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Der Israelit · 1906-02-22 · 8 (22.2.1906) · p. Seite 4

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
8 (22.2.1906)
Date
1906-02-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr h. Leite 4. Der JSraelit 4־2־. Februar 1906. nannten Vereine unter Mitwirkung deS gleiche Ziele verfolgenden Berliner rzv ״!:-- Vereins (gegründet 1890) zu einer Zentrale für Stellenvermittlung zu׳ sammengeschloffen. die hier ihren Sitz hat. um in gemeinsamer Arbeit die bisherigen Leistungen — zusammen ca. 800 vermittelte Stellen per Jahr — noch zu erhöhen. Beschrankt sich die Tätigkeit der hier genannten Aereine auf das kaufmännische Gebiet, so verfolgt der vor Jahresfrist ins Dasein getretene ״V e r - band der Sabbatfreunde" (Sitz Berlin, Vorsitzender Dr. Ed. Biberfeld) um so umfassendere Ziele. $ 2 seiner Satzungen lautet: Jweck des Bereu!» ist. für die Heiligdaltung de» Sabbats, im Sinne der überlieferten schriftlichen und mündlichen Lehre, einzutreten Diesen Zweck will er erreichen vornehmlich! to durch Aufklärung über die Bedeutsamkeit de» Sabbatgeseices, h» durch ideelle und wirtscha'iliche Unterstützung solcher Unternehmungen, die der Förderung der Sabbatrude >m Erwerbsleben dienen, o durch zweckmäßige Bekaniviung der die Beobachtung de» Lavvat» schavigeubr» TrndruU״ Der Verband hat bereits eine Anzahl Ortsgruppen ins Leben gerufen, von denen allein dic hiesige mehr als 400 Mitglieder umfaßt. Gr Hai ein eigne» Organ »Der Sabbat", das die Tendenzen deL Verbände» in ausgezeichneter Weise vertritt. Wenn zur Zeit auch noch die Organisationsardeiten seine Kräfte und Mittel nahezu ausschließlich in Anspruch nehmen, so läßt sich dock beute schon erkennen, daß allein die Tatsache seiner Begründung in iveiten Kreisen als eine befreiende Tat begrüßt wurde. Ist doch nunmehr ein Sammelpunkt ge schaffen, von dem aus die Gegenwehr einsehen kann. Die aus allen Teilen Deutschlands eingegangenen Zusiimmungsschreiben haben überdies gezeiat, daß die Zahl der Savvatsreunde eitücklichrlivrije noch weit größer ist. als man nach der von der Sonntagsrüde angerichteten Verheerung annehmen sollte. Im Borstehenden habe ich in kurzen Zügen das zu schildern gesucht, was im gesetzestreuen Lager seitber an praktischer Arbeit geleistet worden ift. Ist es auch ni'.tt diel, so genügt es doch, um Jbr hartes Urteil al:- unberechtigt erscheinen zu lasten. Es leüroe nun von größtem Werte für die Sacke sein, wenn Sie, sehr geehrter Herr, versuchen »vürden, in Jvren!kreisen für unsere Bestrebungen Mit arbetter zu gewinnen. Noch karren unsrer große Aufgaben, ich erwähne nur die geplante Schaffung eines jüdischen Kreditinstitutes; an ihnen können stch alle beteiligen, die mit uns in dem Sabbat da- Grundgesetz sehen. mit dem das Judentum steht und fällt. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Moritz A. L o e b . Vorsitzender des Vereins zur Versickerung gegen Stellenlosigkeit. €rkent1tni$ und Offenbarung. Bon Dr. M. Ascher-NeuchLtel. , Schluß. > Selbst der rücksichtslosest« Evolutionist, Herben Spencer, der Mann, der wie kaum ein zweiter vor ihm. tiefe Einblicke in die Natur getan und den ganzen Umkreis der erfahrbaren Welt zum Gegenstand seiner Betrachtungen gemacht hat. muß in seinem letzten Werke .,Facts and coniinent»” zugeben, daß vor allem Sein noch ein Etwas vorhanden gewesen sein muß, »velches dieses Sein ins Dasein gerufen und zur Entwicklung befähigte. Der Mann, der alle Provinzen von Natur und Geist mit der Dackel des Ingeniums durchleuchtet hat, der jede Gefühlsäußetung als Sentimentalitätsduselei und eines Philosophen unwürdig bezeichnete, muß nach mehr als sechzigjährigem Schassen in seinem Artikel ..ilUiinatrr 6800118«!׳, eingestehen: »Ick habe die Ueberzeuguug, daß der unendliche Raum ohne Aufang und ohne Ursache von jeder existiert haben muß und diese Ueberzeugung hat mir in den letzten Jahren ein Gefühl inneren Ersckauerns hervorgerufen." Was liegt also näher, als daß vor aller Entwicklung ein Etwas getvesen sein muß, die conditio sine qua non, ohne welche jedes Werden geradezu undenkbar wäre. Es ist nun aber ganz klar, daß dies ewig existierende, unwandelbare Etlvas. diese Voraussetzung aller Entwicklung, dies ....-״.i. Spencer ״Raum" nennt, für uns (rein formal genotnmen) Gott heißt, denn ob ich diesem Unendlichen, alles zur Entwicklung Befäbigenden diesen oder jenen Namen beilege, gleich- »vohl: es verbinden sich mit diesem ure!vigen Wesen die Begriffe, die man von dem Schöpfer des Weitaus bat. ״Name ist Schall und Rar!ch" Der Name t.1t nichts zur Sache. Wenn »vir also auf dem Boden der »vifsenschaftliehen Erkenntnis überhaupt mit einem ״Unerkennbaren" rechnen müssen — kann es da zu den wißensckaftlichen ״Un»vahrschcinlichkeiten" oder gar ״Un- Möglichkeiten gehören, daß der allgütige Schöpfer sich seiner Geschöpfe erbarmt und ihnen in seiner Gnade die Wahrheit offenbart. Die gefundenen 'Wahrheiten des einen Jahrzehnts widersprechen oft den Wahrbeiten des anderen Jahrzehnts, ohne daß eine Ent- Wicklung zu konstatieren wäre. Das am Sinai offenbarte Wort ist jedoch unveränderlich »vabr. Auch in dem großen offenen Buche der Natur kann man die Gedanken des Ewigen lesen; aber erst durch die Offenbarung am Sinai treten wir in eine höhere, innigere Beziehung zu unserem Schöpfer. Selbstverständlich muß der Mensch ernstlich beflisten sein. Wistenschaft zu treiben, um auch auf diesem Weae die Wahrheit zu erforschen. Wir dürfen uns nicht dadurch beirren lasten, daß die zu erforschende Wahrheit sich oft in seltsamen Resultaten äußert, daß dieselben Prinzipien oft in einer Epoche angenommen, in einer anderen verworfen, in wieder einer anderen wieder angenommen werden, um in einer nächsten wieder verworfen zu werden. Durch alle Wahngebilde hindurch muß schließlich doch echte Wahrheit sich hervorringen. Die Gegensätze befruchten die Entwicklung, die sehr allmählich, aber sicher sich kundgibt. Die Wahrheit kann an Macht dadurch nur gewinnen, daß sie nich! nur geglaubt, sondern auch gewußt wirb. Am Ende der Zeiten wird es keinen Unter schied meh: geben zwischen Glauben und Wissen, denn dann wird bei allen Menschen der Glaube zum Wissen getoorden sein. Wenn jemand jedoch nur der Wissenschaft huldigt, so geschieht dies auf Gefahr, daß man Zeit seines Lebens dem Irrtum verfällt, in der Meinung, es mit der Wahrheit zu tun zu haben. Deshalb hat uns Gott in seiner Huld durch die Offenbanmg eine Richtschnur gegeben, die uns in unserer vermeintlichen Freiheit nicht etwa beschränkt, sondern gerade z׳.! wahrer Freiheit derhilst. Nor der kann es als einen unangenehmen, lästigen Zwang empfinden, sich nach den »veisen Gesetzen der Offen barung z» richten. Jeder Vernünftige jedoch ist über׳ zeugt, daß die Existenz des jüdischen Volkes nur dieser Offenbarung zu verdanken ist und daß die Befolgung der göttlichen Gebote uns zum Heil; gereicht. Als Leitstern ist uns das untrügliche Wort Gottes gegeben, mit »velchem alle wahre Wissenschaft letzten Endes zusammentrifft. Wenn es heute viele Menschen gibt, die nichts von einer Offenbarung wissen wollen, so ist Haupt Ursache, weil sich jene ״Gebildeten" nicht mit dem Wuiiderbegriff befreunden können. Wir toollen nicht verkennen, daß die erkennende Vernunft nach einem schon durchs Wesen der Erkenntnis geforderten strengen, gesetzmäßigen Zusammenhang des gesamten Seins und Werdens strebt, -für das heutige Vorstellen ist der Wunderbegriff noch dazu erheblich er schwert dutck die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Ausbildung des Begriffs des ״Naturgesetzes" oder des strengen, alles Geschehen in der Welt bedingenden Kausalzusammenhangs. Das Wunder kommt dem modernen Bewußtsein als ein Ereignis vor. das allen Naturgesetzen zuwiderläuft, oder womit Gott durch unmitlelbaies Eingreifen die Ordnung des Weltalls durchbrochen hat. Da indes heute viele Gegner des Wunderbcgriffs gerne tun, als ob jeden falls Philosophie und Naturwissenschaft hierüber längst das letzte Wort gesprochen hätten, so können wir nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß ein bedeutender deutscher Philosoph, nämlich der auch in den Naturwissenschaften gründlich gel-hrie Hermann Lotze, es in seinem ״Mikrokosmus, Ideen zur Naturgeschichte und Geschichte der Menschheit" (Buch kV., Kap. 3) es wohl für möglich gefunden I 2t»»agoqeodau Jrage«. | So reich b.is!übliche 1׳,׳b ■ .׳.:ich in '»!(•menten in b׳f ba» oitbetiirlie Onn'tinbcn 1. *'ei: mit eni i'nuelnen tnv Belänguiig luuitleriiche» vu in,!IuUir ,!eben, eigentliche 1׳ robukli 1׳e M »»stier ' 1יג kann ei ,labe, ׳oweit bas religioie Leben »! Betracht f11,׳u.1».!> 0״ um mit! ü.i! de Ni Wcfci«־;c des Svnagogeu baue» ausüben Datz es »»!er bieien Umuiinben gerade bieftm Gebiete an aller ir.ibitipn, allem Stil, ja an : , 11 cm>>׳!:׳un kuiistleriichen A»»br1׳cksi0r1»e» iuv spezifisch iiiiil’iie ,Uten ielitt. kan» nicht U'tnibcviwlniien, 1111b bas ist!»!!io iO!!!:!!!!ev. als bei! '!!!!!!!»er!!, auch ioen» sie als Juden . bereu '!11b 111 ■a Regel bie tiete E>>a>>u1!g bes!»bliche» •Zeines ebenio iebr abgebi. »sie den nach Bewutzlieui a״b 'ilMi'ea ettiu׳» Juden bie fiiiu'tlerifcbe lertmif. Neuerbiiigs bei.iät sich ein Ingenieur Uri,» Hitler, Berlin, in ber .zewchii'l . C!’t unb West" mit den Busbrncksiiilttein ber iiiiiagegaien '.,Ivrtiiicftiir Er gebt von ber Tais.'.che aus. datz bu meinen moderne» Svnagogen orieniaiisch verkleibete!׳rvtenaliii'.tie siirche» leien, tim bei» zu begegne»,!nacht Viller ,!»!!»■ Borichlage. von bene» wir mit dem iisichtigsten .׳!!,verstanden '׳nb! Der arstiiiekioni'che Mntelpuiiki der Svnagoge n uii b<1 L raundakaubesch. bie Staue bes '*e'eüe-b. >e!!:״ Jrei ׳» ben Raum ׳vrinae ber ..Weienes r:ar,״ vor.!mb in bei! monumeiiiaien Jorme» ber Labe vinge sich bie machtvolle Liebe aus. bie bas Wesen durch bie Jabriauienbe lragt. Dagegen zeigen andere ,vorder »»gen bes Veriasier». baß er bas Jubenlum nicht genugenb kcimi Er wünicht. burch kleine?rensteichen. durch die Meldung von Portalen unb Vorbeien ׳in bei» betressenbe» rat» icheint aUerbinq» ein Druckiebier da» Berstanbins u! erichwereni. bnrch einen schwer »11* maisig auf bem Bobe» l.'stcnben Bau bei, Begrisi der ״Abgeschlossenheit" und b,e . Unersckutterlichkeii der Anschauung" cum usbruck cu bringen. Da» ist untere» Erachten» eine völlige Verkennung jüdischer eUrundibeen. D,e .Freude" wobnt in Israel» Woites dausern. und nur ans heiterem. Iicktburchströmtem Wemül weilt (Lottes Herrlichkeit! Nichts ist »itjübischer, als die beliebte .stirchenbammeriing, die förmlich nach Weihrauch unb Orgelklang verlangt. Ebensewenig bars dem jüdische» Watte» bau», c» dem sich ״alle Völker" sammeln sollen, die einladende Perbindl»i.z mit der Autzenwelt fehlen, liebersehe» hat der Persauer auch da» aruublegenbe 'Verhältnis cwiichen Bima nnb Borbeterpuli. Mutz dieses anspruchslos curückirelen und auch in seiner Architektur e!» Bild demütigen, aus ber Tiefe zur Höhe strebende» Verlangens sein, so soll die Buna die eigenlliche Stätte der Watte»!ebre — den Raum ׳als Pendant c»m Orau»! in der Tai beherrschen und in kräftigen Jorme» das Borge burchbobronbe, Wellen erleuchlende Jeuergesetz verkörpern. D atz ein irgendwie vordringlicher Auibau der Aancel ängstlich vermiede» werben mutz, bebais ebenfalls der Betonung in einer Zeit, die der Prebigi vieiiach eine ihr »ichi zukommende Bedeutung v•: vecleibe» geneigt ist. (Die Eiesamtzahl der Juden au» der Erdet ilkber die Wesinntcahl aller Juden in der Welt sind, wie wir der Jeilschrist für Demographie unb Staiistik der Judou entnehmen, erst feit einigen Jadren sichere Jenstellimge» möglich, feitbem nämlich durch die rufsischo Volkszählung vom Jadre!7''>־־ b>e Zal>I der Jude» im enrop. unb a»ai. Rutzlanb mit 7,21 י'^ •י• Seelen cnverläsi'ig ermittelt wurde Bis babm schwankte» bie Schätcnnge» über die Zavl ber riissiichen Juden autzerorbeiulich. Die »,eiste» Statistiker iinb Weograpben nabmen nur - :1 Millionen Juden in Rutzlanb an. unb so finden wir in den geographischen Lehr blichern. >» de» cionversaiionsleriken u s. w. die Wei'amlzadl der Juden aus de» Erbe meist nur mit fi bi» 7 oder 8 Millionen angegeben, wahrend sie in Wirklichkeit heute mehr als I l Millionen beträgt. In Deutschland wohnen nach der Bolkscählung von i!*"0 in Oesterreich wohnen t>/, Millionen, in Ungani etwa 8.>l 000. in England 240000, in Rumänien 270000, in der eurot'äiichen Türkei looooo, in Frankreich looooo, in Italien :17,000. j» Belgien >7.000, in der Schweiz 12 000 Jude». Nach der Tabelle leben von den gesaniten auf der Erde vorbaubene» II 111)000 Juden 14S4h״/1:1,4° 1:1־ in Amerika. Das schlietzl eine autzerorbenilich bedeutsame Ortsverjchiel'uug des lüoifchen Volkes in sich, wenn man bedenkt, batz noch vor .10 Jadren nur eiwa .10 000 »nb vor 27, Jadren nur 2:K>000 2,7!•n aller Juden ui Amerika wobnten. Hand in Hand diernnt, aber in noch stärkerem ־.'.'!atze ist der procentuale Anteil der Juben, die im Herr schaftsgedieie der cugliichen Sprache leben, geivachfen. Während t׳or 7g! Jahren kaum looooo Inden unter englisch redenden Völlern ledtcn. sind es heute 1800000 10,2% aller Juben. Daneben leben etwa 02'>"""7 ייv\:-;on in einer ilaviiche Sprachen «russisch, polnisch, cccchisch, ruihen.1 sprechenden llmgebiing. 8.10 000 7,׳!°/., in einer ungarisch sprechenben 8411000 — 7,0 °0 ״ deutsch ״ 67,7,(Nil >,st«״ ״ ״ türk. 11. arab. ״ 200 000 — l.!8 ״ ״ ״י französisch 7,7,0 000 — ״ ״ sonst. Sprach .. llmgebiing Hierbei ist allerdings zu bemerken, datz die Jude» im Herrschaftsgebiete brr russischen, polnischen unb englischen Sprache zum qrotzen Teil nicht diese Sprache, son der» bas ״Jüdische" «Jüdisch Dcuischci unb die Juben im Herrschaftsgebiet de» Türkischen bas Spauiolische als Um gangssprach: gebrauchen. In 'Asien zählt man ichäyungsweise etwa 470 000. in Afrika :1:10 >'00 Juden: in Australien wobnen etwa 17 000 Juben. Bonden 100 000 franz Juden kommen 0" bis 70 Dausenb auf Paris. Es sei noch bemerkt, datz eS in Europa drei Staaten gtebt. welche trotz zahlreicher jüdischer Bevölkerung keine Bolkszählung mit konfesiioneller Unter schcidung haben, nämlich England, Frankreich und die Türkei.

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