Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 8 (22.2.1906)
- Date
- 1906-02-22
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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/ L £rzie(;ung und Lei; V\ * V h c v-i;. J ZJ Bund und verdand. II. Die geseyestreuen Lehrer im verband waren, wie wir gesehen, vertrauensselig bis zum lledermast, indem sie nicht nur gegen Professor Bloschke nichts einzuwenden hatten sondern auch einen Borstand atzeptierten. der sehr, sehr loeit links stand. Wie! at nun der 'Vorstand dieses graste Vertrauen gerecht fertigt? Lehen wir uns seine Tätigkeit etwas näher an. Er hatte sie kaum begonnen, da verteilte er an d׳.e somtl cken Lehrcrvereine auch an diejenigen, tie dem Verband noch nicht beigetreten waren je orrr Exemvlare der ,Methodik des jüdischen Rel! gionsunterrichtS" von Rabbiner Dr. Maybaum Berlin. Wir wollen es dem Bersasser gerne glauben, wie er uns in der Vorrede versichert, daß er sich aufnchtig bemüh» hat, eine Metbodit zu verfassen, die von dem .freisinnigen', wie von dem ortkodoxen LeK^er benützt weiden kann. Wenn das Werk aber Ansichten und Lehren enthält die dem Geist des 'raditionesten Judentums diametral aegenüberiieben, so ist das eben ein Beiveis dafür, dast wir. d. k. die gesetzestrenen und die neologen Juden, uns in den wichtigsten religiösen?fragen leider nickt mehr zu sammrnflnden können, dast unsere Gegner soweit von dem Boden des überlieferten Judentums abgewicken sind, dast, sie uns und unsere Ansichten über jüdische Religion gar nicht mehr verstehen, Jede.׳ orthodoxe Jude, oer den Mund zu einem Protest össne!, ist in ihren Augen ein Kanatiker und ein Störennied. Einige Proben aus drin Buche mögen dies illustrieren. Das Buch spricht jedem Lehrer die Buecktigung zu, dast er über manche religiöse »Einrichtung, deren Wen ihm ent.oeder aleickgiiltiq erscheint, oder di« nach seiner Erfahrung trotz ihrer derzeitigen offi zikllen Geltung von dem vraktischen Leben säst völlig verschwunden ist. jahraus jahrein nicht redet; wenn er derartiges von dem Lehrstoss von vornherein aus scheidet, »m die Zöglinge nickt ohne Rot »nd allzu sriik ans den Widerlvruch des Lebens aegen die Lehre ausmertsaui zu macken (Seite 18). Da der Glaube au den MesiiaS. auf die Tamm lunq der Israeliten von den vier landen der Erde, an die Auferstehung der Loten aus dem Bewusstsein der ivesteuropäischen Juden geschwunden ist, so haben diese Glaubenslehren aus dem Unterrichte weg zubleiben »Seite .57). Auch der hertömmliche »Baude an die göttliche Vergeltung Lohn und Strafe must sich eine .Umformung" gefallen lassen. In seiner bisherigen?form ist er nur aus der Unterstufe und im biblischen Geschichtsunterricht zulässig (Seite 5,2). Ebenso empfiehlt Maybaum beim Unterricht in d-er biblischen Geschichte auf ber Unterstufe die Wundertaten Gottes und seiner Erkorenen in naiver Weise zu erzählen. .Auf der köderen »nd höchsten Stufe, wo bereits der Verstand vorwaltet. mögen die Wunder für das angesehen werden, was sie in Wahrheit sind, für Mythen und Sagen der altisraelitischen Volkspoesie" (Seite 65). (5s tue ber Wertschätzung der Bibel keinen Abtrag, wenn ihre Mythen und Sagen als solche erkannt werden (Seite 66). (5s sind das, wie wir sehen, die Grundsätze oes Berliner Reformjudentuins; neu daran ist nur der naive Glaube, dast ein solches Lehrbuch auch »ür ortbodore Lehrer aeeianet sei! Zn gleicher Zeit erhielten die Lehrervereine vom Verband auch je vier Exemplare des Lehrbuchs der israelitischen Religion von Rabb. Dr. Goldschmidt Lffenbach .Urbild und Ebenbild". (5s ist ganz im Sinne Maybaums geschrieben, aber um so qefähr licher, da es die Ideen des Reformjudentums unter möglichst harmloser Maske einzuschmuggeln sucht. So sühn es die meisten der Glaubensartikel an, aber es übersetzt sie so. dast ein ganz anderer Sinn dabei herauskommt. Der 11. Glaubensartikel z. B. lautet bei Herrn Dr. Goldschmidt: .Ich glaube mit fester Ueberzeugung, dast Gott, gelobt sei sein Name, Lohn reifen lästt, denen, die nach seinem Willen leben us:v. (Seite 1-1); dem entsprechend heistt :S im 2. Gebot: .Denn ich, der Ewige, bin dein Gott, ein gerechter Gott: durch mich straft sich die Schuld der Väter usw., aber die Tugend belohnt s i ch noch am tausendsten Geschlecht ulw. (Seite 311. Und sckliestlich der 18. Glaubensartikel wird folgen dermaken .umschrieben": .Ick glaube mit fester Ueberzeugung. vast ein??ortleben statifindet nach dem Tode unter Umständen, über die Gott allein verfügt!" Der Verfasser erwähnt nichts von einem Arbeiisverbot an Sabbat und Feier tagen, nichts vom Schofarblasen am Neujahrsfest und dergleichen mehr. Und für solche Werte wurde Propaganda aeinacht! Herr Direktor Adler freilich begreift nicht, warum wir ungehalten sind. Er hat sich dock bercii erklärt, auch die etwa von der orthodoxen Freien Vereinigung zhm überlassenen Werke zu verteilen, Kann man mehr verlangen? Und doch hätte er sich bei nur einiger Ueberlegung sagen inüsien, dast unsere Be schiverden berechtigt sind. Sir richteten sich ja in erster Linie gegen den Geineindebund, als den ״edlen Spender", der durch die Verteilung dieser Bücher die religiöse Gesinnung der Lehrer in ungünstigem Weise leeinflustte. Aber auch Herr Direktor Abler, der damalige Vorsitzende des Borstandes, ist nicht frei von Schuld, von der Schuld der U n I l u g h e i t. Er׳ wnfzte. dast die orthodoxen Lehrer Mihtrauen gegen den G. B. hegten: es war ih!!>. auch bekannt, dast wir dem 2strbandsvorstand ivegrn seiner religiösen Richtung kein Vertrauen entgegenbrachten. Da wäre es seine Pflicht geivescn, den Ausschuss des G. B. darauf au'merksam zu machen, dast es höchst unklug sei. solche Biicker zu verteilen, da der Verbackt so nahe lieg:, dast man für neoloqe Ideen Propaganda mache! wostc. Das wäre ein einfaches Gebot der Klugheit getvesen. Man ivar aber eben nickt klug: nur eta »vrnig vorsichtiger wurde man. Zum Wort in allen wichtigen Arrgeleaenbeiten kamen aber nur Anhänger der Reform und höchsten-: des jusle milieu: Direktor Adler »nd wieder Ndler, Steinhardt und wieder Steinhardt, Keiner und wieder Keiner, Dr. Svanier, Dr. Gnttmann, Marr-Alskeinr und andere zuverlässig ״liberale" Männer. Man geivann oft den Eindruck, als sollte das gesetzestrrue Element, das doch in! Ve'banv stark vertreten war, ganz ausgeschaltet werden. So ist z V. die Vor- und Ausbildung Der jü bischen Lehrer doch sicherlich eine eminent wichtige Frage und wir billigen es durchaus, dast di? Bei dandSleitung sie auf die Tagesordnung des ersten und zweiten Delegiertentagcs setzte, nachdem sie 1899 Verbandsthema getvesen. Wer aber waren di!- Referenten? Marx-Alsheim. Feiner Hamburg und Dr. Spanier-Magdeburg. Das ,.meisterhafte" Referat des letzteren wurde in der bekannten Denkschrift veröffentlicht und es soll in Verbindung mit den von der Lehrerbildungs-Kommission begutachteten Leit sähen die gemeinsamen Forderungen der jüdischen Lehrerschaft im Reich zum Aufdruck bringen. Auf knapp 2>!> Ottavseiten behandelt es die speziell? Aus bildung des jüdischen Lehrers. Bezüglich ber .Kennt nisse in den jüdischen Fächern fordert es ״Verständ nis der Bibel und leichter rabbinischer Terte", d. b. ungefähr so viel, als im Seminar zu Alzev geleistet werden kann. Dabei gesteht Dr. Spanier selbst zu, dast fast alle Ver»ine die ungenügende Vor und Ausbildung in den jüdischen Religionsfäckxerir betonen und eine Vermehrung der .Kenntnisse fordern. Mit anderen Worten: wir akzeptieren zwar noininell diese Forderung, de facto ober setzen wir das Minimum des Erreichbaren fest. Dast in den orlbo boxen Präporandcnschulen ca. 50 Blatt נשרא, also schon schwierige rabbinische Terte gelesen werden, sei hier nebenbei erwähnt. Herr Srminarlehrer Elias Gut Köln versuchte die s e h r g e m ä st i g t e n An schauungen grsetzestreuer Lehrer über die not wendigen Kenntnisse im Hebräischen zum Ausdruck zu bringen, aber er fand keine Gnade vor den Angen der Lehrerbildungs Kommission und er war genötigt, seine Arbeit im ״Israelit" zu veröffentlichen. Als die Kommission es auch ableknte. eine Vermehrung des jüdischen Lehrstoffs die doch, wie erwähnt. fast allseitig verlangt worden war . zur Grundlao-׳ für weitere Verhandlungen zu machen, da trat er ans derselben aus, wofür er von Feiner-Hawburg im Verbandsorgan abgekanzelt wurde. Das war ihm übrigens schon einmal passiert. Er hatte die Iugrndschristen Kommission getadelt, weil sie bas in der Neclam'schen Universalbiblioihek erschrenene Weilchen von Dr. I. Stern, weiland Rabbiner in Buchau am Federsee, ..Lichtstrahlen au-״ dem Talmud", als Lektüre für 18—14 jährige Schüler empfohlen, da der Verfasser in der Vorrede über den Talmud in einer Weile geurteilt, die Herrn Gut höchst anstöstig erschien. Er wurde seinerseits von Herrn Feiner heftig angegriffen. 1. weil er den Weg der Defsentlichkeit betreten, 2. weil er die schonen Stellen aus der Vorrede seinen Lesern vorr % M i >