Jall zu Jall, >ver von den beiden Geistlichen den Borsitz führen soll. Trotz dieser Gieichberechiigung der beiden Rabbiner, dir man eigentlich nickst in einem Atem nennen sollte, wird der Reformrabbiner nur von den Delegierten des Resormtempels im Verein mit oem Kultusrat gewählt, während an der Wahl de« konservativen Rabbiners die ganze Gemeinde, also auch dir resormierten Tempelherrn, beteiligt sind. So heruntergekommen ist daS Ansehen und der Einfluß der gesctzestreuen Juden in Lemberg. Und zo elend sieht es auch in den übrigen Zentren des gülizischcn Judentums aus. Auch in Krakau. Stry, Rseßov, Kolomea. Trokobicz, wie überhaupt in allen Großgemeindrn Galiziens, sind die gesetzestreuen Juden in großer Majorität. Aber die Gewalt, die okkizicllc Leitung, befindet sich fast ausschließlich in den Händen der Reologen. •5in schüchterner Rabbiner in Galizien fürchtet den jüdischen KultnSvräsidenten gerade so, wie den Bezirishauptniann oder Gerichts adjunkten. So lang noch die alten Rabbiner in diesen Großgemeinden wirken, wird der Druck der Kultuügewalt noch nicht so stark empfunden. Wenn es sich aber um die Reubesetzung einer Rabbinerstelle bandelt, lverden die Gesetzestrenen so lange terrorisier», bis die neologen KultuSräte ״ihren Mann" durckgesetz! haben. Das sind die Segnungen des ״einheitlichen" I u d e n t 11 in s, in einem Lande, wo die sogenannt« jüdische Reform noch in kcn Windeln liegt. Wie wird es erst in 20—:10 Jabren bei uns aussehen, wenn sich unsere Ehastidim »nd Orihodorcn nicht inzwischen entschließen wer den, mit aller Macht gegen das gegenwärtige System Sturm zu laufen! Das jüdische Gemeindegesetz in Oesterreich in volviert eine große Gefahr für das geseyestreue Judentum. Schreiber dieses hatte Gelegenheit zu er fahren, daß neben dem Einfluß der Wiener Juden auch die speziellen Berhältnissc in Ungarn bei der Schaffung dieses Gesetzes bestimmend eingewirkt haben. Die leitende» Männer der ungarischen Reo logie haben, vermittelst ihrer großen Verbindungen, im Nachbarstaat ein Erempel schassen wollen, das d:r ungarischen Regierung als Vorbild und Beispiel diene, wie man den jüdischen Gemeinden eine ״e i n h c i t l i ch e" Organisation auszwingen in u ß. Dort zuhause ist es den edlen Herrn nicht gelungen, aber unseren religionslosen Reformern haben sic die Kastanien der Autonomie aus dem Jener geholt. Bei der Teilung in Ungarn haben die galizischen G'daulim mit ihrer ganzen Autorität die dortigen Orthodoxen unterstützt. Rabbi Simon Schreiber s. A. aus Kratau und die Großen seiner Zeit wollten auch in Galizien eine solche Teilung durchführen. Es wurden auch zu diesem Zwecke zu wiederholten Malen Versammlungen abgehalten. In manchen chasiidischen Kreisen ward aber dieses Projekt nicht mit Sympathie begrüßt. Unsere gesetzestreuen Optimisten meinten, es werde in Galizien nie dazu kommen, daß die Reformjuden in irgend einer Gr meinde di: Majorität bilden. Daß die Resormjnden auch als verschwindende Minorität eine Gefahr für die gesetzestreue Gemeinde bilden tönn-n, davon batten unsere naiven Ehastidim keinen blauen Dunst. Heute kennt man schon den Jammer der autonomen Kultnsaewalt in der kleinsten chaffidischen Kehilah in Galizien. Vor dieser Gewalt^ muß sich auch die Kewaud Hatbauroh, in den Staub ver kriechen. Der Rabbiner in Galizien ist zum subordi nierten Beamten des allgewaltigen Kultuspräsidenten degradiert und der künftige ״Ad Beth-vin d'kat Lwow habirah", der die Würde und die Reckte der Thora mit dem reformierten Tempelprediger teilen muß. hat ein Gesuch in der Gemrindekanzlei zu überreichen, um seine provisorische Anstellung für die Dauer von drei Jahren zu erlangen. Hört man nicht aus diesem Elend das alte Wehgefchrri: ■ד* יירב י1בי״י7 שללברנה עי1 תייי»? H j¥r«nfreid). Paris, 15. Febr. Das Zentraltonsiflorium der französischen Juden hat den Baron Eduard von Rothschild an Stelle feines Vater, des Barons Alvhöns, zum Präfidenien, Camille Lyon ond Emile Levnlier zu Vizepräsidenten gewählt. Lette 7 Rr R « tz l a « d. Hömel. 22. Jebr. Erneute antisemitische Exzesse haden in der Stad» Wzetta bei Hömel statt gefunden. D׳- Häuser der Juden wurden überfallen, geplündert und in Brand gesteckt. Dabei kamen zahlreiche Personen ums Leben. Auch anderwärt« werden neue Judenverfolgungen vorbereitet. Ins besondere wird in Kiew eine wild« antisemitisch« Agitation betrieben. Tort wird jetzt tagtäglich im ..Kirwjanin" von einem gewistcn Pochno jn langen Artikeln geradezu zu Mord und Raub an gespornt. Jerncr werden regelmäßig Hetzprrdigten im ״Hause des Jlrißes" adgehalten, wob«? rmch Soldaten, scheinbar zuin Schutz und zur Bewachung der Bera1Gc1lt»ngkn. in Wirtlichkeit jedoch zioects Gewöhnung an die Mordansichten, herangezogen werden. JudenmastakreS sind von den Mordparteien m der letzten Zeit bereits mehrmals für bestimmte Termine projektiert gewesen. Vor einigen Wochen wurde der Generalgouverneur Ssuchomlinow um die Erlaubnis zu einer patriotischen Straß-nmani sestatio» gebeten, aber von diesem, der in Wirklichkeit die Ordnung zu erhalten bemüht sein soll, verweigert: denn jedes Kind in Kiew weiß, daß eine ״patriotische Maiiisestatioii" nur rin Deckmantel für eine regel rechte Judenmetztlei ist. Ebenso war für den 22. Januar, de» Gedenktag der Petersburger Er׳ eigniste, ein Jndeilmassakre als Antwort aut eine etivaige sreiheitlichc Manifestation geplant. Jetzt ist nun ein neues Datum in Aussicht gestellt: die Tage nach dem Empfang der Spezialdeputationen durch den Kaiser, d. h. nach dem l. März. Jn den Michailowski und den Pokroivstiklöstern soll die Antwort des Zaren abgewartc! werken, und entspre Vnd der etwaigen Parole der Rädelsführer sollen digedungenen und freiwilligen schwarzen Horden üver die freiheitlichen Elemente und über di- Juden herfallen und schreckliche Abschlacktunaen oeran stalten. Tie Regieruiig ist über die Wühlarbeit unterrichtet und Westeuropa wird also willen, wo die Beraiitioorllichkeit zu suchen ist. Dänemark. Kopenhagen. 20. Jebr. Am Beisetzung«- tage unseres geliebten Königs wurd« in der hiesigen, bis aus den letzten Platz gefüllten Svnaaoae Trauer gottesdienst abgebalten. Der Kantor trug sehr ׳'chön da« זסחזד־ד־, der Ebor sang der Bedeutung der Jeier entsprettjend, ergreifende Lieder. Der Rabbiner hielt im Anschluß an Psalm 23, 1—6. eine außer ordentlich herzliche Gedenkrede, die geistvoll und innig rin Bild unseres frommen, dahingeschiedenen Landesoaters zeichnete: dann folgte ein hebräisches Gebet für den jetzigen König Jrederik VIII. Amerika. Die öffrnllichen Schulen und das Judentum in Amerika. מן«•• k Newyork, 15. Jebr. 1906. Aus Ihren jüngsten Rummern ersehe ich. daß die Jrage Simultan- oder konfeffionelle Schule gegenwärtig die Gemüter in Deutschland beschäftigt. Bon unseren Verhältnisten in Amerika tonnen die gesetzestreuen Juden Deutschlands eine nützliche Lehre ziehen. Hierzulayde besteht dj, Simnltanschule. d. h. die konfessionslose öffentliche Schule in voller Kraft Es ist geradezu zum Staatsprinzip erhoben worden, daß alle Kinorr aus den verschiedenen Elrmrnirn und Rassen, aus denen die hrrsige Bevölkerung zusammen gesetzt ist. in derselben öffentlichen Schule erzogen werden sollen, und damit keine religiösen Streing» leiten zum AuSbruche kommen, ist die Religion grundsätzüch aus der Schul« Vrtbanni. Dcr Grund dieser Einrichtung ist das Streben, die verschiedenartigen Kinder zu ameritanischrn Bürgern mit gleicher Er ziehung und gleicher Gesinnung auszubilden, mit einem Wort, zu eincm homogenen Volke zu machen, und wenn wßr daS buntscheckige Bölkrrgrmisch. welcher di« enorme Einwanderung hierberoebracht hat. brtrachten, tönnrn wir diese- Assimilierungsstrebrn recht gut verstehen. Als begeisterte

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